Freitags in Bus und Bahn

Auf meinem Gleis steht ein Thalys. Anstatt eines Regionalexpress nach Minden/Westfalen. Ob das die Kompensation für die versuchte Entführung nach Herne letzte Woche ist?

Diese Woche ist mir eingefallen, dass man früher Leute ausrufen ließ. Und zwar ganz normale erwachsene Leute, die man erreichen musste, nicht nur Eltern, die versuchen ihre Kinder im Småland auszusetzen. Eigentlich sehr viel angenehmer als heute, man musste nur anhören, dass jemand sich melden soll, nicht auch noch das ganze daran anknüpfende Telefonat. Denn heute beobachtet man ja im ÖPNV immer wieder das Phänomen der „unsichtbaren Telefonzelle“. Menschen scheinen in einem abgeschlossenen Raum, der sie von Zuhörern abschirmt, zu sitzen und zu telefonieren, allerdings können nur sie selbst diese Telefonzelle wahrnehmen. Für die Mifahrer ist sie unsichtbar und leider auch wirkungslos. Und so denkt der arme Telefonierer, er sei geschützt vor unliebsamen Ohren, während er seiner Sekretärin schnell mal das Passwort für seinen Rechner durchgibt, mit dem Kollegen noch schnell die Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle durchspricht oder seinem Kumpel vom Ende des letzten Besäufnisabends berichtet. Wobei offenbar noch anderen außer mir diese tragische optische Täuschung aufgegangen sein muss, denn diese Woche habe ich insg. 4 Personenrufe vernommen. Bzw. 3 und ein vermuteter. Der letztere war auf türkisch. Kann also auch ne Mutprobe oder so gewesen sein. Ich erwarte jedenfalls jetzt auch demnächst mal wieder Meldungen im Radio, die verkünden, dass „Herr Sorowski, derzeit unterwegs auf der A45 nach Frankfurt möge bitte seine Mutter anrufen.“

Und da ich glücklicherweise nicht mehr freitags durch halb NRW muss, sondern ganz im Gegenteil, ab morgen erstmal Urlaub hab, gibt’s heute, liebe LeserInnen, auch nur dieses kurze Bahnerlebnis. Dumm für euch, schön für mich.

Ein Gedanke zu “Freitags in Bus und Bahn

  1. frifris.blogspot.com schreibt:

    Schade, schade. Als langjährige ÖPNV-Nutzerin (auf dem schmalen Grat zwischen Ökokorrektheit und Masochismus) freue ich mich sehr über deine pointierten Reisedarstellungen. Aber es sei dir auch ein schöner Urlaub gegönnt!

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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