Veggieblogtag #10: Vegetarismus und Schwangerschaft

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Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion “Donnerstag=Veggietag“. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir, und bei allen BloggerInnen , die mitmachen wollen, etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost. Ich freue mich sehr über eure Beteiligung.
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Heute bei mir mal kein Rezept. Ich hoffe, das übernimmt heute jemand anderes. Denn ich erzähl jetzt hier mal was zum Thema „Was esse ich in der Schwangerschaft?“

Schon bevor ich überhaupt schwanger war, schwang dieses Thema oft in Unterhaltungen über vegetarische Ernährung mit. Fragen wie: „Aber wenn du schwanger wärst, würdest du doch sicher Fleisch essen, oder?“ Und auch: „Aber habt ihr keine Angst, dass eure Kinder Mangelerscheinungen bekommen?“ höre ich leider gar nicht selten.

Zunächst mal haben weder meine Frauenärztin noch die deutsche Gesellschaft für Ernährung irgendwas gegen vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft einzuwenden. Im Gegenteil gilt es heute weitgehend als anerkannt, dass vegetarische Ernährung im Allgemeinen gesünder ist, als welche mit Fleisch. Auch für Schwangere und kleine Leute. Meine Mutter hat zum Beispiel 3 Schwangerschaften vegetarisch verbracht und wir sind alle offenbar wohlversorgt und proper geworden. Wir wurden auch als Kinder rein vegetarisch ernährt.

Natürlich hat man in der Schwangerschaft einen gewissen Zusatzbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen und so ab der Hälfte auch an Eiweiß. Allerdings kann man diesen Zusatzbedarf ohne Probleme auch vegetarisch decken. Umgekehrt kann man trotz Fleisch erheblich mangelernährt sein – denn auf die empfohlenen Mengen an Obst, Gemüse und Ballaststoffen kommt lang nicht jeder.

Laut den Unterlagen, die ich von meiner Krankenkasse bekommen habe, habe ich insbesondere einen Mehrbedarf an B-Vitaminen, ungesättigten Fettsäuren, Folsäure, Jod, Eisen, Calcium, Magnesium und Vitamin D. Zudem wird eine ballaststoffreiche und etwa ab der 20. Woche auch eiweißreiche Ernährung empfohlen. Einzig die B-Vitamine und Eiweiß könnten überhaupt über Fleisch gedeckt werden. Allerdings sind auch in Milchprodukten und in Soja B-Vitamine enthalten. Und Eiweiß lässt sich ohnehin pflanzlich decken und dies wird auch Mischköstlerinnen empfohlen (z.B. in den schon angesprochenen Handreichungen meiner Krankenkasse), weil tierische Produkte oft eben auch viele gesättigte Fettsäuren und Cholesterin im Gepäck haben.

Was habe ich also konkret Ernährungs-technisch verändert?

  • Wegen der Ballaststoffe und der Vitamine achten wir möglichst darauf, alle Mehlspeisen aus Vollkornmehl zu machen. Bei Pasta kann ich mich ja dazu nicht durchringen, aber bei allem anderen fällt mir das nicht weiter schwer. Also gibt’s Vollkornbrot, Vollkornpizza, Vollkornkuchen.
  • Zusätzlich ersetze ich in allem, was ich backe 10-20% des Mehls durch Sojamehl. So erhöhe ich automatisch meine Eiweißzufuhr. Das Brot wird dann übrigens saftiger, ich denke, das werde ich beibehalten…
  • Ich plane mir jeden Tag einen Joghurt ein, zum Frühstück oder nachmittags. Außerdem bemühe ich mich, statt Unsinn mit viel Zucker und wenig sonstigem Inhalt, als Zwischenmahlzeit Nüsse und Obst zu essen. Nüsse sind gut als Lieferanten der ungesättigten Fettsäuren.
  • Das Frühstück besteht nun öfter statt aus Brot aus Hirsebrei. Auch das etwas, wo ich mich durchaus dran gewöhnen könnte. Hirse ist eiweißreicher als anderes Getreide und enthält sehr viel Magnesium. Ich steh ohnehin auf Hirse und andere „ungewöhnliche Getreide“. Als weitere Magnesiumquelle werden Bananen vorgeschlagen. Ich mag keine Bananen. Aber im Multisaft, im Müsli oder im Smoothie habe ich sie integriert, wär ja irgendwie auch unfair, dem Minimensch meinen Geschmack aufzudrängen, oder?
  • Abends versuche ich bewusster darauf zu achten, dass immer auch eine Eiweißquelle dabei ist. Also Tofu oder andere Sojaprodukte, oder, und das wirklich gern, Hülsenfrüchte. Hülsenfrüchte sind sehr reich an Mineralstoffen, total vielseitig und lecker.

