Veggieblogtag #4 Moussakka

—-
Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion „Donnerstag=Veggietag„. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir und bei allen BloggerInnen die mitmachen wollen etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost.
——

Hallo, liebe Donnerstags- oder Immer-Vegetarier und willkommen zu einer neuen Runde Rezepte-Tausch. Ich bin sehr froh, dass sich schon eine kleine Rezeptsammlung zusammengefunden hat. Danke für eure Beiträge, so probiere auch ich dauernd neue Rezepte. Total super. Wer mitmachen mag, ist herzlich eingeladen einen Kommentar zu seinem Beitrag zu hinterlassen!

Als Vegetarier auf Reisen hat man es manchmal leicht und manchmal schwer. In Israel zum Beispiel, konnten wir dank koscherem Essen und mediterranen Grundzutaten so richtig schlemmen. Und da es an jeder Ecke Falafel gibt, auch immer bequem einen Snack für zwischendurch finden. Mit Grausen denke ich dagegen an einen Sardinienurlaub zurück bei dem die (vorher per Mail extra erfragte) vegetarische Alternative täglich, 14 Tage lang, Reis mit Tomatensosse war. Sehr schwierig in dieser Beziehung ist auch Griechenland. Denn die griechische Küche besteht gefühlt zu 80% aus Fleisch, 10% aus Olivenöl und 10% alles andere. Aber jetzt hab ich’s den Griechen gegeben. Und ihrem Nationalgericht das Fleisch ausgetrieben.

image

Man braucht für 3-4 Esser:

800g Kartoffeln
1 kleine Paprika
1 Karotte
1 Zwiebel
2 Zehen Knoblauch
1 Dose Tomaten
300g Veggiehack oder Tofu
1 EL Mehl
1 EL Butter
250ml Milch
100g Schmand
200g ger. Käse
Paprikapulver, Salz, Pfeffer, Muskat, Oregano, Zimt

Die Kartoffeln schälen und in mitteldicke Scheiben schneiden. In kochendem Salzwasser ca. 10 Min blanchieren, bis sie noch gut bissfest sind.

Paprika, Karotte, Zwiebel, Knoblauch fein würfeln.

In einer Pfanne Olivenöl aufsetzen und das Gemüse zusammen mit dem Veggiehack (oder gebröseltem Tofu) anbraten. Wenn das Gemüse Farbe bekommt, reichlich Oregano und 1/2 TL Zimt sowie die Tomaten zugeben und das ganze bei geringer Hitze köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist. Ggf. ab und an Flüssigkeit nachgiessen, damit es eine sämige Sosse bleibt. Am Ende mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Nun eine Bechamelsoße zubereiten: Butter in einem Topf schmelzen, Milch getrennt erwärmen. Mehl unter die Butter geben und nach und nach die Milch zugießen, dabei beständig mit dem Schneebesen rühren. Kurz aufkochen, dann vom Herd nehmen und den Schmand unterrühren. Mit Muskat, Salz. Pfeffer, Paprikapulver und je einem Spritzer Zitronensaft und Sojasoße abschmecken. Diese Soße ist übrigens eine Allzweckwaffe und kann auch gut zu Pellkartoffeln und Spinat serviert werden.

Ofen auf 180 Grad vorheizen.

In einer Auflaufform das schichten beginnen: Eine Schicht Kartoffelscheiben, Tomatensoße drauf, Käse drauf, Kartoffelscheiben, Tomatensoße, Kartoffelscheiben, Bechamel, Käse, fertig!

Für ca. 30 Min in den Ofen.

Wer im Gegensatz zu uns Auberginen mag, kann eine Kartoffelschicht durch angebratene Auberginenscheiben ersetzen.

Noch ein Wort zum Veggiehack. Meistens taugt gebröselter und in Sojasoße marinierter Tofu gut als Ersatz. Dennoch bevorrate ich mich meist mit Veggiehack. Das ist irgendwann in unserem stinknormalen Kaufland in der Kühltheke aufgetaucht, es ist von der Firma Berief Soja, ist bio und vegan, aus Sojaschrot und sehr gut zu verarbeiten weil es fester in der Konsistenz ist, als Tofu. Ich habe es inzwischen auch bei Real und Edeka entdeckt, guckt mal. Meist in der Nähe von frischen Nudeln oder Feinkost, bei uns allerdings neuerdings beim abgepackten Salat.

Me made Mittwoch: Das bessere Jurk

Ich erhalte immernoch recht viel Klicks auf mein Punkte-Jurk und auch immer mal wieder Fragen dazu. Deshalb dachte ich, ich zeige euch mal den optimierten Nachfolger des Kleides und berichte von meinen nun größeren Erfahrungen mit dem Schnitt. Hier erstmal ein Blick aufs Kleid:

IMAG2460

Dieses Kleid ist eigentlich schon einige Zeit fertig, es war auch ein Teil meines SWAP und ist außerdem das erste Kleidungsstück, das ich auf meiner Overlock genäht habe. Ich habe bisher aber noch nie in der Uni getragen, weil ich ein wenig fürchtete, das wilde Muster könnte meine Studis zu sehr verwirren. Außerdem war’s ja auch viel zu kalt für Jerseykleider. Diese Woche hab ich es aber am Nicht-Vorlesungstag getragen und die Gelegenheit zum fotografieren genutzt. Dabei ist mir aufgefallen, ich hätte vielleicht doch besser direkt nach der Fertigstellung Fotos gemacht, als der Bauch noch kleiner war und daher die Passform besser erkennbar. Tja…IMAG2461

Aber nun nochmal zum Schnitt:

Es handelt sich um Jurk 27 aus der Knipmode 2/2012 und ich habe die erste Version davon im Frühjahr genäht und vorgestellt. Damals habe ich schon beschrieben, dass es an einigen Ecken Optimierungsbedarf gab. Im Wesentlichen sind an dem Schnitt 3 Punkte kritisch: 1.) Größenwahl – alle Knipschnitte fallen groß aus. Dieser aber größer als meine Erfahrungswerte, das erste Modell in meiner Tabellen und Normalgröße 38 war mir definitiv zu groß, auch zu lang übrigens. 2.) Die Anbringung der Drapierstreifen – laut Anleitung wird der Drapierstreifen jeweils innen in der Ärmelnaht mitgefasst. Das hab ich beim ersten Mal gemacht und das Ergebnis ist leider, dass der Ausschnitt etwas an der Ärmelnaht zieht. 3.) Der „Zuppelfaktor“ – die Drapierstreifen werden laut Anleitung nicht weiter fixiert, nur in der Seitennaht und in der Ärmelnaht. Das führt gelegentlich zu verrutschen des Ausschnitts und lässt einen hier ständig ordnend zu Werke gehen.

