Kampf dem Zettelchaos

Kennt ihr das, dass man im Portemonnaie und an irgendeinem Platz in der Wohnung lauter Kassenzettel sammelt, weil man die ja 4 Wochen aufbewahren muss wegen der EC-Zahlung? Bei uns liegen sogar bar bezahlte Quittungen rum, weil sie noch ins Haushaltsbuch eingetragen werden müssen. Dieses Problem wollte ich endlich mal angehen.
Dabei konnte ich ein anderes Problem gleich mitlösen. Denn folgende Situation tritt derzeit bei uns mehrfach pro Woche auf:
Frau Siebenhundertsachen: „Oh, wir brauchen XYZ.“ Notiert XYZ auf herumfliegendem Zettel.
2 Tage später bei Erstellung des Einkaufszettels wird alles mögliche aufgeschrieben, nur nicht XYZ weil Zettel weg und Gedächtnis auch.
Einen weiteren Tag später:
“ Ach Mist, XYZ hatte ich dir gar nicht aufgeschrieben. Da müsstest du nochmal schnell los, weil das brauchen wir dringend.“
Kaum ist Herr Siebenhundertsachen unterwegs, fällt mir ein: “ Oh, ABCD ist auch leer.“ Notiert auf herumliegendem Zettel und …
Es muss also ein zentrales Einkaufsgedächtnis her, denn meins ist derzeit nicht verfügbar. Also eine Tafel. Aber nirgendwo in der Wohnung ist Platz für eine Tafel, wir haben nicht viel freie Wand weil viele Fenster. Die Lösung beider Probleme sieht nun so aus:
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Oben die Kassenzettelablage nach Wochen. 1 = max. 1 Woche alt, 2 = 1-2 Wochen alt, usw. Jeden Samstag wird durchgereicht und die älteren entsorgt oder abgeheftet falls Garantie-relevant.
Die Wäscheklammern sind mit Powerstrips angeklebt, darunter ein Streifen Tafelfolie.
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Die große Tafel ist auch aus Tafelfolie, inspiriert von Nike. Da hab ih auch den Trick her, alles erstmal gründlich einzukreiden.

Wegen Abneigung gegen Kreide beim männlichen Teil des Haushalts schreiben wir mit Kreidemarkern. Die stauben und quietschen nicht.

Die Tafelfolie ist sehr günstig gewesen und wie auch die Bewertungen prophezeiten, hält sie nur so mäßig gut und das ganze ist wohl nicht für die Ewigkeit. Ich wollte aber das Prinzip erstmal antesten bevor ich da mehr Geld reinstecke, außerdem habe ich Angst vor bleibender Türverschandelung. Weiß jemand eine Quelle für hochqualitativere Folie? Denn im Onlinekaufhaus hatten auch teurere Fabrikate ähnliche Bewertungen.

Bisher klappt das ordnen ganz gut, mal gucken ob das so bleibt.

Veggieblogtag #30: Shakshuka

Hallo liebe Teilzeit – und Vollzeitvegetarier, heute bin ich spät dran, aber es gibt doch noch ein Rezept. Diesmal gewissermaßen ein Gastbeitrag von Herrn Siebenhundertsachen, der das Rezept entdeckt, gekocht und fotografiert hat. Shakshuka ist ein herzhaftes israelisches Frühstücksgericht. Wir mochten es sehr und haben es mit Weißbrot als Abendessen verspeist.
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Für 2 Personen:
2 kleine Zwiebeln
1 TL Kreuzkümmel
3 Paprika
2 Tofubratwürste
3 Eier
1 Dose Tomaten
1/2 Chili
Etwas Petersilie gehackt
1 bis 2 TL Zucker
2 Lorbeerblätter
1 TL Oregano
Pfeffer, Salz

Die Zwiebeln und Paprika in Streifen schneiden. In Olivenöl mit Kreuzkümmel ca. 10 Minuten anbraten. Die in Scheiben geschnittene Wurst, Zucker, Lorbeer und Oregano dazu. Mit Tomaten ablöschen. Chili, Pfeffer und Salz zugeben. 15 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Die Eier in die Soße gleiten lassen und in ca 10 Minuten durchgaren. Mit Petersilie bestreuen und mit Weißbrot servieren.

Wer noch ein Rezept hat: gern per Kommentar Bescheid geben

Me made Mittwoch: Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken

Heute ist der erste MMM nach der Sommerpause und hier gibts nix neues zu sehen, sondern nur ein olles und nicht besonders geliebtes Jerseykleid. Für Herbstsachen ist es noch zu warm, für Hochsommersachen schon zu kalt, da ist ein Jerseykleid oft eine gute Alternative.
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Dieses hier habe ich letztes Jahr anlässlich des Blümchenmonats bei Meike genäht und ich mäkelte daran erheblich herum. Und immernoch ist es kein „Mein Herz geht auf“-Kleidungsstück. Zu blass, zu labberig, zu unsauber verarbeitet.

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Dennoch trage ich es häufig denn es ist bequem, still- und umstandsgeeignet, kombinationsfreudig und man sieht nicht gleich jeden Fleck. Ein Vernunftskleidungsstück also. Sowas wie ein silberner Kombi von Skoda oder Ikea-Standardküche. Das Nudeln mit Tomatensoße unter den Kleidungsstücken – geht immer, ist aber auch nix besonderes. Ich habe noch einige andere Jerseykleider mit ähnlichen Eigenschaften. Richtig schick finde ich nur mein rotes Romanitkleid und das Berlinkleid. Die anderen Jerseykleider sind Vernunftkleider.

