Danke!

Ich habe mich sehr gefreut, über eure zahlreichen anregenden Kommentare zu meiner Konsumkritik, über 1000 Besucher am Mittwoch und so viele Komplimente für mein Kleid. Ich möchte auch alle neuen Leser herzlich willkommen heißen, da sind in den vergangenen Monaten einige hinzu gekommen. Schön, dass es euch bei mir gefällt. Nur für sich bloggen ist nur halb so schön, der Austausch, die Kommentare, das macht für mich das bloggen aus. Habt ein schönes Wochenende!

Me made Mittwoch: Frau Dr. Siebenhundertsachen liest vor

Husch husch ein paar Fotos im morgendlichen Halbdunkel des Büros auf dem Weg zur ersten Master-Vorlesung des Semesters. Ich trage das erste Kleid meiner Herbst-Winterkollektion und sehe ganz super erwachsen aus:

Tja, wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Leider hat der Stoff gewisse Camouflage-Eigenschaften. Das ist sehr praktisch weil er sich gut zu jeder Strumpfhose trägt, die man morgens im Tran aus der Schublade zieht (also zu jeder die ich besitze) aber nicht so praktisch für Fotos.

Bessere Bilder gibt es beim ersten Post zu diesem Kleid hier.

Das Kleid trägt sich wunderbar, ich fühle mich darin sehr wohl und dennoch erwachsen genug um eine Vorlesung vor kritischem Publikum zu bestreiten. Ein gelungener Auftakt meiner Wintersachen-Produktion.

Die Details:

  • Schnitt: Simplicity 7275
  • Größe:12
  • Änderungen: FBA um eine Cup-Größe, Rock ebenfalls gefüttert, hinten auch Gürtelschlaufen angebracht
  • Stoff: Wollstretch grau mit blauem Karo, Quelle: Stoffe am Kopstadtplatz, Essen.
  • Schwierigkeitsgrad: Eigentlich leicht, aber bei Anpassungen zickig.
  • Nähzeit: Ohne Zuschnitt ca. 5 Stunden (teilweise beim Nähkränzchen, Anpassungen dann zu Hause)
  • Probleme: Wie man auf dem folgenden Foto sieht, steht der Ausschnitt ein bisschen ab und es bilden sich leichte Falten in Richtung Ärmel. Ich musste auch in den Seiten ordentlich was wegnehmen. Ich glaube, ich habe die Größe immernoch zu pessimistisch gewählt. Beim nächsten Mal würde ich Größe 10 nehmen und um die Brust rum dafür mehr zugeben. Das ist allerdings wegen der Kräuselung nicht ganz so gut, weil die Mehrweite hier schwierig unterzubringen ist. Sonst ist der Schnitt dankbar. Ein Fehler ist mir noch unterlaufen, ich hatte beim Weihnachtskleid und den Nachfolgern bewusst einen 5cm kürzeren Reißverschluss gewählt als in der Anleitung angegeben, weil 60cm bei mir genau UNTER dem Po enden, was eine unvorteilhafte Beule hervorruft. Hab ich aber im Verlauf des letzten Jahre natürlich vergessen. Fiel mir auch erst heute morgen im Spiegel auf. Dumm gelaufen. Ich bin auch mit dem Kleid zufrieden, die kleinen Macken bemerke nur ich und da bin ich auch nicht böse wegen.

  • Würde ich den Schnitt nochmal nähen? Erstmal nicht, ich werde mich lieber mal an einem Etuikleid mit Abnähern anstatt Kräuselung versuchen, das ist dankbarer in der Brustanpassung.

Heute wird der Me Made Mittwoch erstmals von Meike als Gastgeberin bestritten, die mit ihrem tollen roten Kleid die Latte schonmal verdammt hoch hängt, Chapeau mein Liebe, du siehst TOLL aus! – aber ich bin sicher, auch die anderen haben einiges zu bieten.

