Kleiner Jahresrückblick

Ich genieße die absolute Ruhe des Urlaubs zwischen den Jahren. Das hatte ich nötig nach diesem Jahr, einfach mal zwei Wochen seliges nichtstun. Denn 2012 war ziemlich voll.

Los gings Anfang Februar mit der Verteidigung.Puh war das aufregend. Ich hoffe inständig, dass dies die letzte Prüfung in meinem Leben war. Aber immerhin, seitdem bin ich Frau Dr. und meine Studenten schreiben mir viel höflichere Mails.

Dann haben wir zwei interssante und vielseitige aber leider wenig erholsame Wochen in Israel verbracht. Die voll waren mit Eindrücken und Einsichten.

Dann stand die Organisation unserer Hochzeit an. Auch das war viel zu tun und vor allem viel Kleinkram. Zum Glück hat es sich gelohnt und wir hatten ein schönes Fest. Die Fotos haben wir aber immernoch nicht alle gesichtet.

Eine kurze und sehr schöne Atempause bot unser Urlaub in Südfrankreich, den wir mit Zelt und vielen Büchern am Strand und in der Hängematte verbracht haben. Das war verdammt nötig.

Denn seit September habe ich eine deutlich höhere Lehrbelastung als bisher, das hat viel Zeit und Energie verbraucht und mir teilweise wenig Spielraum gelassen sowohl zeitlich als auch gedanklich.

Nebenbei habe ich mein erstes „Gartenjahr“ absolviert und dabei einiges gelernt und eine ganze Reihe Kleider und Röcke genäht. Untergegangen ist teilweise das stricken, ich war einfach oft zu müde um noch das Strickzeug in die Hand zu nehmen. Ich habe auch recht wenig gelesen und zu meinem großen Leidwesen in den letzten Monaten auch viel zu wenig selbst gekocht. Auch dafür fehlte abends oft die Kraft.

Was gern so bleiben darf ist mein praktisch nicht mehr existenter Fernsehkonsum. Außer dem Tatort und ab und an mal was auf zdf neo schauen wir praktisch kein fern. Das ist irgendwie auch sehr befreiend.

Für das nächste Jahr steht erstmal noch 1 Monat mit Lehrstress und auch einigen Herausforderungen in der Forschung ins Haus. Danach allerdings wird es beruflich wieder entspannter und das ist auch gut so.

Uns stehen einige Räum- & Umbauarbeiten in der Wohnung bevor. Ich hoffe trotzdem, ich schaffe es wieder öfter zu kochen und zu backen und darüber zu bloggen. Außerdem wäre mehr stricken und öfter rausgehen schön.

Ein wichtiges Thema ist und bleibt für mich die Nachhaltigkeit. Bewusster zu essen, einzukaufen, zu reisen. Da kann man immer noch mehr tun und wollen wir auch.

Kleine Geschenke zu Weihnachten

Ich melde mich vom Krankenlager. Als gute Arbeitnehmerin bin ich, kaum hatte ich Urlaub, gleich mal krank geworden. Über Heiligabend und den ersten Feiertag konnte ich mich gerade noch so retten, seit gestern lieg ich hier rum und bin zu wenig in der Lage. Aber zzum Glück kann ich noch Sachen zeigen, die ich vor Weihnachten gemacht hab.

Ich bemühe mich eigentlich jedes Jahr für diejenigen, denen ich nix großes schenke, die aber trotzdem eine nette Kleinigkeit bekommen sollen, etwas selbst zu machen. Dieses Jahr gibt es in dieser Rubrik floristisches und kulinarisches.