Der Langzeittest:

Mein Punkte-Jurk wird demnächst ein Jahr – und viel älter vermutlich nicht, denn ich trage es weite Teile des Jahres praktisch sobald es aus der Wäsche ist. Ich bin recht sicher, dass ich kein Kleid im letzten Jahr öfter anhatte als dieses. Bei kühleren Temperaturen trage ich es mit Unterkleid, ggf. noch mit Cardi drüber und im Hochsommer habe ich es nur mit Top auch bei 25-30 Grad noch gern getragen. Entsprechend hat der Stoff schon viel Farbe gelassen und einige Nähte sind auch schon geflickt. Ich kann aber sagen: Es hat den Alltagstest mit Bravour bestanden. Obwohl es nicht perfekt ist, ist es ein perfektes Kleid – kombinierfreudig, wandelbar, superbequem, unkompliziert. Daher der dringende Wunsch: Mehr davon.

Die Optimierung:IMAG2462

Das Jurk, das ich heute zeige ist in erster Linie ein Probemodell. Denn folgendes wollte ich ausprobieren: 1.) schmalerer Zuschnitt. 2.) Die Kombination zweier verschiedener Stoffe, 3.) Eine andere Anbringung der Drapierstreifen. Konkret habe ich folgendes gemacht:

– Ich habe alle Teile im Bruch 3cm schmaler zugeschnitten. Dieses Zuviel an Weite hatte ich an meinem Kleid ausgemessen, ich weiß nicht, ob das nun Größe 36 entspricht, oder einer Zwischengröße.

– Die Drapierstreifen und die Ärmel habe ich aus schwarzem Jersey zugeschnitten, den Rest aus gemustertem. Beide Stoffe sind recht dünner Viskosejersey vom Stoffmarkt.

– Die Drapierstreifen habe ich diesmal – wie von vielen anderen Bloggerinnen praktiziert – direkt an der Innenseite des Ausschnitts angebracht.

Das Ergebnis:

Hier nochmal ein Detailblick auf den Ausschnitt

IMAG2464

Der schmalere Zuschnitt war ein voller Erfolg, das Kleid sitzt in den Schulter und auch sonst hervorragend. Bis auf natürlich die bauchbedingten Unzulänglichkeiten, für die das Kleid nichts kann. Beim nächsten Mal würde ich evtl. das vordere Rockteil in normaler Breite belassen und stärker kräuseln und nur die anderen Teile verschmälern, weil ich den weiten Rock am Punktekleid recht gern mag.

Auch die 2-Stoff-Kombi finde ich gelungen. Das ist vor allem gut, weil ich recht oft Reststücke von 1m habe, die meinem Geiz beim Stoffkauf entspringen – damit wäre dann auszukommen. Eine gute Möglichkeit, einige Regalleichen („daraus mach ich mal ein Oberteil“) loszuwerden.

Die andere Anbringung der Streifen indes ist nur unwesentlich praktikabler. Zwar zuppel ich weniger und die Streifen rutschen nicht so viel – aber der Ausschnitt zieht sich etwas und ist nicht mehr so eckig, wie im Schnitt vorgesehen. Beim nächsten Mal würde ich die Streifen wieder in der Ärmelnaht mitfassen, diese Naht aber mit Nahtband stützen und außerdem das vordere Oberteil komplett doppeln. Die Ausschnittbelege sind ohnehin fies und ein wenig Stabilität kann dem Oberteil nicht schaden.

Weitere Zusatzerkenntnis: Der Schnitt taugt nur für Jersey ab einer gewissen Griffigkeit. Der Stoffmarktjersey ist etwas zu dünn und fällt daher nicht ganz so schön. Mein Punkte-Stoff war von Dawanda, ähnliche Dicke und Festigkeit hat zum Beispiel der Blumen-Jersey von Stoff und Stil und auch bei Buttinette habe ich schon ähnlichen Jersey erworben. Das passt wieder zu meiner Erkenntnis Anfang des Jahres: Ein guter Stoff macht ein gutes Kleid!

Ob die anderen bei diesen frühlingshaften Temperaturen auch schon in wild-gemustert-dünn-flutschigem daherkommen? Schau’n wir doch mal! Wiebke trägt auf jeden Fall ein hinreizendes Kleid mit Frühlingsanmutung.

Der Me made Mittwoch und ich

Die MMM-Ladies haben heute gefragt, was der MMM für uns bedeutet. Ich antworte gern und tu das hier bei mir, weil die Kommentarliste drüben schon so lang ist:

Warum macht ihr beim MMM mit und verlinkt euren Beitrag?

Am Anfang aus dem Stolz heraus überhaupt selbst genähte Kleidungsstücke zu haben und um eine Bewegung zu unterstützen, die mir vorher als Leserin schon zahlreiche Inspiration und Anregung und vor allem Mut gegeben hat. Heute ist es für mich selbstverständlich selbstgenähte Kleidung zu tragen und ich mache weiter mit um das zu zeigen, wie selbstverständlich es ist, selbstgemachte Kleidung zu tragen. Und um zum gemeinsamen Erfahrungsfundus beizutragen. Denn…

Was bekommt ihr dafür?

Ich profitiere enorm vom MMM als Motivations-, Insprirations- & Erfahrungsquell. Am Anfang hat der MMM mir Mut gemacht, mich an Schnitte und Techniken ranzutrauen, was auszuprobieren. Und seit ich da relativ schmerzfrei geworden bin, habe ich schon hundertfach Schnitte erst durch den MMM entdeckt oder mir vorstellen können, wie sie in echt aussehen. Bin auf mögliche Anpassungen im Vorfeld schon aufmerksam geworden. Habe Ratschläge, Lob und Kritik erhalten. Außerdem habe ich viele viele virtuelle Bekanntschaften geknüpft und tolle tolle Blogs und noch tollere Frauen dahinter kennengelernt. Inzwischen ist der MMM für mich sowas wie ein Stammtisch, bei dem ich allwöchentlich gute Bekannte treffe, mich mit ihnen austausche, ein virtuelles Käffchen trinke. Das ist total toll. Es macht auch Spass, praktisch live die Nähentwicklung anderer Bloggerinnen mitzuerleben, sie begleiten zu können.

