Gelesen: Die Sopranistin

Vor unserem Osterurlaub habe ich mal wieder der Mängelexemplarkiste in der Bahnhofsbuchhandlung einen Besuch abgestattet und dort gleich drei relativ dünne Taschenbücher erworben. Das erste war schonmal ein Volltreffer: Jörg Thadeusz – Die Sopranistin.
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Ich schätze Jörg Thadeusz als Moderator schon seit seinen Anfängen bei 1live und habe vor Jahren seine beiden Romane „Rette mich ein bisschen“ und „Alles schön“ ausgesprochen gern gelesen. Die Existenz dieses neuen Romans war mir aber bisher entgangen, aber ich freue mich, dass ich ihn zufällig gefunden habe. Thadeusz Stil ist sehr unverwechselbar. Eine lakonisch-unaufgeregte Erzählweise verbunden mit total aberwitzigen Geschichten. Das mag ich total. Wie die ersten beiden Romane erzählt auch dieser wieder von einer Katastrophe. Dennoch ist die Handlung kaum vergleichbar, weil wir es bei „Die Sopranistin“ mit einem Thriller zu tun haben.

Worum geht es also?
Der Roman erzählt in 3 zunächst unverbundenen Handlungssträngen die Tage vor einem Terroranschlag. Der Leser folgt dabei der Eventmanagerin Hanna, die die Aftershowparty einer wichtigen Preisverleihung organisiert und mit der Tochter eines Großindustriellen in einer Berliner WG wohnt, dem Friseur Georg, der nach Jahren in den USA nach Deutschland zurückkehrt, um das Erbe seines Onkels, eines Berliner Friseurs anzutreten und schließlich der Sopranistin Sofia, die Georg schon in den USA kennenlernt und die ihn bittet, für ihn in Berlin ein Geschenk zu überbringen. Die Sopranistin steckt, gemeinsam mit ihrem Bruder und drei weiteren hinter einem Anschlag auf die Preisverleihung, die Hanna organisiert hat und plant ein weiteres Attentat. Unheilvoll lässt Jörg Thadeusz seine Charaktere geradewegs auf dieses zweite Attentat zuschlingern, jeder von ihnen gefangen in seiner eigenen Geschichte und sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst. Das Ziel des zweiten Attentats ist übrigens die Eröffnungsfeier des Flughafens BER, eine zusätzliche Ironie, die sich bei Herauskommen des Buches im Jahr 2011 so noch nicht erahnen ließ.

Das Buch ist kurzweilig, spannend und amüsant zu lesen, gleichzeitig tragisch, lakonisch und feinsinnig ironisch. Ich mochte es sehr.

Jörg Thadeusz
Die Sopranistin
285 Seiten
Kiepenheuer & Witsch
2011

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