Bloggerinnentreffennachgedanken

Jetzt ist das große Bloggerinnentreffen schon 10 Tage vorbei, aber ein paar Gedanken klingen noch nach. Das sind natürlich Gedanken an die eine oder andere nette neue Bekanntschaft, an Romanitjersey und Kleiderschnitte. Aber vor allem auch Gedanken zum bloggen und selbermachen. Die weit über das nähen und darüber bloggen hinaus gehen.
Den Anfang soll die Frage machen, wie stark man die ‚echte Identität‘ mit der ‚Blogidentität‘ verknüpft. Und diese Frage hat, auch wenn man es im ersten Moment nicht denkt, zwei Aspekte: Einerseits wieviel von mir selbst gebe ich der anonymen Masse im Internet preis. Aber andererseits auch: wieviel von meinem Blogleben gebe ich meinem tägliche Umfeld preis. Beides hängt zusammen und interessanterweise ist mir eigentlich der zweite Teil der Frage dringlicher im Kopf.
Relativ ausführlich habe ich diesen Teil des Problems mit Melleni diskutiert und wir befanden uns dabei auf recht ähnlichen Pfaden. Ausgangspunkt war Mellenis Frage, ob mein berufliches Umfeld von meinem Blog weiß. Diese Frage kann ich gar nicht so klar beantworten. Insgesamt wissen, glaube ich, relativ viele Leute, die mich persönlich kennen, dass ich blogge. Ich habe den Eindruck, bei anderen ist die Trennung da stärker. So lesen auch einige meiner Freundinnen mein Blog, die auch meine Kolleginnen sind. Allerdings halte ich mich da gegenüber Menschen, die ich rein beruflich kenne sehr zurück. Zum Beispiel habe ich schon lang aufgehört, meine Blogposts in meinem privaten Facebookprofil zu posten, weil Facebookfreunde eben meist keine Freunde sind. Die Zurückhaltung mein Blog beruflich öffentlich zu machen hat letztlich zwei Gründe. Zunächst mal äußere ich hier gern meine Meinung und in meinem beruflichen Kontext sind wir gehalten politische Überzeugungen und persönliche Meinung eher nicht so offen vor uns her zu tragen. Und dann denke ich, und bin damit nicht unbedingt allein, dass zeitaufwändige und regelmäßig betriebene Hobbies letztendlich, mit der Ausnahme von Sport, von vielen Arbeitgebern als mangelndes Engagement im Beruf ausgelegt werden. Das ist, da bin ich sicher, völliger Unsinn. Ein zufriedener und breit interessierter Arbeitnehmer wird eher bessere Arbeit leisten. Dennoch ist es wohl so, dass ein potenzieller Arbeitgeber ein nicht-sportliches Hobby als Ablenkung auslegen könnte. Gerade im akademischen Kontext gilt nur als echter Forscher, wer keine anderen Interessen hat. Ausnehmen würde ich hiervon Sport, insb. Mannschaftssport. Hier zählt der kompetitive Aspekt als Rechtfertigung. Das ist eine wirklich traurige Erkenntnis, die ich vor meinem Gespräch mit Melleni noch nie so bewusst formuliert habe, aber wohl schon länger als Handlungsmaxime verinnerlicht habe. Und letztlich folgt aus dieser Erkenntnis meine Antwort auf Teil1 meiner Frage von oben. Denn natürlich finde ich, dass vieles was so in meinem Leben passiert, das Internet nicht unbedingt was angeht. Das meiste wäre ja auch total langweilig. Aber tatsächlich gäbe es auch manches wo es mich nicht stören würde, das Internet daran zu beteiligen, was aber auf mich als Person zurückschließen ließe. Dazu gehört zum Beispiel mein Gesicht. Oder mein Geburtstag. Oder Namen. Ich mag eigentlich auch lieber Blogs mit Gesicht. Das Gesamtoutfit inkl. des Kopfes sehen. Ich finde es auch schön, einer Bloggerin zum Geburtstag gratulieren zu können. Hier denke ich aber einfach, wird es in Zukunft immer einfacher werden, z.B. Bilder automatisch zu durchsuchen und abzugleichen und so die verschiedenen Identitäten verknüpfen zu können. Und das möchte ich nicht, dass jemand, dem ich nicht selbst und freiwillig diese Verbindung offenbare sie dennoch einfach herstellen kann. Wahrscheinlich werden wir uns auf Dauer an den Gedanken gewöhnen müssen. Ich schrecke aber davor zurück. Und letztlich kann man eben auch das einmal veröffentlichte nie vollständig zurücknehmen. Und man kann einfach zu wenig ahnen, was in Zukunft vielleicht noch einmal wichtig werden könnte.

Was denkt ihr so?

4 Gedanken zu “Bloggerinnentreffennachgedanken

  1. ma-li schreibt:

    Die Gedanken, die du hier aussprichst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Spätestens seit auf dem Kirschenkindblog vor einigen Tagen ebenfalls ein Beitrag zu der beidseitigen Verflechtung von Berufsleben und Blog erschienen ist. Das ist zwar irgendwie auch schade, dass immer mehr Blogs “gesichtslos “sind, aber ich habe mich auch bewusst dafür entschieden,gerade weil Gesichtserkennung so gut funktioniert und weil ich auch erlebe, dass das öffentlich machen meines Hobbys einigen aus meinem Bekanntenkreis befremdlich vorkommt. Es wäre mir unangenehm, das vor Kollegen rechtfertigen zu müssen.
    Aber wenn die Gesichtslosigkeit, so wie du sagst, hilft dass man seine Meinung frei sagen kann, muss sie ja nicht nur schlecht sein.
    Lg ma-li

  2. Catherine schreibt:

    Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen – gerade in einem Beruf wo absolutes commitment verlangt wird und Äüßerlichkeit mit Oberflächlichkeit gleichgesetzt wird, insbesondere bei Frauen. Ich bin allerdings auch ohne Kopf erkannt worden. Trotzdem behalte ich es so bei, dann bin ich immerhin nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Ich freu mich schon wenn bei meiner Arbeit das Gerücht die Rnde macht, dass ich meine Zeit nicht nur mit Nähen, sondern auch mit Nähbloggen verplempere. Aber deswegen nicht mehr bloggen hieße ja auch, einzuknicken vor diesem Druck, sich zwischen Schönem und Inhaltlichen entscheiden zu müssen. Dagegn bloggen wir doch eigentlich an. Aber angenehm ist es nicht und das liegt wirklich daran, dass dieses weibliche Hobby schnell lachhaft wirkt. Würde ich als Hobby alte Lagerhallen fotografieren und darüber bloggen wär das bestimmt ein bisschen nett skuril, aber kaum peinlich 8wobei ich es sicher nicht peinlich finde, andere aber möglicherweise schon)

    Lg! Catherine

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Ich glaube es ist aber nicht nur das Stigma des „Hausfrauenhobbys“. Zumindest von meinem Mann und auch von Kollegen hier kenne ich es, dass auch komisch geguckt wird wenn jemand ein relativ zeitintensives Hobby wie schreinern, Musik oder sowas macht. Einfach, weil man offenbar noch andere Interessen hat. Welch Überraschung.

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