Hochzeits-DIY-Parade V

Und jetzt endlich: Gesamtoutfit! Die Fotos zu Frisur und Kleid sind größtenteils aus unserer Fotosession, die wir nach der Hochzeit ohne Stress an einem anderen Tag gemacht haben. Weil wir total auf langsam vor sich hin modernde Industrie-Ruinen stehen, die Stück für Stück von der Natur zurück erobert werden,  haben wir uns für unsere „offiziellen“ Fotos als Kulisse Zeche Zollverein ausgesucht. Zu unserem großen Glück konnten wir die liebe Rebecca als Fotografin gewinnen, die unsere Vorstellungen zu stylishen Hochzeitsfotos und verfallender Industriearchitektur teilt und gern mit uns einen ganzen Tag über Stock, Stein und Schiene gekrakselt ist, nicht vor Kontakt mit dem Boden und Spinnen zurückgescheut ist und eine ganze Reihe fantastischer unkonventioneller Fotos von uns gemacht hat. Wir hatten Spaß, alle haben uns voll freundlich gratuliert und wir sind sogar gefragt worden, ob wir da Werbefotos für Zeche Zollverein machen. Einer Zweitkarriere als Hochzeits-Models steht also nichts mehr im Wege. Nach der Session auf Zeche Zollverein hatte das Kleid zwar etwas gelitten, aber ich brauch es ja auch nicht nochmal und das Ergebnis ist es allemal wert! Wer auch so tolle Fotos will – ich stelle gern einen Kontakt zur Fotografin her!

Und nun lehnen Sie sich zurück und genießen Sie den Anblick eines schönen Brautkleids ohne Schnickschnack, eines selbstgenähten Boleros und fantastischer wenn auch Mörder-hoher Schuhe.

Das Kleid ist eigentlich ein Abendkleid, dass ich in diesem entzückend unprätentiösen Brautmodengeschäft (mit ziemlich original Pott-Verkäuferinnen und erfrischend ehrlicher Beratung sowie einer hervorragenden Schneiderin) auch in weiß bestellen konnte. Es war zwar in weiß teurer als in bunt, aber immernoch sehr sehr bezahlbar und vor allem tragbar. Das Kleid besteht aus Taft und hat nur einen Unterrock und im Oberteil noch eine weitere Fütterung, Stäbchen und Cups. Schuhe von Kleiderkreisel, Bolero hier schon besprochen.

Das Farbkonzept weiß-rot hab ich stringent durchgezogen, so war Herr Siebenhundertsachen zur roten Krawatte verpflichtet. Aber er kann sie tragen und sah auch ganz schick aus! Der Anzug ist übrigens von Boss und aus einem Stoff der aussieht wie Leinen aber keins ist (=nicht knittert).

Übrigens sind ein Teil der Fotos wirklich und absichtlich kopflos, andere musste ich abschneiden. Sorry hierfür, aber die Abwägung Privatsphäre-Style hat leider in Richtung Privatsphäre ausgeschlagen.

Die Klamotten wurden nicht geschont, wie man sehen kann.

Ich plane übrigens das Kleid zu färben und zu kürzen, selbst versteht sich. Vorher muss ich erstmal einige Nähte reparieren, die das Shooting nicht überlebt haben. Und dann gibt’s Spaß mit iDye Poly…

Bildrechte: Rebecca Weber, Kontakt auf Anfrage

Hochzeits-DIY-Parade IV

Nachdem das drumrum nun schon gezeigt wurde, nähern wir uns langsam dem Outfit. Schmuck, Frisur und Make-up habe ich (teilweise) selbst gemacht. Gerade Frisur und Make-up sind ein deutlicher Stressfaktor, wenn man sie machen lässt. Ich hätte schon keine Lust am Hochzeitstag den ganzen Morgen unterwegs zu sein. Ich würde mich aber vermutlich auch nicht wie ich selbst fühlen. Ich gebe aber zu, dass eine gewisse Begabung dazu gehört – bzw. in meinem Fall lockige Haare, die das hochstecken einfach enorm erleichtern.

