Schicksalhaftes Drama mit (beinahe) Happy-End

Mir scheint, ich muss mal was gegen das allgemeine Blog-Sommerloch unternehmen. Eine gute Gelegenheit von meinem „Abenteuer Jersey-Oberteil“ zu berichten. Die Entstehungsgeschichte würde einem Rosamunde Pilcher-Film alle Ehre machen, war aber leider länger als die hierfür vorgeschriebenen 90 Minuten. Es ging eigentlich ganz harmonisch los, dann schien schon alles verloren, einige unvorhersehbare schwere Schicksalsschläge und dann am Ende doch alles nochmal versöhnlich ausgegangen.

Ich hege seit langem ein tiefes Misstrauen gegenüber Jersey und sonstigen Elastikstoffen. Schnitte, die elastische Stoffe erfordern, fasse ich normalerweise aus Prinzip nicht an. Ich fürchte, dass weder ich, noch meine Nähmaschine in der Lage sind, einen elastischen Stoff ordentlich zu verarbeiten. Außerdem ist das abmessen wegen dem doofen zusammenziehen auch schwierig. Aber dann hat Anna von noodlehead mit den „Sewing with knits Mondays“ angefangen. Und ich hatte sowieso nach den vielen Kissen total Lust, was zum anziehen zu nähen. Und außerdem hab ich da so’n Kleid, dass ich mir so gern nochmal nähen würde und das muss auch aus Strickstoff sein. Da hat mich dieses Top in Versuchung geführt, die kategorische Jersey-Ablehnung mal kurz zu vergessen. Ein 1Dollar-1Hour-Project, wie schwer kann das schon sein… (merkt ihr schon wie diese Atmosphäre von falscher Sicherheit entsteht, als würde sich was zusammenbrauen?).

Ich hatte da diesen fliederfarbenen Pünktchenstoff auf dem Tisch liegen, der war im Angebot gewesen und schien mir daher für ein unverbindliches kleines Versuchsprojekt prädestiniert.

Also los… schnell ein T-Shirt rausgekramt und wie im Tutorial einen Schnitt gebastelt. (Die Charaktere steuern vollkommen ahnungslos auf das unvermeidliche Drama zu) Den Schnitt auf den Stoff gelegt und da… die erste dramatische Wendung: Weil ich den Stoff eigentlich für einen Schal gekauft hatte, war es nur ein halber Meter. Und das war, wie man sieht, ca. eine Hand breit zu kurz…

Nun hab ich ja auf Grund der nur 1,10m breiten afrikanischen Stoffe schon Erfahrung im Umgang mit Stoffknappheit. Ich habe mir also überlegt, dass das Shirt bestimmt ohnehin viel besser aussieht, wenn es unten einen Bund hat und habe aus dem Reststück, neben der Ärmel- und Ausschnittstreifen auch noch einen doppelt liegenden Bund zugeschnitten.

Und dann gings los mit nähen. Streifen an den Kragen annähen easy. Streifen umbügeln, is ja schnell gemacht. Denkste. Dieser blöde schmale Jerseystreifen wollte sich einfach dauernd verrollen und partout überhaupt keine schöne Kante machen. Ich grummelte vor mich hin und fand mich in all meiner Jersey-Abneigung bestätigt. Trotzdem hab ich gewonnen und das blöde Ding angezickzackt. Ha! Dann die Seiten geschlossen, den Bund unten angenäht und nur noch gefühlt 3 Stunden fürs umbügeln der Ärmelbündchen gebraucht – fertig. Zwar hab ich’s nicht in einer Stunde geschafft, aber jetzt war ich eh schon zu lang auf, da sind auch 2,5 Stunden drin…

Nur sah das ganze fertige Oberteil dann, weder an mir, noch am Bügel, wirklich ansprechend, geschweige denn im entferntesten so wie auf Annas Fotos, aus. Das einzige was mir gefiel war mein angenähtes Bündchen. Das saß auch gut. Aber der Ausschnitt war viel zu hoch, die Armlöcher etwas klein. Hm, ja ich weiß, ich hätte vielleicht den zusätzlichen Streifen einplanen und keine Nahtzugabe draufschlagen sollen, nachher ist man immer schlauer. Außerdem zog sich der Ausschnitt vorne wie hinten schief zurecht. Und das gezickzackte Bündchen sah sowieso total doof und unsauber aus. Männo.