Gerade diskutierte die #nähnerd-Welt bei Meike und Catherine und Lotti die Frage, ob die gewünschten Kleider ins Leben passen (müssen). Und da passen ich und mein Vernunftskleid zufällig gut rein. Denn derzeit zuhause mit Säugling, spuckendem Säugling obendrein und eher wenigen förmlichen Anlässen ist ein solches praktisches Jerseykleid im Grunde das perfekte Kleidungsstück.

Aber. ABER! Ich mag sie nicht die praktischen Jerseykleider. Nicht mehr. Das merke ich vor allem daran, dass ich, wann immer ich das Haus verlasse, egal ob zum Markt oder zum Zahnarzt, ich mich direkt in was schickes aus Webware werfe. Früher trug ich auch gern mal ein Jerseykleid im Büro, heute gehe ich im Hemdblusenkleid zum Altglascontainer. Was sagt das jetzt über mein Leben und das Passen der Kleider zu meinem Leben?

Auf den ersten Blick könnte man denken, ich wünschte mir ein Leben mit mehr Webware, also mehr Chic, mehr Anlass, weniger Babykotze, weniger Augenringe. Und obwohl ich auf Spucken und Augenringe verzichten könnte, denke ich nicht, dass es das ist. Denn auch wenn ich mich über Sozialkontakte insb. mit netten Menschen freue, so wünsche ich mich gerade wirklich nicht ins Büro zurück. Abgesehen davon, dass man in der Uni auch im Pyjama nicht weiter auffällt und von Chic eher selten was zu spüren ist. Aber: mehr Chic wär toll. Ich will nicht das Leben zur Webware sondern einfach nur die Webware. Und ich finde nicht, dass es immer nur praktisch-vernünftig sein muss. Ich mag mich einfach in schicken Kleidern, in Webware, in weiten Röcken in all sowas. Und gerade nach den Schwangerschaftsmonaten in Jersey kann ich die Jerseykleider auch nicht mehr sehen. Und deshalb zieh ich mich einfach so schick an. Um zum Briefkasten zu gehen. Oder spazieren. Oder auf den Markt. Und wenn das dann auch vielleicht nicht ganz so praktisch ist, dann muss ich das ja selbst ausbaden. Und wenn mich jemand overdressed findet, muss er das dann mit sich selbst ausmachen – ist ja nicht mein Problem.
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In diesem Sinne, liebe Selbstnäherinnen – näht euch die Kleider, die euch an euch gefallen und dann tragt sie und fühlt euch toll darin. Vernünftig kann man dann ja bei der Wahl des Autos sein.

Wiebke zeigt z.B. heute auf dem MMM-Blog ein wunderbares Stück Webware, und das als Hemdblusenkleid. Bezaubernd.

Lagebericht 9 mM*

Eine etwas durchgerüttelte aber doch recht gute Woche.

[Selbstgewerkeltes] Langsam langsam werkelt es derzeit. Aber immerhin, ich habe am Montag und Dienstag den Schnitt des Robson Coat kopiert und die halbe Million Teile zugeschnitten (aus Oberstoff UND Futter) und am Donnerstag mit #nähnerd-Unterstützung via Twitter die Einlage aufgebügelt und erste Nähte gemacht. Bisher war alles machbar und ich habe ein Rückenteil und zwei Vorderteile mit Taschen und Taschenklappen.
Auch das Jäckchen gedeiht langsam und stetig, inzwischen sind Rumpf und Ärmel fertig, fehlt noch Kapuze und Blende.
Ich möchte dringend noch ein-zwei Kleider zuschneiden …
Außerdem habe ich eine Kassenzettelsortiervorrichtung mit angegliederter Stilldemenzauswirkungseindämmungsanlage (Deutsch kann einfach tolle Wörter – dagegen stinkt das längste Wort der französischen Sprache ab – und Streberfrage : Was ist das längste Wort der französischen Sprache?) gebastelt. Die gibts hier bald zu sehen.

[Minimenschliches] Wir durften diese Woche einer Schlafumstellung beiwohnen, die wohl noch nicht ganz abgeschlossen ist. Kaum war der Zahneinschuss einigermaßen abgehakt schlief der Minimensch auf einmal friedlich und allein ab 8 abends in seinem Bettchen. Dafür schlief er tags dann sehr viel weniger. Ich gewöhne mich noch an diesen neuen Tagesablauf mit viel Wachzeit. Dann einige Tage später, schlief das Kind auf einmal durch.  Auch hieran bin ich noch nicht gewöhnt, mein Körper schon gar nicht und ich stehe fröhlich dreimal pro Nacht auf und renne ans Bett des Minimenschen, weil mir scheint, er müsse nun wirklich wirklich mal Hunger haben. Auch der Minimensch ist noch etwas verwirrt und findet sich in den neuen Rhythmus ein, schläft aber solang tags mal dann mal dann, mal viel mal wenig und wirkt auch noch etwas verwirrt … derweil funktioniere ich auf Autopilot, bemühe mich, mich zu gewöhnen abends zeitig ins Bett zu gehen weil morgens auf einmal zeitig die Nacht vorbei ist. Dennoch natürlich ganz toll, denn 1. wenn der Minimensch tags viel wach ist, ist er auch neugierig und lernt ganz viele tolle Sachen. 2. Abends wieder Nähzeit oder Erwachsenenzeit, auch schön – vielleicht mach ich heute mal was ganz ausgefallenes und schaue den Tatort.