Wie geht es euch – insbesondere in der Rückschau über Tage/Wochen/Monate – damit?

Heute freue ich mich, dass meine MMM- Beiträge auch für mich ein Archiv sind, um nachzulesen, was ich an einem Schnitt verändert hab, was mir daran vielleicht verbesserungswürdig erschien. Manchmal muss ich auch grinsen, weil ein nicht sehr perfektes Teil über die Zeit zum Liebling wurde, oder erste Begeisterung schnell abflaute.

Warum schaut ihr euch die Beiträge der Teilnehmerinnen an?

Ich gebe gern und offen zu, dass ich nicht alles anschaue. Ich gucke sehr bewusst nach Kleidern und Röcken, weil ich mir Ideen erhoffe und was lernen will. Dann gibt es natürlich noch Sachen, wo der Stoff ein echter Hingucker ist, und ich bin interessiert, was ist das, wo kommt das her, was hat die Bloggerin daraus gemacht. Ich bin zurückhaltend bei Oberteilen, weil ich weiß, dass ich selbst wohl keine Oberteilqueen mehr werde, und auch Farbenmix-Schnitte fallen bei mir eher durchs Raster. Das heißt nicht, wie manche Kommentatorinnen offenbar finden, dass ich denke, man sollte keine einfachen Oberteile oder Amys, Shellys und Joanas mehr zeigen. Ich gucke diese Beiträge nur oberflächlich an, weil es nicht meinem Stil und Geschmack entspricht und ich finde, die Schnitte sind eigentlich qualitativ gar nicht soooo toll und passen nur bestimmten Figurtypen und meinem nicht. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht andere gibt, denen das super gefällt und steht und die genau für diese Schnitte Inspiration suchen. Solange niemand versucht seinen Schnitt, den er/sie verkaufen will, via MMM zu lancieren (da bin ich dann doch schnell auf der Palme), gibt es für mich keine Schnitt- und Stilmaxime. Ich mag ja bekanntermaßen auch keine Heidi-Jäckchen. Na und? Wem’s gefällt. Denn letztlich würde man so manchen Schnitt vielleicht auch keines Blickes würdigen, wenn man ihn nicht an der Frau gesehen hätte.

Hat sich durch den MMM etwas bei euch verändert?

Ja, ich hampel mittwochs morgens immer vorm Regal in meinem Büro rum, um den besten Fotowinkel zu rekonstruieren, wofür ich einen sehr elaborierten Stapel von Fachbüchern als Stativersatz brauche, die deshalb quer im Regal liegen…manchmal räumt ein übermotivierer Kollege sie zurück, dann gibts am nächsten Mittwoch große Verzweiflung. 😉 nein, im Ernst. Vieles hat sich verändert. Ich trage viel mehr Kleider und Röcke. Und erhalte sehr viel mehr Komplimente für meine Kleidung. Sogar anonyme, in der Lehrevaluation, echt!!! Ich habe überhaupt erst die Existenz von Jerseykleidern wahrgenommen. Meine Schwiegermutter weiß nun jeden Mittwoch, was ich anhabe. Und meine Mutter auch. Ich habe meine halbe Kolleginnenschaft schon so doll mit Nähwahn infiziert, dass sie jetzt alle nagelneue Nähmaschinen gekauft haben. Ich traue mir inzwischen fast jeden Schnitt zu. Ich nehme mich selbst und meine textilen Hobbies als Teil einer Community, einer Bewegung war. Ich habe viel Wissen und Erfahrung und eine deutlich längere Blogliste gesammelt. Mein Blick dafür, welcher Schnitt an welchen Figurtyp passt, welcher Stoff zu welchem Schnitt und welcher Stil zu welcher Frau ist wesentlich besser geworden. Ich weiß sehr viel besser, was zu mir passt, aber sehe auch sehr viel eher, wenn andere sich in ihren Kleidern wohl oder eben nicht wohl fühlen. Und ich habe Respekt vor der Herstellung von Kleidung gelernt, Wertschätzung für die viele Arbeit.

In diesem Sinne: Danke Catherine für die Idee. Danke MMM-Crew für die mittwochsmühe. Und danke all ihr Mitmacherinnen für so viele Ideen, Erfahrung, Hilfe, Lob, Kritik und mich-zu-Hause-fühlen-können.

Bildungsfragen

Ich denke derzeit viel über Bildung und Ausbildung, Lehren und Lernen nach. Das hat völlig persönliche Gründe. Ich bin ein Teil des deutschen Bildungssystems und immer öfter frage ich mich, ob ich das bleiben will. Seit ich meine Promotion abgeschlossen habe, stehe ich letztlich unter anderem vor der Frage, ob ich auf Dauer Teil des Lehrkörpers der deutschen Universitäten bleiben möchte, oder nicht. Diese Frage hätte ich vor einigen Jahren noch mit einem deutlichen JA beantwortet und bin heute maximal noch bei einem zaghaften jein. An guten Tagen. Das hat natürlich zum Teil mit der mangelnden Nachhaltigkeit eines akademischen Beschäftigungsverhältnisses zu tun. Vielleicht auch damit, dass mich die internationale Forschungs- und Publikationslandschaft zutiefst frustriert, die jungen, vielleicht brillianten, Wissenschaftlern Steine in den Weg legt, vorgibt sich selbst zu kontrollieren und doch meist nur die Schäfchen ausgewählter Zirkel ins Trockene bringt. Die Anreize schafft, Fördergeld zu verprassen und dann doch verhindert, dass die Steuerfinanzierten Ergebnisse dem Steuerzahler zur Kenntnis gebracht werden. Die sich mit Händen und Füssen gegen Open Access wehrt und so vor allem einige wenige Verlage reich macht. Aber das alles ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden. Was mich derzeit vor allem zweifeln lässt, ist die Frage, ob wir an der Uni überhaupt noch zur Bildung oder auch nur Ausbildung beitragen. Was schaffe ich eigentlich noch einem Studenten überhaupt mitzugeben? Immer öfter beschleicht mich nämlich das Gefühl, dass ich gegen eine Wand rede, gestikuliere, erkläre und nochmal erkläre. Dass ich am Ende exakt genausoviel Wissen vermittelt hätte, wenn ich statt zur Vorlesung zu gehen, einfach 2 Stunden Mittagsschlaf machen würde.

