Guckempfehlung

Heute noch in arte+7 verfügbar, am Donnerstag im Nachmittags- und am Samstag 6.Oktober im Vormittagsprogramm: Die arte-Dokumentation über das weltweite Geschäft mit sauberem Wasser. Sehenswert!

Bottled Life

Aus der Inhaltsbeschreibung: „Während die Weltbevölkerung rasant wächst, wird sauberes Wasser immer mehr zur Mangelware. „Bottled Life“ dokumentiert das boomende Geschäft mit dem Trinkwasser in der Flasche und fokussiert dabei ganz auf den Leader der Branche: auf den Schweizer Nestlé-Konzern.
Nestlé besitzt weltweit über 70 verschiedene Wassermarken. Trotzdem ist Wasser eine Sparte, über die man bei Nestlé nicht gerne spricht. Das muss der Schweizer Journalist Res Gehriger erfahren. Die Nestlé-Manager verweigern Interviews. Aber Gehriger lässt nicht locker. Auf einer Recherche-Reise erfährt er, wie konfliktgeladen das Geschäft mit dem Trinkwasser ist.
„Bottled Life“ wirft ein Schlaglicht auf Nestlés Expansionsstrategie im globalen Wassermarkt. Während der Konzern in den USA und in Europa vor allem Quellwasser mit Herkunftsbezeichnung verkauft, hat er für die Schwellen- und Entwicklungsländer ein anderes Konzept: Dort gibt es „Nestlé Pure Life“, gereinigtes Grundwasser, angereichert mit einem Mineralienmix nach Nestlé-Rezept. Heute ist Pure Life das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt.
Res Gehringer reist nach Pakistan, das Nestlé als Testmarkt diente. Während Nestlé ihm den Zutritt zur Pure-Life-Produktion verweigert, lehrt er die Situation der Menschen kennen, die im Dorf außerhalb des Fabrikzauns leben. Hier ist der Grundwasserspiegel rapid gefallen und das Wasser aus den Brunnen der Einheimischen zur übelriechenden Brühe verkommen.“

Me made Mittwoch: Die Probe aufs Exempel

Ich trage heute meinen neusten Proberock Probe und zeige damit gleichzeitig, wohin es mit meiner Herbstkollektion geht. Dieses hier ist ein äußerst zickiges und recht unperfektes Teil, aber drinnen schlummert noch einiges an Potential. Und außerdem: wird ja nicht alles perfekt, machen wir uns nix vor. Muss man auch mal zu stehen.

Um den Schnitt (Rock 20 aus der Knipmode 12/2011) bin ich nun fast ein Jahr rumgeschlichen und hab mich erst nicht getraut und dann war Sommer. Ich hatte sogar schon einen Stoff extra dafür erworben… und weil nun das erklärte Ziel der Herbstgarderobennäherei dieses Jahr etwas erwachsenere Kleidungsstücke sind, musste ich mich jetzt einfach überwinden. So sieht der Rock in der Zeitschrift aus:

Vorab: ich glaube, der Schnitt und ich werden noch Freunde. Derzeit ist unser Verhältnis allerdings eher unterkühlt. Denn das war ganz schön stressig mit uns, und das kam so:

– Ich komme normalerweise mit den holländischen Anleitungen ganz gut klar. Die Knip-Schnitte sind in der Regel auf dem Bogen deutlich mit Markierungen versehen, die technischen Zeichnungen sind gut, da reicht es, wenn man ungefähr versteht, was man tun soll. Nicht so diesmal! Ich habe zwei Abende lang immer wieder die platten Falten gefaltet, gesteckt, betrachtet, mit dem Foto verglichen und bemerkt, dass sie falsch fallen. Ich hatte so viel Faltenchaos in meinem Kopf, dass ich schon nicht mehr schlafen konnte. Als ich es endlich raus hatte, wollte ich mich am liebsten an den Kopf hauen. Ein bisschen wie diese Logik-Rätsel-Zusammensteck-Bauklötze.

– Perfekt sind die Falten nicht, sie sind nämlich trotz genauer Übertragung der Markierungen am Ende dann doch nicht gleich breit geworden. Hmpf.