Den Schmuck hatte ich ja schonmal ansatzweise gezeigt. Ich habe eine vierreihige Kette aus echten Süßwasserperlen und roten Swaroskis sowie Bergkristallsplittern gemacht. Alle Perlen sind mit Sekundenkleber am Perlonfaden festgeklebt. Die Ketten sind verschlungen und versetzt angeordnet und am Verschluss verbunden. Beim auffädeln war ich relativ wahllos, meiner Erfahrung nach werden die Ergebnisse schöner als wenn man eine Reihenfolge/Symmetrie einhält.
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Dazu hatte ich silberne Ohrstecker, die ich bei dawanda gekauft habe und ein Armband und einen Perlenring, die ich von meiner Mutter geliehen habe (sie stammen von einer meiner Uromas -> something borrowed und something old). Für die „offiziellen“ Fotos habe ich das Armband über dem Bolero-Ärmel getragen, am Hochzeitstag war ich eh die meiste Zeit ohne Bolero unterwegs, es war viel zu heiß, da war das Armband auch kleidsam auf nackter Haut.

Die Haare habe ich zunächst lockig geföhnt und dann zu einem tiefen Seitendutt gesteckt, recht locker. Ich bin leider gänzlich unbegabt im Verfassen von Frisur-Tutorials, aber man wird da auf Pinterest fündig.

Die Haarnadeln habe ich gemacht indem ich einfach eine Perle mit Perlonfaden an die Spitze der Haarnadel geknotet habe. Auch die meisten gekauften Nadeln sind ähnlich gemacht, Kosten aber meist über 1 Euro.
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Die Rose habe ich ebenfalls an einer Haarnadel befestigt. Dazu habe ich die Nadel zunächst so durch die unterste Lage Blätter gepiekst , dass sie den Stielansatz umfasst und dann mit reichlich Kleber fixiert. Alles hat hervorragend gehalten.

Diese Woche gekocht : Unscharfe Nudeln mit Mangold

Auch wenn das Bild (flott mit dem Tablet gemacht) wenig präsentabel ist, das Essen ist es. Nudeln mit Mangold-Sahne-Kirschtomatensoße. Sehr flotti.

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Für 2:
1 kleine Zwiebel
100g Mangold
1 Hand voll Kirschtomaten
1 Zehe Knoblauch
1/2 Becher Sahne
Parmesan

Nudeln aufsetzen. Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. Den Mangold waschen und in Streifen schneiden.
In einer Pfanne in wenig Öl Zwiebel und Knoblauch anschwitzen. Mangold, Sahne, 1 Glas Wasser, Salz und Pfeffer und die halbierten Tomaten zugeben, ca. 5 Min köcheln lassen. Nudeln dazu, Parmesan drüber, fertig!

Hochzeits-DIY-Parade III

Ich danke euch herzlich für eure Komplimente zu Tischdeko und Strauß. Ich hatte eigentlich ja gar nicht vor, die Sträuße selbst zu machen, ich fürchtete selbst, dass das vielleicht etwas viel Druck sei. Aber letztlich war es doch die richtige Entscheidung. Es hat mir Spaß gemacht, mal wieder mit Blumen zu arbeiten. Das leiste ich mir so im Alltag einfach nicht und die paar Anlässe wo ich einen Strauß zum verschenken mache, kann ich wirklich an einer Hand abzählen. Eigentlich schade, denn wenn man sich erstmal eingefunden hat, ist Floristik ein sehr spannendes DIY-Feld. Heute geht’s aber um Papierbasteln, ein Feld dass zugegebermaßen wirklich nicht zu meinen Favourites gehört. Die Einladungen hatte ich ja schonmal andeutungsweise gezeigt, hier jetzt aber ein Blick auf Einladung, Antwortkarte und Liedhefte im Detail, sie bilden ein Gesamtkonzept.
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Die Karten habe ich online bestellt. Fürs nächste Mal hab ich gelernt: Immer drauf achten, dass sie Normmaß sind , sonst sind Porto und Briefumschläge unverhältnismäßig teuer.
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Außen kam jeweils ein Stück Mustertransparentpapier mit Fototape drauf. Außerdem ein schicker Stempel und ein Schriftzug. Den hab ich von Hand geschrieben. Ich finde jede Form von kitschigem „wir heiraten“-Stempel ziemlich ekelig, persönlich ist schöner.