Warum? Die unmittelbare Antwort ist recht schnell gefunden. Nur ca. 1/6 der Studenten, die am Ende die Prüfung ablegen werden, besucht überhaupt einigermassen regelmäßig die Vorlesung. Und regelmäßig meint hier schon „ist nach der zweiten Semesterwoche überhaupt nochmal aufgetaucht“. Ich habe auf dem Papier etwa 500 Studenten, einen Hörsaal, der 550 fassen würde und darin verlieren sich derzeit noch zwischen 50 und 80 Zuhörer. Das liegt, ihr könnt mir glauben, nicht an mir. Alle VWL-Professoren unserer Fakultät berichten das gleiche. Auch von Kollegen an anderen Unis höre ich ähnliches. Selbst die, die da sind, folgen nur zu einem Bruchteil meinen Ausführungen. Viele gehen früher, unterhalten sich, chatten oder spielen am Laptop oder Tablet. Wie gering das Interesse ist zeigt sich, wenn wir hochkarätige Vortragsgäste in die Vorlesung einladen. Obwohl zum Beispiel ein Vertreter des Gremiums der Wirtschaftsweisen extra in die Vorlesung kommt, erscheint: NIEMAND. An diesem Tag waren mehr Gäste und Mitarbeiter als Studenten in der Veranstaltung… Natürlich möchte ich hier weder behaupten, dass ich selbst in jeder einzelnen Veranstaltung gewesen wäre und immer interessiert zugehört hätte. Als Fach weitgehend ohne Anwesenheitspflicht sind unsere Teilnahmequoten traditionell weit unter 100% gewesen auch in den guten alten Zeiten. Aber ich würde doch behaupten, dass zumeist mindestens die Hälfte, eher mehr, anwesend waren.

Natürlich heißt das nicht, dass die Studenten einfach faul und dumm sind und das System Universität hervorragend. Mitnichten. Die mittelbaren Gründe liegen tiefer und sind vor allem sehr vielschichtig. Vielfach wird recht platt argumentiert: Das liegt am Bachelor-Master-System. Das sehe ich nicht so. Allein schon deshalb, weil es überhaupt nicht „das Bachelor-Master-System“ gibt. Die Umsetzung der Reform erfolgte nicht nur Fach-spezifisch sehr unterschiedlich sondern auch von Uni zu Uni. Ich habe erfolgreich und gern Bachelor und Master studiert. Ich hatte dabei das Glück, dass ich zwei Studiengänge hatte, die viel Wahlfreiheit boten, dass ich im Bachelor viele Seminare belegen konnte, dass ich gerade durch das neue System im Master in einem Jahrgang mit nur 11 anderen Studierenden geradezu traumhafte Betreuungsverhältnisse hatte. Umgekehrt kenne ich auch eine Vielzahl von Negativbeispielen. Wo eben 95% der Studieninhalte verpflichtend sind, wo im gesamten Studium eigentlich nur der Veranstaltungstypus „Vorlesung“ zu finden ist. Wo die Anwesenheitspflicht ausgeweitet, der Prüfungsdruck erhöht wurde. Genau in dieser Uneinheitlichkeit sehen wir eins der großen Probleme: Im wesentlichen wurde die Reform so umgesetzt wie einzelne Personen sie interpretiert haben. An den meisten Fakultäten wurde die Chance verpasst, von alten Strukturen Abstand zu nehmen und die Studiengänge tatsächlich sinnvoll „aus einem Guss“ zu gestalten, sondern es wurde in zähem Ringen ein Flickenteppich aus den Fetzen der Diplomstudiengänge konstruiert, der hauptsächlich dazu gedacht war möglichst wenig zusätzliche Arbeit zu generieren. Ein eklatantes Politik- und Managementversagen. Die Reform der Reform macht es nur noch schlimmer, denn die Forderungen, die nun im Rahmen der Akkreditierung an die Fakultäten herangetragen werden (auch hier wieder enorme Macht bei einzelnen Mitgliedern einer Kommission) sind auch wieder pauschale Universallösungen die zumeist völlig am Problem vorbeigehen. Und so entsteht eine große Frustration, und mit dem individuellen Studiengang kann man eben Glück oder Pech haben. Ohne dass dies für Außenstehende im Vorfeld zu beurteilen wäre.

Dennoch. In meinem Fall macht dies nur einen Bruchteil des Problems aus. Wir haben z.B. sehr viel Wahlfreiheit. Im Hauptstudium sitzen die Studierenden in unseren Veranstaltungen, weil sie sie gewählt haben, nicht weil sie müssen. Trotzdem bleiben mindestens 3/4 nach den ersten Wochen weg. Offensichtlich erachten die Studierenden den Vorlesungsbesuch schlicht als unnötig. Und wie kommt das? Ich habe da lang drüber nachgedacht. Mir überlegt, aus welchen Veranstaltungen ich in der Uni am meisten mitgenommen habe, mich an viele Diskussionen mit Studierenden und hunderte Kommentare in Lehrevaluationen erinnert. Und ich glaube: Power Point, amerikanische Lehrbücher und die Bildungspolitik tragen gemeinsam einen großen Teil der Schuld.

