Warum ich es liebe

Catherine hat gestern einen wirklich wundervollen Post über die Begeisterung für das nähen geschrieben. Ich habe schon einige Male mit meinem Mann darüber philosophiert, was es eigentlich ist, was das Nähen mir gibt. Denn es ist durchaus schon vorgekommen, dass ich etwas grumpy war und mein Mann mich daraufhin ins Nähzimmer schickte, um meine Laune zu bessern. Und er hat sich auch zähneknirschend daran gewöhnt, dass ich dauernd mit 2 Nähmaschinen verreise. Woher kommt das?

Ähnlich wie bei Catherine ist es auch bei mir die Freude daran etwas zu schaffen, eine mir selbst gewählte Aufgabe zu meistern und dabei immer etwas dazu zu lernen. Dabei liegt mir das nähen vielleicht mehr als das stricken, sticken, basteln, Modelleisenbahnbau oder Malerei, weil man relativ schnell sieht, was man da gemacht hat, trotzdem die Arbeit auch mal zur Seite legen kann und nicht stets ein ganzes Wochenende aufbringen muss, so wie für so manches sportliches Hobby oder für Hundeschauen oder was weiß ich. Und, ein Riesenmotivationspunkt für mich: ich kann mir das Ergebnis meines Schaffens immer wieder im Alltag anschauen, ja profitiere zusätzlich davon, dass ich besser passendere, individuellere, gefallendere Kleidung habe. Diese kleinen Freuden im Alltag, die sich aus einem gelungenen Outfit, vielleicht gar einem Kompliment hier und da, aber auch schon aus einem hübsch schwingenden Rock, dem Wissen um ein besonders hübsch gemustertes Futter oder einfach einem guten Tragegefühl ergeben, die hat das nähen vielleicht dem Modelleisenbahnbau oder dem Töpfern von Gartenskulpturen für mich voraus.

Ein weiterer Punkt, der mich immer wieder an die Nähmaschine treibt, ist die Vielseitigkeit der Tätigkeit. Man kann schnelle Projekte oder aufwändige wählen, Kleider oder Taschen oder Gardinen oder Kuscheltiere nähen. So bietet sich für jede und jeden eine Entfaltungsmöglichkeit.

Und zuletzt: Ich kann jeder und jedem nur ein Hobby wünschen, das sie oder ihn so begeistert, wie uns das nähen. Ein Hobby, das einen Ausgleich bietet zum stressigen, verkopften oder wenig ermutigenden Alltag. Ein Hobby, das kleine Freuden im Alltag eröffnet und das auch den Austausch mit Gleichgesinnten beinhaltet, so wie wir Näh-Nerdinnen ihn glücklicherweise in unserer Ecke des Internets finden.

Himmelfahrtskommando: Lagebesprechung

Tatsächlich wird mein Kleid fertig. Und das obwohl ich nicht mal ganz sicher weiß, ob ich es brauchen werde. Aber nachdem das Oberteil einmal bezwungen war, flutschte es. Den Rock habe ich im Hinterteil normal zugeschnitten, vorne habe ich im Bruch oben etwa 12 cm zugegeben, die ich Richtung Saum auf 5 cm reduziert habe. Die Mehrweite im Rockansatz habe ich in je 2 kleine Falten pro Seite und eine mittige Kellerfalte gelegt. Das ist super aufgegangen. Allerdings:
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War das fertige Kleid dann etwa 30cm (!) länger als erwartet. Die beiden Längen im Schnitt waren als „Tunikalänge“ und „Kleidlänge“ ausgewiesen und irgendwie war ich auf Grund des Fotos davon ausgegangen, Kleidlänge sei so knielang. Ähm, ist sie nicht… ist eher so die Länge eines viktorianischen Nachthemds.

Ich habe also erstmal unten einen ganzen Schal abgeschnitten, dann den Reißverschluss eingesetzt und die hintere Mittelnaht geschlossen und so sieht es nun aus:
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(Bügeln wär vielleicht noch ne Idee)

Jetzt ist nur noch die Frage nach den Saumabschlüssen zu beantworten. Schrägband? Oder einfacher Blindsaum? Spitze vielleicht? Was denkt ihr? Ich denke an weißes Schrägband, ich glaub Spitze wäre mir zu dem bestickten Stoff zu lieblich… und ich würde es eher so kürzen, dass es knapp über dem Knie endet, oder?