Das Bastschleifchen ist festgeklebt, denn es dient innen als Halterung für die Antwortkarte und einen kleinen extra Zettel mit Geschenkhinweis. Die Antwortkarte wird vom gleichen Stempel geziert.
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Der Text ist auf handgeschöpftes Papier mit Büttenrand gedruckt, wir haben die A6 Stücke gerissen, damit sie nicht so harte Ränder bekommen.

Text und Antwortkarte habe ich mit Latex gesetzt, das war gerade für Adresse und Format eine gute Wahl. Wenn jemand auch mal wissenschaftlich-nerdig seine Einladungen gestalten will, ich schicke gern meine templates zu. Für das Liedheft habe ich Publisher verwendet. Gedruckt ist es auf 120g Papier und zusammengehalten mit einem dünnen Satinband. Der Stempel kam hier wieder zum Einsatz und ich denke ich werde ihn, um das Konzept abzurunden, auch bei den Dankeskarten wieder nutzen.

Urlaubskoffer – Teil 1

An diesem Rock habe ich ca. 6 Monate in Gedanken und ca. eine Woche in der Praxis gearbeitet. Jetzt ist er fertig und gefällt, sehr.
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Und das kam so:
Schon letztes Jahr im Herbst brachte Herr Siebenhundertsachen mir eine Menge Stoffe aus den USA mit. Darunter dieser:
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Ist er nicht herzig? Allerdings ist es ziemlich flutschiges Polyzeugs, das ribbelt wie die Hölle und außerdem ziemlich dünn ist. Eher für Akzente als für vollständige Kleidung geeignet. Und auch nur ein Yard… Ich wusste relativ sofort, dass ich einen Rock mit Kellerfalten aus diesem Stoff will. Aber zuerst war Winter und keine Motivation da für ein Maritimes Sommerröckchen, und dann fand ich lange keinen passenden weißen Stoff. Ich suchte ursprünglich nach einem mit mehr Struktur. Letztendlich fand ich weißes Leinen im Sale. Und so war die Zeit reif.
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Als Basisschnitt habe ich den all-time-favorite Simplicity genommen. Ich habe allerdings den Reißverschluss in die Seitennaht verlegt um hinten auch drei Falten unterbringen zu können. Die vordere mittige Bahn habe ich geteilt. Dann habe ich die Bahnen entsprechend begradigt und dann die Falten so kalkuliert, dass die Saumweite nur etwas weiter ist, als im normalen Zustand des Rockes. Die Falten sind auf der halben Rocklänge zugenäht – ist einfach vorteilhafter.
Hinten sind auch drei Falten und erfreulicherweise sitzt sowohl vorne als auch hinten die Mitte richtig.

Ein schönes Röckchen für Urlaub am Meer, oder?
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Diese Woche gekocht: Gefüllte Tomaten

Nicht dass jemand denkt, hier würde nicht gekocht . Nur fotografieren und bloggen, das klappt derzeit nicht so. Aber was ganz sommertaugliches gibt’s diese Woche: Mit Spinat gefüllte Ofentomaten.
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Ihr braucht:
Pro Person 2-3 Fleischtomaten
1 kleine Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
Etwa 100g Blattspinat frisch oder TK
1 Handvoll geriebener Käse
1 Eckchen Feta wers mag

