Drei Monate Muttersein

Dieser Tage ist der Minimensch schon 3 Monate alt geworden. Drei aufregende Monate für ihn wie für uns. Mit wenig Zeit zum Nachdenken und Revue passieren lassen. Aber bei allem was so mit dem Minimensch geschieht – was geschieht eigentlich mit mir?

Auch wenn einige liebe Menschen online und offline es mir vorher prophezeit hatten, so bin ich trotzdem nach wie vor, am Anfang aber ganz besonders, davon geplättet, was für völlig neue Gefühle so ein kleiner neuer Mensch in mir, in uns, wecken kann. Wie sehr er vom ersten Augenblick an zu uns gehört und wie sehr wir auf einmal Familie sind. Irre. In dieser Hinsicht kommen mir die 3 Monate vor wie „schon immer“ – denn tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, was diese spezielle Ecke in meinem Herzen vorher ausgefüllt hat und wie es ohne dieses zusätzliche Mutterliebe-Gefühl war.

Trotz Blähungen, Reflux und neuerdings Zahneinschuss, ist das Leben mit dem Minimensch recht mühelos. Er ist ein echter Sonnenschein, der sehr viel lacht sich enorm an Kommunikation erfreut und selten weint und nachts sowie mittags lang am Stück schläft. In unseren Alltag haben wir uns also sehr gut eingefunden und meist schaffen wir auch die Wohnung in Ordnung zu halten.

Ich bin jede Woche traurig, dass wieder eine Woche meiner Elternzeit um ist – denn danach wird es stressiger und knapper mit Geld als jetzt, soviel steht fest. Und ich finde es toll, den Minimensch beobachten und mit ihm Zeit verbringen zu können. Mit Minimensch und mir ist alles super. Es ist wundervoll zu sehen, dass er schon eine richtige kleine Person ist, mit sehr spezifischen Gesichtsausdrücken, mit Vorlieben und Nicht-Gemochtem und mit ganz viel Kommunikationsbedürfnis (wär auch verwunderlich wenn nicht, ist ja unser Kind). Und total wunderbar, dass ich dabei sein und ihn so gut kennenlernen darf. Und beeindruckend, dass er uns dabei als seinen Dreh- und Angelpunkt, seine Basis, betrachtet, der Anker seiner täglich wachsenden Welt.

Auch ziemlich geplättet war ich am Anfang von dem enormen Gefühl von Verantwortung und der riesigen Panik, die mit dieser Erkenntnis einherging, und doch hat sich das rasent schnell gelegt und nach wenigen Wochen vermochte mich dies schon nicht mehr so sehr zu schocken. Ja, da haben wir nun einen kleinen Menschen und sehr viel Verantwortung, es vergeht kein Tag, wo ich mir dessen nicht bewusst bin und ich hab gehörig Respekt davor, aber der Verantwortung begegnen wir einfach mit Flucht nach vorn. Wie auch sonst?

