Veggieblogtag #27: Zeit zum Umdenken

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Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion „Donnerstag=Veggietag„. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir und bei allen BloggerInnen die mitmachen wollen etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost.
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Liebe Voll- oder Teilzeitvegetarier. Letzte Woche habe ich den Veggieblogtag vergessen. Ich war so irritiert über die hitzigen Diskussionen zum Veggietag, bei denen man schnell den Eindruck gewinnen konnte, es ginge den Leuten ans Leben, dass ich akute Wochentagsverwirrung hatte.

Dafür heute einen Impuls zum Nachdenken und kein Rezept.

Via twitter (@drehumdiebolzen) las ich diesen Artikel in der taz, der recht schlüssig argumentiert, dass der Welt nicht geholfen wäre, wenn alle Menschen Veganer wären. Ich finde hier lässt sich eigentlich die Idee des Teilzeitvegetarismus perfekt unterbringen. Zunächst habe ich mich an der einen oder anderen Stelle geärgert, als ich den Artikel las. Die Autorin wirft ständig die Begriffe Veganismus und Vegetarismus in einen Topf. Der Unterschied ist riesig und sollte nicht nivelliert werden. Auch bzgl. der Auswirkungen auf die Landwirtschaft ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen. Denn wenn Legehennen und Milchkühe gehalten werden, ergeben sich die Düngemöglichkeiten genauso, wie bei Masthennen und Schlachtrindern. Das Argument, dass die meisten Tiere, die wir essen ja weiden und folglich nicht in Futterkonkurrenz zum Menschen stehen ist insofern Unsinn, als 1. Regenwald und andere wichtige Biosphären gerodet werden, um dort Weideland für Rinder zuschaffen und 2. heute de facto die allermeisten Masttiere nicht weiden sondern mit Soja une Mais gefüttert werden. Würden die Tiere weiden und zwar nur da, wo man nichts anbauen kann, wäre das Problem schon praktisch aus der Welt. Dann gibt die Autorin zwar selbst an, dass sich die Kritik der meisten Vegetarier ja völlig zurecht gegen Massentierhaltung und nicht gegen Biolandwirte richtet, sie lässt aber die Alternativen außen vor. Letztlich fasst der Artikel viele Argumente zusammen, die jeder Vegetarier schon hundertfach gehört hat: 1. Der Mensch ist als Allesfresser konzipiert, 2. Die Landwirtschaft funktioniert nicht ohne Tierhaltung, 3. Der Sojaanbau für Tofu ist auch nicht besser als der für Futter, 4. Die Tiere fressen Gras, das sonst eh nur rumstünde. Ja, stimmt alles, ignoriert aber völlig die Realität der heutigen Nahrungsmittelproduktion. Es ist nämlich so: würden wir tatsächlich die Tiere so halten, wie wir es immer taten und wie es artgerecht wäre, dann wäre tatsächlich gegen Nutztierhaltung und Fleischkonsum nicht viel einzuwenden. In diesem Fall wäre Fleisch aber, wie es immer war, ein Luxusartikel, ein Sonntagsessen, das es mal gibt, aber nicht täglich. Denn artgerechte Haltung benötigt ein vielfaches an Platz und Zeit und entsprechend weniger Fleisch würde produziert und entsprechend, gerechtfertigt, teurer wäre das dann. Und in dem Fall würden all die Argumente greifen, die Tiere wären wichtig und richtig für den Kreislauf der Landwirtschaft, sie würden in erster Linie Gras fressen und der Mensch würde, seiner evolutionären Prägung gemäss ausgewogen tierische und pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Nur so ist die Realität ganz und gar nicht: Wir füttern Tiere mit Nahrungsmitteln, die viele Menschen sattmachen könnten, vor allen um schneller und mehr Fleisch produzieren zu können. Hierfür roden wir Waldflächen, die der Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten sind, Ureinwohner beherbergen und als CO2-Speicher elementar für unser Klima sind. Die derart massenhaft produzierten Tiere halten wir unter erbärmlichen Bedingungen, transportieren wir lebend über weite Strecken, stopfen wir mit Medikamenten voll, damit diese Haltung überhaupt möglich wird und schlachten wir schließlich industriell wiederum in vollkommen unbarmherziger Art und Weise. Durch diese industrielle Tierhaltung ist Fleisch so reichlich vorhanden und so billig, dass wir Menschen nicht unserer Natur gemäß viel tierische Produkte essen, sondern viel zu viel davon. Dadurch werden wir dick, mangelernährt und krank. Und schließlich werfen wir dann auch noch große Anteile unserer Nahrung weg. Das ganze hat außerdem durch die getrennte Zucht von Fleisch- und Milchhybriden bzw. Lege- und Masthennen zur Ausrottung vieler traditioneller Tierarten geführt und zieht die fiese Praxis der Kalb– und Kükentötung nach sich. Und das ist es, wogegen sich die meisten Vegetarier wenden. Und zwar zurecht. Und die Idee des Veggietags ist es, dass man bewusst auf Fleisch verzichtet, um sich und der Welt klarzumachen, dass es, auch ohne Vegetarier zu sein, nicht notwendig ist, täglich Fleisch zu essen. Und würden morgen alle nur noch Biofleisch kaufen, würde sich von allein weit mehr als ein Veggietag in den meisten Haushalten einstellen.