Sind wir alle Landlustleserinnen?

Manche Blogposts müssen erst lang reifen. Dieser hier wurde inspiriert von einem Artikel auf SpiegelOnline vor mindestens einem Monat und einer Unterhaltung mit meiner Hebamme vor etwa 2 Monaten.

In dem SpOn-Artikel geht es, sehr grob zusammengefasst, darum, dass viele Frauen nach der Elternzeit den Karriereknick und die Teilzeitfalle gern in Kauf nehmen, weil sie Freude am Leben Zuhause gefunden haben. Es ist in dem Artikel von dekorieren, backen und kochen die Rede – nicht explizit von nähen. Aber gut. Es ist ein bisschen was wahres dran, die Autorinnen argumentieren, dass auch Frauen, die karrieremäßig auf einem guten Weg waren, später in Teilzeit wenig Aussicht auf ein Anknüpfen an alte Höhen haben und dann ihre Energie lieber auf schönes einrichten und Kinder betüddeln verwenden. Die Schlussfolgerung des Artikels gefällt mir in sofern, als die Autorinnen dafür plädieren, nach einer Familienphase in eine andere Teilzeit zurückzukehren, als die Deutschland-weit üblichen 18,5 Stunden. Nämlich die 30-Stunden-für-alle-Lösung, die inzwischen schon in vielen Artikeln und Blogposts als Idealbild gehandelt wird. Ich kann mich mit dieser Quintessenz prinzipiell anfreunden und fände schön, wenn unsere Gesellschaft sich in eine Richtung verändern würde, in der man nicht als Drückeberger gilt, wenn man außer arbeiten auch noch leben möchte und in der dem Bedürfnis nach Entfaltung dadurch Rechnung getragen wird, dass es ok ist 30 Stunden zu arbeiten. In der man trotzdem in den 30 Stunden welchen Job auch immer machen kann, ob Grundschullehrerin, Altenpflegerin, Architektin, Ärztin oder Staatsanwältin – und eben auch Managerin. Leider sind wir von dieser gesellschaftlichen Anerkennung noch weit entfernt. Heute gibt es Berufe, die in Teilzeit gehen – Frauenberufe wie Krankenschwester, Arzthelferin, Erzieherin und Lehrerin – und viele wo gesagt wird: Teilzeit = Karriereende.   Und, einmal Teilzeit = immer Teilzeit. Aber diese Problematik soll hier heute gar nicht Thema sein.

Der Artikel fiel bei mir nämlich in eine gedankliche Schublade, in der schon folgende Unterhaltung steckte:

Hebamme: „Und was habt ihr so für Hobbies?“

Ich: „Also ich nähe, lese, stricke, Yoga mache ich auch.“

Hebamme: „Ja, ich hab das schon bemerkt, du bist ja eher so der häusliche Typ.“

Ich: „…“

Das hat an mir gekratzt. Denn „der häusliche Typ“ ist nun wirklich nicht, wie ich mich beschreiben würde. Eher so „die rebellische Typin, intelligent, erfolgreich, voller Ideale und Weltverbesserungsideen“ – sowas in der Art… Denn, was ist „der häusliche Typ“? – Für mich kommen da folgende Bilder ins Kopfkino: Jeden Tag ein frischer Kuchen, alles piccobello aufgeräumt und geputzt, das Essen steht pünktlich, wenn der Liebste hereinkommt, auf dem mit frischen Blumen und einer sauberen Tischdecke dekorierten Tisch. Die Räume sind jahreszeitlich hübsch gemacht und sehen aus wie aus der Landlust entsprungen, ebenso der Garten und die Veranda. Der Keller ist voll von der eigenen Ernte, die selbstverständlich in hübsch belabelten und alphabetisch sortierten Einmachgläsern in Regalen steht, die jederzeit auch als Tisch genutzt werden könnten, weil sie stets so sauber sind und an deren Brettern kleine Spitzenborten angebracht sind, selbstgehäkelte versteht sich.