– Wenn man die Falten einmal hat, ist der Rest eigentlich recht easy zu nähen und war in weniger als 2 Stunden fertig. Dann allerdings die Anprobe: ZU KLEIN! Oder sagen wir: „haarscharf“. Ich habe bei Knip eigentlich immer 38 und muss relativ wenige Anpassungen machen. Falls ja, wie beim Punkte-Jurk, dann weil es mir zu weit ist. Dieser Rock jedoch sitzt ziemlich „spack“ und war dafür gut 15cm zu lang. Will sagen er reichte 15 cm übers Knie hinaus. Ungläubig betrachtete ich mich in dem riesenlangen dafür recht engen Rock und dann die Dame auf dem Foto. Nicht schön. Ich kürze bei Knip immer etwas. Aber doch kein 15 cm. Dabei habe ich in der Länge genau die Knip Norm-Größe von 1,72m… kann mir das wirklich nicht erklären.  Beim abschneiden war ich dann etwas vorschnell, so dass er jetzt kürzer ist als beabsichtigt.

– Außerdem ist der Stoff auf jeden Fall nicht für den Schnitt geeignet. Ich habe eine leicht glänzende feste Baumwollpopeline genommen, die ich günstig im Sommerschlussverkauf ergattern konnte. Definitiv ungeeignet. Der Stoff ist zu steif und fällt deshalb an den Falten nicht sehr gut. Außerdem merkt er sich jede Sitzfalte für den Rest seines Lebens, scheint mir. Man sieht deutlich, dass er nach dem Weg zur Arbeit schon mega knitterig ist und wenn die Falten so bauschen trägt er auf. Trennen hinterließ doofe Löchlein und ribbeln tut er auch noch wie die Hölle. Die Farbe finde ich zwar wunderschön, sie weigert sich aber zu irgendwelchem Nähgarn geschweige denn einem Reißverschluss zu passen. Und ich kauf ja für einen Proberock nicht extra Nähgarn. Es ist auch der erste Stoff, bei dem de heißgeliebte maschinelle Blindsaum meiner Maschine verzogen geworden ist. Bah, böser Stoff!

–  Besonders alltagstauglich ist die Passform übrigens auch nicht.Eigentlich ist der Schnitt da sehr durchdacht, denn unter dem Überschlag hat der Rock in der rechten Seitennaht einen langen Schlitz, den man aber natürlich nicht sieht. Nur ist davon nach der Radikalkürzung natürlich nur noch 2 cm übrig… In Kombination mit dem steifen Stoff und knappen Sitz rutscht der Rock deshalb bei forschem Gang hoch (obwohl gefüttert), an fahrradfahren ist gar nicht zu denken. Das muss aber nicht sein, denn aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, den unteren Vorderrock nur am Taillenband mitzufassen und gar nicht in der Seitennaht, so dass die Beinfreiheit eines „echten“ Wickelrocks entsteht.

Nach dieser Nörgellitanei möchte ich dennoch verkünden: Ich nähe ihn nochmal. Und traue mich dann auch an meinen dafür gekauften Stoff. Denn all diese Probleme sind lösbar und wofür näht man schließlich Probeteile? Für den „echten“ Rock 20 habe ich ein sehr feines Wollkammgarnstöffchen da liegen, nachtblau mit  feinem blauen Karo. Das erscheint mir vom Fall her gut für den Schnitt geeignet und ist auch nicht so steif.  Ich habe das Schnittmuster schon in Taille und Hüfte etwas verbreitert und werde dann auch einen längeren Gehschlitz einplanen und natürlich sofort 10cm weniger zuschneiden. Wenn das alles geändert ist, erscheint mir der Rock als ein sehr guter Bürorock, denn folgende Punkte sprechen für ihn: Er sieht ohne Frage raffiniert aus, man fühlt sich ziemlich schick, wenn man ihn trägt. Mit längerer Falte wird er trotzdem bequem sein, und die versteckte Weite finde ich sehr gelungen. Hat man die Falten einmal verstanden und spart sich den Trenn-und-Kürzspass, ist er auch recht schnell zu nähen.  Bleibt der Nachteil: Keine Taschen.

Hat noch jemand diesen Rock ins Auge gefasst und sich bisher nicht getraut? Falls Interesse besteht würde ich dann nämlich den Entstehungsprozess des nächsten Exemplars etwas dokumentieren.

So, und jetzt geh ich mal gucken, was der Rest der nähenden Damenwelt heute so trägt. Auch blöden Knitterstoff? Oder doch schon Wolle? Gastgeberin ist heute Constanze. Ich bin jeden Dienstag ganz gespannt, wer am Mittwoch im neuen Me Made Blog erscheint.