Den Tomaten den Deckel abschneiden und sie gründlich aushöhlen. Deckel und Fleisch fein würfeln.
Die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken.
In einer Pfanne die Zwiebel und den Knoblauch in Olivenöl ohne Farbe andünsten. Den Spinat und das Tomatenfleisch zugeben und mit Salz und Pfeffer würzen. Köcheln lassen bis alle Flüssigkeit verdampft ist. Jetzt das ganze in die Tomaten füllen, diese in eine Auflaufform setzen und mit Käse bestreuen. 5 Min unterm Grill im Ofen überbacken. Dazu gibt’s Brot und ein Gläschen Weißwein.

Hochzeits-DIY-Parade II

Nach der Deko zeige ich euch als nächstes den Brautstrauß. Den wollte ich eigentlich gar nicht selbst machen. Aber ich könnte keinen Blumenladen finden, wo mich die technische Qualität, Originalität, Haltbarkeit und vor allem die Beratung überzeugt haben. Zudem finde ich es – wie bei vielen Hochzeitssachen – unverschämt, was für Preise verlangt werden. Ich hatte recht spezifische Vorstellungen, was ich wollte. Auf jeden Fall einen runden Strauß, keinen „Wasserfall“. Neben dem obligatorischen weiß hatte ich mir ja dunkelrot als zweite Farbe ausgesucht. Ich wollte es auch gern rustikal, nicht allzu verspielt. Da ich schon einige Jahre im Blumenladen gearbeitet und dort das meiste was man wissen muss gelernt habe, hab ich mich dann doch für’s selbermachen entschieden. Und so ist er geworden:

Ich war ziemlich lange auf der Jagd nach den Blumen. Insbesondere gutes Grün bekommt man nur schwierig, wenn man die Sachen lose kaufen und nicht binden lassen will. Ich habe auch noch vier Sträuße für meine Helferinnen, jeweils passend zu ihrem Outfit, gemacht, deshalb hatte ich ziemlich viel Blumen zu suchen. Das ist übrigens (Näh-)Freundin Z., die ein famoses selbstgenähtes Cocktailkleid nach einem Schnitt aus der ‚Meine Nähmode‘ 1/12 trägt. Bei Gelegenheit suche ich ein Bild vom Kleid.

Ich war sehr froh, dass ich die grüne Hortensie gefunden habe, denn die Kombi „Weiße Rosen – rote (Stroh-)blume – (grüne) Hortensie und Efeu“ hatte ich sehr ähnlich im Kopf gehabt. Es war eigentlich auch schön mal wieder im großen Stil mit Blumen zu arbeiten, auch wenn die Küche aussah, wie ein Schlachtfeld:
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Das Ergebnis war’s wert und ich habe ca. eine Million Komplimente für den Strauß bekommen. Ich habe ihn übrigens nicht geworfen, brauchte ihn ja noch für Fotos und einige der anwesenden Damen hatten ja eh ihren eigenen Strauß 😉

Copyright Bilder 1, 2, 5-7: Rebecca Weber, Kontakt auf Anfrage

(Aus-)Bildungsmisere

Ich muss das Sommerprogramm aus Hochzeitsposts und Sommerlicher Kleidung leider kurz unterbrechen, um ein bisschen Dampf abzulassen, der sich schon länger in mir angestaut hat. Das Problem ist nicht neu  und ich bin nun auch schon eine zeitlang im Wissen um diese Situation, meine Wut darüber ist über die Hochzeit etwas in den Hintergrund gerückt, aber jetzt will es doch mal raus.

Ich bin nicht die einzige Nähbloggerin, die sich im „wahren“ Leben mit den Fein- und Gemeinheiten des deutschen Wissenschaftssystems herumschlägt und mein Schicksal lässt sich so oder ähnlich sicher für viele auch erzählen. Dennoch kann ich hier natürlich in erster Linie schildern, wie es im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist. Es mag an manchen Unis besser und an anderen schlechter sein, ich denke aber das Problem ist systemimmanent und weder personen- noch fachspezifisch.