Nun muss die Hebamme eine andere Vorstellung von „der häusliche Typ“ haben, denn sie hat zwar nicht gesehen, dass meine Marmeladengläser alle mit Malerkrepp beschriftet sind und die Abstellkammer gute Teile des Jahres nur mit Grubenausstattung zu betreten ist, aber doch war sie schon öfter in unserer Wohnung und hat folglich bemerkt, dass frische Blumen und akribische Ordnung eher nicht zum Inventar zählen. Wenn ich also eine etwas chaotischere Definition von „der häusliche Typ“ zulasse – bin ich „eher so der häusliche Typ“?

Als ich am vergangenen Wochenende diesen Satz tweetete:

Ich stricke und lese dabei einen Nutzgartenratgeber während das Baby in der selbstgenähten Wiege schläft. Ich bin ein lebendes Klischee.

da war dann wohl die Zeit für diesen Artikel gekommen.

Denn sehen wir der Sache ins Auge. Ich nähe, stricke, koche, backe und gärtnere gern. Ich fürchte, ich BIN der häusliche Typ. Also auch, wenn ich das stricken nicht immer zuhause mache und der Garten etwas weiter weg ist. Schlimmer noch, ich lese auch noch lauter Blogposts und Tweets über nähen und stricken und auch ein paar über backen und kochen. Für einen außenstehenden Beobachter ist das wohl nur noch einen Schritt von der Landlust entfernt. Warum also fühle ich mich unwohl damit, wenn jemand das feststellt? Warum sträubt es sich in mir, wenn der SpOn-Artikel unterstellt, wir, die wir mal Elternzeit machen, wären später „Heimveredlerinnen“ ? Ich mache all meine häuslich zu nennenden Hobbies schließlich bewusst in diesem Blog öffentlich. Ich erzähle auch Kollegen und Freunden davon. Weder nähe ich verschämt Modekettenlabels in meine selbstgenähten Kleider um nicht als Näherin erkannt zu werden, noch widerspreche ich empört, wenn ich gebeten werde, einen Kuchen oder eine Buffetspende zu einer Party mitzubringen und sage etwas wie „Ha, für kochen hab ich keine Zeit“. Nein, im Gegenteil, ich freue mich über Komplimente für Kleider, Suppe und Gebäck und versuche sogar andere zu missionieren. Ist es also nur das Chaos in der Wohnung, das mich vom „häuslichen Typ“ unterscheidet? Wäre ich ordentlicher veranlagt, wäre ich dann eine stereotypische Landlustleserin? Und bewege ich mich auch in meiner Ecke vom Internet in einer Bubble von verkappten Landlustleserinnen, alle so eher der häusliche Typ? Nein, nein und nochmals nein.

Zwei Dinge machen hier wohl den Unterschied. Einerseits das, was „auch noch“ dazugehört und dann noch das „weswegen“.

Fangen wir mit „weswegen“ an. Einen Teil dieser Gedanken habe ich schonmal irgendwo kommentiert, als es um die Frage ging, ob nähen feministisch ist. Denn natürlich habe ich handwerklich-schaffende Hobbies weil ich einen Ausgleich suche, weil ich auch mal „etwas in Händen haben möchte“. Und ja, auch weil ich stolz auf meine Werke bin, und auch aber nicht nur deswegen blogge ich auch darüber. Wer anderes behauptet lügt sich was in die Tasche, denke ich. Aber. Ich nähe auch, weil ich dann viel individueller über meinen Stil bestimmen kann. Ich nähe, weil dann keine arme Frau in Bangladesh fern ihrer Heimat und Familie ihr Leben und ihre Gesundheit für meine günstige Kleidung aufs Spiel setzt. Ich nähe, weil ich dann Kleider tragen kann, die mir überall passen und nicht nur entweder am Busen oder an der Taille und die mir dazu auch noch gefallen und stehen. Und damit positioniere ich mich gegen das Modediktat, die Vereinheitlichung von Stil und Geschmack und die Aufoktruierung einer Idealfigur, die nur als unnatürlich bezeichnet werden kann. Genauso auch mit dem backen, kochen und darüber bloggen. Natürlich backe und koche ich einfach gern. Aber es ist mir auch gleichzeitig ein Anliegen, vegetarische Gerichte zu zeigen, die schmecken und einfach sind und so eine Lanze für den Vegetarismus zu brechen. Das politisch-gesellschaftliche spielt mit hinein. So oder so. Immer. Es ist nicht zu trennen.