[Lesbares] Ich habe „Das rote Haus“ von Mark Haddon angefangen. Seine anderen beiden Bücher gefielen mir recht gut, von diesem kann ich mir bisher noch nicht recht eine Meinung bilden.

[Klickbares]
Ich dachte schon, ich weiß ziemlich viel über Geschichte. Denn ich hatte das im Abi und so. Aber das hier, über die Nicht-Souverainität Deutschlands, die sich aus den Kooperationsverträgen mit den 3 Mächten ergab und aus der sich z.B. auch die NSA-Kooperation erklärt, das wusste ich nicht.
Sehr lesenswert ist dieser Artikel über eine britische Familie, die auszog, die Deutschen zu verstehen und versuchte, wie eine durchschnittliche deutsche Familie zu leben.
Nett geschrieben ist dieser Artikel in der taz über mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl.
Auch zur Bundestagswahl und gelungen ist diese Analyse des Merkel-TV-Spots.
Und schließlich noch ein #nähnerd-Link: auf der Seite der französischen Zeitschrift avantages gibt es derzeit einen Blusenschnitt mit 3 Varianten zum download, der auf mich ganz nett wirkt und

[Anderswunderbares] Diese Woche haben wir, obwohl er uns noch gar nicht gehört, schon den Schlüssel unseres Gartens bekommen. Zwar wird derzeit noch ausgeräumt und abgeerntet. Aber man kann nun schonmal vorbeigehen und träumen – und das Internet nach Ideen für Garten und Laube durchstöbern die gleichsam schön, günstig umzusetzen und mit wenig Arbeit verbunden sind (Hihi. Gibts bestimmt reichlich! Tipps anyone?)
Ach und ich hab Zucchini eingemacht – aber das dumme am sauer einkochen ist ja, dass man nicht gleich probieren kann, wie’s geworden ist. Ich bin ganz hibbelig, werde morgen testen und dann berichten.

[Aufregiges] Tja. Wo soll ich anfangen. Zunächst mal: Der Regen eben roch nach Herbst! Darf das sein? Nein!!! Es ist nämlich noch August. Das ist Hochsommer – nicht Spätsommer – nicht Herbst – Hochsommer!
Aber es ändert sich ja alles und vollkommen zurecht will die CDU dagegen vorgehen und präsentiert sich als „Ich will so bleiben wie ich bin“-Partei schlechthin. Und dabei wird sie nun vortrefflich von einigen abgehalfterten Promis unterstützt, die dumme bis gefährliche Phrasen auf Plakaten mit ihrem Gesicht verkaufen. Auf dass die dümmlich-rückwärtsgewandt-grenz-nationalistischen TraumschiffzuschauerInnen alle Angie wählen. Ich weiß nicht wer mit der Kampagne mehr gestraft ist, die CDU oder die Ex-Promis.
Auch eine bewährte Wahlkampfstrategie ist ja das Lügen. Macht die FDP ganz besonders dreist hier und hier.
Und wo wir schon von dumm-nationalistischem Schwachsinn sprachen ist die BILD nie fern, in diesem Fall vor allem ihre Leser. Dumm und zutiefst beschämend.

*mM = mit Minimensch

Der Robson Coat Teil 1

Ich träume seit Jahren, ach was soll ich sagen JAHREN, von einem schicken Übergangsmantel. Und seit ich mal eine Frau im Zug sah mit einem Mantel aus Brokat schwebte mir ein Brokat-Desigual-Prinzessnähte halblanger Mantel vor. Ich dachte da an was buntes, mit Materialmix und Glitzer und hachz.

Seit ich die Besprechung des Robson Coat von sewaholic bei verypurpleperson gesehen habe und noch mehr seit ich den wasserfesten Robson Coat aus Spitze hier gesehen hab war mir klar, dass ich unununbedingt einen Robson Coat brauche. (Ich brauche auch ein Minoru Jacket und ein Cambie Dress und außerdem ein Elisalex und ein Anna Dress – aber gut, kommt Zeit kommt Taschengeld)

Ich bekam den Schnitt schließlich geschenkt und machte mich an die konkrete Planung meines Mantels. Denn der Herbst kommt ja doch irgendwann.

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Ja und dann kam die Vernunft über mich und sagte: Wenn du dir die Mühe machst, einen Mantel zu nähen, dann in braun, schwarz, grau oder blau. Denn du willst ihn häufig tragen können. Also hab ich die knallbunte Brokatvorstellung ad acta gelegt und nach etwas leicht weniger dramatischem gesucht. Gelandet bin ich schließlich bei einem schwarzen Damast. Ich hatte von diesem Stoff schon einmal rote und pinke Reststücke bei stoffe.de ergattert. Es handelt sich eigentlich um einen Polsterstoff. Bei stoffe.de war er nur noch in orange zu bekommen, aber bei stoffkontor.eu, einem meiner Lieblingsonlinestoffhändler, gab es ihn zufällig in schwarz zu akzeptablem Preis.