Ich bin Ende 20 und habe bisher in meiner akademischen Laufbahn eigentlich stets alles ziemlich richtig gemacht. Ich habe schnell studiert, als eine der ersten Bachelorstudentinnen, dabei wie beabsichtigt und erwünscht zwischen Bachelor und Master die Uni und das Fach gewechselt,  in der Zeit festgestellt, dass eine wissenschaftliche Karriere mir attraktiv erscheint und noch während des Masters begonnen an einem Lehrstuhl zu arbeiten (das nennt man heute fast track Promotion). Ich habe in 4,5 Jahren promoviert, was neben voller Stelle am Lehrstuhl so ziemlich dem Normwert entspricht. Meine Promotion war kumulativ, ich habe also zwischendurch schon reichlich Konferenzen besucht und Beiträge bei Fachzeitschriften eingereicht (was viel Arbeit, wenig Erfolg, Frustration und die Erkenntnis, dass Beziehungen alles sind mit sich brachte). Ich habe mich in der Lehre sehr engagiert, werde stets hervoragend evaluiert und habe außerdem eine hochschuldidaktische Weiterbildung abgeschlossen. Ich bin außerdem in der akademischen Selbstverwaltung aktiv gewesen und habe organisatorisch-koordinatorische Aufgaben sowie Studienberatung in einem Masterstudiengang übernommen. Mein Chef ist sehr zufrieden mit mir. Nun bin ich promoviert und stecke damit in einer beruflichen Sackgasse. Klingt absurd, ist aber so! Wie es dazu kommt?

Die Weiterführung meiner Karriere könnte vom jetzigen Punkt an folgende Wege einschlagen: Ich könnte mich regulär habilitieren. Dies ist in unserem Fach inzwischen ein seltener Weg. Das würde bedeuten weiterhin befristet beschäftigt in maximal 6 Jahre eine weitere lange Forschungsarbeit zu schreiben, man hat dabei weiterhin Verwaltungsaufgaben und eine Lehrverpflichtung von 4 SWS. Nach Fertigstellung der Habilitation gibt es keinerlei Garantie auf eine Stelle, man bewirbt sich dann auf (sehr wenige) Professorenstellen, den Ort kann man sich nicht aussuchen. Der gängigere Weg zum gleichen Ziel führt heute über eine Juniorprofessur. Hierbei wird man ebenfalls befristet angestellt, bei weniger attraktivem Gehalt und kürzerer Laufzeit. Neben der eigenen Forschungstätigkeit ist man in diesem Fall aber auch eigenverantwortlich in der Lehre tätig – mit aller Arbeit die da dran hängt und wird in der Regel bereits nach 2-3 Jahren zwischenevaluiert. Der Druck ist also größer, die Arbeit mehr, die Absicherung geringer. Es gäbe von Seiten des Gesetzgebers die Möglichkeit, Junioprofessoren mit einer langen Laufzeit und einem sogenannten Tenure Track auszuschreiben. In diesem Fall wird, nach positiver Evaluierung, die Stelle in eine ordentliche Professur umgewandelt. Diese Möglichkeit wird, vor allem aber nicht nur aus Geldmangel, allerdings kaum genutzt. Bei beiden Wegen, Habilitation und Juniorprofessur, hängt die zukünftige Beschäftigung allein von der Leistung in der Forschung ab, es besteht daher ein hoher Anreiz, sich stark auf die Forschung zu konzentrieren, die anderen Aufgaben zu vernachlässigen und sich möglichst schnell, noch vor Ablauf der Befristung auf attraktivere Stellen wegzubewerben. Um nicht am Ende ohne Perspektive dazustehen beginnen die meisten Juniorprofs nach ca. einem Jahr sich wegzubewerben. Demnach haben sie auch wenig Anreiz sich in Gremien der akademischen Selbstverwaltung zu engagieren oder konzeptionell-gestalterisch in der Studiengangsplanung aktiv zu werden. Unbefristete Post-Doc-Stellen gibt es an deutschen Unis praktisch nicht, auch befristete Post-Doc-Stellen, die früheren Ober-Assistenten werden weniger. Außerhalb der Uni gibt es, zumindest in der Wirtschaftswissenschaft, Forschungsinstitute. Hier ist der Anteil der promovierten Wissenschaftler erheblich höher als an Unis, aber auch hier sind die meisten Stellen befristet, da projekt-finanziert. Eine unbefristetete Perspektive bietet sich folglich nur in der Wirtschaft – und das ist dann auch der Weg, den die allermeisten promovierten Wirtschaftswissenschaftler einschlagen.