Floristisch gibt es bepflanzte Glasschalen. Die Glasschalen habe ich seit unserer Hochzeit reichlich im Hause und plane eigentlich nicht, sie allesamt bis zum nächsten großen Familienfest im ChaosArbeitszimmer einzulagern. Dann doch lieber anderen damit eine Freude machen. Bepflanzt hab ich sie mit Christstern und Hyazinthe. Ergänzt um Moos und ein bisschen weihnachtlichen Klimmbimm. Schleifchen drum und fertig.
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Kulinarisch gibt es dieses Jahr Dosen, die mit Bratapfelmarmelade, Chaisirup und Spekulatius-Kaffeecreme bestückt sind.
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Den Chai-Sirup habe ich nach dem Rezept von Nina gemacht, habe allerdings wie bei Chai Tee zunächst nur die Gewürze mit dem Wasser aufgesetzt und 1 Stunde ziehen lassen, dann den Tee und den Zucker dazu gegebem, nochmal 10 Minutem geköchelt, abgeseiht und in kleine Fläschchen gefüllt. Ich mache daraus Chai ganz klassisch mit heißem Wasser und heißer Milch im Verhältnis 1:1 und ca. 1-2 EL Sirup auf eine große Tasse.

Die Spekulatiuscreme gibt es bei den holländischen Nachbarn ganz normal im Supermarkt zu kaufen. Eine Variante habe ich auch bei der Weihnachtsedition von Post aus meiner Küche entdeckt. Meine Variante geht so:

200g Gewürzspekukatius mit 30g Butter, 1 EL flüssigem Honig, 1 Espresso und 1/2 TL Zimt im Küchenhäcksler zu einer homogenen Masse verarbeiten. In Gläser füllen, im Kühlschrank lagern.

Die schönen Labels hat Herr Siebenhundertsachen geschnitzt und gedruckt mittels Linoldruck und mit Serviettentechnikkleber aufgebracht. Und er hat auch fleißig das Messer geschwungen und Äpfel entkernt und geschält, denn unsere Ernte war reichlich, so dass wir viel Apfelmus und Bratapfelmarmelade eingekocht haben dieses Jahr.

Weihnachtskleid Sew Along – Finale

Kurz vor Toresschluss schlüpfe ich auch noch rein in die große Weihnachtskleidparade, die heute auf dem Me made Mittwoch-Blog stattfindet. Da ich schon bei meiner Familie bin, gabs keine Zeit für Fotos. Schöne Fotos reiche ich vielleicht noch beim Finale der Herzen nächste Woche nach. Aber jetzt Vorhang auf fürs Weihnachtskleid, vorm noch ungeschmückten Baum:
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Der Schnitt, zur Erinnerung, war dieser hier:

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Allerdings war unser Weg eher steinig. Zuerst hatte ich einen Weihnachtssack und erst nach rabiater Engermachung um insg. 6cm bis 8cm, wurde ein tragbares Kleid draus. Für den nötigen Schick sorgt das Satinband und das Paillettenband am Saum.

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Dadurch glockt der Saum auch sehr nett und das Kleid ist ein echtes Schwingkleid.

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Ich mag es nun sehr, wo es doch noch was geworden ist. Es hat Taschen und es ist sehr bequem.

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Nochmal die Fakten:

Schnitt: Butterick 5639
Größe 12, erheblich verschmälert
Stoff: Romanitjersey vom Stoffmarkt
Änderungen: Ausschnitt mit Wäschegummi abgeschlossen, dafür ungefüttert, verschmälert, Schrägband gesäumt, Oberteil verlängert, Träger gekürzt.
Schwierigkeitsgrad: schwieriger als ich dachte. Viele Schnittteile, viele Anpassungen

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Heute bloggt Katharina auf dem MMM-Blog, aber vorher hat sie uns in ihrem virtuellen Zuhause willkommen geheißen und diesen Sewalong initiiert. Liebe Katharina, das war ganz schön toll von dir! Danke!

Euch allen frohe Weihnachten mit schickem Kleid, tollem Essen und ganz viel Freude!

Mini DIY: Christbaumkugel-Ohrringe

Hier zeige ich euch mal meine Weihnachtsohrringe vom vorletzten Jahr:
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Solche Christbaumkugeln für die Ohren kann man super einfach selbst machen. Man braucht nur kleine Christbaumkugeln, eine kleine Zange und zwei Ohrhänger. Und zwar kurze ohne Spirale und Kugel, so wie die unteren im Bild.
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Wenn man solche nicht findet, kann man aber auch einfach bei denen mit Spirale und Kugel die Öse aufbiegen, Spirale und Kugel runternehmen, ein Stück kürzen und eine neue Öse biegen. Ich hebe auch einfach immer die Ohrhänger von müllreifem Modeschmuck auf und habe so immer solche kurzen Hänger im Haus.