Klasse statt Masse

Gestern war ich, zum ersten Mal seit relativ langer Zeit, in einigen Klamottengeschäften. Z. und ich hatten etwas Zeit und ich suchte Oberteile, Z. eine Strickjacke. Die Eindrücke, die ich dabei gewinnen konnte haben mich wieder an etwas erinnert, über das ich schon länger mal bloggen wollte. Ich war, offengestanden, etwas perplex ob der Masse von Schrott, die sich vor meinen Augen ausbreitete. Egal ob im Low-Low-Level Preissegment von Mado*na und New Y*rker, im Low-Level beim schwedischen Händler, etwas darüber bei On*y und Ver* M*da und auch noch weiter oben auf der Preisskala bei Esp*it und S.*liver. 100% Polytierchen, durchsichtig und im Grunde schon verzogen bevor es gekauft wird. Größere Unterschiede im Preis, wenig bei der Qualität. Seit ich nicht mehr oft in Kleidungsgeschäfte gehe, habe ich jedes Mal den Eindruck, wenn ich wiederkomme ist die Qualität noch schlechter, die Menge dafür größer geworden. Die genannten Beispiele sind da noch harmlos verglichen mit  Primark. Vor einigen Tagen war in Essen große Aufruhr, weil die Innenstadt von leeren Primark-Tüten überschwemmt wird, die nicht mal den Weg bis zum Bahnhof überstehen und deshalb an der nächsten Ecke ihr Ende am Straßenrand finden. Ich bestaune oft im Zug Mädchen, die vor lauter solcher Tüten voll mit Kleidung, die den Namen nicht verdient, kaum noch laufen können. Und zumindest ich komme nicht umhin mich zu fragen: Wo soll das noch hinführen. Inzwischen stellen die großen Kleidungsketten 8 Kollektionen pro Jahr her. Wenn also ein Kleidungsstück nun nicht mal mehr eine Saison, sondern nur noch 6-8 Wochen halten muss, dann braucht es ja im Grunde auch nur 6 mal in die Waschmaschine und dann in die Tonne. Und wenn man diese vielen neuen Kleidungsstücke verkaufen will, dann dürfen sie auch nicht viel kosten. Wer soll sich denn sonst ACHTMAL pro Jahr eine neue Garderobe leisten können? Und dann noch der Midseason- und End-Season-Sale an dem auch keinesfalls die Reste verkauft, sondern nochmal neue, extra ramschige Kleidung rangekarrt wird. Für mich ein Realität gewordenes Horrorszenario.

Bildquelle: jetzt.sueddeutsche.de

Vor einiger Zeit habe ich einen Workshop mit einer internationalen Gruppe von Studierenden zum Thema „ressourcenschonendes Wachstum“ geleitet. Im Kontext der gerechten Entwicklung und der Grenzen des Wachstums kam dort schnell die Frage auf, ob denn wir, die Industrieländer nicht unser Wachstum einstellen, gar schrumpfen müssten, damit die Entwicklungsländer aufschließen können. Die Argumentation ist eingängig und vielfach vorgebracht: „Die sind jetzt dran.“ Ich habe darauf erwidert und würde das immer tun: „Das ist zu kurz gedacht.“ Zunächst ist es so, dass es keinerlei Belege dafür gibt, dass die Entwicklungsländer in diesem Szenario aufschließen würden. Im Gegenteil würde zunächst wichtige Wirtschaftsleistung wegbrechen, ginge die Exportnachfrage aus den Industrieländern zurück. Weniger entwickelte Länder können sich umso schlechter einer veränderten Nachfragesituation anpassen und das bisherige Wirtschaftssystem dieser Länder beruht auf Ressourcenausbeutung und der Herstellung von Massenkonsumgütern. Dies ist natürlich ein vorübergehender Effekt, aber einer, der viele Länder zum Kollaps brächte. Der nächste Punkt ist, dass rein pragmatisch eine Schrumpfungspolitik sich in keiner westlichen Industrienation politisch durchsetzen und sozial verträglich umsetzen lassen würde, ohne dass es zu einem Bürgerkrieg käme.

Für mich entscheidender jedoch ist die Frage: „Ist es denn überhaupt wünschenswert, dass die Entwicklungsländer solches Wachstum wie wir haben?“ Ist denn ressourcenverschwendendes, menschenverachtendes, umweltschädliches und Massenkonsum-getriebenes Wachstum das, was wir Entwicklungsländern und unserem Planeten wünschen sollten? Wohl kaum. Es ist uns allen, aber vor allem den Entwicklungsländern zu wünschen, dass wir es besser machen. Dass wir Wachstum und Wohlstand erreichen ohne dabei Ressourcen und menschliche Arbeitszeit und Gesundheit zu verschwenden, als hätten wir sie im Überfluss.