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Alle anderen Himmelfahrtskleider treffen sich heute bei Steffi.

Lagebericht 15/2013

Die zweite Abhängwoche ging schon besser über die Bühne. Ich habe einen urlaubsmäßigen Tagesrhythmus gefunden, der sich nun schon gefestigt hat. Nach wie vor fällt es mir schwer, rumliegende Haushaltssachen einfach liegen zu lassen und zu warten, bis Herr Siebenhundertsachen sie erledigen kann. Zum Glück kriege ich auch dauernd Besuch von netten Menschen und auch noch nette Post und Online-Shopping-Lieferungen (ja, das rumhängen ist nicht unbedingt gut für den Kontostand).

Gewerkelt: Die zweite Hälfte der Herbstmütze gestrickt, meinem Hochzeitsgastkleid den Rock angesetzt, der zwar passt aber so ca. 30cm zu lang ist… einen kleinen Kuschelanzug genäht und sehr vielen Stramplern die Füße abgeschnitten und stattdessen Bündchen angenäht.

Gekocht und gegessen: Frisches Pesto, Erdbeershake und Erdbeerquark und Marmelade, mediterrane Tofubällchen mit Reis, Gnocchi, Arabisches Gemüse mit Couscous, Kartoffelsuppe mit Weizenwürstchen

Gegärtnert: Die restlichen Salatpflanzen in Kästen nach draußen gesetzt. Gerade Testbetrieb Ostfensterbank gegen Südfensterbank. Zuckerschoten und Mangold im Vorzuchtgewächshaus. Nächste Woche müssen die Tomaten in größere Töpfe, so groß sind sie schon.

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Gesehen und gelesen: Elisabeth Chadwick – Die englische Rebellin, die neue Knip (ich liebe den Tulpenrock und die Coco-Chanel-Hose) und die aktuelle Knippie, ziemlich viel Onlinepresse. Eine wundervolle Doku über die Arbeit von Jared Diamond, die es in der zdf-Mediathek gibt. Hier auch der erste Teil. Ich habe schon vor längerer Zeit das Buch zu diesen Dokus gelesen, es heisst im Original „Guns, Germs and Steel“, auf Deutsch „Arm und Reich“ und kann es nur empfehlen. Es ist eins der unterhaltsamsten und erhellendsten Sachbücher, die ich kenne. Jared Diamond ist Evolutionsbiologe, der sich ursprünglich mit Sprachentwicklung in Papua Neu-Guinea beschäftigt hat. Hierüber hat er begonnen, sich über die Grundeinflussfaktoren von technologischem, sozialem und wirtschaftlichem Erfolg und Scheitern Gedanken zu machen und, wie ich finde, absolut einleuchtende und erhellende Erkenntnisse gewonnen. Zudem schreibt er sehr nett und gut lesbar. Ausdrückliche Empfehlung für Doku und Buch.

Was läuft hier eigentlich verkehrt?

Zu oft Nachrichten zu gucken und sich zu viel im Internet rumzutreiben ist gar nicht gut für innere Ruhe und Blutdruck. Denn man fängt zwangsläufig an, sich zu fragen: GEHTS NOCH????