Ich nehme, im Gegensatz zu dem, was mir meine Ärztin, als Sprachrohr des Pharmavertreters, gesagt hat, seit der 15. Woche nicht mehr täglich Schwangerenvitamine sondern nur ca. alle 3 Tage, ausschließlich Vitamin D nehme ich täglich. Im ersten Trimester und schon vor der Schwangerschaft habe ich schon Folsäure und Jod genommen, da dies für die Hirnentwicklung empfohlen wurde. Auch Magnesium, das unheimlich viele Schwangere praktisch blanko, ohne dass ihr Bedarf festgestellt wird, nehmen, nehme ich nur ab und zu. Ich habe trotzdem bisher weder Wadenkrämpfe noch besonders viele Dehnungsschmerzen, mein Blutbild war bei jeder Kontrolle astrein und ich habe, ganz im Gegensatz zu den meisten Frauen, hervorragende Eisenwerte. Der Minimensch ist auch ganz proper. Eine vollwertige, gesunde Ernährung auch ohne Fleisch scheint also völlig auszureichen.

Man sagt ja, dass man in der Schwangerschaft essen soll, worauf man Lust hat, weil der Körper dadurch einen Mangel signalisiert. Ich habe bisher eigentlich keine merkwürdigen Gelüste, umgekehrt vertrage ich aber auch eigentlich alles. Ich habe einige Male Fleisch gegessen, weil ich eh irgendwo eingeladen war oder es sich anderweitig anbot, allerdings festgestellt, dass Fleisch, genauso wie Süßigkeiten, mein latent vorhandenes Sodbrennen verschlimmert. Mein Körper scheint es also nicht unbedingt besonders gern zu haben, wenn ich Fleisch esse, dass ich Zucker tendenziell schlecht vertrage ist ja ohnehin nichts neues.

Und jetzt noch ein Mini-Rezept, als Zugabe, ohne Foto: Hirsebrei zum Frühstück

3 EL Hirse mit 1 TL Honig und etwas mehr als der doppelten Menge Milch aufkochen (dabei ist es wirklich nicht notwendig, das ganze überkochen zu lassen, so wie ich heute morgen…), auf kleinster Flamme ca. 15 Min weich köcheln lassen, danach sollte noch etwas zusätzliche Milch vorhanden sein, sonst nach belieben noch Milch zugeben. 1 EL gehackte Mandeln oder Nüsse und geriebenes, geschnittenes oder püriertes Obst nach Geschmack zugeben. Ich nehme z.B. 1/2 Banane und 1/2 Apfel oder eine Handvoll Beeren. Im Winter finde ich es auch sehr lecker, etwas Zimt oder Vanille mit zuzugeben. Im Sommer kann man das ganze auch lecker mit Joghurt verrühren und kalt essen.

Mehr Infos zu Vegetarismus und Schwangerschaft hier und hier. Nährwerttabellen gibt’s z.B. hier.

9 Gedanken zu “Veggieblogtag #10: Vegetarismus und Schwangerschaft

  1. Nike goingweird schreibt:

    Ich finde das Thema ja hochinteressant, vielleicht auch wegen selebr grade schwanger, aber auch generell. Wir essen hier ja eher wenig Fleisch (zugegebener Maßen aber täglich Wurst), trotzdem komme ich garantiert nicht auf durchschnittliche Mengen. Und ähnlich wie bei Dir: kein Eisenmangel, bzw in der letzten Schwangerschaft erst gaaaanz spät. Maganesium nehme ich auch keines, in der ersten Schwangerschaft hatte mir der Arzt aber wegen stressigen Rahmenbedingungen dringend dazu geraten. Hintergrund sind wohl nicht Krämpfe, sondern das Risiko einer Frühgeburt. Deshalb dosiert man da anscheinend, prinzipiell und egal bei welcher Ernährung, über. Ich hadere generell noch damit, das Fleisch essen ganz einzustellen & habe mich für mich entschieden, das auf „später“ zu verschieben, wenn ich keine ganz kleinen Kinder mehr zu ernähren habe. Nicht, weil ich nicht daran glaube, dass es gut möglich ist, sondern weil ich mir sehr unsicher bin ob und wie ich das gut hinbekommen würde. Also, pleazzzeee: mehr davon, ich bin sicher nicht die einzige zwischen den Stühlen, und je mehr Informationen man dazu aufnimmt (& langsam auch anwendet), desto sicherer fühlt man sich, oder (ich halt ; )
    Grüße
    Nike

