Kampf dem Chaos – geplant in den Herbst

Ich bin ja ein eher chaotischer Mensch. (An dieser Stelle beginnen meine Mutter und Schwester so heftig zu nicken, dass sie ein Schleudertrauma bekommen – verdient!) Ordnung halten fällt mir schwer und Ordnung schaffen müssen versetzt mich latent in Panik. Ich laste das zum Teil meinem fotographischen Gedächtnis an. Ich merke mir einfach ganz gut wo ich etwas zuletzt GESEHEN HAB aber deutlich weniger gut, wo etwas logischerweise hingehört. Jetzt ist es nicht so, dass ich Chaos mag. Ich mag es total wenn es ordentlich ist. Ich finde mich halt nur im Chaos ganz gut zurecht. Und natürlich fällt Herrn Siebenhundertsachen ohne fotographisches Gedächtnis das Zusammenleben mit meinem Chaos auch nicht ganz leicht. Komischerweise war ich trotz des äußeren Chaos immer eine sehr ordentliche Schülerin und Studentin, meine Unterlagen waren eigentlich immer sehr ordentlich und strukturiert. Das ist witzigerweise genauso aufs visuelle merken zurückzuführen, denke ich. Weil ich nun doch langsam aus der Pubertät rausbin, den Trotz abgelegt habe und mich selbst vielleicht reflektierter betrachte als früher, habe ich erkannt, dass ich zufriedener bin, wenn es ordentlich ist und dass ich das bewerkstelligen kann, indem ich das Prinzip ordentliche Studentin auf den Rest übertrage. Magischer Helfer hierbei: Das Whiteboard. Jeder sollte ein Whiteboard haben. Was auf einem Whiteboard steht sieht offiziell wichtig und zu bewältigen aus. Meine Diss wäre ohne Whiteboard nie fertig geworden. Weil ich in den nächsten Monaten vor vielen neuen und unbekannten Aufgaben stehe und gleichzeitig eine ganz tolle Forscherin sein muss, ist der September ein wichtiger Monat um alles schön ordentlich zu planen. Deshalb habe ich als erste Amtshandlung das mighty Whiteboard geputzt und befüllt.

Puh, alles gleich viiiiel weniger beängstigend. Ich kann das schaffen. Chacka.

Problem: es gibt zu wenige Whiteboards in meinem Leben. Ich bräuchte noch ein Haushalts-Whiteboard und ein Nähzimmer-Whiteboard und vielleicht noch eins für krude Ideen, die einem nachts kommen. Das unterbemittelte Substitut sind Notizbücher. Denen fehlt es aber leider an ermahnender, still-offizieller Ausstrahlung. Trotzdem fällt mir aber auh das aufräumen putzen etc. sehr viel leichter, wenn ich mir vorher einen Plan gemacht hab. Keine Liste, nein, einen akribischen Ablaufplan. Mit Zeitfenstern für jeden Task und Pufferzonen für Verpeilung . Problematisch ist es mit langfristigeren Plänen. Denn man kann halt das Notizbuch einfach zuklappen nie wieder reingucken und weiter vor sich hin chaotisieren. Dieser Gefahr möchte ich meine Nähpläne für den Herbst keinesfalls aussetzen. Deshalb habe ich sie schön brav in ein Notizbuch geschrieben und nutze jetzt euch, liebe Leser, um die mahnend-offizielle Funktion des Whiteboards und die nötige Öffentlichkeit zu schaffen.

Die Zeichen stehen diesen Herbst auf „Bürokleider“. Ich muss im nächsten Semester viele Vorlesungen halten, ich vertrete meinen Chef. Ein Teil davon sind so riesige Massenveranstaltungen vor mehreren hundert Menschen. Dafür brauche ich erwachsene Klamotten um mich moralisch zu unterstützen. Ich habe mir deshalb einige Röcke und Kleider mit schmaler Silhouette rausgesucht und denke an dünne, eher gedeckte Wollstoffe für die Umsetzung. Hinzu kommt ein Cocktailkleid für eine Hochzeit Anfang Oktober. Außerdem bräuchte ich eigentlich dringend eine lange und warme Weste zum Fahrradfahren. Hier überlege ich, ob ich mal die Jacke aus dem Buch „Passt!“ angehen soll. Bin aber noch unentschieden. Bisher sähe das Whiteboard also so aus:

Vor dem Rock aus der Knip (Nr. 20 – hier die Modellübersicht) habe ich mächtig Bammel. Ich habe den schon vor Urzeiten kopiert aber diese vielen Falten und das auf holländisch – das flößt mir Respekt ein.