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Die eine Seite ist glänzend mit mattem Muster, die andere Seite umgekehrt, ich denke, ich werde matt mit glänzendem Muster als rechte Stoffseite deklarieren.

Weil der Stoff eher schwer ist, habe ich für die Stellen mit Materialdopplung (Taschenklappen und die Schulterklappen) einen schwarzen Baumwollstoff für die Unterseiten gewählt.

Weil mir ein Mantel ohne Futter irgendwie nackt vorkommt, werde ich meinen Coat füttern anstatt kilometerlange Schrägbandversäuberungen durchzuführen. Hierfür habe ich auf ebay einen in sich gemusterten lila Futtertaft erstanden. Damit wird es dann doch wieder etwas ausgefallener als einfach nur schwarz.
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So, zugeschnitten habe ich in Größe 12 ab der Brust und Größe 10 im Bereich der Schultern. Mal schauen, wie das klappt mit mir und dem Mantel. Ich fürchte mich etwas… Gestern abend habe ich schon das Aufbügeln der Einlage, das nähen der Taschenklappen und das Stecken der Vorderteile geschafft.

Veggieblogtag #28: Kartoffelpfanne à la provençale

Im Moment testen wir, ob des Minimenschen Reflux durch weglassen von Kuhmilcheiweiß besser wird. Ich habe deshalb jetzt mal ein wenig den Veganerbedarf an Milchproduktersatz durchprobiert und es wird also eher zufällig mal hier und da in den nächsten Wochen was laktosefreies geben. Das heutige Gericht habe ich ursprünglich mit Schmand gekocht, aber es klappt genausogut mit Soya cuisine. Eine schöne Sommerküche – Bohnen mit Speck mal anders gewissermaßen: Kartoffelpfanne à la provençale

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Für 3 Personen:

4 Handvoll Babykartoffeln
2 kleine Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
250g grüne Bohnen
150g Räuchertofu
5 Zweige Thymian
2 Zweige Majoran
Etwa 100g Sahne/Schmand/Soya cuisine

Die Kartoffeln waschen, den Tofu in kleine Würfel schneiden,
Eine Pfanne mit 2-3 Esslöffeln Olivenöl aufstellen. Hierin Kartoffeln und Tofu bei mittlerer Hitze anbraten immer wieder wenden.

Die Bohnen putzen, ggf, halbieren und in sprudelnd kochendem Salzwasser 5 Minuten blanchieren, danach abschrecken und gut abtropfen
lassen.

Die Zwiebel fein würfeln, den Knoblauch hacken.

Nach ca. 15 Min Bratzeit die Zwiebel, Knoblauch, Bohnen und Kräuter mit in die Pfanne geben und nochmal 5 Minuten mitbraten. Mit dem Messer testen, ob die Kartoffeln gar sind.

Dann kräftig salzen und pfeffern, die Sahne/Schmand/Soya cuisine unterrühren, die Kräuterzweige rausfischen und das ganze servieren.

Noch jemand dabei heute?

Meine Kochbücher I

Als ich vor Kurzem für den Veggieblogtag die Daten meines Tapas-Buches rausgesucht habe, habe ich gedacht, ich könnte ja mal was über meine Kochbücher schreiben. Denn auch wenn ich viel improvisiere und sehr viel aus dem Internet bekomme, so besitze ich doch eine nicht unerhebliche Anzahl Kochbücher, von denen ich einige auch sehr schätze. Hier sind sie:
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Man sieht deutlich: wenn ich noch mehr Kochbücher bekomme, muss ich welche aussortieren. Das wäre aber gar nicht so schlimm, denn etliche benutze ich nie.

Ich besitze nur sehr wenige Kochbücher, die speziell vegetarisch sind. Diese:
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Gekocht habe ich bisher überhaupt nur aus diesen davon was.
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Warum? Ich finde viele vegetarische Kochbücher sehr an der Realität vorbei. Oft strotzen die Rezepte nur so vor außergewöhnlichen, oft teuren, Zutaten. Auch ist vieles weiß Gott nicht jedermanns Geschmack. Und ich finde vieles auch sehr Gemüse-lastig und damit wenig sättigend. Und ich mag eben eher einfache Gerichte. Vieles was in vegetarischen Kochbüchern steht, ist mir persönlich viel zu abgehoben. Ich fahre besser damit, Fleischgerichte abzuwandeln oder mich in denjenigen Küchen umzusehen, wo eh viele Gerichte vegetarisch sind, wie etwa arabisch, indisch oder thailändisch.

Wichtig finde ich, dass man mindestens ein gutes Grundkochbuch hat. Ich besitze derer zwei und sie sind bei weitem die am häufigsten konsultierten Bücher, meiner Sammlung.
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Nr 1: Das Kiehnle-Grundkochbuch. Ein Klassiker, der bereits in der x-ten Auflage auf dem Markt ist und sich für mich total bewährt hat. Hier findet sich so gut wie jedes Basisrezept sowohl salzig als auch süß und auch einiges zum Backen.