Und damit komme ich zum „auch noch“. Denn ich würde eine Beschreibung meiner Person eben nie nur bei den häuslichen Hobbies enden lassen wollen. Denn wie in diesem Blog so spielen eben in meinem Leben auch noch andere Sachen eine Rolle. Ich bin auch politisch, gesellschaftlich interessiert. Ich habe auch eine Meinung zu anderen Dingen als Schnittmustern und Rezepten. Ich habe auch einen Beruf, den ich mag und mit dem ich gleichzeitig hadere. Und dass ich gerne Dinge mit meinen Händen tue, ändert daran nichts. Da mögen all diese Hobbies 100mal einen trutschig-muttihaften Ruf haben. Und deshalb bin ich nicht der häusliche Typ. Basta.

Und ja, ich bin ohne weiteres in der Lage mir vorzustellen, dass ich womöglich angesichts der Nicht-Familienkompatibilität eines akademischen Werdegangs auf die Idee kommen könnte einem Job nachzugehen, der nicht meiner Qualifikation entspricht und das dann auch noch in Teilzeit. Aber nicht etwa aus dem Wunsch heraus, ganz toll gelabelte Einmachgläser und einen hübsch dekorierten Tisch zu haben, sondern eher, weil ich dann lausig bezahlt und deshalb als Hauptverdienerin der Familie leider ausscheiden würde. Und da hört es eben dann doch mit der Übereinstimmung zwischen mir und dem SpOn-Artikel auf.

22 Gedanken zu “Sind wir alle Landlustleserinnen?

  1. schildkroete schreibt:

    Ich hab´immer mehr gestaunt, als ich Deinen Blogeintrag gelesen habe……das sind ja meine Gedanken, die ich aber noch nie so formuliert und zu Ende gedacht habe…….Landlust etc. bestaune ich, hole mir Anregungen für meine „häusliche“ Seite, die ich habe und mag, in Phasen mal mehr, mal weniger……….Ein perfektes „Landlust-Styling“ ist mir unheimlich.
    Aber mit mittlerweile 50 kann ich auch als Feministin, die noch die Lila-Latzhosenzeit erlebt hat, in der war alles Häusliche (außer Stricken in der Schule) ja eher nicht sehr „angesehen“ war, zu all diesen Interessen, Talenten und Hobbies stehen. Obwohl für mich das weitgehende Verweigern von Fertiggerichten, vegetarisch leben, nähen etc. ja auch wieder einen politischen Aspekt hat…..Und auch ich all diese Tätigkeiten als wunderbaren Ausgleich zu meinem „Kopfberuf“ brauche und genieße.
    Ach ja, 30 Stunden für alle, das wär´s….auch wenn ich z.Z. einen akademischen Beruf ausübe, der es mir ermöglicht die Stundenzahl die ich arbeiten, so zu wählen, die mir genehm ist (was dem Mangel geschuldet ist), bei meinem Mann ist das leider gar nicht so…….
    Ganz herzliche Dank für diesen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Sabine

  2. selberschön schreibt:

    ….die Zeit genießen! Vielleicht ist es jetzt „dran“-häuslich zu sein!? Und warum schämen wir uns „häuslich „zu sein?Warum ist „Mutti“ so abwertend gemeint?Das macht mich wütend-nachdenklich-traurig.(erwische mich ja selbst leider immer noch bei solchem Schubladendenken)-Ich glaube wir sollten auch Frauenleben viel differenzierter sehen.Wenn ich 100 Frauen nehme-da habe ich mindestens 90 völlig unterschiedliche Bedingungen – von der Ausbildung-Geld-Partnerschaft und familiärem Umfeld.Wir bewegen uns zu oft im „eigenen Brei“- Frauen und ihre Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten sind so vielfältig.Ich bewundere die,die aus den Bedingungen das Beste machen können (auch wenn ich das Beste für mich ganz schlimm fände).Wir Frauen sollten „milder“ und toleranter mit einander umgehen.“Unter den Kleidern sind wir alle Schwestern“…
    Ich habe 25 Jahre in der Familenbildung mit jungen Müttern gearbeitet-in ganz unterschiedlichen Einrichtungen und Städten-und habe so diese unterschiedlichen Bedingungen von Frauenleben gesehen und schätzen gelernt.
    Grüße von selberschön