Diese Woche war wirklich nicht einfach für meine Suche nach Tiefenentspannung. Eigentlich ging es schon letzte Woche los, mit dem vollkommen absurden Unions-Gemauschel zur Frauenquote. Ich bin, das sage ich offen, keine glühende Frauenquotenverfechterin. Ich bin da nicht gut eingelesen und informiert. Ich sehe lediglich, dass es offenbar eine gläserne Decke für Frauen gibt, die allerdings schon weit unter der Vorstandsebene hängt, und finde es richtig und wichtig, politisch dagegen vorzugehen. Ob eine Frauenquote für Vorstände da der richtige Weg ist, weiß ich nicht zu sagen, denn die Ursachen für das mangelnde Fortkommen von Frauen, betreffen auch Frauen in mittleren und unteren Positionen. Denn hier würde ich die absolut unzureichenden Anstrengungen von Unternehmen und Politik bzgl. der Vereinbarkeit von Familie und Beruf an allererster Stelle nennen wollen. Ich habe die Frauenquote immer als einen von vielen nötigen Schritten gesehen und auch als einen Weg, den Missstand anzuprangern und zu zeigen, dass dieser angegangen wird. Klar ist jedoch, dass die sog. Flexiquote und andere ähnliche Vorschläge vollkommen lächerliche Nicht-Kompromisse sind, die man kaum eines Wortes zu würdigen weiß. Ich finde allerdings das undemokratische Schmierentheater, was die Unionsfraktion da letzte Woche abgezogen hat, setzt dem ganzen wirklich die Krone auf. Da haben wir eine Ministerin, die offenbar vergessen hat, welches Ressort sie besetzt und nicht in der Lage ist, mit einem auch nur einigermaßen vernünftigen Vorschlag zu irgendeinem relevanten Thema um die Ecke zu kommen. Und eine Kanzlerin und einen Fraktionsvorsitzenden, die tatsächlich einer nicht eben kleinen Gruppe von Abgeordneten die Wahrnehmung ihres demokratischen Rechtes abgeschwatzt haben, mit einem mehr als windigen Kompromiss. Furchtbar enttäuschend, dass hier eine ganze Gruppe von Frauen spontan ihr Rückgrat ablegen kann.

Dann, kaum hat man sich davon erholt, kommt Uli Hoeneß um die Ecke. Ich hab ja nix gegen Fußball und ich finde ja auch gut, wenn Steuerbetrüger gefasst werden, aber mal ehrlich: Warum zum Henker wird um einen viel zu gut bezahlten arroganten Fussballmanager so viel Aufhebens gemacht? So viel Medienaufmerksamtkeit gab’s in letzter Zeit maximal für den kleinen Irren aus Nordkorea. Von Jauch bis Illner versammelte sich in jeder Talkshow ein Grüppchen von mehr oder weniger Betroffenheit heuchelnden Promis, Politikern in wahlkämpferischer Mission und Fußball-Prominenz. Auch immer dabei, der werte Herr Kubicki, der neuerdings nicht mehr FDP-Mitglied und Landtagsabgeordneter, sondern nur noch Fachanwalt für Steuerrecht zu sein scheint. Zumindest stellt der öffentlich rechtliche Rundfunk ihn nun stets so vor. Und dann wird Überraschung, Entrüstung, gar leise Sympathie ausgetauscht und man trennt sich wieder. Auf den Punkt gebracht in diesem Artikel. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat für mich die politische Reaktion. Da sieht sich Frau Merkel genötigt, persönlich enttäuscht zu sein, der Bundestag und der NRW-Landtag halten aktuelle Stunden ab. Jeder Finanzpolitiker hat auch noch was dazu zu sagen. Und Rösler fordert eine Erklärung von Steinbrück dazu. Wahlkampfzeiten. Aber echt? Welche Überhöhung eines kriminellen Wurstfabrikanten.

Dann hab ich auch noch den Fehler gemacht, den Fernseher einzuschalten. Da gab es eine Doku über Monsanto zu sehen, die noch einige Tage bei arte+7 zu sehen ist und die einen endgültig den Glauben an Moral verlieren lässt. Da fiel dann am Tag darauf der Aufruf, diese Petition zu unterzeichnen, direkt auf fruchtbaren Boden bei mir. Übrigens wird die EU-Saatgutverordnung vor allem von Naturschutzverbänden in Österreich sehr kritisch beobachtet, es wird vermutet, dass das neu zu beschließende Zertifizierungsverfahren so teuer wird, dass kleine Landwirte, die alte Sorten züchten und weitergeben, sich die Zertifizierung nicht leisten können. Ob das tatsächlich so sein wird, bleibt natürlich abzuwarten, aber man kann ja schonmal sagen, dass man das doof fände, oder?

Und jetzt regnet es auch noch. GEHTS NOCH?

Veggieblogtag #14: Minestrone

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Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion “Donnerstag=Veggietag“. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir, und bei allen BloggerInnen , die mitmachen wollen, etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost. Ich freue mich sehr über eure Beteiligung.
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Hallo liebe Donnerstags- und Immer-Vegetarier!