Vogue 8787 habe ich leider noch nicht, es ist wohl noch auf dem Postweg aus den USA – ich probiere es jetzt mal in schick aus meergrünem Taft, aber wenn es sich gut nähen lässt, könnte ich mir auch eine Alltagsvariante vorstellen. Der Schnitt hat übrigens Taschen -Vielleicht sind Taschen in nem Cocktailkleid das worauf die Welt gewartet hat? Ich hab den Schnitt wegen des neckischen Wasserfalls ausgesucht und weil er recht hoch geschlossen und damit wohl eher herbst-hochzeits-tauglich ist. Und ansonsten fällt der Schnitt ja zu 100% in mein Beuteschema. Wenn auch nicht ganz in den „schlichte-Bürokleider-Plan“…

Der Rock (Nr. 21) aus der Sabrina Woman Herbst 2012 sieht super aus. Aber ich habe keine hohen Erwartungen an den Schnitt. Was in dieser Zeitschrift geboten wird ist meiner Erfahrung nach einfach bodenlos schlecht. Die meisten „Schnitte“ bestehen nur aus Rechtecken, die an einen Jerseybund genäht werden. Und oft sind auch noch 3-4 Modelle in Wirklichkeit gleich bis auf den Saum. Aber ich finde die Taschen und die Gehfalte süß und werde mich also mal an einer Version versuchen. Hier fehlt mir noch ein Stoff – aber der Stoff&Stil-Katalog ist ja schon da 😉

Simplicity 7275 und Jurk 17 aus der Knip 2/2012 sind erprobt und für gut gefunden, hier erwarte ich keine bösen Überraschungen. Und die Stoffe sind auch schon vorrätig. Wenn dann noch Luft ist, käme das Projekt Fahrrad-Weste dran. Hier fehlt mir aber Schnitt, Stoff, Futter und Erfahrung – also kein besonders guter Startpunkt. Aber jetzt erstmal ran an die Kataloge.

Und nun noch off-topic, quasi als outtakes: Was noch so an meinem Whiteboard hängt:

7 Gedanken zu “Kampf dem Chaos – geplant in den Herbst

  1. Wolke schreibt:

    Der Vogue-Schnitt sieht ja klasse aus! Da bin ich sehr gespannt, wie Dein fertiges Kleid aussieht. Ich habe diese Woche die neue Ottobre bekommen und da sind 4 Schnitte drin, die ich unbedingt nähen möchte. Mal sehen, ob ich das alles im Nähkurs schaffe.

    Dir ein schönes Wochenende.

    LG
    Wolke

  2. mrs.columbo schreibt:

    ich weiß nicht so recht, eigentlich erfordern solche zeitpläne auch einiges an disziplin! bis jetzt sind alle haushaltspläne, to-do-listen, in aussicht gestellte belohnungen etc an meiner faulheit gescheitert. ich schaffe es ja nicht einmal, einen terminplaner zu nutzen, weil ich ihn ständig verlege, in der anderen handtasche habe oder vergesse, termine einzutragen. wie gut, dass wenigstens im job jemand anderer meine termine festlegt!
    liebe grüße,
    susi
    p.s. schön, dass du wieder da bist!

  3. kirschenkind schreibt:

    Ich bin auch große Listen-Königin, neige aber dazu, diese dann zu verlegen. Irgendwie gibt es da noch ein bis zwei Haken im System scheint mir. Aber Whiteboards finde ich auch ganz toll!
    Beste Grüße, Juli

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