Me made Mittwoch: Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken

Heute ist der erste MMM nach der Sommerpause und hier gibts nix neues zu sehen, sondern nur ein olles und nicht besonders geliebtes Jerseykleid. Für Herbstsachen ist es noch zu warm, für Hochsommersachen schon zu kalt, da ist ein Jerseykleid oft eine gute Alternative.
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Dieses hier habe ich letztes Jahr anlässlich des Blümchenmonats bei Meike genäht und ich mäkelte daran erheblich herum. Und immernoch ist es kein „Mein Herz geht auf“-Kleidungsstück. Zu blass, zu labberig, zu unsauber verarbeitet.

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Dennoch trage ich es häufig denn es ist bequem, still- und umstandsgeeignet, kombinationsfreudig und man sieht nicht gleich jeden Fleck. Ein Vernunftskleidungsstück also. Sowas wie ein silberner Kombi von Skoda oder Ikea-Standardküche. Das Nudeln mit Tomatensoße unter den Kleidungsstücken – geht immer, ist aber auch nix besonderes. Ich habe noch einige andere Jerseykleider mit ähnlichen Eigenschaften. Richtig schick finde ich nur mein rotes Romanitkleid und das Berlinkleid. Die anderen Jerseykleider sind Vernunftkleider.

Gerade diskutierte die #nähnerd-Welt bei Meike und Catherine und Lotti die Frage, ob die gewünschten Kleider ins Leben passen (müssen). Und da passen ich und mein Vernunftskleid zufällig gut rein. Denn derzeit zuhause mit Säugling, spuckendem Säugling obendrein und eher wenigen förmlichen Anlässen ist ein solches praktisches Jerseykleid im Grunde das perfekte Kleidungsstück.

Aber. ABER! Ich mag sie nicht die praktischen Jerseykleider. Nicht mehr. Das merke ich vor allem daran, dass ich, wann immer ich das Haus verlasse, egal ob zum Markt oder zum Zahnarzt, ich mich direkt in was schickes aus Webware werfe. Früher trug ich auch gern mal ein Jerseykleid im Büro, heute gehe ich im Hemdblusenkleid zum Altglascontainer. Was sagt das jetzt über mein Leben und das Passen der Kleider zu meinem Leben?

Auf den ersten Blick könnte man denken, ich wünschte mir ein Leben mit mehr Webware, also mehr Chic, mehr Anlass, weniger Babykotze, weniger Augenringe. Und obwohl ich auf Spucken und Augenringe verzichten könnte, denke ich nicht, dass es das ist. Denn auch wenn ich mich über Sozialkontakte insb. mit netten Menschen freue, so wünsche ich mich gerade wirklich nicht ins Büro zurück. Abgesehen davon, dass man in der Uni auch im Pyjama nicht weiter auffällt und von Chic eher selten was zu spüren ist. Aber: mehr Chic wär toll. Ich will nicht das Leben zur Webware sondern einfach nur die Webware. Und ich finde nicht, dass es immer nur praktisch-vernünftig sein muss. Ich mag mich einfach in schicken Kleidern, in Webware, in weiten Röcken in all sowas. Und gerade nach den Schwangerschaftsmonaten in Jersey kann ich die Jerseykleider auch nicht mehr sehen. Und deshalb zieh ich mich einfach so schick an. Um zum Briefkasten zu gehen. Oder spazieren. Oder auf den Markt. Und wenn das dann auch vielleicht nicht ganz so praktisch ist, dann muss ich das ja selbst ausbaden. Und wenn mich jemand overdressed findet, muss er das dann mit sich selbst ausmachen – ist ja nicht mein Problem.
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In diesem Sinne, liebe Selbstnäherinnen – näht euch die Kleider, die euch an euch gefallen und dann tragt sie und fühlt euch toll darin. Vernünftig kann man dann ja bei der Wahl des Autos sein.