Fangen wir mit Power Point an. In den letzten 15 Jahren hat es sich als allgemein anerkannt etabliert, dass ein Dozent gefälligst eine Präsentations-gestützte Veranstaltung halten soll. Das wird vehement eingefordert. Jedesmal wenn ich in der Vorlesung zum Folienstift oder zur Kreide greife, geht ein Murren durch den Raum. Selbst in Übungen möchten die Studierenden gern die Lösung online bereitgestellt kriegen. Das Mitschreiben halte sie vom Folgen ab, so das Argument. Wer kein Power Point nutzt, wird in Kürze auch keine Studierenden mehr in seinen Modulen haben. Zu viel Arbeit. Das Problem ist nur, Power Point vermittelt eine vollkommen trügerische Sicherheit. Der Studierende glaubt, er könne den Vorlesungsstoff bequem zu Hause aus den Folien lernen. Sowohl Vorlesungsbesuch als auch Buchlektüre erscheinen überflüssig – man weiß doch, was der Dozent gesagt hat. Tja. Weiß man nicht. Nichtmal ich weiß später noch, was ich zu meinen eigenen Folien gesagt habe. Auch ich muss auch bei vielfach gehaltenen Vorlesungen dann wieder ins Buch schauen, mir die Zusammenhänge verdeutlichen. Aber die Existenz von Folien, online zum Download, suggeriert: Du verpasst nix, wenn du mal nicht hingehst. Du musst nicht zuhören, was gesagt wird. Es steht doch alles da.

Die gleiche trügerische Scheinsicherheit stellt sich auch ein, wenn man ein amerikanisches Lehrbuch des Undergrad-Niveaus verwendet. Das tun inzwischen in den Wirtschaftswissenschaften sehr viele. Denn die Bücher machen dem Dozenten die Arbeit leicht, weil sie reichlich zusätzliches Material für Dozenten mitbringen. Folien, Testfragen, ganze Online-Lernplattformen. Und die Studierenden lieben die Bücher. Denn ein amerikanisches Fachbuch liest sich wie eine Gute-Nacht-Geschichte. Es wird wenig handfestes, wenig formales, wenig theoretisches wiedergegeben, sondern viel Anekdoten erzählt, Beispiele gebracht und der Inhalt stark vereinfacht. Das echte harte Wissen verbirgt sich oft in „mathematischen Anhängen“ zu den Kapiteln. Die Zusammenhänge, die Argumentation bleiben nebulös, man glaub aber nach der Lektüre, man habe alles prima verstanden. Es scheint alles so einleuchtend. Deutsche VWL-Bücher sind das komplette Gegenteil. Voll von Formeln, sperrig zu lesen, oft recht kompliziert in der Sprache. Trocken und anstrengend. Und deshalb unbeliebt. Und ignoriert, selbst wenn sie als Lektüre angegeben werden. Hier gehen Dozenten den einfachen, konfliktfreien Weg. Verwenden ein beliebtes und komfortables Lehrbuch und wiegen die Studierenden damit in falscher Sicherheit. Das heißt nicht, dass ich fordere wieder zu deutschen Lehrbüchern überzugehen. Die meisten Bücher sind veraltet und wenig angemessen. Und, besonders dramatisch: Das Sprachvermögen, zumindest meiner Studierenden, reicht zum Verständnis eines deutschen Grundlagenbuchs oft nicht mehr aus. Die wissenschaftlich-trockene Sprache stellt heute eine echte Barriere dar. Die von mir gewählte Lösung, die ich präferiere, wenn ich allein-verantwortlich eine Veranstaltung gestalte, ist die eines echten Skripts. Ich verwende jeweils verschiedene Quellen. Ich stelle Folien zur Verfügung, lasse aber die komplexen Zusammenhänge und Formeln dort raus und schreibe diese von Hand an die Tafel, so dass die Studierenden sie selbst schreiben müssen. Das ist der Weg, der für mich die meiste Arbeit und das meiste Konfliktpotenzial birgt. Ich habe den Versuch deshalb bisher nur in sehr kleinen Gruppen gemacht – mit großem Erfolg.

Und nun die Politik. Hier liegt, in meinen Augen, die Grundlage für so gut wie alles was schiefläuft. Denn wie bei der Bologna-Reform, so treffen wir eigentlich auf allen Ebenen des Bildungswesens eine Kombination aus zu viel und zu wenig Eingriff.

Es beginnt schon mit der Zielsetzung. Das Ziel des deutschen Bildungssystems ist heute vor allem: Arbeitsmarkt-kompatibler Output in möglichst kurzer Zeit. Wir sehen das z.B. in den Vorgaben für Modulbeschreibungen. Hier ist verpflichtend für jede einzelne Veranstaltung die Berufsrelevanz im Fließtext auszuführen. Was für ein Quatsch! Dienen doch die meisten Veranstaltungen in der Uni dazu, Grundlagen zu legen, die Basis für das Job-bezogene Wissen zu erwerben. Sich zu orientieren, die Breite des Fachs kennenzulernen und erst danach ein spezifisches Berufsfeld zu wählen. So werden wir aber aufgefordert nicht mehr Bildung sondern vielmehr Ausbildung zu vermitteln. Was wir schlecht machen. Universitäten können nicht auf spezifische Jobs vorbereiten. Das war nie ihre Aufgabe, dafür ist auch niemand hier qualifiziert. Und sinnvoll ist es auch nicht. Aber es ist das, was nun von uns verlangt wird, ein Anspruch an dem wir scheitern müssen. Jedes Semester ist die Frage im (standardisierten) Evaluationsbogen „die Relevanz für die spätere Berufstätigkeit wird für mich klar“ daher auch eine der am schlechtesten bewerteten. Nur was soll ich daraus für Schlüsse ziehen? Ich kann und möchte auch niemandem Wissen für einen Beruf vermitteln, den ich selbst weder erlernt noch ausgeübt hab. Allein schon völlig absurd, da in meiner Grundlagen-Veranstaltung Studierende aus 8-10 verschiedenen Studiengängen mit z.T. noch einmal einer Vielzahl an späteren Berufsbildern sitzen. Aber offenbar wird diese Berufsfeldnähe von Studierenden erwartet. Denn die Kritik, die wir am häufigsten hören ist: „Das bringt mir ja nichts“ und die Antwort: „Doch, es bringt dir bei ein verantwortlich denkender, informierter und breit gebildeter Entscheidungsträger zu werden“ zählt nicht.