In der öffentlichen Diskussion, auch in durchaus angesehenen Zeitungen, wird gern unterschlagen, dass Wachstum keinesfalls eine stetige Ausweitung der produzierten Menge bedeutet. Wachstum im Sinne von BIP-Wachstum generiert sich nicht allein aus Quantität. Wachsen bedeutet nicht zwangsläufig mehr produzieren. Diese für Ökonomen fast schon banale Feststellung hat in meinem Workshop für viel Aufsehen gesorgt. Das Bruttoinlandsprodukt misst nicht, wie der Name vielleicht impliziert, die Menge der produzierten Güter. Es misst die Menge der Wertschöpfung innerhalb der Volkswirtschaft. Zwei Beispiele können dies gut verdeutlichen.

Stelle ich ein Kleidungsstück her, dessen Materialwert inkl. Energiekosten für den Transport bei einem Euro liegt und das ich am Ende im Geschäft für 10 Euro verkaufe, liegt die  Wertschöpfung an diesem Produkt insgesamt bei 9 Euro. Die Wertschöpfung entfällt dann zum Teil auf die Arbeitszeit des Baumwollpflückers (oder des Plastikflaschensortierers, bei den Polytierchen), der Näherin, zum Teil auf die Kapitalentlohnung des Fabrikbesitzers, zum Teil auf die Transportfirma wiederum auf Arbeit und Kapital dort, zum Teil auf Arbeit und Kapital eines Zwischenhändlers und natürlich auf den Endverkäufer, auch hier wieder auf Arbeit und Kapital. Um also einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 90 Euro zu erzielen, muss ich 10 dieser Kleidungsstücke herstellen. Stelle ich demgegenüber ein Maßkleidungsstück her, das aus einem höherwertigen Material ist und deshalb sagen wir mal 10 Euro Materialwert hat, das ich aber dafür für 100 Euro verkaufen kann. Entsteht aus diesem einen Kleidungsstück exakt genauso viel Wertschöpfung, 90 Euro, wie aus 10 der billigen Kleidungsstücke. Ich werde aber in etwa nur 1/10 soviele Ressourcen dafür verbraucht haben.

Und noch ein Beispiel: Ein Teilnehmer meines Workshops erzählte schockiert von folgender Beobachtung: Im Rahmen des Programms der Veranstaltung war ein Fußball kaputt gegangen. Er hat sich dann erkundigt, was es kosten würde diesen zu reparieren und der Preis wäre 20 Euro gewesen, einen neuen Ball konnte er aber schon für 10 Euro erwerben. Er nannte dies „Zwang zu wachsen“. Auch hier schlägt der Quantität vs. Qualität Gedanke zu. De facto ist es so, dass der neue Ball, auf Grund geringer Arbeitsentlohnung im Herstellerland, eine Wertschöpfung von vermutlich auch 9 Euro haben wird. Den Ball reparieren zu lassen hat aber eine Wertschöpfung von ca. 19,50. Der Materialwert der Reparatur sind maximal das Garn oder der Klebstoff sowie der Energieeinsatz des Schusters. Der Rest des Preises entfällt auf Wertschöpfung für den Arbeitslohn des Schusters, Rendite, die sein Vermieter  durch die Vermietung der Werkstatt erwirtschaftet, Abzahlung der Maschinen. Zusätzlich erfordert die Reparatur also weniger Ressourcen bei höherer Wertschöpfung.

Es wird oft argumentiert, dass wir, als deutsche Bürger, in den 1950er Jahren zufriedener waren als heute, obwohl wir „weniger hatten“. Also dass uns das Wachstum sogar negativen Nutzen gebracht hat. Abgesehen davon, dass das praktisch nicht zu messen ist, zeigt sich hier auch ein weiterer Unterschied. Der Unterschied zwischen Menge an verfügbaren Gütern und Wertschätzung, die ich dem Gut beimesse. Indem nämlich Kleidung im Rhythmus von wenigen Wochen als „überholt“ propagiert wird, sinkt auch die Wertschätzung des Konsumenten für das einzelne Kleidungsstück. Er hat das Gefühl sehr viel mehr Kleider haben zu müssen, um daraus den gleichen Nutzen zu haben. Und dieser psychologische Mechanismus treibt die Konsumgesellschaft an. Nicht nur im Fall von Kleidung, auch im Bereich der Technik. Selbst an der Supermarktkasse beobachte ich vielfach entsetzt das Masse-statt-Klasse-Phänomen und das obwohl eigentlich klar ist, dass mehr schlechteres Essen in der mittleren Frist uns sogar einen Disnutzen einbringt.