Wiebke zeigt z.B. heute auf dem MMM-Blog ein wunderbares Stück Webware, und das als Hemdblusenkleid. Bezaubernd.

8 Gedanken zu “Me made Mittwoch: Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken

  1. Astrid schreibt:

    Ich kann Dich sehr gut verstehen. Mir geht es so mit Langarmshirts und Jeans von Herbst bis Frühjahr.Ich kann sie nicht mehr sehen. Schick aussehen ist toll und ich habe das Gefühl, die Mitmenschen behandeln mich auch anders. Und im Alltag mit Kindern, gerade wenn man gerade nicht arbeitet, erntet man ja eher wenig Anerkennung.

    Aber im Alltag mit Kindern sind für mich praktische Sachen unschlagbar….Sobald ich auch nur eine hellere Hose trage kann sie am gleichen Tag in den Wäschekorb. Blusen engen mich in der Bewegungsfreiheit ein; bei Schuhezubinden usw.
    Das ist mein Dilemma. Deshalb trage ich Webware nur in Ausnahmefällen.

    • Contadina schreibt:

      Ich kann das auch sehr gut verstehen. 🙂

      Bei mir ist es allerdings zur Zeit eher noch umgekehrt, weil ich mich in Jersey nicht so eingeengt fühle und alle Kleider, die ich schick finde, mir nicht passen.

      Deshalb bin ich aus so glücklich mit dem Nähen und hoffe, in nicht allzuferner Zukunft, auch schicke und vor allem passende Kleidung nähen zu können.

      Immerhin trage ich schon viel öfter Röcke als früher. seit ich da selbst die Hüft- und Taillenmaße regulieren kann… 😉

      Auch wenn du es nicht mehr sehen kannst, finde ICH dein Kleid sehr schön und darüberhinaus macht es doch auch eine ganz tolle Figur, bzw. bringt sie sehr schön zur Geltung.

      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Catherine schreibt:

    Ich kann deine Stimmung und deine Gedanken gut nachvollziehen! Ich finde auch, lieber mit Schmackes. Alles.
    Lg!!!

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Ich bin dafür grundsätzlich nicht zu denken „Das Kleid mag ich zwar, kann ich aber für dies oder das nicht tragen“ Wenn frau sich in einem Kleid mag, dann wirkt sie darin auch gleich nochmal selbstbewusster. Deshalb nähen was gefällt und auch tragen. Und aus langjähriger Fashionstudie in Zügen der deutschen Bahn kann ich sagen: so manche Frau würde in einem gut sitzenden und schön gestylten Jerseykleid sehr viel souverainer wirken als in einem schlecht sitzenden Hosenanzug und trägt trotzdem letzteres aus dem „gehört sich so“ Beweggrund.

      • drehumdiebolzeningenieur schreibt:

        Ich trage im Büro ja mittlerweile auch nur noch Sachen, die ich mag und schlecht sitzende Hosen gehören da nicht mehr zu! Aber Jerseykleider fühlen sich fürs Büro einfach nicht passend an und dann trage ich sie eben auch nicht mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein. Zu Hause, auf der Straße, bei Freunden zu Besuch fühle ich mich darin wohl, im Büro fühle ich mich im Hemdblusen- oder Etuikleid wohler. Ich hab einige Zeit gebraucht, bis ich mich von den Hosenanzügen gedanklich trennen konnte, aber Hosen passen mir nicht, egal wie passformoptimiert sie sind. Aber ich hatte panische Angst davor, dass ich in dieser Männerwelt kleidertragend nicht ernst genommen werden könnte. Das ist natürlich großer Quark.

      • siebenhundertsachen schreibt:

        Ja, kann ich auch verstehen, wenn du sagst, ich fühl mich darin nicht richtig. Ich meinte nur, dass viele oft denken Hosenanzug/Kostüm ist das einzige was angemessen ist und das zu einer Uniformisierung führt, und dann auch noch in der Mehrheit schlecht sitzende Uniformisierung.

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