Der Frühling ist da heidiho, jupeidi, hurra. Ich liebe die entsprechenden Lebensmittel, die wachsenden Auswahl auf dem Markt, Erdbeeren, Bärlauch, Spargel. Heute gibt es deshalb eim Gericht, das schon ganz stark nach Sommer schmeckt: Minestrone

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Zutaten für 4:

2 Möhren
3 Stangen Staudensellerie
1 Zwiebel
1 Dose Tomaten
1 Fenchel
1 Paprika
2 Kartoffeln
2 Zehen Knoblauch
2 Handvoll TK-Erbsen
2 Handvoll TK-Bohnen
2 EL weiße Bohnen trocken
100g kurze Nudeln (z.B. Conchiglie)
Gemüsebrühe
Lorbeer
Oregano
Basilikum
Paprika edelsüß
Saft von 1/2 Zitrone
Pesto
Parmesan

Einige Stunden vor dem kochen, die weißen Bohnen einweichen.

Die Zwiebel, den Knoblauch hacken und in einem großen Topf in Olivenöl anbraten. Das Gemüse putzen und würfeln. Zu Zwiebeln und Knoblauch geben, dann mit den Tomaten und 1,5l Gemüsebrühe ablöschen. 2 Lorbeerblätter und je 1 TL Oregano und Basilikum sowie die weißen Bohnen zugeben. Deckel drauf und 30 Min auf kleiner Flamme köcheln lassen. Dann die TK-Ware und die Nudeln zugeben und weitere 15 Minuten köcheln.

Mit Paprika, Zitrone, Salz, Pfeffer , 1 Prise Zucker und nach Geschmack Chili abschmecken.

Mit einem Pestoklecks, Parmesan und Knoblauchbrot servieren.

Natürlich kann man das Gemüse saisonal variieren. Im Sommer Zucchini und frische Tomaten, im Winter Weißkohl und Knollensellerie. Auch Reis statt Nudeln ist als Sättigungseinlage möglich.

Me made Mittwoch mit bisschen Glamour

Ich erwarte heute abend Besuch aus der Außenwelt, demzuehren ich mich in mein letztjähriges Weihnachtskleid geworfen habe.

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Das Kleid und ich hatten es ja in der Entstehung nicht ganz leicht miteinander, wie man in aller Ausführlichkeit hier nachlesen kann. Aber ich glaub, ich werde ihm im Sommer noch 1-2 Geschwister aus Webstoff verpassen, denn in fertig ist es toll. Allein die Riesentaschen sind super und sein weit schwingender Rock.

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Durch seine eher winterliche Farbe ist es zwar heute fast zu dunkel für das tolle Wetter, aber 1. Hab ich eh nur schwarze Umstandsleggins und 2. Schwingt es so toll, dass man sich sofort ganz elfenhaft fühlt. Und auch sein Paillettensaum konnte mich nicht davon abhalten, es heute schon auf den Wochenmarkt und in ein Minimensch-Bedarf-Fachgeschäft auszuführen (ich glaub übrigens, ich habe einen Gendefekt an der Stelle, wo andere die begeisterten Kreischlaute, die ihnen in solchen Höllengeschäften entfahren, abgespeichert haben. Aber das nur am Rande.). Ein bisschen Glanz und Glamour kann der Welt voll rüstiger sandfarbener funktionsbekleideter Rentner da draußen nicht schaden.

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So, jetzt gibts das erste Erdbeershake des Jahres und eine ausführliche Blogrunde beim MMM, zu dem heute Lucy einlädt.