Zurück zu der Frage nach den Grenzen des Wachstums. Selbstverständlichen können wir uns ressourcenverschwendendes, massenbasiertes Wachstum nicht mehr länger leisten. Und zwar weltweit. Wir als gesamte Weltbevölkerung sollten unseren Nutzen nicht an der puren Masse festmachen. Das ist weder nachhaltig noch gesund (wenn wir bspw. essen mit in unsere Überlegung einbeziehen). Es stimmt also, dass wir an die Grenzen des Wachstums, wie wir es seit Jahren betrieben haben, stoßen. Jedoch nicht an die Grenzen des möglichen Wachstums, wenn wir unser Wirtschaftswachstum auf andere, weniger brüchige, Füße stellen. Eine Rückbesinnung auf Qualität und die Möglichkeit Dinge zu reparieren vervielfacht die mögliche Wertschöpfung, die aus der gleichen oder einer geringeren Menge an Ressourcen gewonnen werden kann.

Auch dieser Gedanke wirft natürlich gewisse Probleme auf. Unser Wirtschaftssysten basiert weitgehend auf Massenproduktion und -konsum. Und nicht nur unseres in den westlichen Konsumentenländern sondern auch das sämtlicher in der Produktionskette integrierter Entwicklungsländer. Dabei ist es derzeit so, dass der Ressourcenraubbau in Entwicklungsländern betrieben wird, auch die Produktion mehrheitlich dort stattfindet, aber sehr wenig der Wertschöpfung dort verbleibt, weil die Löhne im Verhältnis so viel geringer sind. Bei Reparatur und hochqualitativen (wohlgemerkt ungleich hochpreisigen) Gütern ist es, derzeit, so, dass die Rohstoffe natürlich trotzdem meist aus Entwicklungsländern kommen, die Produktion aber in einem Industrieland vonstatten geht. Auch hier entfällt die Wertschöpfung also hauptsächlich auf das Industrieland, allerdings gerechter auf Arbeit und Kapital verteilt, weil die Arbeitslöhne hierzulande höher sind und unter Akkumulation von weniger transportbedingter Rohstoffverschwendung, falls der Produzent auch der Verkäufer ist. Dies wirft natürlich ein Verteilungsproblem auf. Würden wir alle, wie in den 50ern, nur noch Qualität made in Germany kaufen, würde noch weniger als ohnehin schon der weltweiten Wertschöpfung auf die Entwicklungsländer entfallen. Außerdem ist ein Sinneswandel hin zu mehr Qualitätsbewusstsein auch recht schwer zu erzwingen, aber immerhin leichter, als eine Schrumpfungspolitik durchzusetzen. Es läuft allerdings darauf hinaus, dass wir in unserem Konsumverhalten gerade auch solche Produkte durch Kauf honorieren sollten, die qualitativ hochwertig sind und eine hohe Wertschöpfung beim Produzenten belassen, auch und gerade wenn dieser in einem Entwicklungsland angesiedelt ist. Diese Forderung, einer gerechten Wertschöpfungsverteilung, ist Teil der Fair-Trade-Zertifizierung ist. Und da sehen wir auch schon, in welchen Bereichen noch viel zu tun ist – oder kennt jemand iphones mit Fairtrade-Siegel? Oder Laptops? Auch bei Kleidung muss man lange lange suchen… Aber zumindest sollte man sich dies bewusst machen – und entsprechend einen 8-wöchigen Kollektionswechsel vielleicht nicht unterstützen, oder?

Zitronen-Ingwersirup

Ich wurde nach dem Rezept für Zitronen-Ingwer-Sirup gefragt. Damit halte ich natürlich nicht hinterm Berg auf dass alle meine Leserinnen sich ebenfalls auf die Erkältungszeit vorbereiten können. Mein Rezept ist inspiriert von dem Rezept von Frau Liebe, allerdings habe ich es so angepasst, dass es haltbar ist und daher verwende ich Zucker statt Honig. Da der Honig eh einen Großteil seiner Inhaltsstoffe verliert, wenn er heiß gemacht wird, nehme ich den Honig für die Gesundheit dann lieber im Müsli zu mir.

