Freitags in Bus und Bahn

Wieder was gelernt. Nachdem mich ein belauschtes Bahngespräch vor einiger Zeit schon über den wahren Grund für die Eingemeindung Wattenscheids in Bochum aufgeklärt hatte (Wikipedia sagt da was anderes, aber die haben ja eh keine Ahnung): Es gab in Wattenscheid nicht mehr genug Autokennzeichen. DESHALB mussten die zu Bochum dazu, damit sie wieder Autos anmelden konnten – einleuchtend nicht wahr? Nun jedenfalls nach dieser bahnbrechenden Erkenntnis, gab’s heute morgen interessantes aus dem Bereich „Geopolitik/Osteuropa“ zu lernen. Nämlich verhält es sich wie folgt. Es gibt scheinbar Menschen, die sind scheinbar Serben. Also ihrem Pass nach zu urteilen. ABER haha, sind sie nämlich nicht. In WIRKLICHKEIT kommen sie nämlich aus Belgrad. Was ja, wie jeder weiß, gar nicht wirklich Serbien ist. (Wikipedia lügt schon wieder!) Wenn man das kompliziert findet, kann man sich das übrigens einfach mit den Kurden merken. Die sind ja ihrem Pass nach auch Türken und sind sie aber gar nicht. So ist das mit den Scheinserben aus Belgrad auch.

Könnte mir jemand erklären, was erwachsene Frauen dazu bewegt, Eulenpudelmützen zu tragen? So welche mit Puscheln als Ohren und einem Gesicht? Die Sorte, die ich schon bei Kindern grenzwertig finde? Ist das die Uniform einer mir unbekannten Sekte? Oder eine besonders ausgefuchste Tarnung ranghoher Beamtinnen des Staatsschutzes? Sowas wie ein PAL-Feld (ha, ich Nerd!)? Ich fürchte, meine irritierten Blicke wirkten auf die betreffende Dame irritierend. Aber hey, hatte ich die lächerliche Kopfbedeckung, oder sie?

Auch neu in der Kategorie „Mysterien des Alltags“: Mein Bus kommt neuerdings, laut Plan, 2 Minuten früher. Das stresst mich fürchterlich, denn das sind genau die 2 Minuten, die ich sonst immer auf dem Weg zur Bushaltestelle verbracht habe. 2 Minuten können am Morgen verdammt kriegsentscheidend sein! Aber, es ist ja nicht so, dass der Bus deshalb dann auch 2 Minuten früher am Bahnhof ist. Im Gegenteil. Dort ist er seitdem 5 Minuten später. Komisch? Wahrscheinlich nur in meiner beschränkten Welt. Ich bin sicher in der Welt von Verkehrsbetriebs-Angestellten gibt es eine ganz logische Erklärung. Achja – ich muss deshalb jetzt also nicht nur zur Bushaltestelle rennen, sondern dann auch zum Zug. Den ich bisher ganz bequem schlendernd erreichen konnte. Aber nicht dass ich mich aufregen würde oder so. Nö…

Ich habe übrigens durch Beobachtung herausgefunden, dass die Verkehrsmittel-Hackordnung ganz klar so aussieht: 1. Sitzplatzpriorität: Rentner, die gehbehindert sind. 2. Sitzplatzpriorität: Rentner, die vollkommen rüstig und kein bisschen eingeschränkt sind. An dritter Stelle erst folgen Menschen mit Behinderungen. Auch nur unter schnaubendem Protest von Nr. 2 überhaupt geduldet. Danach kommen Menschen mit großen Taschen. Dann kommen Menschen, die böse gucken und ggf. handgreiflich werden. Dann kommen Menschen mit Kinderwagen und Kleinkind. Dann komme ich.  Und ärgere mich über die Dreistigkeit von Nr. 2 gegenüber Nr.3 und wundere mich über mich selbst, dass ich mich wundere in einer Gesellschaft, die in der Lage ist, so vollkommen absurde Dinge wie Kinderwagen-Abwehr-Pöller hervorzubringen.

Klingt dieser Post bis hierhin etwas düster? Das täuscht. Schließlich ist derzeit die glückselige Zeit zwischen Weihnachtsmarkt-Rentner-Ansturm und rüstigen Fahrradtouristen, die immer immer immer mit Pendlerzügen fahren müssen (man will ja noch früh am Tage mit seiner Radtour beginnen, wer rastet, der rostet). Praktisch das Paradies des Pendlerjahres. Man hat beinahe den Eindruck es gäbe annähernd genug Platz für alle. Und es schneit nichtmal. Das heißt, der Zug fährt vielleicht sogar. Und unter Umständen sogar auf der Strecke, die er fahren sollte. Da bin ich ganz bescheiden und freue mich.