Das Buch ist übersichtlich sortiert und hat – unverzichtbar – ein hervorragendes Register.
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Ich schlage hier sowohl Grundteig- & Suppenrezepte als auch die Herstellung von Klößen, Knödeln und Waffeln, Saucen wie Béarnaise und Hollandaise und auch mal das Rezept für Bayrische Creme nach. Eben alles, was man immer wieder in Millionen Abwandlungen braucht. Es gibt auch eine Nährwerttabelle, ein wenig Grundtechniken.
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Eine solide gute Mischung.

Nr. 2 „Gute Kost“ ist ein Grundkochbuch aus den 70ern und habe ich von meiner Schwiegermutter geerbt. Es wurde von einem Orden in Salzkotten herausgegeben und diente dort wohl auch als Lehrbuch.
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Auch dieses Buch ziehe ich gern zurate, insb. weil es wirklich Grundrezepte enthält, also ein gewisses Grundverständnis für kochen voraussetzt. So gibt es z.B. ein Rezept für Hülsenfrüchtesuppe. Und dann eben Hinweise zu verschiedenen Abwandlungen je nach Hülsenfrucht. Das finde ich sehr viel nützlicher als 20 verschiedene Rezepte für Bohneneintopf. Das Buch enthält zudem recht viele -natürlich teilweise überholte- Informationen zu gesunder Ernährung.
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Natürlich kann das Buch außerdem mit ein paar Kuriositäten zum schmunzeln aufwarten.
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Wenn euch diese neue kleine Reihe zusagt, gibts noch ein paar Kochbücher, die zwei drei Worte wert sind. Z.B. mein sehr geliebtes Italienkochbuch.

Lagebericht 8 mM*

[Selbstgewerkeltes] Öhm ja… nix. Bis auf einen Minimensch-Strickjacken-Ärmel habe ich diese Woche nix zuwege gebracht. Das liegt an siehe unten. Aber immerhin hab ich das Chaos der letzte hundert Nähprojekte weggeräumt so dass ich wenn siehe unten wieder besser ist sogleich mit der Herbstgarderobe starten kann. Genauer erstmal mit einem Rock. Ich hab zwar jetzt alles für den Robson Coat zusammen, aber ich fürchte mich und ich bräuchte Ruhe für Schnitt kopieren und Zuschnitt. Und Ruhe ist gerade eher so nicht vorhanden. Zumindest die Strickjacke wird wohl zeitnah fertig, so der Plan.

[Selbstgegärtnertes] Seit dieser Woche gibt es wieder eigenen Salat hier. Und auch täglich ein paar kleine aber sehr schmackhafte Tomaten.

[Minimenschliches] Der Minimensch hat Zahneinschuss. Deshalb ist er nun außer, dass er wie eh und je abends die Partysau gibt und bequem bis 22 Uhr hellwach ist, auch tagsüber zwar Frohnatur aber auch sehr anhänglich. Also ob schlafend oder wach vor allem auf dem Arm glücklich. Nun geht das ja zum Glück vorbei, behindert aber meine Produktivität geringfügig. Dafür kann er schon ganz toll seine Hände betatschen und in den Mund stecken. Und manchmal dreht er sich. Wir sind ganz aus dem Häuschen.

[Lesbares] Ich habe ein Buch ausgelesen. Heidiho. „Venezianische Geheimnisse“ von Sarah Duhnant. Ein Flohmarktfund. Ein Buch, das besser ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Zwar ist es nicht top of the pops im Genre Historischer Roman, aber obere Mittelklasse. Titel und Klappentext sowie die Grundthematik : Kurtisane + Heilerin + dunkle Geheimnisse ließen mich zunächst befürchten, es könne sich um a) einen Orgasmusschinken oder b) eine schwülstig-romantisiert-unrealistische Liebesgeschichte handeln. Beides trifft zum Glück nicht zu. Zwar gibt es sowohl Sex als auch Liebe, aber beides bildet nur den Rahmen für eine Geschichte über Freundschaft, Politik und Verrat in Venedig im 16. Jahrhundert. Positiv schlägt bei mir natürlich zu Buche, dass ich schonmal in Venedig war und mir daher die eine oder andere Szene gut ausmalen konnte, aber es ist sicher auch so ein lesenswertes Buch. Weil ich aber nicht mehr so viel Buchballast ansammeln will, verschenke ich das Buch. Wer es haben möchte, möge sich per Kommentar melden.

[Klickbares] Schon wieder ein tumblr: Ronald Pofalla beendet Dinge. Großartig!
Außerdem ein bisschen was vom Fach bzw. zur Entlarvung der FDP in ihrem angeblichen Kerngebiet Wirtschaft – die Sache mit der Geldpolitik nicht verstanden. (Via Kollege F.F.)
Und ein sehr lesenswertes Interview mit Georg Schramm, einem der ganz großen, wie ich finde!

[Anderswunderbares] Wir werden ab dem Herbst einen Garten haben. Zwar sind wir sehr skeptisch wegen der sehr ur-deutschen Vereinsmeierei, die da mit dran hängt und haben gehörig Respekt vor der vielen Arbeit, die so ein Garten macht. Trotzdem freue ich mich auf Platz für den Minimensch im Freien und für lang gehegte Gartenideen. Und auf frischen Himbeeren, Johannisbeeren und Pflaumen. Vorher steht aber noch ein bisschen Räumen, Streichen, Renovieren an.