Man braucht für 2 Liter fertigen Sirup:
2 große Stücke Ingwer
5 Zitronen
700g Zucker
300g Honig

Den Ingwer inkl. Schale in feine Scheiben schneiden. Eine der Zitronen gut waschen und ebenfalls in Scheiben schneiden. Beides in einen Topf geben und mit 1,5l Wasser bedecken. Aufkochen. Bei kleiner Hitze ca. 30 Minuten köcheln lassen. Danach die Platte ausstellen und den Sirup mehrere Stunden (drei-vier) ziehen lassen. Nun das ganze durch ein Sieb abseien, nochmal aufkochen und den Zucker und den Honig, sowie den Saft der restlichen Zitronen dazu geben. Wer mag kann auch noch Ascorbinsäure-Pulver zugeben, um den Vitamin-C-Gehalt noch zu erhöhen. Wenn der Zucker sich aufgelöst hat, heiß in ausgekochte Flaschen abfüllen und diese auf den Kopf drehen. Hält sich ca. 3 Monate – wenn man jeden Tag eine Tasse Tee daraus macht (also 1 EL Sirup in eine Tasse heißes Wasser) hat man ihn aber eh vorher verbraucht.

Me made Mittwoch: was für drunter

So sitze ich heute in meinem Büro und korrigiere Klausuren:

Neu ist an diesem Kleid nur der Loop-Kragen, der seine Ausschnittmängel kaschiert. Kenner wissen: Dies ist das Probekleid zum letztjährigen Weihnachtskleid (Schnitt Simplicity 7275). Auch sorgfältiges Abhängen über den Sommer hat seine Mängel nicht minimiert, was mir aber schnuppe ist, ein perfektes Probekleid wäre Zeit- und Stoffverschwendung. Dieses Kleid zeigt mir gleichzeitig sehr, wie viele Nähfortschritte ich im vergangenen Jahr gemacht habe. Viele der Fehler an diesem Kleid und der notwendigen Anpassungen würde ich heute auf einen Blick erkennen und nicht erst, wenn das Kleid fertig ist. Ich trage das Kleid recht selten, was aber nicht an seinen Schwächen liegt, sondern daran, dass es nicht gefüttert und damit zu dünn für den Herbst und zu warm für den Sommer ist. Aber das könnte sich jetzt ändern, denn neu ist, das drunter:

Ein flauschig warmes Unterkleid aus schwarzem dickem Viscose-Double Knit. Von dem es leider nur ein schlecht erkenntliches Foto im morgendlich-düsteren MuFuZi* gibt.

Auch das Unterkleid ist ein Probekleid. Das ärmellose Probekleid für Onion 2017, das als nächstes auf meiner SWAP-Liste steht. Und es ist sehr gut, dass ich ein Probekleid gemacht hab, denn das Kleid näht sich zwar easy, war aber doch recht sackig, und möchte auf jeden Fall ein paar Abnäher und eine kleinere Größe im Rockteil haben. Wieder was gelernt und zusätzlich endlich ein warmes Unterkleid. So trage ich heute mit Freude mein unperfektes Weihnachtsprobekleid und friere dabei nicht. Yeah.

Melleni lädt heute zum Defilé der Hobbyschneiderinnen. Ein gelungener Einstand. Danke liebe Melleni.

*Multifunktionszimmer = Gäste-Musik-Bastel-Nähzimmer

Kübelgartenresümee

Die Gartensaison ist vorbei, bis auf Rucola und winterharte Kräuter wächst nix mehr. Zeit mein Gartenjahr Revue passieren zu lassen.

Das selbstgebaute Kübelregal hat sich prinzipiell bewährt, der Standort ist aber nicht ideal. Im Frühjahr sah es so aus als gäbe es dort die meiste Zeit Sonne, aber da haben mir die zahlreichen Büsche und Bäume einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nächstes Jahr also eine Vierteldrehung fürs Regal.

Gut gediehen sind:
– Salat in Kästen. Sowohl selbst gesäter Rucola als auch Pflücksalat aus Pflänzchen haben super Ertrag gebracht. Nächstes Jahr wünsche ih mir nur noch mehr Vielfalt.
– Radieschen in Kübel oder Kasten, so lang man den Pflanzabstand einhält. Lecker und sehr dankbar.
– Mangold direkt in den Topf gesät. Insgesamt 6 Pflanzen in 2 Kübeln haben unseren Bedarf gut gedeckt. Erholen sich auch von Wasserarmut und sind relativ tolerant gegenüber wuchernden Tomaten in der Nachbarschaft.
-Chili im Topf gekauft, auf der Südfensterbank außen.

