Himmelfahrtskommando – doch dabei!

Ich mag Sew-Alongs. Es macht mir Spaß durch die vielen Pläne der anderen zu klicken und mich inspirieren zu lassen und ich wachse beim nähen durch die Gruppe „über mich hinaus“. Allerdings war ich zunächst vollkommen sicher, dass ich NICHT beim von Alex und Steffi initiierten Himmelfahrtskommando mit machen werde. Warum? Nunja – ich bin schwanger. Was auch immer ich nähen würde, könnte ich nur wenige Wochen tragen – zu viel Mühe also… und auch nicht im Sinne des Sewalongs. Außerdem lechzt mein Herz nach Webstoffen. Nach Kleidern mit Taille und einem schönen Mantel. Aber das alles würde mir nicht passen und auf noch ein Jerseykleid hab ich keine Lust… Tja… so weit meine Gedanken.

Und dann begann ich diese Woche mit der Arbeit an einem besonderen und sehr dringend benötigten Umstandskleid. Ich bin Anfang Mai (jaaaa, vor Himmelfahrt) auf einer Hochzeit und Ende Mai auf einem 80. Geburtstag. Für diese beiden Anlässe brauch ich ein Anlass-Umstandskleid. Der Plan stand schon lang, alle Materialien waren vorrätig, allein die Motivation nicht. Weil die Zeit drängt, hab ich dann aber diese Woche doch mal angefangen und – oh Schreck – bevor ich überhaupt in die Nähe einer Bauchanpassung kam, stieß ich schon auf erheblichen, nahezu unerbitterlichen Widerstand. Es passt nicht, nichtmal das Oberteil, nichtmal ansatzweise. Außerdem ist der Stoff die Hölle. Rechte und linke Seite praktisch nicht zu unterscheiden, flutschig, löst sich vom angucken schon auf und ist außerdem leicht durchsichtig. Krise. Zeter und Mordio. Kleid schon auf dem Weg in die Tonne. Ich geh im Jogger. Ende. Doch dann, die rettende Idee: Ein wenig militärischer Drill und eiserne Disziplin – vielleicht ist Polen noch nicht verloren (höhö)… ich ordne mich also dem Kommando der Damen mamamachtsachen und 81gradnord unter und schließe mich ihrem Himmelfahrtskommando an. Wobei ich ganz streberhaft bereirts am 4.5. fertig sein werde. Muss.

Also hier der Auftrag:
Was will ich nähen?
Ein Hochzeitsgastkleid.
Umstandstauglich soll es sein, und nicht zu Stoffverbrauchs- und arbeitsintensiv, damit es kosten-nutzen-technisch vertretbar ist.

Welcher Schnitt?
Aufgrund bisher weitgehend guter Erfahrung mit Empiretaille bzgl. Umstandsänderung, hab ich mich für Brindisi von der Schnittquelle entschieden. Den gerafften Ausschnitt finde ich sehr nett. Außerdem ist der Rock an sich eher schmal, dann sehe ich vielleicht nicht von hinten wie eine Tonne aus, wo sich das ja von vorn nicht vermeiden lässt
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Welcher Stoff?
Ein bestickter Taft, von dem hier noch 2m im Regal rumlungerten, die schon letztes Jahr ein Hochzeitsgastkleid werden sollten. Nach dem Zuschnitt offenbart der Stoff diverse unangenehme Eigenschaften: er ribbelt, als würde er dafür bezahlt, zerfällt einem quasi unter den Fingern, rechte und linke Seite sind nur bei sehr genauem Hinschauen zu unterscheiden, er ist leicht durchsichtig und nicht trennfreundlich – kurzum, ein echtes Schätzcken.
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Probeteil?
Ähm ja. Das hat sich nun quasi so ergeben. Ich habe das Kleid zugeschnitten und die Teile samt Nähmaschine mit in den Kurzurlaub genommen. Dort hat sich herausgestellt, dass das Oberteil von allein als Probeteil volontiert, denn: 1. Die Anleitung ist richtig mies. Die Belege müssen sehr merkwürdig aneinander genäht werden, was nirgendwo ersichtlich ist, es ist nicht mal vermerkt, ob die Arbeitsschritte sich auf Vorderteil oder Hinterteil beziehen, … 2. Da Raglan plus Tunnelzug plus eingekräuselt, war sinnvolles anprobieren erst nach vollständigem heften des Oberteils möglich. Und das ergab: Das Ding passt nicht, obwohl eigentlich zu groß für meine Maße… Brustumfang zu klein, Ausschnitt zu weit, Ärmel zu eng, Oberteil insg. zu kurz. Eyeyey. Ich betrachte das Oberteil also nun als Probeteil und werde ein neues Oberteil zuschneiden, das dann hoffentlich passt.