[Aufregiges] Es steht außer Frage, dass die Staaten der Eurozone füreinander einstehen müssen. Aber man muss dann auch ehrlich sagen, was das kostet und nicht wie der werte Herr Finanzminister das ganze kleiner reden und dann verschnupft sein, wenn es jemand merkt. Anscheinend vergisst man in einem langen Politikerleben für wen man da nochmal arbeitet und wem man entsprechend zu Loyalität verpflichtet ist. Kleiner Hint: es gibt da diese Bürger.

Drei Monate Muttersein

Dieser Tage ist der Minimensch schon 3 Monate alt geworden. Drei aufregende Monate für ihn wie für uns. Mit wenig Zeit zum Nachdenken und Revue passieren lassen. Aber bei allem was so mit dem Minimensch geschieht – was geschieht eigentlich mit mir?

Auch wenn einige liebe Menschen online und offline es mir vorher prophezeit hatten, so bin ich trotzdem nach wie vor, am Anfang aber ganz besonders, davon geplättet, was für völlig neue Gefühle so ein kleiner neuer Mensch in mir, in uns, wecken kann. Wie sehr er vom ersten Augenblick an zu uns gehört und wie sehr wir auf einmal Familie sind. Irre. In dieser Hinsicht kommen mir die 3 Monate vor wie „schon immer“ – denn tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, was diese spezielle Ecke in meinem Herzen vorher ausgefüllt hat und wie es ohne dieses zusätzliche Mutterliebe-Gefühl war.

Trotz Blähungen, Reflux und neuerdings Zahneinschuss, ist das Leben mit dem Minimensch recht mühelos. Er ist ein echter Sonnenschein, der sehr viel lacht sich enorm an Kommunikation erfreut und selten weint und nachts sowie mittags lang am Stück schläft. In unseren Alltag haben wir uns also sehr gut eingefunden und meist schaffen wir auch die Wohnung in Ordnung zu halten.

Ich bin jede Woche traurig, dass wieder eine Woche meiner Elternzeit um ist – denn danach wird es stressiger und knapper mit Geld als jetzt, soviel steht fest. Und ich finde es toll, den Minimensch beobachten und mit ihm Zeit verbringen zu können. Mit Minimensch und mir ist alles super. Es ist wundervoll zu sehen, dass er schon eine richtige kleine Person ist, mit sehr spezifischen Gesichtsausdrücken, mit Vorlieben und Nicht-Gemochtem und mit ganz viel Kommunikationsbedürfnis (wär auch verwunderlich wenn nicht, ist ja unser Kind). Und total wunderbar, dass ich dabei sein und ihn so gut kennenlernen darf. Und beeindruckend, dass er uns dabei als seinen Dreh- und Angelpunkt, seine Basis, betrachtet, der Anker seiner täglich wachsenden Welt.

Auch ziemlich geplättet war ich am Anfang von dem enormen Gefühl von Verantwortung und der riesigen Panik, die mit dieser Erkenntnis einherging, und doch hat sich das rasent schnell gelegt und nach wenigen Wochen vermochte mich dies schon nicht mehr so sehr zu schocken. Ja, da haben wir nun einen kleinen Menschen und sehr viel Verantwortung, es vergeht kein Tag, wo ich mir dessen nicht bewusst bin und ich hab gehörig Respekt davor, aber der Verantwortung begegnen wir einfach mit Flucht nach vorn. Wie auch sonst?

Aber: Das Elternsein selbst ist sagenhaft toll. Und irgendwie geht es auch leichter, als ich gedacht hätte. Man lernt den kleinen Menschen doch schon recht schnell recht gut kennen und weiß viel besser, was zu tun ist, als ich vermutete. Es fühlt sich einfach so richtig an ihn dabei zu haben, mitzudenken, einzuplanen. Da braucht man sich eigentlich gar nicht umstellen. Und so vieles vermisse ich auch überhaupt nicht, obwohl es irgendwie verschwunden ist. Ich habe seit der Minimensch da ist vielleicht maximal 5mal ferngesehen. Da er abends nicht schläft ist nix mit Erwachsenenunterhaltung und folglich auch nix mit fernsehen. Hat mir das je gefehlt – nein. Ich habe nicht ein einziges Mal gedacht: „Oh, ich würde aber mal gern wieder fernsehen“. Witzigerweise ist Fußball das einzige, was ich gern gucken würde bzw. mindestens 2 der 5 Mal waren Fußballübertragungen. Auch ausschlafen ist irgendwie unwichtiger. Durchschlafen ja. Das wär toll. Aber lang schlafen – keine Ahnung – das vermisse ich nicht und wenn ich’s mal mache – denn morgens schläft der Minimensch ja, dann finde ich es sogar eher lähmend als erfrischend. Früher dachte ich oft, dass mir die Möglichkeit spontan auszugehen ganz doll fehlen würde. Aber auch das ist nicht so – vielleicht kommt das wieder, dass ich das gern würde. Im Moment ist mir ausgehen total egal. Ausflüge machen, ja das würde ich gern. Aber was trinken, in die Kneipe oder essen gehen – das kommt mir irgendwie wie Zeitverschwendung vor. Was mir schrecklich fehlt ist Frankreich-Urlaub. Aber das ist ja zum Glück eher nur ein kurzfristiges Problem. Frankreich wird uns schon bald wieder zu Gesicht bekommen und das ist auch ziemlich gut so.

