Ungesundes im Alltag

Bevor es hier endlich wieder genähtes, gekochtes und hochzeitliches zu sehen gibt, erstmal was zu nachdenken. Ich hatte in den letzten zwei Wochen ja gezwungenermaßen sehr viel Zeit, mich mittels Dokus auf Spartenkanälen zu bilden. Ich bin dieser Möglichkeit mit großer Begeisterung nachgekommen und so am vergangenen Samstag unter anderem über zwei Dokus über Schadstoffe gestolpert, die, leider als Wiederholung und deshalb nicht online, auf arte liefen. Beide beschäftigten sich mit Giftstoffen im Alltag, die erste explizit mit Schadstoffbelastung in Kleidung, die zweite mit der Auswirkung von Schadstoffen auf Recycling-(Un-)Möglichkeiten. Für mich sehr bedrückend. Ich möchte hier kurz das Wesentliche und meine Gedanken dazu zusammenfassen.

Es gibt in Deutschland bisher kaum Grenzwerte für Schadstoffbelastung in Kleidung. Es gibt natürlich Arbeitsschutzgrenzwerte, aber unsere Kleidung wird ja nicht in Deutschland produziert. Dies führt dazu, dass die meiste Kleidung, so die Dokus, im Gründe Sondermüll ist. Durch Schadstoffe in Kleidung werden jährlich viele Textilverkäuferinnen krank, nicht zu reden von den Menschen die die Kleidung unter schlimmsten Bedingungen herstellen. Dies gilt für große Ketten genauso wie für exclusive Design-Labels. Am schlimmsten sind Jeans, Sie werden mit sehr giftiger Farbe gefärbt, die außerdem an die Haut abgegeben wird, Sie werden stark imprägniert und zusätzlich auch noch mit der oft tödlichen Sandstrahlmethode gebleicht. Aber ganz allgemein gilt, je dunkler und je kräftiger die Farbe, desto giftiger. Am schlimmsten ist schwarz, welches bislang gar nicht schadstofffrei produziert werden kann. Die neue Bio-Ware vieler Ketten ist da eher ein Etikettenschwindel, Sie ist zwar aus Bio-Baumwolle aber mit normalen Farben gefärbt. Echte Biotextilien machen weniger als 1% des deutschen Textil-Umsatzes aus. Sie sind -bisher- nicht massenproduktionstauglich. Dass es doch geht, zeigt Trigema mit dem kompostierbaren Shirt. Allerdings natürlich zu einem ganz anderen Preis, das ist nicht mit der schnelllebigen Mode vereinbar.
Die zweite Doku zeigte das Konzept der Kreislaufwirtschaft, das ich schon in anderen Kontexten kennengelernt hatte. Alle Produkte werden entweder dem biologischen oder dem technischen Kreislauf zugeordnet. Das heißt entweder Sie sind kompostierbar oder in ihren Komponenten recyclebar. Indem man biologische und technische Komponenten nicht mischt, gewährleistet man die 100%igel Wiederverwertung. Alle Verfahren, die aufwändige chemische Prozesse zur Aufbereitung erfordern, wie Plastikrecycling und Altpapieraufbereitung sind dabei natürlich schlecht, weil Sie wieder eine Belastung herbeiführen. Hier habe ich gelernt, dass erstaunliche Dinge aus Mais hergestellt werden. Z.B. Folien, Plastikgeschirr, … Aber die Mehrzahl der Produktionsprozesse geht eben verschwenderisch mit Ressourcen um und hinterlässt am Ende Sondermüll.

Für mich bleibt die Frage: Was kann ich tun? Selbst nähen löst das Giftproblem nicht, denn der Anteil der Biostoffe liegt in ähnlicher Größenordnung wie bei den Kleidungsstücken. Nicht das ungesunde Wasser aus Plastikflaschen sondern das gesündere aus der Leitung. Klar. Dinge reparieren und verwerten anstatt neu kaufen. Klar. Aber sonst? Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Was denkt ihr? Was kann man tun?

Ein Gedanke zu “Ungesundes im Alltag

  1. mrs.columbo schreibt:

    wow, viele fragen und so wenig befriedigende antworten drauf! aber: „was kann ich schon bewirken?“ ist auch keine lösung – also dann?
    das jeans-thema liegt mir auch schon lange im magen, spätestens seit ich bemerkt habe, wie sehr die farbe auf die haut abfärbt (das sieht man z.b. an der klobrille). dass biostoffe keine alternative sind, habe ich nicht gewusst, macht alles noch schwieriger. trotzdem denke ich, dass billigware vermeiden die einzige möglichkeit ist, zumindest die arbeitsbedingungen sind (so hoffe ich) doch wenigstens etwas besser.
    das zweite thema stimmt mich noch nachdenklicher. wenn nicht mal unser bemühen, rohstoffe wiederzuverwerten, sinnvoll ist, was bleibt uns dann? konsumverzicht? ich versuche dieses jahr bewusst, meine shopping-gelüste im zaum zu halten, aber ob es auch nur ein problem löst? müllvermeidung ist tatsächlich für den einzelnen ein schwieriges unterfangen. ist es doch zum beispiel nicht erlaubt, in geschäften die lebensmittel (z.b. wurst und käse) in mitgebrachte behälter einpacken zu lassen. ich möchte das das nächste mal im bioladen probieren, bin neugierig, ob es dort möglich ist.
    was mache ich sonst noch? einkaufstaschen mitnehmen, um plastiksackerl zu vermeiden, und in geschäften (auch mode, accessoires, elektrogeräte) sackerl dankend ablehnen. wasser trinken, ja. aber mein sojamilchkonsum produziert unmengen an tetrapakmüll – ohne alternative. mein drucker will nicht mehr, aber ich kann ihn nicht reparieren und reparieren lassen kostet wahrscheinlich mehr als ein neues gerät. zur zeit leben wir mit patzern auf unseren ausdrucken. ebenso wie ms.101things habe auch ich noch einen röhrenfernseher (und einen videorecorder!) – ich weigere mich wegzuwerfen, was noch funktioniert.
    tja, mehr fällt mir dazu auch nicht ein, werde aber aufmerksam verfolgen, was andere zu deinem post hier kommentieren, denn das interesse und das bemühen wäre ja da.
    liebe grüße!
    susi
    p.s. mir fällt gerade noch ein, dass meine schwester in ihrem holland-urlaub erfahren hat, dass die tulpenzwiebeln dort als sondermüll behandelt werden müssen, so verseucht sind sie mit pestiziden 😦

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