  3. Katharina aka dickespaulinchen schreibt:

    Warum kann man denn as Frau nicht einfach mit dem was man macht im reinen sein? Offensichtlich sind wir so geprägt von den Vorstellungen, was und wie wir werden wollten (auf keinen fall so wie unsere Mütter…) dass wir wenn wir dann entdecken, dass ein bisschen davon doch ganz schön ist uns furchtbar dafür verteidigen müssen!?
    Müssen wir garnicht, alles ist ok. Der Begriff häuslich ist nun wirklich auslegungssache.
    Ich bin sehr gerne zu Hause. Wir haben ein Haus mit Garten, viel Platz, einfach weil ich mich Zuhause gerne aufhalten und auch Platz für gäste haben möchte. (Ich weiß schon dass das ein Privileg ist, in diesen Zeiten…) ich mache es mir Zuhause auch gerne schön, einfach weil ich dann selbst zufriedener bin, Farben, Materialien, Blicke beeinflussen meine Stimmung und das versuche ich in der Wohnung umzusetzen. Das ist immer noch weit entfernt vom aufgeräumten marmeladenschrank mit häkelspitze. Aber es dient eben nur dem eigenen Wohlfühlen, nicht dem schützen vor dem geschwätz der nachbarn oder dem füllen eines dekoblogs oder sonstigen eitlen zwecken. Und gelingt natürlich mit zwei rabaukenkindern auch nicht immer. Den Mann habe ich ausgeklammert, der hat nicht so hohe Ansprüche ans raumdesign wie ich 😉
    Dass sich das echte, coole leben nur außerhalb der eigenen 4 Wände abspielt ist doch ein Märchen, das weiß ich inzwischen. Und es kann auch in der Provinz ganz schön sein.
    Nähen, Backen, einmachen, dafür gibt es ein sehr gutes Argument: weil es besser wird als gekauft! Bei der Marmelade habe ich übrigens den Eindruck fast ein bisschen freakig zu sein, das macht in meinem Freundeskreis fast niemand. Ich finde, man darf das alles gerne machen. Und ich wünschte tatsächlich auch, dass teilzeitkonzepte etwas leichter umzusetzen wären. Ich selber kann mich da nicht beschweren, aber mein Job ist ja auch ein Sonderfall.

    LG, Katharina

    • Katharina aka dickespaulinchen schreibt:

      Ich merke gerade, zu erwähnen sei noch dass ich durchaus arbeite, Vollzeit wieder seit diesem Monat. Allerdings sind die Arbeitszeiten einer Orchestermusikerin anders als…äh, anders halt. Und wochenendfüllende hobbies habe ich auch noch.
      Und jetzt komme ich mir doch vor, als müsste ich mich verteidigen, ein bisschen Dilemma ist es also schon…;-)

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Es geht mir gar nicht darum, das häuslich sein schlecht zu finden oder zu verteidigen … eher das un-emanzipierte, was für mich – und ich glaube auch für meine Hebamme – bei „der häusliche Typ“ mitschwingt. Ich finde genau wie du, dass die Häuslichkeit an sich nicht unemanzipiert ist – wohl aber das Bild, was da z.T. bei der Außenwahrnehmung mitschwingt.

