Leseempfehlung

Nach meinem Bericht vor einigen Wochen über die wenig aussichtsreiche Position von Post-Docs, hier ein Zeitungsartikel über eine angehende Professorin, die sich traut, gegen die „gläserne Decke“ vorzugehen. Die Juristin klagt gegen eine offenbar befangene Berufungsentscheidung.

Ein paar Zahlen zur Untermauerung des stilisierten Faktums der gläsernen Decke im Wissenschaftssystem: In den letzten Jahren lag der Frauenanteil bei den Studienanfängern bei etwas unter 50%, bei den Absolventen leicht über 50%. Immerhin noch 44% der Promovenden sind Frauen. Demgegenüber schon nur noch etwa 25% der Habilitanten. Das Bildungsministerium brüstet sich mit einem massiven Anstieg des Frauenanteils unter den hauptberuflichen Professoren von 8% auf knapp 20%. Hierbei bleibt jedoch außen vor, dass gleichzeitig ja auch der Anteil der befristeten Professuren massiv zugenommen hat und das Statistische Bundesamt hier praktischerweise in der Statistik nicht unterscheidet. In der Tat ist der Anteil der Frauen an den jeweils höherwertigen Stellen E14/15 vs. E13 und W3/C4 vs. W2/C3 sehr viel geringer als im Mittel über alle Mitarbeiter bzw. alle Professoren.   Die Unesco rügt nach wie vor den geringen Anteil an Frauen in Spitzenpositionen in der deutschen Wissenschaft.

2 Gedanken zu “Leseempfehlung

  1. Sabine schreibt:

    Danke für den Link. Der Fall ist unglaublich, ich bewundere den Mut der Frau und wünsche mir, dass das noch weitere Kreise zieht. Jedoch ist dies meines Erachtens kein Problem, das zwingend in Zusammenhang mit der „gläsernen Decke“ zu sehen ist. Es kann genauso gut ein besser qualifizierter Mann dadurch benachteiligt worden sein. Ich wundere mich ehrlich gesagt, wie so eine Liste überhaupt zustande kommen kann. Ich bin in der Hochschulverwaltung bei den Wirtschaftswissenschaftlern tätig und war lange Zeit als Frauenbeauftragte in diversen Berufungskommissionen (oft als einzige Frau). Die Frauenbeauftragte muss nach jeder Sitzung ein Gutachten vorlegen indem ausschließlich auf die vorliegenden Bewerbungen von Frauen eingegangen wird und begründet werden muss, warum die Bewerbung ggf. nicht in Frage kommt für die Stelle. (Ich höre auch immer wieder, dass die Männern bedauern, dass sich so wenig Frauen bewerben und kann versichern, dass Bewerbungen von Frauen eher noch bevorzugt behandelt werden, weil man froh ist, wenn man mindestens eine Frau noch einladen kann. Die Frage ist eher, wie man mehr Frauen dazu bewegt, sich auch wirklich für die ausgeschriebenen Stellen zu bewerben, da zögern vielleicht zu viele…). Dann schaut noch die Uni-Frauenbeauftragte drauf und die Listen müssen von Hochschulleitung und Ministerium genehmigt werden. Wir haben in den letzten Jahren diverse Listen „durchkämpfen“ müssen, weil Ministerium oder Hochschulleitung Einwände hatten (keine Frauen-bezogenen…), insofern wundert es mich sehr, dass da niemandem aufgefallen zu sein scheint, dass da was nicht stimmt.

    Die Situation für Post-Docs an deutschen Unis ist sicher nicht optimal, auch für die Männer nicht. Die Systeme in anderen Ländern haben aber auch so ihre Tücken und ich wüsste jetzt auch nicht, wie man unser System anreizkompatibel umgestalten könnte, gegeben dass es viele verwaltungstechnische Nebenbedingungen gibt. Es ist auch nicht Sinn der Sache, dass jeder mittelmäßige Doktorand auch Professor wird und meiner Erfahrung nach kommen die richtig guten Leute relativ schnell auch an guten Standorten unter, oftmals erhalten sie auch mehrere Angebote. Ich kenne einige junge Frauen zwischen 30-35 die in den letzten Jahren eine Professur oder eine Juniorprofessur bekommen haben (und habe es auch noch nie erlebt, dass ein Vertrag nicht irgendwie über Umwege verlängert werden konnte, aber da sind wir vielleicht auch in einer eher guten Situation). Und es ist durchaus auch bzgl. Netzwerkbildung sinnvoll, seinen Standort zu wechseln und nicht die komplette Ausbildung und Karriere an einer Uni zu verbringen.

    Wenn man nicht zu den richtig guten Leuten gehört, die für ihr Fach wirklich „brennen“ dann ist Wissenschaft als Dauerjob vielleicht auch nicht das Richtige für einen, dafür sind die Belastungen dann doch zu groß. Ich bedauere aber auch sehr, dass auf Forschung mehr Wert gelegt wird als Lehre (obwohl ich immer wieder feststelle, dass es da eine positive Korrelation gibt – gute Forscher lehren oft auch sehr gut, wenn man die Nerds mal abzieht). Wenn Du ohnehin lieber Lehre machst als Forschung, wäre vielleicht eine FH-Professur eine Option? Wenn man einmal Professor ist, dann ist das der Traumjob schlechthin für die Familienplanung! Nirgendwo in der freien Wirtschaft hat man so viele Freiheiten, wenn auch die Belastungen sicher sehr hoch sind.

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Meiner Erfahrung nach ist es oft so, dass die Frauen-/bzw. Gleichstellungsbeauftragten gar nicht zu den Sitzungen kommen. Sicher würde dies genauso auch einem Mann passieren können – und es passiert sicher auch vielen. Allerdings kenne ich auch einige Frauen, die seit Jahren auf großer Berufungstour unterwegs sind und ständig Listenplatz 2 werden. Bei Juniorprofessuren ist es wohl anders. Aber ich persönlich würde nicht auf eine Juniorprofessur wollen. Die Uni zu wechseln ist ja prinzipiell richtig. Aber mit einer Aussicht auf 2-3 Jahre? Das verbrennt einen doch ziemlich. Ich finde gar nicht, dass jeder Professor werden sollte, im Gegenteil. Ich finde aber, dass es durchaus mehr langfristige Post-Doc-Stellen geben könnte, denn wenn man ehrlich ist, wird bei uns inzwischen sehr viel Lehre von WHK und Lehrkräften für besondere Aufgaben gemacht (und ich bin auch WiWi) – das kann nicht im Interesse der Qualität der Lehre sein. Ich finde gar nicht, dass das ein reines Frauenproblem ist, die Situation der Frauen ist nur vielleicht noch etwas schlechter. Und ich würde auch sagen, dass die gläserne Decke nicht unbedingt auf mangelnden Willen der Berufungskommissionen zurückzuführen ist, vielmehr ist der Weg über weitere Jahre der Unsicherheit für Frauen einfach weniger attraktiv, wenn sie eine Familie planen.
      Danke für deinen langen Kommentar!

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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