Aber: Das Elternsein selbst ist sagenhaft toll. Und irgendwie geht es auch leichter, als ich gedacht hätte. Man lernt den kleinen Menschen doch schon recht schnell recht gut kennen und weiß viel besser, was zu tun ist, als ich vermutete. Es fühlt sich einfach so richtig an ihn dabei zu haben, mitzudenken, einzuplanen. Da braucht man sich eigentlich gar nicht umstellen. Und so vieles vermisse ich auch überhaupt nicht, obwohl es irgendwie verschwunden ist. Ich habe seit der Minimensch da ist vielleicht maximal 5mal ferngesehen. Da er abends nicht schläft ist nix mit Erwachsenenunterhaltung und folglich auch nix mit fernsehen. Hat mir das je gefehlt – nein. Ich habe nicht ein einziges Mal gedacht: „Oh, ich würde aber mal gern wieder fernsehen“. Witzigerweise ist Fußball das einzige, was ich gern gucken würde bzw. mindestens 2 der 5 Mal waren Fußballübertragungen. Auch ausschlafen ist irgendwie unwichtiger. Durchschlafen ja. Das wär toll. Aber lang schlafen – keine Ahnung – das vermisse ich nicht und wenn ich’s mal mache – denn morgens schläft der Minimensch ja, dann finde ich es sogar eher lähmend als erfrischend. Früher dachte ich oft, dass mir die Möglichkeit spontan auszugehen ganz doll fehlen würde. Aber auch das ist nicht so – vielleicht kommt das wieder, dass ich das gern würde. Im Moment ist mir ausgehen total egal. Ausflüge machen, ja das würde ich gern. Aber was trinken, in die Kneipe oder essen gehen – das kommt mir irgendwie wie Zeitverschwendung vor. Was mir schrecklich fehlt ist Frankreich-Urlaub. Aber das ist ja zum Glück eher nur ein kurzfristiges Problem. Frankreich wird uns schon bald wieder zu Gesicht bekommen und das ist auch ziemlich gut so.

Ich nähe zwar durchaus. Aber in Miniportionen und vor allem mittags, denn abends ist es dann doch oft recht anstrengend, oder aber ich bin zu müde oder freue mich einfach auch mal drei Worte mit Herrn Siebenhundertsachen wechseln zu können. Stricken und lesen kommen da etwas kurz, aber ich schätze, das geht vorbei. Ich hatte mich irgendwie mehr stricken sehen, wenn ich mir mich in Elternzeit vorgestellt habe. Aber man hat seltener beide Hände frei, als man denkt. Und ja, ich bin die ganze Zeit verdammt müde. Aber ich kann tags nicht schlafen. Das war immer so und hat sich kaum geändert. Nur wenn die Nacht wirklich ein Vollausfall war, komme ich auf mehr als eine halbe Stunde dösen am Tag. Das ist nicht gut. Aber was soll ich machen.

Als ausgesprochener Leistungsmensch, hadere ich zuweilen damit, wie wenig ich dann doch am Tage schaffe. Wie oft ich einfach vergesse, dies oder jenes zu tun und wieviel einfach unerledigt bleibt. Tatsache ist, dass die Müdigkeit eben doch nicht spurlos abprallt und von großen Plänen oft nur ein Bruchteil umgesetzt wird. Dabei sollte mich das nicht kümmern, denn es kommen neue Tage und es mangelt ja nicht an Zeit. Aber in meinen Hinterkopf sitzt das Leistungsgewissen in mannigfacher Gestalt und rechnet zusammen, was ich am Tag so geschafft, erreicht und abgehakt habe. Fürchterlich, aber irgendwie ist es so. Einfach nur abhängen, selbst wenn ich vor Müdigkeit einfach nicht anders kann, kann ich an mir nur schwer tolerieren. Und dass noch viele Tage Elternzeit kommen zählt in meinem Hinterkopf nicht als Entschuldigung. Man braucht, um im akademischen Umfeld nicht einzugehen die Fähigkeit, sich selbst Druck zu machen, denn Kontrollen von außen sind selten aber dann hart, und obwohl ich nie zu denen gehörte, die ihr ganzes Leben dem akademischen Fortkommen unterordnen, so merke ich nun doch, wie sehr dieser selbstgemachte Druck in mir steckt. Stärker als ich dachte oder ab und an im Urlaub mitbekommen habe. Schon allein um des Minimenschen Willen, sollte und will ich dem aber nicht nachgeben und diesen Dämon bannen, der mir stetig Müßiggang vorwirft.