Und darauf noch ein kleines Schmankerl aus dem Arbeitsleben im universitären Irrenhaus: Jährlich findet eine „Sicherheitsüberprüfung der ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel“ statt. Das bedeutet, da kommt jemand und guckt sich an, ob alle Mehrfachsteckdosen, Computer, Schreibtischlampen, Wasserkocher, Kaffeemaschinen und Heizlüfter auch sicher sind. Führt normalerweise dazu, dass festgestellt wird, dass man gar keine Betriebserlaubnis für den Tauchsieder, den Kaffeevollautomat und den Tischstaubsauger hat und mit sofortiger Konfiszierung der regelwidrigen bösen Sicherheitsrisiken bedroht wird. Lässt sich abwenden, indem man Stein und Bein schwört, sie auf der Stelle mit nach Hause zu nehmen und dies dann wohlweislich vergisst … Bis zur nächsten Prüfung… Diese bedroht meinen Wasserkocher nun in nächster Zeit, wie mich Plakate auf unserem Gang aufklären. Dort ist zu lesen, dass irgendwann in der Zeit KW 9-11 mit dem spontanen Auftauchen eines Elektro-Blockwarts zu rechnen sei. Da man dafür die Geräte vom Strom trennen müsse, habe man bitte dafür Sorge zu tragen, dass man zum betreffenden Zeitpunkt im Büro anwesend ist…. Ja, richtig gelesen. Der „betreffende Zeitpunkt“ ist „KW 9-11“. Noch Fragen? Achja: „aus Gründen der Effizienzsteigerung wird die Prüfung dieses Jahr erstmals von einem externen Dienstleister durchgeführt.“

9 Gedanken zu “Freitags in Bus und Bahn

  1. Lotti schreibt:

    Hahahaha! Menschen ey. Da schüttelste echt den Kopf. Ich ärgere mich auch jedes Mal, wenn sich erwachsene Menschen in die U-Bahn drängeln, wenn noch alle am aussteigen sind. Oder erwachsene Frauen mit kleinen Kuscheltieren am Rucksack. Auch grenzwertig.
    LG Lotti

  2. elke schreibt:

    Mein skurilstes Erlebnis mit Kinderwagen:
    Wir im Sommer im „Wald“ unterwegs mit Kinderwagen, ein Pferd mit Reiterin kommt uns entgegen und ich denke zuerst ich hab mich verhört, aber sie ruft tatsächlich: „Machen sie den Sch… Sonnenschirm zu, mein Pferd hat Angst.“ Ich konnte gar nicht reagieren so verwirrt war ich, dann wurde ich weiter beschimpft dass das doch wie ein riesen Auge aussieht und man Rücksicht auf das Pferd zu nehmen hat.
    Du siehst, mit Kinderwagen ist man nicht nur im Cafe im Weg sondern auch beim Spaziergang.
    Da kommt noch was auf Dich zu 😉
    viele Grüße
    Elke
    Der Schirm war übrigens nicht neongelb sondern in gedecktem grün.

  3. Lucy schreibt:

    Also in Berliner Bussen stehen große Einkaufstaschen an dritter Stelle der Sitzplatzpriorität, vor allem wenn sie zu Passagieren der Prioritätsstufe 2 gehören. Ja, diese gehen sogar so weit, neben sich den Fensterplatz für ihre Einkaufstaschen freizuhalten, wenn sie gar keine Tasche dabeihaben! Auf den freien Taschenplatz darf man sich nur unter allergrößtem Gemurre hindrängeln – die Tasche könnte ja überraschend dazukommen und auch sitzen wollen!

    viele Grüße! Lucy

    • Mema schreibt:

      Also, meine liebste Alltagsschwachsinnigkeit sind die Prüfung und der Umgang mit der „Sicherheitsüberprüfung der ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel „. Welche Lobbyisten sich diese Ausführungen ausgedacht haben??? Diese besondere Art gibt es übrigens nicht nur in universitäten Irrenhäusern sondern im gesamten öffentlichen Dienst incl. der freien Wohlfahrt.
      Danke für deinen launigen Bericht
      Gruß Mema

  4. Chrissy schreibt:

    You made my Day! Danke, hab sehr gelacht grade! Sorry, ich weiß für dich ist es nur bedingt komisch! Toll geschrieben! Liebe Grüße, Chrissy

  5. 101dingein1001tagen schreibt:

    Uiuiui! Gut, dass Wochenende ist, was? 🙂 Habe heute übrigens dein Moussaka nachgekocht. Schmeckte mir und dem Herzensmann, allerdings brauche ich noch mehr Aubergine, beim nächsten Mal.

  6. Goldengelchen schreibt:

    Diese tolle Sicherheitsüberprüfung gibts auch in normalen Industrie-Unternehmen. Wir bekommen dann aber so tolle Aufkleber drauf – geprüft bis xx. Und dann dürfen wir die Dinger behalten 🙂 Naja, die Arbeitssicherheitsfachkraft ist in meiner Abteilung und sitzt zwei Büros weiter, der Kollege hätte „gefährliche“ Geräte vorher eh schon konfisziert 😉
    Viele Grüße, Goldengelchen

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