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Gelesen: Die Sopranistin

Vor unserem Osterurlaub habe ich mal wieder der Mängelexemplarkiste in der Bahnhofsbuchhandlung einen Besuch abgestattet und dort gleich drei relativ dünne Taschenbücher erworben. Das erste war schonmal ein Volltreffer: Jörg Thadeusz – Die Sopranistin.
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Ich schätze Jörg Thadeusz als Moderator schon seit seinen Anfängen bei 1live und habe vor Jahren seine beiden Romane „Rette mich ein bisschen“ und „Alles schön“ ausgesprochen gern gelesen. Die Existenz dieses neuen Romans war mir aber bisher entgangen, aber ich freue mich, dass ich ihn zufällig gefunden habe. Thadeusz Stil ist sehr unverwechselbar. Eine lakonisch-unaufgeregte Erzählweise verbunden mit total aberwitzigen Geschichten. Das mag ich total. Wie die ersten beiden Romane erzählt auch dieser wieder von einer Katastrophe. Dennoch ist die Handlung kaum vergleichbar, weil wir es bei „Die Sopranistin“ mit einem Thriller zu tun haben.

Worum geht es also?
Der Roman erzählt in 3 zunächst unverbundenen Handlungssträngen die Tage vor einem Terroranschlag. Der Leser folgt dabei der Eventmanagerin Hanna, die die Aftershowparty einer wichtigen Preisverleihung organisiert und mit der Tochter eines Großindustriellen in einer Berliner WG wohnt, dem Friseur Georg, der nach Jahren in den USA nach Deutschland zurückkehrt, um das Erbe seines Onkels, eines Berliner Friseurs anzutreten und schließlich der Sopranistin Sofia, die Georg schon in den USA kennenlernt und die ihn bittet, für ihn in Berlin ein Geschenk zu überbringen. Die Sopranistin steckt, gemeinsam mit ihrem Bruder und drei weiteren hinter einem Anschlag auf die Preisverleihung, die Hanna organisiert hat und plant ein weiteres Attentat. Unheilvoll lässt Jörg Thadeusz seine Charaktere geradewegs auf dieses zweite Attentat zuschlingern, jeder von ihnen gefangen in seiner eigenen Geschichte und sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst. Das Ziel des zweiten Attentats ist übrigens die Eröffnungsfeier des Flughafens BER, eine zusätzliche Ironie, die sich bei Herauskommen des Buches im Jahr 2011 so noch nicht erahnen ließ.

Das Buch ist kurzweilig, spannend und amüsant zu lesen, gleichzeitig tragisch, lakonisch und feinsinnig ironisch. Ich mochte es sehr.

Jörg Thadeusz
Die Sopranistin
285 Seiten
Kiepenheuer & Witsch
2011

Babyhängematte

Zur Babyhängematte gab es schon einige gespannte Nachfragen. Seit letzter Woche ist sie fertig und hängt probeweise im Wohnzimmer:

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Wir haben erstmals auf einer Hochzeit im letzten Herbst, ein Baby seelig in einer Hängematte schlummern sehen und waren davon schon ziemlich angetan. Herr Siebenhundertsachen ist ein Riesen-Hängemattenfan und würde am liebsten das Sofa zugunsten einer Hängematte abschaffen, da lag es nahe, eine Hängematte als Reisewiege in Erwägung zu ziehen.

Diese erste, die wir gesehen haben, war konstruiert wie eine „normale“ Hängematte und hing in einem Gestell. Nach einer ausgiebigen Internetrecherche stellte sich heraus, dass Babyhängematten ziemlich teuer sind und dass wir lieber nicht so ein klassisches Hängemattenmodell, sondern lieber ein Hängewiegenmodell wollen. Die klassischen kleinen Hängematten sind nicht unbedingt dazu geeignet, sein Kind unbeaufsichtigt darin schlafen zu lassen, da das Kind sich theoretisch – und nach einigen Berichten im Internet auch praktisch – mit der Hängematte umdrehen kann. Zwar kann man das Kind in den Dingern anschnallen, aber mal ehrlich, Visionen von meinem Baby, wie es mit seiner Hängematte in einem Anschnallgurt hängt sind auch nicht unbedingt zu meiner Beruhigung geschaffen. Wir wollen die Hängematte schließlich gern als mobiles Bett nutzen, sowohl innerhalb unserer Wohnung, ähnlich wie einen Stubenwagen, als auch auf Reisen. Die Alternative stellen dann die Hängewiegen aus Stoff dar, die es von einigen wenigen Herstellern gibt und die, meiner Recherche nach, für den Einsatz als Bettersatz geeignet sind.