      • dickespaulinchen aka Katharina schreibt:

        Das wäre eben für mich gerade nicht so, also für mich ist das häusliche, bleiben wir bei dem Wort, wenn es Spass macht, wenn es dem eigenen Wohlfühlen/relaxen/wellnessen/Selbstverwirklichen dient, dann wäre es überhaupt nicht muttimässig oder altbacken oder wie auch immer, ich hab glaub schon verstanden was du meinst. Aber mir wäre auch egal, was die anderen denken, sei es jetzt die Hebamme (der ich diesen Gedanken jetzt nicht unterstellt hätte, aber die ich ja auch nicht kenne) oder die eigene Mutter oder sonstwer. Ich hab gut reden, meine Kinder sind ja schon größer… Aber ich glaube, ich weiß ungefähr, was du meinst.
        Ich kann mich noch gut erinnern als wir kurz vor Geburt des 2. Kindes auf Wohnungssuche waren, ich hochschwanger mit einem fast 2-jährigem an der Hand, natürlich wurde nur mein Mann gefragt, was er denn beruflich mache. Die brütende Frau mit dem Kleinkind wurde nur als Hausfrau wahrgenommen. Dabei war ich bis kurz zuvor eigentlich die Alleinverdienerin gewesen. Ich könnte heute noch Kotzen, wenn ich daran denke…
        Menschen, die nur in einem bestimmten Bereich mit einem zu tun haben, sehen immer nur einen Teil von uns, das wird auch so bleiben. Aber solange das Leute sind, die einem nicht näher stehen, ist das dann halt so und man sollte sich nicht zuviel Gedanken machen. Find ich. Übrigens wird das später auf dem Spielplatz nicht besser, hier in der Provinz kommt die Frage:“und was machst du so beruflich?“ unter Müttern quasi nicht vor *grusel*

        Ist übrigens schon eine interessante Diskussion, ich hoffe ich wirke nicht zu unfreundlich.

      • siebenhundertsachen schreibt:

        Ja, du hast schon recht. Es wird immer nur ein Teil der ganzen Person wahrgenommen und das kann man auch nicht wegreden. Ich find auch nix muttimässiges am selbermachen. Aber ich hab schon Kollegen beträchtlich die Augenbrauen hochziehen sehen, nach dem Motto „die scheint es ja mit der Wissenschaft nicht sehr ernst zu meinen“ – da spielt sicher auch meine Sozialisation im Uni-Kontext mit rein, wo man quasi schon als nicht engagiert genug gilt, wenn man überhaupt ein Zuhause hat und Hobbies eigentlich maximal ok sind, falls sie Sport sind.

  4. Karoline schreibt:

    Hallo, darf ich mich offiziell vorstellen? Ich bin der häusliche Typ. Gern, sehr gern und niemals wehmütig zurückblickend auf meine Karrierezeit. Alles hat seine Zeit, aber die Kinder sind nur eine gewisse Zeit klein. Was bin ich froh, das ich mich damals entgegen aller Trends, Bedenken und Befürchtungen dafür entschieden habe, das Muttchen am Herd zu sein. Es macht mich glücklich, es füllt mich aus. Nein, ich habe mir nicht das Gehirn beim Basteln mit Klebstoff vernebelt, ich bin sehr klar. Ich habe Hobbies, bin an vielem interessiert, auch politisch, mehr kulturell. Ich verdiene ein wenig dazu, aber nur so, das es meine Kinder quasi nicht bemerken, das ich arbeite. Meine wirklich lieben und ausgeglichenen Kinder sind mein Lohn. Ich habe Glück, bin privilegiert, das ich mein Leben so gestalten kann. Wäre es nicht so, müsste ich auch viel mehr arbeiten und hätte weniger Zeit für meine Kinder und die schönen Dinge des Lebens wie kochen, backen, nähen und gärtnern. Es würde, es müsste auch gehen. Irgendwie. Aber nie würde ich bei mir oder anderen auf die Idee kommen, das der Begriff des häuslichen Types etwas Schlechtes ist.
    Sei doch stolz darauf! Reihe Dich doch nicht in die Riege der Frauen ein, die ihre Kinder wegorganisieren müssen (wie ich es immer häufiger höre). Die alles, was das Leben schön macht, altbacken finden. Macht doch viel sympathischer.
    Liebe Grüße
    Karoline