Ich nähe zwar durchaus. Aber in Miniportionen und vor allem mittags, denn abends ist es dann doch oft recht anstrengend, oder aber ich bin zu müde oder freue mich einfach auch mal drei Worte mit Herrn Siebenhundertsachen wechseln zu können. Stricken und lesen kommen da etwas kurz, aber ich schätze, das geht vorbei. Ich hatte mich irgendwie mehr stricken sehen, wenn ich mir mich in Elternzeit vorgestellt habe. Aber man hat seltener beide Hände frei, als man denkt. Und ja, ich bin die ganze Zeit verdammt müde. Aber ich kann tags nicht schlafen. Das war immer so und hat sich kaum geändert. Nur wenn die Nacht wirklich ein Vollausfall war, komme ich auf mehr als eine halbe Stunde dösen am Tag. Das ist nicht gut. Aber was soll ich machen.

Als ausgesprochener Leistungsmensch, hadere ich zuweilen damit, wie wenig ich dann doch am Tage schaffe. Wie oft ich einfach vergesse, dies oder jenes zu tun und wieviel einfach unerledigt bleibt. Tatsache ist, dass die Müdigkeit eben doch nicht spurlos abprallt und von großen Plänen oft nur ein Bruchteil umgesetzt wird. Dabei sollte mich das nicht kümmern, denn es kommen neue Tage und es mangelt ja nicht an Zeit. Aber in meinen Hinterkopf sitzt das Leistungsgewissen in mannigfacher Gestalt und rechnet zusammen, was ich am Tag so geschafft, erreicht und abgehakt habe. Fürchterlich, aber irgendwie ist es so. Einfach nur abhängen, selbst wenn ich vor Müdigkeit einfach nicht anders kann, kann ich an mir nur schwer tolerieren. Und dass noch viele Tage Elternzeit kommen zählt in meinem Hinterkopf nicht als Entschuldigung. Man braucht, um im akademischen Umfeld nicht einzugehen die Fähigkeit, sich selbst Druck zu machen, denn Kontrollen von außen sind selten aber dann hart, und obwohl ich nie zu denen gehörte, die ihr ganzes Leben dem akademischen Fortkommen unterordnen, so merke ich nun doch, wie sehr dieser selbstgemachte Druck in mir steckt. Stärker als ich dachte oder ab und an im Urlaub mitbekommen habe. Schon allein um des Minimenschen Willen, sollte und will ich dem aber nicht nachgeben und diesen Dämon bannen, der mir stetig Müßiggang vorwirft.

Ansonsten ist es nicht so, als wüsste ich mich zuhause nicht zu beschäftigen. Ganz im Gegenteil, ich könnte bequem das dreifache an Tagen füllen. Allein schon den Minimensch zu betrachten und mit ihm zu lachen sind ja jeweils vollkommen tagfüllende Aktivitäten. Allerdings fehlen mir ein wenig die mannigfachen Sozialkontakte derer ich mich bisher täglich erfreute. Das geht vom Kaffee am Morgen mit geschätzten KollegInnen über den wöchentlichen Frühstückstreff im Bahnhof mit einem lieben Freund bis hin zu Mädelsabenden und Nähkränzchen. Ich habe eigentlich viel Besuch, aber ich hatte eben auch, zum Glück, viel viel viel Sozialkontakte tagtäglich. Und trotz intensiven rumtreibens in sozialen Online-Netzwerken vermisse ich das. Ich weiß und hoffe natürlich, dass sich das wieder gibt, je mobiler der Minimensch und ich wieder werden. Aber ich mache mir nichts vor, in Zukunft werden meine Arbeitstage sehr angefüllt und meine Freizeit wenig mit der von Nicht-Kindermenschen kompatibel sein. Ich freue mich trotzdem sehr auf Freizeit mit dem Minimensch und auch mit anderen Neu-Familien, die derzeit in unserem Bekanntenkreis aus dem Boden schießen. Diese Umstellung des sozialen Lebens ist für mich fast die größte Herausforderung – vor allem als momentaner „Zuhause-Bleiber“ hier bei uns.

Ich bin definitiv nicht zur Nur-Hausfrau geschaffen. Das wusste ich sogar schon im Mutterschutz. Ich komme mir völlig bescheuert vor, wenn das größte Event des Tages ein Spaziergang ist und ich am Abend dem Mann nicht mehr erzählen kann, als was ich in meiner Twitter-Timeline gelesen habe. Zwar ist meine Zeit ausgefüllt und auch mein Herz. Nur mein Hirn – das leidet etwas. Ich habe gar keine Lust zu arbeiten, verschwende da gar keinen Gedanken dran. Es ist nicht so, dass ich mich konkret nach Arbeit oder so sehne. Ich empfinde nur einfach ein Ungleichgewicht in Sachen Außenwelt und geistiger Anforderung zwischen mir und meinem Mann. Schön, dass wir die Möglichkeit haben, das Zuhausebleiben abzuwechseln wenn der Minimensch etwas älter ist, sowohl für meinen Mann als auch für mich.