Dann einfach Öse aufbiegen, Christbaumkugel auffädeln, Öse zubiegen, fertig.
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Man kann übrigens die Käppchen oben von den Glaskugeln abziehen und auf andere Glaskugeln draufstecken. Das ist praktisch, wenn man z.b. ein silbernes Käppchen möchte, aber die erwünschte Farbe nur mit goldenen Käppchen zu haben ist. Hier habe ich z.B. Kugeln von Das Depot mit Käppchen von IKEA vereint.

Kleines Update in Sachen Weihnachten

Frei nach dem Motto „Wenn dein Leben dich nervt, streu Glitzer drauf“ bekommt das Weihnachtskleid als Lohn für seine Anstellerei eine ordentliche Portion Paillettenband. Und Satinschrägband. Und einen Gürtel. Ha! Säumen und Glitzeranbringung stehen noch aus. Dann wäre die Bekleidungsfrage geklärt.

Ungeklärt bleibt der Verbleib zweier Pakete mit hochgradig wichtigen Geschenken drin. Jeden Tag sind sie „auf dem Zustellfahrzeug“. Fragt sich nur wo das Zustellfahrzeug ist. Vielleicht auf Ibiza. Wer weiß.

Auch wären da noch eine Reihe von Geschenken einzupacken und liebevoll zu beschriften, eine ganze Ladung Plätzchen mit Zuckerguss zu überziehen sowie ca. 1 Trillion Maschinen Wäsche zu waschen. Achja, ein wenig Ordnung, Sauberkeit und weihnachtliche Deko würden der Wohnung auch nicht schaden. Hm.

Problem: aus unerfindlichen Gründen ist die Uni noch in Betrieb und möchte von mir mit Anwesenheit beehrt werden. Z.B. soll ich morgen eine Vorlesung halten und ein Kolloquium besuchen. Und am Donnerstag einen Gast zu einem Vortrag wärmstens willkommen heißen. Auch melden sich ja so dumme Gutachter immer mit ihrer Meinung zu einem Paper vorzugsweise dann, wenn es einem gar nicht passt, so geschehen dreimal innerhalb der letzten drei Wochen. Und davor ein Jahr gar nicht. Ein großer Spaß.

Aber egal. Was am Donnerstag abend nicht erledigt ist, bleibt liegen, wann soll ich sonst noch die Geschenke einpacken?

7 Sachen etwas verspätet

Jede Woche sonntags und manchmal erst dienstags: Sieben Bilder von sieben Sachen, für die ich am Sonntag meine Hände benutzt hab.

1. Einen Chai Latte gekocht.

2. Ein Kleid wutentbrannt in die Ecke gepfeffert.P1040246

3. Das Kleid wieder aus der Ecke geholt und aufgetrenntP1040245

4. Das Kleid neu zusammengenähtP1040247

5. Ein Päckchen geheimen Inhalts gepackt.P1040251

6. Einen leckeren Wintersalat bereitet.P1040248

7. Weitere geheime Dinge mit Gewürzspekulatius veranstaltet. P1040252

Geheimnisse über Geheimnisse. Diese werde ich nach Weihnachten aufklären können – Feind liest mit. Am nächsten Sonntag sind schon Ferien! Oh wie ich mich darauf freue!

Lese- und Guckempfehlung

Ich möchte nachdrücklich den aktuellen Post von Frifris zu Fairer Kleidung empfehlen, der einige sehr lesenswerte Links zum Erkennen von „fairer“ Kleidung zusammenstellt.

Und auf meinen Artikel zur Kinderarbeit bezug nehmend noch eine Guckempfehlung: Die NDR-Doku „Schmutzige Schokolade“ setzt sich – passend zum Fest – mit der Frage auseinander, wie eigentlich die Arbeitsbedingungen in der Schokoladenproduktion sind. Wem danach der Hunger auf konventionelle Schokolade vergangen ist, dem sei die Alternative „Die gute Schokolade“ ans Herz gelegt, die sich zur Aufgabe gemacht hat, faire und klimaneutrale Schokolade Supermarkt-tauglich zu machen.

