Das zuckerfrei-Resümee

Ich bin immernoch zu Hause, meine Bakterien geruhen noch etwas zu bleiben. Ich hoffe aber, ich krieg sie jetzt mal bald in den Griff! Und so lang es hier also wenig vorwärtsgewandt produktives zu sehen gibt, ein Rückblick.

Gestern waren 6 Wochen ohne Zucker und Weißmehl um. Wobei ich die letzte Woche nicht wirklich zählen würde, ich habe zwar keinen Zucker, wohl aber Honig gegessen und auch sonst insg. sehr wenig. Aber erstmal: Wie lief’s mit dem Zuckerverzicht?

Natürlich waren die ersten Tage am schwersten. Am Anfang muss man sich daran gewöhnen, dass man immer was für den kleinen Hunger dabei hat und es gibt auch immer ein wenig Entzug und Zucker-Jieper. So ab einer Woche wird es prinzipiell erträglich. Aber einige generelle Schwierigkeiten ergeben sich: 1. Es ist unmöglich auswärts zu frühstücken. Wenn man es nicht geschafft hat, zu Hause zu frühstücken, muss man von Obst leben, bis zum Mittagessen. 2.In der Uni Mittagessen ist auch sehr schwierig. Ich habe praktisch die letzten Wochen nur Salat und Kartoffeln zum Mittagessen gegessen. 3. Es ist unmöglich „mal schnell was zu snacken“. Es gibt kein zucker- und weißmehlfreies Fast Food. 4. Es ist unmöglich das ganze im Ausland aufrecht zu erhalten. Bei meiner Konferenz-Reise nach Genf war es einfach unmöglich das ganze durchzuziehen. In Deutschland kann man zumeist immernoch die Kartoffelbeilage und den Salat essen. Das fällt im südlichen Ausland flach. Vor allem wenn man auch noch das Fleisch nicht isst, bleibt nicht mehr viel vom Essen übrig…

Ich kann also konstatieren: ICH kann es zwar durchhalten mal 6 Wochen auf Zucker und Weißmehl zu verzichten. Ich fühlte mich auch deutlich besser und habe sogar etwas abgenommen. Aber die Umstände müssen stimmen. D.h. man muss eigentlich alle Mahlzeiten selbst zubereiten und immer was zu essen dabei haben. Wer also darauf angewiesen ist, in der Kantine oder im Restaurant zu essen, für den wird es schwer. Andererseits lernt man viel über sich und sein Essverhalten. Nach 1-2 Wochen ohne Zucker hat man ein deutlich ausgeprägteres Süß-Empfinden. Ich hatte auch das Bedürfnis mehr Wasser zu trinken. Und man hat viel weniger „Hungerlöcher“ zwischen den Mahlzeiten und kann gut 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten einhalten. Allerdings machen schon kleine Inkonsequenzen das ganze wieder zunichte. Nach ein oder zwei Ausrutscher-Tagen ist die Lust auf Schoki nach dem Essen und einen Kuchen am Nachmittag sofort wieder da.

Ein paar Tipps für jeden der es mal versuchen will: Man sollte immer ein paar Nüsse, Studentenfutter oder sowas dabei haben, falls ein kleiner Hunger kommt. Ein großes Frühstück mit Obst und Vollkornbrot ist sehr zu empfehlen, denn oft kann man über den Tag nur Salat essen. Wenn man weiß, dass man auswärts essen wird, ist es gut, ein Lokal zu wählen, wo man z.B. Suppen oder Salat mit Kartoffelgratin oder ähnliches bekommen kann. Italiener und Asiaten kommen gar nicht in Frage. Bei Vapiano gibt es Vollkornnudeln!