Die Websites der Hersteller singen eine ellenlange Litanei auf die Vorteile dieser Hängewiegen, die ich jetzt mal unkommentiert lassen möchte. Für uns war eigentlich der Entscheidungsprozess so: 1. Wow, in sowas würd ich auch gern schlafen. 2. Es scheint medizinisch unbedenklich bis positiv und es gibt die Dinger sogar in Krankenhäusern. 3. Das Ding ist platzsparend und gut transportabel. -> Her damit!

Die Konstruktion, die Maße und Umsetzung haben wir uns selbst zusammengereimt. Folgendes Material habe ich verwendet:

3 m ungefärbter Bio-Baumwollnessel
1 geschlachtetes Schafwollkissen bzw. den Wollvlies daraus
Kordel von einem alten Bastrollo vom Schweden
Querstreben eines unser geschlachteten Lattenroste
2 Knebelknöpfe aus Holz
1 Streifen Canvas ungefärbt
25cm Gummiband
1 Karabiner

Die Hängematte wird oben an einer Feder aufgehängt, deren Schwingung angeblich die Schwingung im Mutterleib imitiert. Dies sei mal dahingestellt, uns kommt es schneller vor. Man kann diese Federn für Hängewiegen jedenfalls online kaufen und dies haben wir getan.

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Unsere Wiege hat derzeit eine Liegefläche von 35 * 80 cm. Sie kann aber bis 35 * 100cm erweitert werden, so breit ist die Stoffbahn. Im unteren Bereich ist der Stoff gedoppelt und bildet ein Fach in das man von vorn hineingreifen kann. Hier drin versteckt sich eine kleine Matratze mit Schafwollfüllung, die man getrennt waschen und später durch eine längere ersetzen kann.

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Der Einsatz am Kopfende ist mit einem Gummizug gerafft und am unteren Rand abgerundet. Am Fußende lässt sich die Wiege mit zwei Knöpfen schließen, die jeweils unter einem Streifen Canvas festgenäht sind. Wie gesagt, haben wir in der Länge der Liegefläche noch Spiel eingeplant und werden dann, wenn das Baby größer ist, eine längere Matratze einschieben und eine zweite Knopfreihe weiter außen anbringen. Die Feder trägt ein Gewicht bis 15 Kilo, wir hoffen also, der Minimensch hat länger was von seiner Hängematte.

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Die Holzstrebe oben ist 45cm breit und wurde von Herrn Siebenhundertsachen aus einem Querstreben unseres ausgemusterten Lattenrosts aus Buchenholz gefertigt.

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Derzeit hängt sie mit 2 1,5l Wasserflaschen belastet im Wohnzimmer zur Probe. Wir werden wahrscheinlich auch im Nähzimmer eine Aufhängung anbringen. Für den Einsatz in anderen Zimmern und Wohnungen, wollen wir ein Türreck erwerben, so dass sie prinzipiell in jeder Tür hängen kann.

Die Farbwahl fiel übrigens aus rein pragmatischen Gründen auf natur, es ist einfach die günstigste Variante Biostoff, denn 3m durchgefärbter Bio-Stoff in passender Dicke wären erheblich teurer. Sonst hätte ich vielleicht gelb oder ein helles grün genommen.

Himmelfahrtskommando: Offensive

Ich mache ja eigentlich nur noch so lose mit, weil ich soll mich ja auf keinen Fall stressen oder unter Druck setzen. Allerdings ergibt es sich, dass ich heute von Fortschritt berichten kann, denn ich habe diese Woche ein wenig an meinem Hochzeits-Geburtstags-Gastkleid genäht. Bzw. ich habe mich der Anpassung des Oberteils gestellt und das Oberteil ist nun fertig.

Ich habe alle Teile, also Vorder- und Rückteile und Ärmel noch einmal neu zugeschnitten. Dabei habe ich am Vorderteil rundrum, an den Ärmeln rundrum und am Rückteil am oberen Rand jeweils 1.5cm zugegeben. Das Vorderteil habe ich zudem um 2 weitere cm verlängert. Das ganze aus Ober- und Futterstoff.