Mittelgut gediehen sind:
– Tomaten. Hier hat die mangelnde Sonne zugeschlagen, die Pflanzen kriegten längere und längere Arme aber nur sehr kleine Früchte. Sie hatten teilweise auch zu kleine Töpfe. Dünger und Standortwechsel haben geholfen und lecker waren die Minidinger allemal. Im nächsten Jahr würde ich eher eine mittelgroße Fruchtsorte wählen und weniger Pflanzen in größeren Töpfen ziehen.
– Kartoffeln. Wir haben ca. 4 kg aus 4 Saat-Kartoffeln geerntet, die allesamt sehr lecker waren. Ich glaube aber, dass ich einen ähnlichen Ertrag auch ohne das ständige Nachhäufeln von Erde hätte erreichen können und würde mir das im nächsten Jahr sparen.
– Zucchini. Die Zucchinipflanzen haben jede 2-3 Zucchini hervorgebracht. Nicht so viel, aber auch das liegt wohl an zu kleinen Töpfen und Lichtmangel. Angegangen sind sie gut.

Nicht gut gediehen:
– Kürbis. Die Kürbispflanze hat sehr lange Arme aber nur eine kleine Frucht hervorgebracht, außerdem hatte sie als einzige Läuse. Auch hier bräuchte es einen viel viel größeren Topf, denke ich. Wird nächstes Jahr erprobt.
– Erdbeeren. Sehen zwar schön aus, tragen aber kaum, nehmen jedoch viel Platz weg und wuchern in fremde Töpfe rüber. Ich habe die Pflanzen jetzt in Kästen umgepflanzt und werde es nächstes Jahr mal am Ostfenster probieren.

Bis zum nächsten Jahr ist dann vielleicht auch der erste Kompost fertig…

7 Sachen

Nach Idee von FrauLiebe, 7 Sachen, für die ich am Sonntag meine Hände gebraucht habe.

1. In Anbetracht der herannahenden Erkältungszeit, eine ordentliche Menge Zitronen-Ingwer-Sirup gekocht.

2. Unter Aufbringung all unserer gemeinsamen ordnenden Kräfte einen vormals ca. 30cm hoch mit Kram bemüllten Schreibtisch in seinen Urzustand zurück versetzt.

3. Eine groooooooße Menge Äpfel geschält und geschnitten.

4. Und zu Apfelmus verarbeitet.

5. Voll Freude zum ersten Mal auf diesen Schalter gedrückt, der nun meine Nähecke in OP-Beleuchtung taucht.
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6. Kohl geschmort.

7. 57 kleine Quadrate geschnitten.
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Blogger-Manifest

„Es gibt kein äußeres Zeichen der Höflichkeit, das nicht einen tiefen sittlichen Grund hätte. Die rechte Erziehung wäre, welche dieses Zeichen und den Grund zugleich überlieferte.“
von Johann Wolfgang von Goethe
(28.08.1749 — 22.03.1832)

Wir haben, wenn wir uns umschauen, eine Bloglandschaft entstehen lassen, die vielfältig, bunt und abwechslungsreich ist. Wir haben Bloggerinnen, die sich unterscheiden:

Große und Kleine, Dicke und Dünne, Graue und Bunte, Junge und Alte. Und all dieje­nigen dazwi­schen. Manche nähen, andere stricken, einige tun beides, wieder andere können noch mehr. Es gibt Bilder, die sprechen und Texte, die malen. Es gibt die Ausschweifenden und die sich Kurzfassenden.
Aber wir unterscheiden uns nicht nur, wir sind uns auch einig in vielen Dingen:

Wir lieben unser Hobby. Wir sind stoff– und/oder woll­süchtig. Wir suchen Inspiration, wir teilen sie. Wir machen uns Gedanken über unsere Kleidung und finden anderes dennoch wichtiger. Wir schreiben Blogs und wir lesen sie. Wir suchen Rat und gewähren Hilfe. Und von Zeit zu Zeit ärgern wir uns:
Über uns und einen dummen Fehler. Über unseren Fehlkauf. Über eine falsche Entscheidung. Über unsere Familie, Kollegen, den Autofahrer, der uns die Vorfahrt genommen hat.