Das zweite Problem ergibt sich schon aus der Gestaltung der Schullaufbahn. Fächer- und Uni-übergreifend hören wir von allen Kollegen, dass die Studierenden vollkommen studierunfähig an die Uni kommen. Im ersten Semester zeigt sich recht deutlich, dass die Fähigkeiten in Kernkompetenzen der Mathematik, der deutschen Sprache und vor allem der Selbstorganisation lückenhaft bis nicht vorhanden sind. Mit dieser Feststellung konfrontiert reagieren die meisten Lehrer meines Bekanntenkreises mit müdem Schulterzucken, überrascht sind sie nicht. Auch in der Schule wird versucht viel zu erreichen und nichts davon kann richtig umgesetzt werden. Der Lehrplan gerade in Mathematik und Deutsch wird voller und voller. Zulasten von Wiederholung und Training. Die Zeit reicht in Zeiten von G8 nicht mehr aus, um Hausaufgaben zu überprüfen, Stoff zu wiederholen, Dinge zu vertiefen. Mit dem Ergebnis, dass das Mathewissen der Mittelstufe bei Abiturienten schon lang in Vergessenheit geraten ist. Dass Studierende große Probleme haben komplexere Texte zu verstehen oder gar selbst zu formulieren. Und dass sie vor allem überhaupt nicht in der Lage sind sich Inhalte selbständig strukturiert zu erarbeiten, keinerlei Lerntechniken beherrschen. Ich stelle erschreckende sprachliche Schwächen in  Klausuren und Seminararbeiten von Deutsch-Muttersprachlern fest, die z.T. tatsächlich das Verständnis des Textes hemmen. Studierenden geben an, dass ihnen die Bruchrechnung solche Probleme bereitet, dass sie unsere Klausuren nicht schaffen können. Das sind Lücken, die wir an der Uni unmöglich noch schließen können. Das heißt, wir machen, was auch an der Schule vielfach gemacht werden muss: Wir ignorieren die Schwächen. Wir schrauben die Anforderungen herunter, fordern immer weniger lange Texte, lassen Antworten im Stichwort-Stil zu, schließen formal komplexere mathematische Inhalte für die Klausur aus. Warum?

Ha. Nächster Fehler. Die Mittelvergabe an Universitäten setzt starke Anreize, Studierende möglichst schnell durchs Studium zu bringen. In NRW z.B. werden 23% unserer Mittel leistungsbezogen vergeben und ein wichtiger Faktor bei der Verteilung dieser Mittel zwischen den Universitäten ist die Anzahl der Absolventen. Es gibt umso mehr Geld je mehr Absolventen produziert werden und je schneller. Da ist die Marschrichtung einfach: Durchwinken! Denn die Universitäten sind chronisch unterfinanziert. Gestiegene Energiekosten, stark gestiegene Studierendenzahlen und deutlich höherer Verwaltungsaufwand werden unzureichend gedeckt und ein immer höherer Anteil der Universitätsbudgets wird aus zeitlich befristeten Mitteln vergeben. Das führt in unserem Lehralltag zu Räumen in die es reinregnet oder in denen ständig ein Teil der Stühle und Tische unbenutzbar sind, Vorlesungen in Kinosälen, enormer Gesundheitsbelastung für Angestellte und Studierende durch chronische Sanierungsmängel (bakterienbelastetes Wasser, asbestbelastete Luft) und enorme Lärmbelastung durch Bauarbeiten im laufenden Betrieb, die meist nur der notdürftigen Erhaltung des dürftigen Gebäudestandards dienen.

Ich habe deshalb eben zunehmend den Eindruck, ich möchte zwar Bildung vermitteln, dieses Angebot wird aber nicht wahrgenommen. Stattdessen soll ich Ausbildung leisten, was ich nicht kann und eigentlich auch nicht möchte. Zudem kämpfe ich gegen Lücken, die im Grunde schon ab der Grundschule aufgehen und bei uns wenn überhaupt nur noch kaschiert werden können. Dadurch werden Dozenten und Studenten zunehmend frustrierter und eine Lösung dieses Problems ist nicht mal ansatzweise in Sicht und wäre allein schon auf Grund des Föderalismus, des Hochschulfreiheitsgesetzes und des kurzfristig massiven Drucks durch die doppelten Abiturjahrgänge kaum umsetzbar, selbst mit bestem Willen und hoher Kompetenz. Nicht dass ich einen Bildungspolitiker mit Kompetenz in den letzten Jahren wahrgenommen hätte.

So und wer macht mich jetzt bitte schnellstmöglich zur Wissenschaftsministerin? Der Job ist ja demnächst frei …

Ein Nachsatz noch: Natürlich gilt all dies vor allem für Wirtschaftswissenschaften und vor allem für die Universitäten, die ich persönlich kennengelernt habe. Wenn jemand zufällig an einer Traumuni arbeitet oder studiert, möge er mir bitte Bescheid geben – dann bewerb ich mich da. Initiativ. Immer wieder. Denn ich möchte wirklich gern Bildung und Interesse an meinem Fach vermitteln. Echt.

Lagebericht 2/2012

So, wie ist die Lage hier? Mal raus mit dem Stand der Dinge. Diesmal sogar knapp 2 Wochen.

Das bisschen Haushalt: Mit der täglichen Portion aufräumen klappt es so leidlich. Schneekurztrip am Wochenende, Rückenschmerzen unter der Woche und ein Mann im Deadline-Stress sind da nicht direkt zuträglich. Dennoch, ich bin ganz zufrieden. Nicht geschafft (oder mich nicht getraut?) hab ich natürlich die Dachkammer des Schreckens. Dabei wäre das wirklich ein Anliegen! Heute wirds wohl auch nix, denn ich muss, oh Graus, auch ein bisschen arbeiten heute.

Handarbeiten: Miette ist fertig, vernäht und beknopft. Allerdings ist sie nicht so sehr bauchkompatibel und ruht deshalb nun erstmal im Schrank. Sie passt zu keinem meiner wenigen passenden Kleidungsstücke – ich Dummerchen. Naja, vielleicht wird das noch. Das zugeschnittene Jerseykleid nach Knip 11/2012 ist schon auf gutem Wege zur Fertigstellung, aber ich müsste die Overlock neu fädeln, das bremst mich gerade etwas. Trotzdem, das wird bald fertig. Der Lace-Schal stagniert… zu oft mit dem Auto gefahren, diese Woche. Und naja, Rücken. ABER morgen ist Nähkränzchen. Juchheissassa. Da gibts einen kleinen Cord-Rock aus der nagelneuen Knip 2/2012. Modell 11. Das wird ein grosser Änderungsspass, aber egal. Und außerdem ist (volle Ladug Scheinäsen) meine Stoff und Stil-Sale-Bestellung eingetroffen, Stoff für -iiiiiih- Vorhänge fürs Bad. Und ich war bei alfatex und habe einige Meterchen 1.99 und 3.99 WSV-Stoffe nicht am mitkommen hindern können. Ist aber alles mehr so lange Bank für ohne Bauch oder zumindest für den Sommer.