Weihnachtskleid Sewalong Teil 4

Heute mittag war ich kurz davor, den Weihnachtskleidplan ad acta zu legen und lieber doch in der Jogginghose unterm Baum zu sitzen. Dieses Kleid will nicht, ich spür das.

Im Verlauf der Woche hatte ich das Oberteil und das Oberteilfutter genäht und angepasst. Durch die Prinzessnähte ging das anpassen ganz gut, allerdings war ich schon vom Sitz an der Puppe nicht so ganz überzeugt.

Auch ist zwar stable knits als Stoff mit angegeben, aber ich hatte dennoch den Eindruck, dass Schnitt und Stoff nicht recht zusammenpassen.

Nachdem ich so schonmal 18 der 32 Teile wegvernäht hatte, machte ich mich heute an das zusammennähen des Rocks. Das klappte danm exzellenter Anleitung und Markierungen recht flott, so dass ich schon am frühen Nachmittag Rock und Oberteil zusammensetzen konnte.

Tja und dann kam die Anprobe und das böse Erwachen. Das Kleid ist mit absoluter Sicherheit das am schlechtesten sitzendste Kleidungsstück, das ich je genäht hab. Es war am Rücken etwa 8 cm zu weit. An der Brust saß es zwar, das Oberteil war aber entschieden zu kurz und die Schulternaht saß auch etwa 4 cm unterhalb der Schulter. Außerdem ist das Teil für meine Begriffe zu kurz. Das Oberteil wird ja gefüttert und ich hatte es entsprechend mit Jersey gedoppelt. Der drehte sich aber entlang des ganzen Ausschnitts nach außen. Hübsch ist anders. Ich kann mir das ganze echt nicht erklären, ich habe wie eigentlich immer das vordere Oberteil eine Größe größer genommen als hinten und Rock und mich für hinten und Rock an Taillen- & Hüftmaß orientiert. Wo diese wallende Weite herkommt ist mir schleierhaft.

Mein erster Instinkt nach der Anprobe:

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Ab in die Ecke und her mit dem Kleid vom letzten Jahr.

Kurz ein wenig rumgewütet und mich selbst bemitleidet. Dann :

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… aufgetrennt.

Ich habe ein komplett neues verlängertes und angepasstes Oberteil zugeschnitten. Das wird jetzt nicht gedoppelt, stattdessem hab ich den Hals- und Ärmelabschluss mit Wäschegummi in schwarz gemacht.

Aus dem Rock hab ich am allen Nähten je 1cm rausgenommen, so dass der Rock nun 6 cm enger ist. Das Maß hat sich aus dem angepassten Oberteil ergeben.

Dies ist nun also der Status :

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Frau Puppe scheint es nun zu passen, für eine Probe an mir fehlte mir der Mut.

Noch zu tun: 1. Ausschnitt absteppen – dafür muss ich erst richtig richtig passendes Nähgarn besorgen. 2. Den Rock ca. 1cm höher setzen, da hab ichs mit der Verlängerung doch zu gut gemeint. 3. Träger hinten festnähen. 4. Säumen. Dafür werde ich, damit es nicht noch kürzer wird, ein Schrägband aus Satin nehmen. Das muss ich auch noch besorgen. Ich überlege noch, ob ich a) den oberen Rand der Taschen auch noch mit Schrägband versehen sollte und b) die Empirenaht mit einer Paspel betonen oder lieber nicht.

Ohne Sewalong wäre dieses Kleid ganz sicher still und heimlich beerdigt worden. So hab ich mich durchgebissen und denke, ich kann es zu einem guten Ende bringen. Irgendein Klimmbimm fehlt mir allerdings noch, aber ob ich dafür noch Zeit habem werde ist sehr fraglich.

Die meisten anderen sind ohne nennenswerte Katastrophen heute schon recht versöhnlich (beinahe) fertig. Das kann man bei Katharina bestaunen.

Boykott gegen Kinderarbeit?