Im virtuellen Raum ärgern wir uns auch — manchmal. Wenn das Postfach mit Spam zugemüllt wird. Wenn die Schuhe in 39 ausverkauft sind, weil man eine Minute zu spät geklickt hat. Wenn das Schnäppchen bei ebay uns vor der Nase weggeschnappt wird.
Oder wenn es unseren Blog, den Blog der virtuellen (oder ganz und gar realen) Freundin angeht. Wenn die Höflichkeit nicht gewahrt wird. Ganz klar: über manche Kommentare ärgern wir uns.
Das kann ein kleiner, flüchtiger Ärger sein, weil eine von uns gestellte Frage zu klar beantwortet wurde.
Das kann ein größerer Ärger sein, wenn man von einer anonymen Person übelst beschimpft worden ist.

Es kann aber auch ein stetiger Ärger sein, der immer wieder an uns nagt. Nichts wirklich Schlimmes, Bösar­tiges, aber eben doch bissig. Ein Kommentar, der ungefragt und unhöflich abgegeben wird. Der klein macht, der traurig macht, der unsicher macht. Immer und immer wieder. Der uns zweifeln lässt: an dem Selbst­ge­machten, an unserem Spiegelbild, an unseren Talenten. Der manchmal ins Schwarze trifft. Oft aber daneben.

Auch unser eigenes Verhalten macht uns dann zu schaffen: sollen wir einen solchen Kommentar wortlos löschen (was uns irgendwie feige vorkommt)? Sollen wir ihn ignorieren (was wir zumindest gedanklich ja nicht tun)? Ihn ernst nehmen, darauf antworten, eine — ungewollte — Diskussion in unserem Blog, unserem Tagebuch lostreten? Einen gemeinen Kommentar zurück schießen? Was immer wir tun, wir fühlen uns nicht wohl.

Und warum? Nicht, weil jemand vielleicht den Finger auf den richtigen Punkt gelegt hat oder seine — von unserer eigenen Auffassung abweichende — Meinung kundgetan hat. Sondern, weil der Kommentator unhöflich war und von Unhöflichkeit ist unsere Welt zu voll. Nur, was ist unhöflich?

Es ist unhöflich, einer Mitbloggerin die eigene Meinung ungefragt und ohne Bitte, Danke, Darf ich aufzudrängen.

Es ist unhöflich, einer Strickanfängerin zu sagen, wie verzogen, krumm und schief ihr erstes Werk ist.

Es ist unhöflich, einer runden Bloggerin mitzuteilen, dass sie mit ihrer Figur doch besser auf dieses oder jenes verzichten solle.

Es ist unhöflich, eine große Bloggerin zu fragen, ob sie sich in den hohen Schuhen nicht wie eine Giraffe fühlt.

Es ist unhöflich, ungefragt mehr als einen Link in einen Kommentar zu setzen.

Es ist unhöflich, einen Kommentar abzusenden, der kaum lesbar ist, weil Dinge wie Recht-, Groß– und Kleinschreibung als unwichtig erachtet werden.

Es ist unhöflich, eine Diskussion zu erzwingen.

(All dies sind Beispiele von verschiedenen Kommentatorinnen auf verschiedenen Blogs.)

Es ist — kurz gesagt — unhöflich, sich nicht wie ein Gast zu benehmen.

Gerne kommt die Ausrede, dass wir uns mit unserem Blog, mit Text und Bild ja in die Öffentlichkeit begeben hätten und deshalb nun auch alles gelten lassen müssten — wer das nicht könne, müsse halt das Bloggen beenden.
Ja. Bloggen ist öffentlich. So öffentlich wie das Einkaufen gehen, das im Kaffeehaus sitzen, das Busfahren. Aber ist es deshalb in Ordnung, durch die Straßen zu rennen und jede Frau anzuhalten, die den eigenen Ansprüchen nicht genügt?
„Hallo, Sie da! Also Orange ist ja mal gar nicht ihre Farbe, ziehen Sie das bitte aus, Sie sind hier schließlich in der Öffentlichkeit. Und Sie da hinten, ja Sie: ähm, enger Rock? Bei Ihrem Hintern? Also raus hier, ich will ungestört Bus fahren …“ Geht nicht? Stimmt, geht nicht.

Man kann auch kommentieren, ohne ein Mindestmaß an Höflichkeit zu verlieren. Oder ich kann den Weg über eine persönliche Mail wählen, wenn ich das Gefühl habe, jemanden mit meinen Tipp einen echten Gefallen zu tun. Ich kann kurz anfragen: „Darf ich etwas dazu sagen, auch wenn ich anderer Meinung bin?“
Oder ich kann meine Meinung für mich behalten, wenn ich merke, die Bloggerin ist mit dem Gezeigten glücklich und fühlt sich wohl; ja, ich kann sogar in mich hineingrinsen, wenn es mir gar nicht gefällt. Wir sind unterschiedlich und haben einen unterschiedlichen Geschmack — das müssen wir respektieren, auch wenn es manchmal schwer fällt.