Was ist also nun die Herausforderung?
1. Ich muss das Kleid füttern. Ich wollte das nicht, zu viel Stoff, zuviel Arbeit, aber ich werde nicht drumrum kommen. Ich habe daher für das Oberteil einen Baumwollstoff aus dem neu sortierten Stoffschrank gezuppelt und für den Rock einen weißen Crashtaft, der eh nicht genug für ein ernsthaftes Projekt ist.
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2. Alle Oberteil-Schnittteile müssen offenbar angepasst werden, ich hab mit Raffung und Raglanarm da etwas Respekt vor… aber so geht es ja nicht…
3. Dann kommt ja erst die Bauchanpassung, die ich als eigentliches Problem ansah. Es ist allein schon schwierig abzuschätzen, wie groß der Bauch noch wird. Ich hab jetzt mal den Bauch derzeit vermessen, da sehr großzügig was drauf geschlagen und das ganze zum vorderen Rockteil im Bruch zugegeben. Der Plan ist, es mittig in Boxpleats oder Kellerfalten zu legen. Die Saumweite habe ich annähernd unverändert gelassen.
4. Mein Zeitdruck an sich. Deadline 4.5., morgens… wenns klappt, kann ich dann an Himmelfahrt souverän Hochzeitsbilder zeigen, vom Kleid in Aktion.

Alle anderen Himmelfahrenden sammeln sich heute hier. Viele Mäntel hab ich schon gesehen…

6 Gedanken zu “Himmelfahrtskommando – doch dabei!

  1. 81gradnord schreibt:

    Das ist ja eine besonders schöne Herausforderung der du dich stellst! Der Stoff ist jedenfalls schonmal wunderschön und richtig schön festlich. Ich hoffe der Schnitt benimmt sich anständig und ärgert dich nicht mehr unnötig 🙂

    LG
    Steffi

  2. mrs.columbo schreibt:

    mutig, mutig! bedenkst du auch, dass nicht nur dein bauch, sondern auch der busen gewaltig zulegen kann? ich hatte nirgends schwangerschaftsstreifen außer am busen … zum glück ist mir wenigstens was davon geblieben!
    ich bin auf alle fälle als stiller beobachter dabei 🙂
    lieben gruß und ich denke, dir und dem baby geht’s gut, so aktiv wie du bist!
    susi

    • mrs.columbo schreibt:

      haha, jetzt fällt mir grad auf, was da steht! ich meinte natürlich: nicht nur von den schwangerschaftsstreifen, sondern zum glück auch von der oberweite ist mir was geblieben 😉

  3. Alexandra Gerull schreibt:

    Aber auch für den üppigeren Busen ist das der richtige Ausschnitt. 😉 Wie viele Hochzeitskleider haben wir jetzt schon? Fünf? Ihr könnt beinahe eine eigene Abteilung aufmachen. 😉 Viel Spaß und ich verordne dem Material hiermit, sich vernünftig zu verhalten. 😉

  4. Lucy schreibt:

    Oh ja, das hört sich wie ein echtes Himmelfahrtskommando-Projekt an! Deine Pläne finde ich aber gut durchdacht – Stoffe verwursten, die schon da sind, fürs Unterteil Kellerfalten, und das Oberteil wirst du auch schon irgendwie bezwingen. Ich glaube durch die Raffung am Ausschnitt dürfte das eigentlich nicht so kompliziert sein – ob etwas mehr oder etwas weniger Stoff weggerafft wird, dürfte nicht so stark ins Gewicht fallen. Noch ein Tipp wegen der fast gleichen Stoffseiten: bei jedem Teil gleich nach dem Zuschneiden mit Schneiderkreide ein großes Kreuz auf die linke Seite malen, oder falls das nicht hält, ein kleines stück Klebeband (Tesakrepp oder so) aufkleben.

  5. Fragolinchen schreibt:

    Aaaargh, hört sich ja wenig mutmachend an – dabei hab‘ ich mir den Schnitt für meinen Stoff bestellt (nachdem ich nicht schon wieder ein Etui-Kleid nähen wollte)! Naja, ich hoffe jetzt mal ganz fest auf ein HappyEnd für uns beide damit.

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