Me made Mittwoch: Das bessere Jurk

Ich erhalte immernoch recht viel Klicks auf mein Punkte-Jurk und auch immer mal wieder Fragen dazu. Deshalb dachte ich, ich zeige euch mal den optimierten Nachfolger des Kleides und berichte von meinen nun größeren Erfahrungen mit dem Schnitt. Hier erstmal ein Blick aufs Kleid:

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Dieses Kleid ist eigentlich schon einige Zeit fertig, es war auch ein Teil meines SWAP und ist außerdem das erste Kleidungsstück, das ich auf meiner Overlock genäht habe. Ich habe bisher aber noch nie in der Uni getragen, weil ich ein wenig fürchtete, das wilde Muster könnte meine Studis zu sehr verwirren. Außerdem war’s ja auch viel zu kalt für Jerseykleider. Diese Woche hab ich es aber am Nicht-Vorlesungstag getragen und die Gelegenheit zum fotografieren genutzt. Dabei ist mir aufgefallen, ich hätte vielleicht doch besser direkt nach der Fertigstellung Fotos gemacht, als der Bauch noch kleiner war und daher die Passform besser erkennbar. Tja…IMAG2461

Aber nun nochmal zum Schnitt:

Es handelt sich um Jurk 27 aus der Knipmode 2/2012 und ich habe die erste Version davon im Frühjahr genäht und vorgestellt. Damals habe ich schon beschrieben, dass es an einigen Ecken Optimierungsbedarf gab. Im Wesentlichen sind an dem Schnitt 3 Punkte kritisch: 1.) Größenwahl – alle Knipschnitte fallen groß aus. Dieser aber größer als meine Erfahrungswerte, das erste Modell in meiner Tabellen und Normalgröße 38 war mir definitiv zu groß, auch zu lang übrigens. 2.) Die Anbringung der Drapierstreifen – laut Anleitung wird der Drapierstreifen jeweils innen in der Ärmelnaht mitgefasst. Das hab ich beim ersten Mal gemacht und das Ergebnis ist leider, dass der Ausschnitt etwas an der Ärmelnaht zieht. 3.) Der „Zuppelfaktor“ – die Drapierstreifen werden laut Anleitung nicht weiter fixiert, nur in der Seitennaht und in der Ärmelnaht. Das führt gelegentlich zu verrutschen des Ausschnitts und lässt einen hier ständig ordnend zu Werke gehen.

Der Langzeittest:

Mein Punkte-Jurk wird demnächst ein Jahr – und viel älter vermutlich nicht, denn ich trage es weite Teile des Jahres praktisch sobald es aus der Wäsche ist. Ich bin recht sicher, dass ich kein Kleid im letzten Jahr öfter anhatte als dieses. Bei kühleren Temperaturen trage ich es mit Unterkleid, ggf. noch mit Cardi drüber und im Hochsommer habe ich es nur mit Top auch bei 25-30 Grad noch gern getragen. Entsprechend hat der Stoff schon viel Farbe gelassen und einige Nähte sind auch schon geflickt. Ich kann aber sagen: Es hat den Alltagstest mit Bravour bestanden. Obwohl es nicht perfekt ist, ist es ein perfektes Kleid – kombinierfreudig, wandelbar, superbequem, unkompliziert. Daher der dringende Wunsch: Mehr davon.

Die Optimierung:IMAG2462

Das Jurk, das ich heute zeige ist in erster Linie ein Probemodell. Denn folgendes wollte ich ausprobieren: 1.) schmalerer Zuschnitt. 2.) Die Kombination zweier verschiedener Stoffe, 3.) Eine andere Anbringung der Drapierstreifen. Konkret habe ich folgendes gemacht:

– Ich habe alle Teile im Bruch 3cm schmaler zugeschnitten. Dieses Zuviel an Weite hatte ich an meinem Kleid ausgemessen, ich weiß nicht, ob das nun Größe 36 entspricht, oder einer Zwischengröße.

– Die Drapierstreifen und die Ärmel habe ich aus schwarzem Jersey zugeschnitten, den Rest aus gemustertem. Beide Stoffe sind recht dünner Viskosejersey vom Stoffmarkt.

– Die Drapierstreifen habe ich diesmal – wie von vielen anderen Bloggerinnen praktiziert – direkt an der Innenseite des Ausschnitts angebracht.

Das Ergebnis:

Hier nochmal ein Detailblick auf den Ausschnitt

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Der schmalere Zuschnitt war ein voller Erfolg, das Kleid sitzt in den Schulter und auch sonst hervorragend. Bis auf natürlich die bauchbedingten Unzulänglichkeiten, für die das Kleid nichts kann. Beim nächsten Mal würde ich evtl. das vordere Rockteil in normaler Breite belassen und stärker kräuseln und nur die anderen Teile verschmälern, weil ich den weiten Rock am Punktekleid recht gern mag.

Auch die 2-Stoff-Kombi finde ich gelungen. Das ist vor allem gut, weil ich recht oft Reststücke von 1m habe, die meinem Geiz beim Stoffkauf entspringen – damit wäre dann auszukommen. Eine gute Möglichkeit, einige Regalleichen („daraus mach ich mal ein Oberteil“) loszuwerden.

Die andere Anbringung der Streifen indes ist nur unwesentlich praktikabler. Zwar zuppel ich weniger und die Streifen rutschen nicht so viel – aber der Ausschnitt zieht sich etwas und ist nicht mehr so eckig, wie im Schnitt vorgesehen. Beim nächsten Mal würde ich die Streifen wieder in der Ärmelnaht mitfassen, diese Naht aber mit Nahtband stützen und außerdem das vordere Oberteil komplett doppeln. Die Ausschnittbelege sind ohnehin fies und ein wenig Stabilität kann dem Oberteil nicht schaden.

Weitere Zusatzerkenntnis: Der Schnitt taugt nur für Jersey ab einer gewissen Griffigkeit. Der Stoffmarktjersey ist etwas zu dünn und fällt daher nicht ganz so schön. Mein Punkte-Stoff war von Dawanda, ähnliche Dicke und Festigkeit hat zum Beispiel der Blumen-Jersey von Stoff und Stil und auch bei Buttinette habe ich schon ähnlichen Jersey erworben. Das passt wieder zu meiner Erkenntnis Anfang des Jahres: Ein guter Stoff macht ein gutes Kleid!

Ob die anderen bei diesen frühlingshaften Temperaturen auch schon in wild-gemustert-dünn-flutschigem daherkommen? Schau’n wir doch mal! Wiebke trägt auf jeden Fall ein hinreizendes Kleid mit Frühlingsanmutung.