Veggieblogtag #27: Zeit zum Umdenken

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Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion „Donnerstag=Veggietag„. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir und bei allen BloggerInnen die mitmachen wollen etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost.
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Liebe Voll- oder Teilzeitvegetarier. Letzte Woche habe ich den Veggieblogtag vergessen. Ich war so irritiert über die hitzigen Diskussionen zum Veggietag, bei denen man schnell den Eindruck gewinnen konnte, es ginge den Leuten ans Leben, dass ich akute Wochentagsverwirrung hatte.

Dafür heute einen Impuls zum Nachdenken und kein Rezept.

Via twitter (@drehumdiebolzen) las ich diesen Artikel in der taz, der recht schlüssig argumentiert, dass der Welt nicht geholfen wäre, wenn alle Menschen Veganer wären. Ich finde hier lässt sich eigentlich die Idee des Teilzeitvegetarismus perfekt unterbringen. Zunächst habe ich mich an der einen oder anderen Stelle geärgert, als ich den Artikel las. Die Autorin wirft ständig die Begriffe Veganismus und Vegetarismus in einen Topf. Der Unterschied ist riesig und sollte nicht nivelliert werden. Auch bzgl. der Auswirkungen auf die Landwirtschaft ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen. Denn wenn Legehennen und Milchkühe gehalten werden, ergeben sich die Düngemöglichkeiten genauso, wie bei Masthennen und Schlachtrindern. Das Argument, dass die meisten Tiere, die wir essen ja weiden und folglich nicht in Futterkonkurrenz zum Menschen stehen ist insofern Unsinn, als 1. Regenwald und andere wichtige Biosphären gerodet werden, um dort Weideland für Rinder zuschaffen und 2. heute de facto die allermeisten Masttiere nicht weiden sondern mit Soja une Mais gefüttert werden. Würden die Tiere weiden und zwar nur da, wo man nichts anbauen kann, wäre das Problem schon praktisch aus der Welt. Dann gibt die Autorin zwar selbst an, dass sich die Kritik der meisten Vegetarier ja völlig zurecht gegen Massentierhaltung und nicht gegen Biolandwirte richtet, sie lässt aber die Alternativen außen vor. Letztlich fasst der Artikel viele Argumente zusammen, die jeder Vegetarier schon hundertfach gehört hat: 1. Der Mensch ist als Allesfresser konzipiert, 2. Die Landwirtschaft funktioniert nicht ohne Tierhaltung, 3. Der Sojaanbau für Tofu ist auch nicht besser als der für Futter, 4. Die Tiere fressen Gras, das sonst eh nur rumstünde. Ja, stimmt alles, ignoriert aber völlig die Realität der heutigen Nahrungsmittelproduktion. Es ist nämlich so: würden wir tatsächlich die Tiere so halten, wie wir es immer taten und wie es artgerecht wäre, dann wäre tatsächlich gegen Nutztierhaltung und Fleischkonsum nicht viel einzuwenden. In diesem Fall wäre Fleisch aber, wie es immer war, ein Luxusartikel, ein Sonntagsessen, das es mal gibt, aber nicht täglich. Denn artgerechte Haltung benötigt ein vielfaches an Platz und Zeit und entsprechend weniger Fleisch würde produziert und entsprechend, gerechtfertigt, teurer wäre das dann. Und in dem Fall würden all die Argumente greifen, die Tiere wären wichtig und richtig für den Kreislauf der Landwirtschaft, sie würden in erster Linie Gras fressen und der Mensch würde, seiner evolutionären Prägung gemäss ausgewogen tierische und pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Nur so ist die Realität ganz und gar nicht: Wir füttern Tiere mit Nahrungsmitteln, die viele Menschen sattmachen könnten, vor allen um schneller und mehr Fleisch produzieren zu können. Hierfür roden wir Waldflächen, die der Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten sind, Ureinwohner beherbergen und als CO2-Speicher elementar für unser Klima sind. Die derart massenhaft produzierten Tiere halten wir unter erbärmlichen Bedingungen, transportieren wir lebend über weite Strecken, stopfen wir mit Medikamenten voll, damit diese Haltung überhaupt möglich wird und schlachten wir schließlich industriell wiederum in vollkommen unbarmherziger Art und Weise. Durch diese industrielle Tierhaltung ist Fleisch so reichlich vorhanden und so billig, dass wir Menschen nicht unserer Natur gemäß viel tierische Produkte essen, sondern viel zu viel davon. Dadurch werden wir dick, mangelernährt und krank. Und schließlich werfen wir dann auch noch große Anteile unserer Nahrung weg. Das ganze hat außerdem durch die getrennte Zucht von Fleisch- und Milchhybriden bzw. Lege- und Masthennen zur Ausrottung vieler traditioneller Tierarten geführt und zieht die fiese Praxis der Kalb– und Kükentötung nach sich. Und das ist es, wogegen sich die meisten Vegetarier wenden. Und zwar zurecht. Und die Idee des Veggietags ist es, dass man bewusst auf Fleisch verzichtet, um sich und der Welt klarzumachen, dass es, auch ohne Vegetarier zu sein, nicht notwendig ist, täglich Fleisch zu essen. Und würden morgen alle nur noch Biofleisch kaufen, würde sich von allein weit mehr als ein Veggietag in den meisten Haushalten einstellen.