Nach heften des Futters zeigte sich, dass das nun tatsächlich passen würde, an den Seitennähten konnte ich sogar etwas wieder abschneiden. Ich habe dann beide Oberteile komplett genäht und entlang der Ausschnittnaht miteinander verstürzt. Dann habe ich mich ca. einen halben Tag ums bügeln gedrückt und schließlich entlang des Ausschnitts einen 1,5cm breiten Tunnelzug abgesteppt. Ein passendes Webband war auch schnell gefunden und auf der Puppe sieht das ganze nun schon recht brauchbar aus. Es bollert etwas, das ist gewollt, denn ich habe inzwischen 2 Körbchengrößen mehr als Frau Puppe.

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Jetzt werde ich als nächstes den Rock drannähen. Ich versuch es erstmal ohne Futter. Ich hab einen weißen Unterrock und hoffe, dass das ok ist. Es ist einfach schade um Arbeit und Stoff für extra Rockfutter und ich will auch nicht so viele Lagen Falten um mich rum bauschen haben, vor allem nicht, falls es Anfang Mai womöglich warm werden sollte.

Ich hoffe, den Rock schaff ich in dieser Woche, dann könnten wir nächsten Sonntag gemeinsam über Saumverarbeitung und Länge entscheiden. Es sind nur zwei Teile und ein paar Kellerfalten, nichts wildes also.

Wie weit alle anderen sind, sammelt heute Alex.

Lagebericht 14/2013

So, die erste Woche total schonenden Zuhause-Abhängens hab ich nun hinter mir. Also den schweren Teil. Den der ohne Anwesenheit des Gatten auskommen muss. Ich habe in diesen 5 Tagen Abhänglebens einige Erkenntnisse gewonnen:

– Es gibt verdammt viele verschiedene Post- & Paketdienste, die so über den Tag hier durchziehen.
– Das Fernsehprogramm am Tage ist zum abgewöhnen. Ein Hoch auf die Mediathek!
– Ich finde es sehr schwer, ohne konkreten Plan und Aufgaben in einen Tag zu starten.
– Abhängtage vergehen erschreckend schnell.
– Ich bin wahrlich nicht zur Hausfrau geboren. Es fuchst mich tierisch, abends nichts zu erzählen zu haben.
– Wochentags ist in der Innenstadt erstaunlich viel los. So viele Rentner und Arbeitslose, dass man gar nicht merkt, dass nicht Samstag ist.
– Regelmäßige selbstgekochte Mahlzeiten haben entschieden Vorteile
– Sich nicht körperlich anzustrengen erfordert sehr viel Planung am Morgen (danke mein Liebster!)
– Es gibt um mich rum in echt und virtuell sehr viele total nette anteilnehmende Menschen, da kann ich vor Rührung kaum an mich halten!

Ja, was hab ich also diese Woche so gemacht?

Gewerkelt: Das Oberteil vom Hochzeitsgastkleid, außen und Futter. Und es sitzt. Juhuu. Strampler und Schlafanzüge mit Bündchen versehen. Die Babyhängematte fertig genäht. Eine halbe Herbstmütze gestrickt. Für die nächste Woche wäre gut, das Kleid fertig zu kriegen.

Gegärtnert: nix. Kein Gehilfe fürs tragen da… aber vielleicht findet sich da heute oder morgen jemand, der mir Kästen und Töpfe und Erde trägt, denn meine Salatpflänzchen würden gern raus. Die Tomaten gedeihen innen am Südfenster super.

Gekocht: Rote Beete, Bratkartoffeln, Spiegelei, Flammkuchen, Gnocchi-Gemüsepfanne, frisches Pesto, Salat und überbackener Feta

Gelesen und gesehen: Mark Watson: „Ich könnte am Samstag“ – geht so. Seichte Lektüre, ganz nett geschrieben aber auch nicht vom Hocker hauend. David Wagner „Spricht das Kind“ – ein sehr bezauberndes Kurzepisodenbuch. Toller Schreibstil, unaufgeregt und sehr anrührend. Für Eltern und Kindgebliebene sehr empfehlenswert. Jetzt muss ich meinen Stadtbüchereiausweis wiederfinden. Schnellstens.
Im Fernsehen nix so richtig nennenswertes außer Teilen der Frauenquotedebatte, auch pressemässig eher nur aktuelle News zu Boston und einige Kommentare zum Frauenquotenthema.