Nun mein Dilemma: Ich lehre sehr gern. Ich würde mit Freuden eine Stelle mit hoher Lehrverpflichtung antreten. Damit bin ich absolut selten, die meisten Doktoranden und Post-Docs betreiben (weil ja auch die Anreize entsprechend sind) die Lehre mehr als lästige Pflicht denn als Herzensaufgabe. Ich nehme auch gern studienkoordinatorische Aufgaben wahr, bemühe mich nach Kräften konzeptionell mitzuarbeiten und unsere Studiengänge besser zu machen. Ich sehe Studienberatung, gerade auf Grund der  Masse an Studierenden, als sehr wichtige Aufgabe an. Ich habe zudem ein Forschungsgebiet, das eigentlich keine „Wirtschaft“ hat. Für mich käme nur eine Institution, ein Institut oder halt die Uni in Frage, falls ich in diesem Themenbereich weiterarbeiten will. Ich forsche übrigens gern, ich lehre aber lieber. Ich sehe mich nun aber gezwungen, mein Engagement in der Lehre erheblich einzuschränken, meine Bemühungen im konzeptionellen Bereich völlig aufzugeben und mich ganz auf meine Forschung zurückzuziehen. Denn Engagement und Leistung in der Lehre bringt mich leider einer unbefristeten Beschäftigung an einer Universität kein bisschen näher. Im Gegenteil. Es raubt mir Zeit, die ich auf Publikationen verwenden sollte, denn allein diese sind letztlich entscheidend. Zudem wird von mir, auch nach bereits 10 Jahren im deutschen akademischen System, ein enormes Maß an Flexibilität gefordert. Eine regional begrenzte Stellensuche ist praktisch undenkbar. Länger als wenige Jahre an einem Ort zu sein ebenfalls. Hieraus ergibt sich, dass man auch bis weit nach dem Studium in einer relativ ungesicherten Position ist, so man sich denn auf die wissenschaftliche Laufbahn einlässt.

Viele ehemalige Mit-Doktoranden haben sich vor diesem Hintergrund trotz hervoragender Promotion, anerkannten wissenschaftlichen Leistungen, viel Spaß an Forschung und Lehre für eine weitere Laufbahn außerhalb der Uni, in der Regel bei Banken, Unternehmensberatungen, Großkonzernen entschieden. Weil sie einfach finden, mit Anfang 30, nach Jahren mit im Verhältnis schlechtem Gehalt und immer nur einer sehr zeitlich begrenzten Beschäftigung ist es mal genug. Weil sie sich gern niederlassen oder zumindest auf einige Jahre planen wollen. Die Befristungspolitik wird damit begründet, dass man nur so dafür sorgen kann, dass der wissenschaftliche Nachwuchs ausreichend flexibel denkt, sich nicht auf Stellen einrichtet und fortan jedes Engagement einstellt, nur so, so die verbreitete Meinung, bleiben wir innovativ und sind bereit die Grenzen des Bekannten auszudehnen. Und, das spielt auch mit rein, so setzen sich die besten, engagiertesten, mit dem meisten Herzblut durch. Diese Ansicht hat sich in einer mobileren Gesellschaft schon lang überholt. Im Gegenteil wird die akademische Laufbahn in Deutschland allzu oft zum Notnagel. Denn de facto gehen die flexiblen motivierten guten Wissenschaftler in die Wirtschaft oder eben ins Ausland. Denn merkwürdigerweise schaffen es Länder wie Großbritannien oder die Niederlande auch zu beachtlichen Forschungsleistungen und das obwohl (oder weil?) sie einen breiten promovierten und langfristig beschäftigten, gut bezahlten, akademischen Mittelbau haben. Studien haben eigentlich schon vor Jahren gezeigt, dass wissenschaftliches Personal ohnehin weit überdurchschnittlich intrinsisch motiviert ist und aus Lust an der Sache und nicht aus pekuniären Erwägungen gute Arbeit leistet.