   

Da musste ich mich erstmal geschlagen geben und schlafen gehen.  Gestern hab ich dann die ganzen blöden Saumstreifen wieder abgetrennt, den Ausschnitt und die Arme größer gemacht und … hatte dann keinen Stoff mehr für neue Streifen. Halber Meter= Schal= kein Oberteil. Mensch… (Alles wirkt aussichtslos, doch dann, wie aus dem Nichts taucht ein neuer, unbekannter, lange verschollener Verwandter/Bekannter/Geliebter auf…)

Zum Glück hatte meine Jersey-Euphorie (ich naives Ding) mich dazu bewegt, mir schonmal dunkellila Stoff für das geplante Kleid zu kaufen. Und zwar genug… So dass ich dort einen Streifen erübrigen konnte. Also habe ich dann schließlich die deutlich vergrößerten Armausschnitte mit jeweils der Hälfte des ehemaligen Kragenstreifens versäumt, und zwar als stinknormale Saumstreifen, ohne umbügeln, Zickzack und Murks. Und den Kragen mit einem dunkellila Streifen, der dankenswerterweise zudem etwas dicker, weniger elastisch und damit auch weniger rollanfällig war. Weil ich nun einmal so innovativ zugange war, und es mir ziemlich gegen den Strich ging, dass die Nahtzugaben auch nach ordentlichem Einkürzen immernoch unordentlich und krumpelig aussahen, hab ich zudem auch noch äußerst vorbildlich und eigenmächtig alle Nahtzugaben Zickzack-versäubert. Jetzt hat mein Oberteil zwar bis auf die Rückenpartie nichts mehr mit dem Tutorial gemein, gefällt mir aber ganz gut. Es könnte für meine Begriffe noch eine Handbreit länger sein, aber das gab der Stoff nun wirklich nicht her und passen tut es auch so. (Erleichterung pur, gerade nochmal vor den Nachrichten zum glücklichen Abschluss gekommen.)

Ich bin stolz wie Oskar auf meine ordentlichen Nahtzugaben, denn da bin ich manchmal bei Sachen für mich selbst etwas schludrig. Erstaunlicherweise hat meine Nähmaschine an dem elastischen Stoff rein gar nichts auszusetzen gehabt (naja, außer als ich wollte, dass sie zwei verschiedene Stoffe verbindet, aber das ist nun auch WIRKLICH viel verlangt) und ich bin daher nun verhalten optimistisch, was das Jersey-Kleid anbelangt…

                          

Achja, das ominöse Holzplattenprojekt befindet sich nun in Phase 2: Zwei eckige Löcher und lila Lack – heute abend gehts damit weiter.

3 Gedanken zu “Schicksalhaftes Drama mit (beinahe) Happy-End

  1. fraubrause schreibt:

    Zum Glück sieht man dem schicken lila Oberteil nicht an wieviel Arbeit drin steckt. Bevor das erste Bild zu sehen war dachte ich an einen vollkommen schiefen, eventuell trapezförmigen Stoffknödel und dann tadaaaa total schick! Ich finds toll! (werde aber erstmal lange noch Abstand von Jersey halten ;o)

  2. Frl. Vintage schreibt:

    Ach da bin ich ja froh, dass ich mit meiner Abneigung gegen diese Stöffchen nicht allein bin! Aber für den Schal sind die echt Klasse! Ich find dein Teil aber echt schön gelungen.

    LG Jen

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.