Ansonsten ist es nicht so, als wüsste ich mich zuhause nicht zu beschäftigen. Ganz im Gegenteil, ich könnte bequem das dreifache an Tagen füllen. Allein schon den Minimensch zu betrachten und mit ihm zu lachen sind ja jeweils vollkommen tagfüllende Aktivitäten. Allerdings fehlen mir ein wenig die mannigfachen Sozialkontakte derer ich mich bisher täglich erfreute. Das geht vom Kaffee am Morgen mit geschätzten KollegInnen über den wöchentlichen Frühstückstreff im Bahnhof mit einem lieben Freund bis hin zu Mädelsabenden und Nähkränzchen. Ich habe eigentlich viel Besuch, aber ich hatte eben auch, zum Glück, viel viel viel Sozialkontakte tagtäglich. Und trotz intensiven rumtreibens in sozialen Online-Netzwerken vermisse ich das. Ich weiß und hoffe natürlich, dass sich das wieder gibt, je mobiler der Minimensch und ich wieder werden. Aber ich mache mir nichts vor, in Zukunft werden meine Arbeitstage sehr angefüllt und meine Freizeit wenig mit der von Nicht-Kindermenschen kompatibel sein. Ich freue mich trotzdem sehr auf Freizeit mit dem Minimensch und auch mit anderen Neu-Familien, die derzeit in unserem Bekanntenkreis aus dem Boden schießen. Diese Umstellung des sozialen Lebens ist für mich fast die größte Herausforderung – vor allem als momentaner „Zuhause-Bleiber“ hier bei uns.

Ich bin definitiv nicht zur Nur-Hausfrau geschaffen. Das wusste ich sogar schon im Mutterschutz. Ich komme mir völlig bescheuert vor, wenn das größte Event des Tages ein Spaziergang ist und ich am Abend dem Mann nicht mehr erzählen kann, als was ich in meiner Twitter-Timeline gelesen habe. Zwar ist meine Zeit ausgefüllt und auch mein Herz. Nur mein Hirn – das leidet etwas. Ich habe gar keine Lust zu arbeiten, verschwende da gar keinen Gedanken dran. Es ist nicht so, dass ich mich konkret nach Arbeit oder so sehne. Ich empfinde nur einfach ein Ungleichgewicht in Sachen Außenwelt und geistiger Anforderung zwischen mir und meinem Mann. Schön, dass wir die Möglichkeit haben, das Zuhausebleiben abzuwechseln wenn der Minimensch etwas älter ist, sowohl für meinen Mann als auch für mich.

3 Gedanken zu “Drei Monate Muttersein

  1. audcatherine schreibt:

    Wie schön, dass es euch nach dem holprigen Start so gut geht! Ich habe vieles ganz ähnlich empfunden und ich denke wahnsinnig gerne an diese ersten Zeiten mit meinen Babys zurück. Jetzt wo sie älter werden fühle ich mich zwar einerseits freier (keine Windeln mehr, nicht mehr füttern, nicht mehr ununterbrochen beaufsichtigen), aber das Eingespanntsein in Beruf und Familie hat bei mir vor allem seitdem auch noch Schule dazugehört, ganz schön zugenommen. So gesehen, genieß es, dass ihr euer Tempo gehen könnt, der Rest kommt von alleine wieder!
    Lg Catherine

  2. schildkroete schreibt:

    Bei mir ist das ja auch schon ein bisschen her, aber an dieses unbeschreibliche heftige Mutterliebegefühl erinnere ich mich noch gut und an schlagartige Gedanken an eine Riesenverantwortung, die mit diesem winzigen Wesen da war. Heute noch überfallen mich heftige „Liebeswellen“, wenn ich meine beiden Pubertierenden anschaue.Es ist und bleibt ein wunderbares Abenteuer.
    Das „Nur-Hausfrau-sein“ war/ist auch gar nicht meins, ich hatte in den Monaten nach der Geburt auch bisweilen das gefühl, dass mein Hirn rostet….
    Dass Ihr Euch abwechseln könnt, ist so genial, das werd´ich immer noch ein bisschen neidisch….
    Ich wünsch´Euch weiterhin eine tolle & spannende Zeit (so für die nächsten 20Jjahre….).
    Herzliche Grüße
    Sabine

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