Durch einen der von mir sehr geschätzten Lesetipps von Melleni/Talentfreischön bin ich auf einen Artikel zur Sinnhaftigkeit von Produktboykotten im Freitag gestoßen, der mir etwas kurz gegriffen scheint. Recht ausführlich werden hier die Ergebnisse einer Studie zitiert und dann mit drei recht salopp gestellten Fragen entkräftet. Dabei ist an der Studie, die zitiert wird, viel Wahres dran, und vor allem ist es nur eine Studie, die hier als Gesamtmeinung der entwicklungsökonomischen Forschung und zudem als theoretisch dargestellt wird. Für mich sehr schlechte Recherche. Daher hier eine lose Sammlung zu Erkenntnissen zu Kinderarbeit:

1. Das Risiko, dass ein Kind zur Arbeit gezwungen ist, ist insb. im asiatischen Raum, Bangladesh aber auch Indien, China, Indonesien sehr hoch. Es gibt aber ein fast ebenso hohes Risiko auch in Sub-Sahara Afrika. (je dunkler auf der Karte desto höher das Risiko in Kinderarbeit zu landen)

2. Im Jahr 2004 wurde von Unicef geschätzt, dass weltweit etwa 250 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren zumindest in Teilzeit arbeiten. Schlimmer noch: über 110 Millionen dieser Kinder sind in sog. Ausbeuterverhältnissen, d.h. Sklaven, Kindersoldaten, Drogenkuriere, Zwangsprostituierte.

3. Die Arbeit, der die Kinder nachgehen ist dabei sehr divers. Während in Bangladesh die Textilidustrie als Hauptarbeitgeber fungiert, arbeiten Kinder in Malaysia, Thailand und Indonesien vorrangig als Haussklaven und Prostituierte. In Sub-Sahara Afrika herrschen landwirtschaftliche Tätigkeiten vor, und leider auch die Arbeit als Kindersoldaten.

4. So divers die Arbeit, so einheitlich der Grund: Armut. Hier sind sich alle Studien einig. Kein Elternteil schickt seine Kinder arbeiten, wenn der Haushalt nicht zwingend darauf angewiesen ist. Kinder werden zwar im Verhältnis zu Erwachsenen bedeutend schlechter bezahlt, tragen aber dennoch wichtige Teile zum Familieneinkommen bei.

Anteil der Personen die mit weniger als 1,25$ pro Tag auskommen müssen in %, dunklere Farbe = größere Armut. Quelle: http://www.netpublikationer.dk/um/11157/html/large00.htm

5.  Auch die Auswirkungen sind recht klar: ein Kind, das arbeitet erwirbt keine Bildung, hat eine deutlich schlechtere Gesundheit und damit ein doppeltes Risiko als Erwachsener selbst arm zu sein.

6. Die Lösung liegt nicht auf der Hand. Während die ILO seit Jahren für ein konsequent umgesetzes Verbot eintritt, bemühen sich Kinderschutzorganisationen wie Unicef in erster Linie Kindern eine adäquate Entwicklung trotz Kinderarbeit zu ermöglichen.

7. Was oft vergessen wird, ist die Frage nach den Alternativen. Selbst wenn ein Produktboykott dazu führen würde, dass kein Kind in Bangladesh mehr arbeiten würde, würde dies letztlich kaum dazu führen, dass die Kinder alle glücklich, wohlernährt und ohne materielle Sorgen aufwachsen. Die Kinderarbeit ist immer gekoppelt an mangelnde Gesundheitsversorgung, mangelnde Bildungschancen und Armut. Ein Kind das nicht arbeitet, kann dennoch nur zur Schule gehen, wenn es überhaupt eine adäquate Schule in erreichbarer Nähe gibt. Es benötigt Gesundheitsversorgung und hochwertige Nahrung, die seine Eltern sich nicht leisten können. Solang diese Probleme nicht aus der Welt geschafft sind, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch über kurz oder lang wieder jemand finden, der das Kind arbeitet lässt.

