Genf: Altstadt und Preisniveau

Nach meinem Vortrag und dem Mittagessen war am Freitag dann aber mal gut mit Konferenz. Denn in Genf war gefühlt 200 Grad und die Altstadt wollte besichtigt werden. Man muss sagen, die Stadt ist miniklein. Man kann schnell von a nach b laufen und eigentlich jede Ecke der Stadt mit einer viertelstündigen Busfahrt erreichen. Unsere Entdeckung der Altstadt begannen wir in der Maison Tavel, einem alten Handelshaus aus dem 13. Jahrhundert. Das Haus wurde in den 90er Jahren von der Stadt Genf aufwändig restauriert. Ich habe kaum je ein so altes Haus in so wunderbaren Zustand gesehen.

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Innen enthält das Haus eine Ausstellung zur Alltagsgeschichte der Genfer Region. Die Wohnung der Händlerfamilie wurde mit zusammengetragenen Möbeln aus der Epoche eingerichtet und sogar die Tapeten nach alten Druckplatten aus dem 16. Jahrhundert von Hand hergestellt.

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Die Familie, der das Haus ursprünglich gehörte war in der Stoffproduktion tätig. Die sogenannten Indienneries waren eines der Hauptexportprodukte der Region. In einem der Zimmer der Wohnung finden sich Stoffproben dieser wunderschönen Druckstoffe aus feiner Baumwolle.

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Die unteren Etagen des Hauses dienten als Lager und Geschäftsräume. Hier findet sich zum Beispiel die Ausstattung eines Geldwechslers:
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Zusammen mit anderen Ausstellungsstücken aus dem regen Handelsleben der Stadt. Die Besichtigung des Hauses kostet nichts und lohnt sich sehr.

Danach ging es für uns weiter durch die engen Altstadt-Gassen bis zur Place Bourg-du-Four , einem der hübschesten Plätze mit vielen Cafes, die ihre Terrassen sehr innovativ in die waagerechte bringen: image

Hier haben wir eine Orangina getrunken, fürs Frankreich-Feeling, ein Eis zu 3,50 pro Kugel hätten wir uns aber auch nicht leisten wollen…
Danach ginge weiter zur Kathedrale. Daneben noch dieses interessante Haus entdeckt:
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Die Kathedrale ist sehr klein. Interessant fand ich den Gegensatz zwischen dem Hauptteil, der seit der Reformation protestantische ist und einer Kapelle, die weil Sie als Lager genutzt wurde, noch das ursprüngliche katholische Delors enthält:
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Danach waren wir dann müde vom laufen und haben uns im englischen Garten ausgeruht. In einer anderen Stadt hätten wir vielleicht einen Wein getrunken oder etwas gegessen, aber die Lust hierauf verging uns angesichts der Preise schnell. Das Preisniveau verschlägt einem wirklich die Sprache, noch verstärkt durch den recht schlechten Wechselkurs. Trotzdem ist Genf eine schöne, sehenswerten Stadt.

Aus dem Lazarett

Ich erwähnte ja bereits, dass es eine dumme Idee ist, bereits angeschlagen zu einer Konferenz aufzubrechen. Erst recht, wenn es die erste von zweien ist. Ja, ist es.

Denn kaum aus Genf zurück, liege ich darnieder. Anstatt gleich in ein Flugzeug nach Sevilla zu steigen und der Mittelmeersonne entgegenzufliegen, liege ich im heimischen Bett und verbrauche den bundesdeutschen Taschentücherverbrauch min. einer Woche an einem einzigen Tag. Die Klimaanlagen der Lufthansa oder ein anderer gemeiner Wicht haben mir fiese Bazillen beschert und die feiern nun in meinem Kopf eine dicke Party. Ich kann mich nicht länger als 5 Minuten auf einfachste Dinge wie Blogs lesen konzentrieren, geschweige denn irgendwas sinnvolles tun. Mein Kopf fühlt sich an als würde jemand beständig auf ihn drauf hauen, da nützt auch die Watte nix, in die er rundrum dick eingepackt scheint. Und meine Stimme ist auch weg und hat nur ein schwächliches Reibeisen zurückgelassen (*wink* zu Frau Kirsche). So vegetiere ich nun hier herum. Und ärgere mich ganz schrecklich, über die verpasste Konferenz, die Nicht-Erreichbarkeit der Rücktrittsversicherung und die Unverschämtheit von lturfly.

Sollte ich irgendwann in Zukunft wieder in der Lage sein, mich länger als 2 Minuten am Stück zu konzentrieren, hab ich noch die zweite Hälfte des Genf-Berichts in petto. Und ein Resümee zum Zuckerverzicht. Jetzt muss ich aber erstmal Taschentuch-Nachschub besorgen.