Ich habe mich auch ein wenig mit Süßmitteln auseinandergesetzt. Ich erlaube mir seit jeher kleine Mengen Agavendicksaft zum süßen. Allerdings habe ich jetzt gelesen, dass Agavendicksaft aus ethischer Sicht nicht vertretbar ist, weil er auf Grund großer Nachfrage unter sehr schlechten und naturschädlichen Produktionsbedingungen hergestellt wird. Ich denke, ich würde dann am ehesten Honig als Alternative wählen. Ich habe den üblichen Süßstoffen gegenüber grundsätzliche gesundheitliche Vorbehalte und versuche ja auch mir den „Süßhunger“ abzutrainieren, was nicht geht wenn man alles so süß macht wie sonst auch, nur mit Süßstoff. Nun wird ja vielfach Stevia als Alternative genannt. Meine Experimente mit Stevia waren aber nicht sehr erfolgreich. Zum einen finde ich Stevia sehr schwierig zu dosieren. Und dann haben selbst die „geschmacksneutralen“ Stevia-Präparate immernoch einen deutlich metallischen Eigengeschmack, der offenbar vom Mensch wahrgenommen wird, wenn etwas süß ist, aber keine Kohlehydrate enthält, also der Geschmack der Abwesenheit von Zucker. Dann süße ich lieber nur ganz wenig, mit Honig, als stark mit Stevia…

Bei der Marmelade war ich nach dem ersten Versuch noch nicht zufrieden. Für den zweiten Versuch habe ich die Süßungsmenge noch einmal reduziert. Ich habe nun also auf 500g Beeren nur 50g Agavendicksaft und das äquivalent zu 50g Zucker in Stevia verwendet. Wiederum mit Bio Konfitura Vegan als Geliermittel und Zitronensaft. Die Marmelade schmeckt mir nun gut. Zwar schmeckt man immernoch eine leichte Stevia-Note im Nachgeschmack, aber das geht. Für Marmelade würde ich grundsätzlich empfehlen, eher Früchte mit einem starken Eigengeschmack und auch eher süßere zu nehmen, dann geht es auch mit süßen im Verhältnis 1:5, z.B. Himbeer-Erdbeer-Pfirsich geht gut mit wenig Zucker, während Johannisbeer eher schwierig sein dürfte.

Genauso ist es übrigens bei einer Schokolade, die ich mir aus der Schweiz mitgebracht habe. Sie enthält 70% Kakao und Stevia als Süßungsmittel. Beim Essen schmeckt sie sehr normal, nur im Nachgeschmack schmeckt man dann das Stevia. Unser Stammcafé an der Uni hat zum Glück zuckerfreien Chai-Latte (das ist der mit dem Orca bei den Tier-Dosen) im Angebot und der schmeckt super und gar nicht nach Süßstoff.
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Und  falls ich bis Sonntag wieder fit genug zum backen bin, gibt es ein Rezept für zuckerfreie Muffins als Sonntagssüß.
Edit: Ich steige übrigens jetzt ein wenig wieder ins normale Essen ein. Das heißt konkret ich erlaube mir weiße Nudeln und auswärts auch mal Pizza o.ä. Ich möchte weiterhin versuchen mittags unter der Woche konsequent zu sein, denn in der Mensa ist in allem so viel Zucker versteckt… Und süßes soll eine Ausnahme bleiben. Nichts für jeden Tag. Sondern nur, wenn ich mich auch bewusst dran.freuen kann. Da ich nun gezwungenermaßen ein Antibiotikum nehmen muss, werde ich danach ohnehin noch einige Wochen ballaststoffreich und zuckerarm leben müssen.

2 Gedanken zu “Das zuckerfrei-Resümee

  1. 101dingein1001tagen schreibt:

    Danke für den Rückblick!
    Wirst du die Zuckerfreiheit auf unbestimmte Zeit durchziehen?
    Weiter gute Besserung!
    Ms. 101things

  2. mrs.columbo schreibt:

    sehr interessant, dein resummee! ich hab sowas ähnliches ja auch schon mal durchgezogen. kein weißer zucker (allerdings honig in maßen) und kein weißmehl. ich hab allerdings den großen vorteil, dass ich in der mittagspause nach hause gehen kann und selbst koche.
    hab jetzt nicht mehr genau im kopf: verzichtest du auch auf weißen reis? hast du stattdessen schon mal quinoa probiert? ich mag ihn sehr gerne, weil er schnell gekocht ist und zu jeder mahlzeit passt. auch kalt schmeckt er sehr gut (im gegensatz zu erdäpfel) und ist daher auch ideal zum mitnehmen.
    liebe grüße und durchhalten! die fiesen bakterien müssen besiegt werden!
    susi

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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