8. Aus dieser Erkenntnis heraus haben viele lateinamerikanische Länder das mexikanische Oportunidades-Programm übernommen. Das Programm sieht vor, dass Eltern, die unterhalb der Armutslinie leben eine Reihe von Gesundheitsleistungen, Nahrungsmittelgutscheine, Nahrungsergänzungsmittel und Schul-/Lernmittelstipendien sowie einen Geldtransfer erhalten, aber nur, wenn sie ihr Kind regelmäßig zur ärztlichen Vorsorge bringen und das Kind die Schule besucht. Damit wird den Eltern eine Alternative zu Kinderarbeit geboten, die gleichzeitig die Versorgung des Kindes und das Einkommen des Haushalts verbessert. In Lateinamerika sind diese Programme sehr erfolgreich, sie sind allerdings auch teuer und an die existenz von Gesundheitswesen und Schulen gebunden. Auf ärmere Länder sind sie daher nur eingeschränkt übertragbar.

9. Festzuhalten ist, Kinderarbeit ist ein komplexes und sehr weitreichendes Problem. Allein auf Seite der Unternehmen lässt es sich nicht bekämpfen und auch bürgerliches Engagement allein wird hier wenig ausrichten. Vielmehr ist das Problem nur politisch in den Griff zu bekommen. Auf Seiten der Entwicklungsländer durch gesetzliche Bestimmungen zum Arbeitsschutz, Investitionen in das Schulwesen und Bekämpfung der Armut. Auf Seiten der Industrieländer durch strengere Einfuhrbestimmungen, die ausschließen, das Güter aus Kinderarbeit, aber auch aus Umwelt-schädlicher Produktion eingeführt werden können. Und auf Seiten der Konsumenten durch den Kauf von zertifizierten Gütern, im Idealfall fair gehandelt, bei gleichzeitiger Unterstützung von Initiativen, die in den betroffenen Ländern Bildungs- und Ausbildungsprojekte unterstützen.

10. Denn letztlich sollte jedem klar sein: Ob ein Kleidungsstück aus Bangladesh, Vietnam, der Türkei oder Rumänien kommt: wenn es nur 5 Euro kostet, dann ist es unter furchtbaren Arbeitsbedingungen produziert worden. Aber selbst wenn das Kleidungsstück 20 oder 30 oder sogar 200 Euro kostet – es gibt kaum ethisch-moralisch einwandfrei produzierte Kleidung. Nur ein Zertifikat spricht eine eindeutige Sprache, nicht der Preis.

Ich bin völlig damit einverstanden, Textilkonzerne, die nachweislich Raubbau an Mensch und Natur betreiben nicht noch durch den Kauf der Produkte zu unterstützen. Ich halte allerdings wenig davon, einzelne Länder, einzelne Konzerne anzuprangern und die Augen davor zu verschließen, dass die Unterschiede marginal sind. Und letztlich sehen wir allein in der Möglichkeit mit derlei Geschäftsgebahren durchzukommen und Gewinne zu machen, dass das Desinteresse an den Produktionsbedingungen andernorts erschreckend groß ist. Der Textilienkonsum, wie wir ihn heute betreiben ist schlicht nicht nachhaltig. Punkt.

7 Sachen

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Nach einer Idee von Frau Liebe: 7 Sachen, für die ich am Sonntag meine Hände gebraucht hab. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist egal.

1. Die Faust geballt und zum Himmel geschüttelt aus Wut weil er den schönen über Nacht gefallenen Schnee mit Regen kaputt gemacht hat.

2. Aber: Was muss das muss. Trotzdem auf den Weihnachtsmarkt gegangen und den halben Gewürzstand sowie 3/4 des Olivenstands leergekauft.

3. Wieder zu Hause den bunten Teller mit allem gefüllt, was wir zu Nikolaus geschenkt bekommen haben. Wir sind glückliche Menschen!

4. Ein Windlicht gebastelt.

5. Etwas leckeres zusammengeköchelt.

6. Weitere 16 Teile für einen weiteren Transparentstern gefaltet.

7. Zwei Kerzen angezündet.

Merkt einer, was ich entgegen meiner Ankündigung nicht gemacht hab? Röschtösch – die 32 Teile des Weihnachtskleides einer tragbaren Form näher gemacht. Klassischer Fall von Prokrastination würde ich sagen.