Aus der Küche: Gulasch, Pfannkuchen, Pizza, Potthucke, Grießknödelsuppe, Moussakka, Nudeln mit Tomatensosse und Rucola, Harissa-Couscous-Salat, Nudeln mit Sahnelinsen.

Und sonst? Ein doofes Buch ausgelesen, ein schönes Buch ausgelesen, den schmerzenden Rücken gewärmt und mich über die FDP aufgeregt. Sich noch brüsten, dass sie die Leihstimmen von anderen Parteien so prima integrieren können ‚wegen ihrer Inhalte‘ (ähm welcher?) Und dass die Wähler – ihre Wähler – halt einfach schlau sind. Ja, genau. Wäre auch meine Analyse gewesen. Nee, bah, im Theater hätten schon längst alle den Raum verlassen und sich gefragt, auf welchen Drogen der Autor dieser Posse war. Ich sehe insgesamt ein politisch düsteres Jahr auf uns zukommen, denn am Ende wird Angie es sicher schaffen, dass alle sich gegenseitig und niemand sie zerfleischt hat. Iiih bah pfui. Eine ziemlich ernüchternde Doku zum Stand der Energiewende gesehen, wo wir gerade bei düster sind… Und viele sprachlich äußerst schwache Vorträge im Blockseminar gehört.

In der nächsten Woche sind meine letzten beiden Vorlesungen -chacka- zumindest die regulären. Ein Lehrauftrag steht noch aus. Aber viel Freizeit gibts nächste Woche nicht. Daher sind die Pläne bescheiden: das Jerseykleid fertig nähen und im MuFuZi aufräumen, mehr wird wohl nicht gehen.

Gelesen: Pink Hotel

Das nächste Weihnachtsgeschenkbuch wurde bedeutend schneller und mit bedeutend mehr Lesefreude verschlungen:
image

Titel: Pink Hotel

Autor: Anna Stothard

Verlag: Diogenes

Ein absolut tolles Buch! Ich bin restlos und vollkommen begeistert und empfehle es nachdrücklich. Worum es geht? Dieses Buch ist sowas wie ein road movie in Buchform. Die 17jährige Hauptperson des Buches ist ein intelligentes aber in sozialen Beziehungen verwahrlostes junges Mädchen, die in London bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter aufgewachsen ist, nachdem ihre Mutter sie (damals selbst erst 17jährig) verlassen hatte. Von ihrer Mutter hatte sie zwischenzeitlich nichts mehr gehört, Liebe erfuhr sie vor allem von ihren inzwischen verstorbenen Großeltern, als sie plötzlich, wie aus heiterem Himmel vom Unfalltod ihrer Mutter in Los Angeles erfährt. Gerade von der Schule geflogen klaut sie kurzentschlossen die Kreditkarte ihrer Stiefmutter, bucht einen Flug und findet sich mitten in einer bizarren Totenwache-Party im Pink Hotel wieder, das ihrer Mutter gehörte. Sie begibt sich auf die Suche nach Spuren ihrer Mutter seit sie aus London verschwand, rekonstruiert langsam ihr Leben und Lieben in L.A. und findet dabei, mehr zufällig, auch selbst zum ersten Mal Liebe. Die Geschichte ist dabei nie kitschig, nie voraussehbar, bis zur letzten Seite spannend gleichzeitig anrührend und mitreißend und stellenweise nachdenklich. Eine gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Roman, Road-Movie, Liebesgeschichte und Krimi, bei der man am Ende todtraurig ist, weil das Buch aus ist und noch in der seltsam-abstrusen Stimmung verbleiben möchte, in der das Buch einen zurücklässt. 368 Seiten schwebender Nachdenklichkeit und melancholischer Romantik, die sich zu 100% lohnen!

Veggieblogtag #3: Potthucke vegetarisch

—–
Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion „Donnerstag=Veggietag„. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir und bei allen BloggerInnen die mitmachen wollen etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost.
——

Ein Problem, das wohl viele Vegetarier kennen ist, gerade im Winter, die Sehnsucht nach richtig deftigem Essen. Schmorgerichte, Braten, gute deutsche Küche. Zuweilen treibt, zumindest mich, der Geruch von Speck, Geräuchertem und Deftigem, sehnsüchtig in Richtung eines der Fleischgerichte in der Mensa. Zum Glück schlägt, meist noch kurz vor der Ankunft an der Theke mein Gewissen zu. Aber dennoch. Die Suche nach deftigem, nicht schick-italo-asiatischem, grundbodenständigem Essen für den Winter, bleibt eine Passion. Die manchmal unerwartete Erfolge hervorbringt, wie dieses Gericht, das Herrn Siebenhundertsachen und mich gleichermaßen erfreut hat. Und das wir ganz sicher in unser Standard-Repertoire aufnehmen werden.

Potthucke ist ein traditionelles westfälisches Gericht. Der Name kommt von „im Pott hocken“, denn ursprünglich wurde dieser herzhafte Kartoffelauflauf natürlich in einem gusseisernen Topf in der Glut im Ofen zubereitet. Die westfälische Küche zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie sehr deftige Geschmacksrichtungen mit süßen Elementen verbindet. Potthucke ist ein typisches nahrhaftes Arme-Leute-Essen, das ohnehin kein oder wenig Fleisch enthält (je nach Rezept werden nur Kartoffeln verwendet oder mit Speck, Schinken und/oder Zwiebeln kombiniert). Ich habe das Originalrezept anlässlich des Nordrheinwestfalentages im Radio gehört und vegetarisch abgewandelt.

image

Man braucht für 3:

1kg Kartoffeln, vorwiegend festkochend, 1/3 davon vorgekocht, z.B. vom Vortag
2 Eier
1 große Zwiebel
90 g Räuchertofu
1/2 Becher Sahne
1/2 Becher Schmand

Dazu:
Rübenkraut oder Apfelmus oder Salat und Joghurtsoße

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.