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Die Frauenärztin hat mir auch gesagt, dass ich, wenn ich merke, dass ich angespannt oder gestresst bin Magnesium nehmen soll und hab ich dann auch. Aber man liest in furchtbaren Schwangerschaftsforen ja gern, dass die Leute das wahllos nehmen, so wie ja auch viele Leute generell dauernd Vitamin-Tabletten einwerfen. Ich hab allerdings auch gelesen, dass Magnesium (was irgendwie auch logisch ist) ja nicht nur einen selbst entkrampft, sondern auch das Baby – so dass das quasi wenn es geboren wird dann erstmal einen Magnesium-Entzug durchmacht. Tatsächlich kann ich das an den Kindsbewegungen feststellen – wenn ich einige Tage sehr hochdosiert Magnesium genommen hab (was ich zwischendurch mal musste), wird es deutlich ruhiger im Bauch…
      Meine Eltern waren, als ich klein war, wirklich ganz schlimme Hardcore-Ökos (haben sie wieder drangegeben, aber erst nachdem wir weg waren) – ich hab den Eindruck, gesundheitlich hat uns das gut getan, allerdings hatten wir es auf dem Dorf in der Grundschule nicht unbedingt leicht mit unserem Vollkornbrot mit Kresse drauf und so – aber da hat sich heute auch viel verändert. Dunkles Brot ist ja heute eigentlich in den meisten Haushalten bekannt… und selbst Vegetarismus ist heute so viel weiter verbreitet.

      • Nike goingweird schreibt:

        Nu sind meine Eltern keine Vegetarier, aber Hardcore-Ökos… glaub mir ich weiß was Du meinst ; ) Vielleicht besonders wenn man bedenkt, dass in meiner Klasse auch mehrere (!) Nichten und Neffen des rabenschwarzen Landesvaters waren. Sind aber im Alter auch schon sanfter geworden.
        Grüße
        Nike

  2. Poldi schreibt:

    Danke für diese Infos – ich habe sie sehr aufmerksam gelesen, da ich gerade selber schwanger bin und sehr wenig Fleisch esse. Heute habe ich auch mal ein fleischloses Rezept gepostet.

    Viele Grüße und danke für die Aktion,
    Poldi

  3. schildkroete schreibt:

    Hi,
    ich habe in meinen beiden Schwangerschaften auch schon vegetarisch gegessen und kerngesunde Kinder bekommen. Genommen habe ich nur Folsäure vor und am Anfang der Schwangerschaft. In den letzten Wochen Magnesium, da ich dann immer mal Wadenkrämpfe hatte. Meine Eisenwerte waren in den Schwangerschaften besser als zu anderen Zeiten…..
    Ich bin „vom Fach“ und sehe dieses sehr undifferenzierte Zuführen von Vitaminpräparaten, egal, ob schwanger oder nicht, sehr kritisch.
    Meine Kids habe ich auch vegetarisch ernährt, beide haben auch mal Fleisch und Wurst probiert, meine Tochter (15 J.) ißt jetzt wieder vegetarisch, mein Sohn (12 J.) selten Mal Fleisch. Toll finde ich, dass sie sehr gerne alle möglichen Getreidegerichte etc. essen. Hirse mögen wir z.B. sehr, ich werde mal Deinen Frühstücksbrei versuchen.
    Alles Gute für Dich, herzliche Grüße
    Sabine

  4. mimperella schreibt:

    Soso, deine Eltern waren also Hard-core Ökos und haben das wieder drangegeben. Das mit dem Hard-core hat sich, wenn du bitte im Gedächtnis mal blâtterst, erledigt, als dein Bruder begann bei anderen Familien den Wurstteller zu plündern. Da wart ihr alle noch zu Hause. Seit ihr alle aus dem Haus seid , sind deine Eltern auf dem Weg wieder so hard-core zu werden wie sie mal waren,oder auch wie du bist!
    Der Tipp mit dem Sojamehl ins Brot gefâllt mir, das versuche ich auch mal.:-)

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Haha, ich wusste, das würde dir nicht gefallen! Aber du musst wohl zugeben, dass wir es wirklich nicht leicht hatten- nicht dass ich das aus heutiger Sicht schlecht finden würde, ich oller Öko. Und schließlich baut des Gatten und meine Beziehung maßgeblich darauf auf, uns für unsere schlimme Öko-Kindheit gegenseitig zu bemitleiden 😉 Nein, ganz im Ernst, unsere Kinder werden es da sehr viel leichter haben, als wir, weil sich an der Bio/Öko/Fair-Front ja schon ein bisschen was in Sachen Allgemeinbildung getan hat…

  5. mimperella schreibt:

    Vielleicht könntest du es mal so betrachten, welch ein Geschenk es war, in einem Haushalt aufwachsen zu dürfen, der der Zeit um mindestens 2 Jahrzehnte voraus war.;-)

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