Bildquelle: FU Mittelbau

Ich denke, dass unsere Universitäten und unser Land sich diesen Zustand eigentlich nicht auf Dauer leisten können. Wir bilden unglaublich viele Doktoranden aus (die in dieser Zeit leidlich engagiert lehren) um dann den überwiegenden Teil dieses Humankapitals zu verlieren. All diese Bildungsinvestitionen gehen dem deutschen Universitätssystem verloren und tragen zu den vielen Mängeln bei an denen die Ausbildung unserer Studenten krankt. Denn die Studentenproteste haben mehr als deutlich gezeigt, dass es unseren Studiengängen an vernünftigen Konzepten, engagierten Lehrenden, guten Beratern und vor allem Lehrstunden mangelt. Ein unbefristet beschäftigter Mitarbeiter hätte mehr als doppelt so viel Lehrverpflichutng bei (zunächst) gleichem Gehalt. Er könnte also bspw. seine Seminare zweimal anbieten und so die Gruppengröße verringern. Oder neue und innovative Lehrformen implementieren, die niemand umzusetzen bereit ist, der nur eine Perspektive von 2-3 Jahren in der Lehre hat. Mitarbeiter, die auf längere Zeit an einer Uni sind haben ein Interesse daran, sich stärker in konzeptionellen und strategischen Bereichen zu engagieren. Aber natürlich wird ein unbefristeter Mitarbeiter im deutschen Besoldungssystem auch mit der Zeit teurer, unabhängig von seiner Leistung. Aber das liegt ja am Besoldungssystem, nicht am Mitarbeiter. Denn auch Zielvereinbarungen und leistungsbezogenen Bezahlung sind in den Universitäten anderer Länder an der Tagesordnung in Deutschland aber völlig undenkbar. Gerade in der Forschung nur mittelmäßig positionierte Unis könnten sich hier vielleicht auch profilieren, wenn sie denn eine Möglichkeit fänden, derlei Dinge zu finanzieren. Unabhängig von meiner persönlichen Situation macht es mich einfach wütend, wie viel Potenzial und auch Geld hier zum Fenster herausgeschmissen wird, wieviele motivierte junge Menschen die Wissenschaft verliert und wie wenig unsere Bildungspolitik hier im Sinne der Qualität der Bildung agiert.

Besonders trifft diese Situation natürlich Frauen. Ohnehin stellt schon das promovieren an sich eine Verzögerung von Familienplanung dar. Natürlich ist aber eine befristete Position auch kein guter Ausgangspunkt um ein Kind zu bekommen, geschweige denn ist man flexibel genug, sich nach 1-2 Jahren auf einer Juniorprofessur weit weg zu bewerben. Selbstverständlich erhält man eine verlängerte Befristungszeit, aber man wird dann danach zu alt sein, um sich noch auf Juniorprofessuren zu bewerben. Somit erklärt sich auch, warum der Anteil der Professsorinnen so deutlich hinter dem Anteil der Doktorandinnen zurückbleibt. Viele promovierte Wissenschaftlerinnen arbeiten daher letztendlich auf Stellen unterhalb ihrer Qualifikation. Doppelt benachteiligt sind da die, nicht seltenen, Akademiker-Paare wo beide sich in diesem Dilemma befinden und womöglich die Stelle für das nächste Jahr für den einen in München und für den anderen in Hamburg wäre.

