Weihnachtsvorboten…

…woran merkt man dass bald Weihnachten ist?

Deko und Gebäck gibts ja schon ab August. Die taugen nicht als Indikator. Aber es gibt einen totsicheren Anhaltspunkt für herannahende Adventszeit: die Blinke-Quote.

Als Bahnpendler im Ruhrgebiet brauche ich keine Information, wann der Weihnachtsmarkt eröffnet. Ich zähle einfach die Anzahl der Gruppen blinkender Menschen im Zug. Ist die größer als 1 und es ist nicht Freitag (dann muss man noch um die Junggesell(inn)enquote bereinigen) ist klar: Weihnachtsmarkt offen. Fortan läuft der Alltag etwa so: morgens Berge von Rentnerinnengrüppchen von 4 bis 12 Personen, entweder alles Frauen oder Paare, im Zug. Ausgestattet mit in Alufolie eingewickelten Sektflaschen, Flachmann (denn wer zahlt schon gern für den Schuss im Glühwein) und pro Person min. einem Blinkedings. Dezentes Blinken ist am Revers befestigt, etwas weniger dezent die blinkende Nikolausmütze, Krönung der Blinkeaccessoires: blinkendes Rentiergeweih auf Haarreif. Alle das gleiche damit man seine fellow Mitblinkenden nicht verliert. So blinken und betrinken sie sich unverschämt fröhlich und meist zu laut in der Bahn um halb neun. Danach fallen sie alle beim Bäcker im Bahnhof zum Frühstück ein („einen Filterkaffee und ein Fleischwurstbrötchen ohne Salat“) um dann entweder zu einem ausgedehnten Geschenkegroßeinkauf in „Essen – Die Einkaufsstadt“ aufzubrechen oder aber über den Weihnachtsmarkt herzufallen, kaum dass der erste Stand sein Törchen öffnet. Beides kann kombiniert werden, muss aber nicht. Pflicht ist allerdings der Verzehr von min. 1 Bratwurst, 1 Portion Reibekuchen und 1 Crepe sowie die regelmäßige Zufuhr von Glühwein, um den Pegel zu halten. Mit einem Berg von Einkaufstüten im Schlepptau trifft man die gleichen Gruppen dann, leicht derangiert und noch lauter, in der Bahn am Abend wieder, nachdem man sich vorher schon gegen den Strom der deutlich jüngeren „Nachfeierabend-Blinkegruppen“ dem Bahnhof entgegemgeschoben hat.

Meine Eltern behaupten ja, jeder Mensch habe offenbar noch ein weiteres Auto zu Hause, das er nur in der Adventszeit rausholt und mit dem er dann zusätzlich rumfährt und die Straßen verstopft, die allseits bekannten Adventsautos also. Ich bin nun aber sicher, dass die gesamte Bevölkerung des Sauer-, Sieger- und Münsterlands jenseits der 60 pro Adventszeit mindestens einmal pro Woche ins Ruhrgebiet gondelt (1 mal mit dem Kegelclub, 1mal mit dem Stammtisch, 1mal mit dem Kirchenchor, 1mal mit der Skatrunde). Das heißt die These von den Weihnachtsautos ist nur haltbar, wenn die alle an den anderen 6 Tagen der Woche pausenlos mit ihren Adventsautos rumgurken.

Halb Holland fällt natürlich auch noch über uns her, aber die kommen mit dem Reisebus und nicht mit dem Zug, deshalb weiß ich nicht, ob sie ihren Sekt auch in Alufolie einwickeln, blinken tun sie auch. Allerdings ist das irgendwie gerecht schließlich überfallen wir ja auch an jedem nordrheinwestfälischen Feiertag die holländischen Grenzorte und kaufen denen den gesamten Vorrat an Kaffeepads und Vanillevla weg.

So, in diesem Sinne fröhliche Blinkezeit…