Ich kann sogar helfen, kritisieren und ehrlich sein — und dabei meine Höflichkeit bewahren. Ich muss mich immer dem Ton, den Gebräuchen meiner Gastgeberin anpassen. Die eine Bloggerin fragt: „Was kann ich tun? Steht mir dies, steht mir das?“ Die Andere hingegen berichtet nüchtern, was sie mag, was nicht. Wieder Andere mögen es lieb und sanft — ich als Kommentatorin und Mitbloggerin belasse es dabei. Blogs, die ich lieber anders hätte als sie sind, besuche ich nicht mehr. Blogs, die ich liebe, behandele ich mit Freundschaft. Bloggerinnen, die ich gut kenne, bekommen mich ungeschminkt. So einfach kann das sein.

Wir möchten unsere Bloglandschaft genauso bunt und vielfältig erhalten, wie sie ist. JEDE soll ihren Platz finden können. Aber bitte bemühen wir uns ALLE jederzeit um Höflichkeit.
Wenn du das genauso siehst, steht es dir frei, diesen Text auf deinem Blog zu veröffentlichen — weiterhin auf ein schönes Miteinander 🙂

Gefunden bei Michou Loves Vintage, Mad for Mod, Mit Spaten und Faden und Nähfiddeley

Me made Mittwoch: Sofa-Outfit

Meinen (sturm-)freien Tag habe ich heute erstmal mit einem ausführlichen Yogaprogramm begonnen.

Dabei trage ich, neben gekauften Yoga-Klamotten meine relativ neue Abalone.

(Selbstauslöser einschalten, zum Platz rennen UND dann auch noch eine gerade Yogaposition einnehmen, klappt nicht in 10 Sek. habe ich gelernt.)

Die Weste wird von unten nach oben nahtlos gestrickt und ist wirklich herrlich unkompliziert. Ein Strickstück bei dem man auch komplizierterem Fernsehprogramm noch bequem folgen kann. Ich habe sie nicht, wie in der Anleitung vorgesehen in glatt rechts mit krausrechts als Saumabschluss gestrickt, sondern im Perlmuster mit Rollbündchen als Saum.

Weil Perlmuster sich weitet habe ich mit etwas dünneren Nadeln gestrickt. Das Garn ist ein wundervoll weiches Kaschmir-Garn, das mir Nähfreundin Z. aus der Ukraine mitgebracht hat. Was ich beim ändern der Muster nicht bedacht habe, ist, dass ich durch das Rollbündchen auf beiden Seiten je ca. 1 cm verliere. Ist aber nicht schlimm.

Die Weste ist super um an ungemütlichen Tagen den Rücken schön warm zu halten und passt nicht nur zum Yoga, sondern durchaus auch zu Jeans. In dieser Kombi werde ich sie auch den Rest des Tages tragen, denn ich habe floristisches, räumen und kramen und einen kleinen Spaziergang geplant.

Strickmuster: Abalone via ravelry

Garn: 100% Kaschmir

Verbrauch: knapp 200g

Nadelstärke: 4

Würde ich das Muster nochmal stricken? Ja, ich hab da schon rote Wolle für liegen.

 

Und jetzt gehe ich gucken, ob irgendwer heute echte Klamotten trägt oder wir heute lauter schöne selbstgemachte Gammel-Outfits sehen. Und wer ist heute dran mit gastgeben? Wiebke! Danke liebe Wiebke für’s pünktliche Posten am Feiertag!

Schön vergammelt

Als ich letzte Woche zu meinem Atbeitsessen war, waren wir im Restaurant in der Kokerei Zollverein. Das Restaurant kann ich sehr empfehlen, schöne Atmosphäre und leckeres Essen, schließt allerdings recht früh.

Weil ich zu früh da war, habe ich noch ein paar Fotos von verrottender Industriearchitektur im Dämmerlicht mitgebracht. Die Kokerei ist auf dem Zechengelände sehr weit abgelegen, da war ich auch lange nicht. (Klick auf ein Bild öffnet die ganze Galerie)

An einem der Werkstore habe ich dieses interessante Manifest vorgefunden (klicken zum vergrößern).

Spannend, oder ?