1/3 der Kartoffeln kochen und schälen, falls nicht eh noch ein paar Pell- oder Salzkartoffeln vom Vortag da sind. Die gekochten Kartoffeln stampfen. Die restlichen, rohen Kartoffeln schälen und grob reiben.

Die Zwiebel und den Tofu in gleich große Würfel schneiden und in Butterschmalz anbraten.

Nun Kartoffeln, Zwiebeln, Tofu, Sahne, Schmand und Eier zu einem Teig vermengen, diesen kräftig salzen und mit Pfeffer, Muskat und Rauchsalz, wer hat, abschmecken. Eine Auflauf- oder Kastenform oder einen gusseisernen Topf fetten und den Teig hineingeben.

40-50 Minuten backen, bis die Potthucke gar und oben schön knusprig braun ist.

Original westfälisch gibt es dazu Rübenkraut (hochdeutsch Zuckerrübensirup). Wem das zu merkwürdig ist (ist es nicht, es ist toll!), der kann auch erstmal Apfelmus dazu testen. Oder ganz neutral eine Joghurtsosse und einen gemischten Salat. Der hartgesottene Westfale isst die Potthucke auch in Scheiben kurz angebraten mit Rübenkraut auf Schwarzbrot, falls was für den nächsten Tag geblieben ist – was ich aber stark bezweifle…

Und was ist heut so auf eurem fleischlosen Teller?

Me made Mittwoch: Blümchen

Ich trage heute (genau wie Wiebke) eins der Erzeugnisse des Blümchenmonats Mai. Ein nicht sehr geliebtes Jersey-Blümchen-Kleid nach dem eigentlich sehr geliebten Knip-Schnitt.

IMAG2454

Mit Strickkleid vom schwedischen Label drunter und Cardi drüber, ist das fisselige Sommerläppchen auch wintertauglich. Ich hatte mich ja bereits im Mai über seine Passform-Mängel durch qualitativ-minderwertigen Stoff ausgelassen. Im Hochsommer, ohne was drunter, hab ich’s trotzdem immer mal wieder getragen, mit Sachen drunter ist es nur so semi-toll. Aber nunja. Wie schrieb Paula letzte Woche? „An die Frau kommt, was noch passt“ – bei mir also große Renaissance der Jersey- und Strickkleider. IMAG2456

Als ich mich heute morgen so mit Blümchen am Kleid und Zöpfchen im Haar vor dem Spiegel betrachtete, fragte ich mich kurz, ob mich unterbewusst nun auch die große Heidi-Welle erfasst hat. Eigentlich boykottiere ich das Heidi-Projekt ja. Aber ich musste mich verschämt dabei ertappen, wie ich im Bahnhof die betreffende Rebecca durchblätterte. Heute morgen nun also Blümchen und Zopf – ich ahne schreckliches. Zum Glück stricke ich so langsam an meinem Lace-Schal, dass ich nicht in Versuchung kommen kann, das teuflische Jäckchen doch noch stricken zu wollen. Aber ich werde mich besser auch von Trachtenknöpfen, Zöpfen im Haar und Gestricktem und allzu vielen Blümchen fernhalten, die Ansteckungsgefahr ist derzeit sehr hoch.

Auch Melleni heute im (geschenkten – sehe ich da etwa missionarische Tendenzen?) Zopfmusterjäckchen und sehr hübschem Norma-Röckchen als Gastgeberin des MMM? Wer wurde noch alles infiziert? Schauen wir doch mal hier.

P.S. Noch ein Aufruf in eigener Sache: Das schwedische Strickkleid darf nur noch als Unterkleid dienen, weil es kürzlich eine folgenschwere Bekanntschaft mit Chlorreiniger nur knapp überlebte und nun ein paar merkwürdige rosa Sprenkler hat. Verfügt jemand über a) Reste von dunkelblauer Elastikspitze oder b) gehäkelte Spitzendeckchen, die ich blau färben könnte, um das Ding zu upcyclen und dann auch wieder ans Tageslicht lassen zu können? Ich wäre sehr dankbar, denn es ist elastisch und würde sich enorm gut im aktiveren Teil meines Kleiderschranks machen und würde mich natürlich in handarbeitlicher oder nicht handarbeitlicher Gegenleistung erkenntlich zeigen.

 

 

Gelesen: Familienalbum

Eins meiner Weihnachtsgeschenkbücher war dieses:
image

Familienalbum von Penelope Lively

Ich hab das Buch im Urlaub angefangen und mich dann noch eine ganze weitere Woche hindurchgequält, obwohl es eher ein Büchlein als ein Buch ist. Sehr groß gedruckt bringt es dennoch nur knapp 300 Seiten mit. Ich kann nicht sagen, es wäre ein schlechtes Buch, aber es hat mir auch keine Entzückensschreie entlockt. Ich hatte es mir aufgrund einer absolut euphorischen Buchkritik von Christine Westermann gewünscht, die sonst eigentlich selten daneben liegt, aber hier kann ich nicht zustimmen.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Großfamilie in England, beginnend in den 70ern bis heute. Die Geschichte wird unchronologisch in Episoden aus Sicht der einzelnen 9 Familienmitglieder erzählt. Die Autorin wechselt dabei nicht nur die Erzählperspektive sondern innerhalb der einzelnen Episoden auch noch zwischen Ich-Erzähler und dritter Person. Ein überflüssiger Kunstgriff, wie ich finde. Die Familiengeschichte plätschert vor sich hin, es wird hier und da ein DUNKLES GEHEIMNIS angedeutet, das sich am Ende als konstruiertes kleines Geheimnisschen herausstellt. Man wird mit keinem der Charaktere richtig warm, weil man jeden nur kurz begleitet. Auch ist keine wirkliche Entwicklung zu spüren, weder bei den Personen noch im Lauf der Geschichte. Am Ende steht man vor dem Bild einer Familie, die sich entfremdet hat und deren Mitglieder recht orientieungslos herumleben und die hierfür vorgebrachten Gründe sind doch etwas fadenscheinig. Ich fand das Ganze frustrierend und wenig spannend, z.T. völlig abstrus, klischeehaft, zuweilen verworren. Vielleicht liegt es daran, dass mir eigentlich alle handelnden Personen mehr oder weniger unsympathisch waren, vielleicht an der chaotischen Erzählweise. Nicht so meins.