An diesem System wird zwar herumkritisiert, das Thema kam auch im Bundestag vor ca. einem Jahr zur Sprache. Das HIS hat eine Studie hierzu vorgelegt, die die Perspektivlosigkeit als Hauptgrund nennt, warum Promovierte sich gegen eine wissenschaftliche Karriere entscheiden. Dennoch sehe ich in absehbarer Zeit kaum eine Änderung – vor allem sicher auch auf Grund der Unterfinanzierung des Hochschulsystems, die sich perspektivisch verschlimmert weil die Länder sich mit Einführung der Studiengebühren aus der Finanzierung teilweise zurückgezogen haben, nun aber bei Abschaffung der Studiengebühren nur eine zeitlich befristete Ausfallfinanzierung leisten. Neben der Finanzierung spielt aber sicher auch eine Rolle, dass diejenigen, die hier die strategischen Entscheidungen treffen selbst in diesem System „groß geworden“ sind und man oft Dinge hört wie „da muss man sich durch beißen“.

Ich blicke nun also auf einige weitere Jahre in befristeter und perspektivloser Anstellung, werde nun sogar mehr lehren, weil der Lehrstuhlalltag dies erfordert und sehe bisher nicht recht, wo das hinführt.

Wer das ganze ähnlich sieht, könnte das Templiner Manifest der GEW unterzeichnen. Dessen bereits zweijährige Existenz hat bisher allerdings keine großen Umwälzungen bewirkt.

Die Namenswahl will überlegt sein

Auf meiner Fahrradstrecke von der SBahn nach Hause habe ich ein wundervolles neuen Beispiel für Chantalismus der besten Sorte entdeckt:

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Darwin’s Bistro – sowas kann man nicht erfinden. Entweder sehr feine Ironie oder fatale Namenswahl auf seiten der Eltern des Bistrobetreibers. Ich stelle mir das Gespräch darüber wie der kleine heißen soll etwa so vor:
– Marwin fände ich gut.
– Nee , Marwin heißt doch das dritte Kind von Jaqueline schon.
– Hm, dann vielleicht Darwin.
– Ja, das ist doch auch so’n Promi, hab ich letztens erst im Fernsehen gesehen.

7 Sachen

Wie an fast jedem Sonntag. Sieben Sachen für die ich meine Hände gebraucht hab. Nach Idee von Frau Liebe.

1. In Vorfreude auf den Frankreich-Urlaub den Tisch französisch dekoriert.
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2. Wäsche, Wäsche, Wäsche. Waschen, aufhängen, falten. Ich glaube ja, fremde Leute schieben uns heimlich ihre Dreckwäsche unter. Anders sind die Massen nicht zu erklären.
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3. Die Kartoffelernte eingebracht. Zwar nicht viel, aber trotzdem innerlich gejubelt, dass es geklappt hat.
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4. Die Schwester und ihren Freund in Empfang genommen und uns einmal durch die Leckerlichkeiten geschlemmt .
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5. Die Nägel passend zum Kleid lackiert . Dabei interessante Dinge bemerkt. Ich habe noch nie nie nie einen Nagellack weggeschmissen weil er leer war. Selbst viel genutzte Sorten wie Basislack sind irgendwann trocken, zäh oder irgendwie anders merkwürdig. Handelt es sich um ein System ? Und:ich glaube, ich habe noch nie eine Sorte nochmal gekauft. Keine Lust? Mangelnde Qualität? Ich kann es nicht sagen. Wie ist das bei euch?
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6. An einem maritimen Röckchen ein paar Nähte genäht und eine aufgetrennt .
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7. Das Oberteil von New Look 6069 mit einem FBA versehen – guter Vorsatz eingehalten.
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