  5. Lucy schreibt:

    Da möchte ich provokativ fragen: Ja, und wenn? Selbst wenn das Häusliche ohne das „Außerdem“ betrieben wird, ist das nicht genauso in Ordnung? Wer setzt denn da die Maßstäbe? Wirkt da nicht doch so ein verinnerlichtes Leistungsethos mit – nur extern bezahlte und damit per se „sinnvolle“ Arbeit ist was wert, – wenn man sich für diesen häuslichen Anteil damit rechtfertigt, dass das ja nachhaltig und sinnvoll und so weiter ist und man ja außerdem noch einen Beruf hat und sich politisch interessiert? Ich argumentiere ja oft selber so und verstehe schon, worauf du hinauswillst. Aber wenn mans mal ganz sachlich betrachtet: auch gegen so einen „Landlust-Haushalt“ wie beschrieben ist absolut nichts einzuwenden, solange die Leute, die so leben, damit zufrieden sind. Mich stört diese Unterscheidung und die Wertung, die damit verbunden ist. Auch und gerade weil ich dieses Argumentationsmuster auch an mir selber entdecke und das eigentlich nur bedeutet, dass man die Bewertungsmaßstäbe des Kapitalismus eben doch innerlich akzeptiert hat.

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Sicher ist es auch bei mir so, dass ich ein Leisten-Müssen zutiefst verinnerlicht habe. Vielleicht nichtmal ein kapitalistisches, wohl aber , und das ist keinen Deut besser, ein akademisches. Kaum jemand ist da Frauen gegenüber gnadenloser, was den Leistungsanspruch anbelangt, als Wissenschaftlerinnen. Ich finde ja auch, und das hab ich vielleicht schlecht rübergebracht, nicht die Häuslichkeit als solche für mich beängstigend, sondern die Reduzierung darauf und das antifeministisch-unemanzipierte, was da dann mitschwingt. Eben diese „pünktlich um 6 steht das Essen auf dem Tisch und vorher hab ich mich für den Mann schick gemacht“ Ausstrahlung. Und mir kommen da durchaus Fernsehproduktionen, Blogs und Zeitschriftenartikel in den Sinn, die genau dieses reduzierte Bild zeichnen – da möchte ich dann doch nicht mit assiziiert werden.

  6. füßchenbreit schreibt:

    Menschen und damit auch Kinder, Partnerschaften und Familien sind verschieden. Ich habe mich völlig gegen den Trend in meinem Umfeld gegen bezahlte Arbeit und für das ‚Mutti-Dasein‘ entschieden,obwohl ich problemlos, wollte ich/wollten wir nur unsere Kinder deutlich mehr wegorganisieren in meinem Beruf (auch Teilzeit) arbeiten könnte. Aber ich habe das Gefühl, dass es mir und unserer ganzen Familie gut tut, dass wir so viel Zeit miteinander haben. Meine persönliche Wahrnehmung ist, dass ich mich mit dieser Entscheidung deutlich mehr erklären ‚muss‘, als wenn ich unsere drei Kinder ’ständig‘ fremdbetreuen ließe. Und das stört mich doch sehr. Es hat eine Zeit gedauert, mich davon frei zu machen, wie andere für sich entscheiden und was sie von mir halten.

    Viele Grüße
    U. von füßchenbreit

    • selberschön schreibt:

      genau das erleben zur Zeit viele Frauen: und nicht die ständig in Medien erwähnte arme Rabenmutter muss sich rechtfertigen- zur Zeit ist es mehr die Frau,die mit den Kindern zuhause bleibt und nicht ständig die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten bejammert,sondern sich bewußt so entschieden hat (und es auch kann).Allein das Wort „Herdprämie“ drückt ja in diesem Zusammenhang schon alles aus….
      dazu nur so viel: die Kleinstkinder (und nur um die geht es hier!),denen frühstmögliche außerhäusliche Betreuung wegen der Bildungschancen echt gut täten-die werden ob mit oder ohne Betreungsgeld ,ob mit oder ohne ausreichend Krippenplätzen,dort nicht zu finden sein.das ginge dann nur über Krippenpflicht!
      Grüße,selberschön

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Hallo! Es ging mir gar nicht um eine Kritik am Lebensentwurf der Hausfrau. Das ist für mich eine persönliche Entscheidung, wo ih niemand reinreden wollen würde. Ich setze mich hier ausschließlich mit meinem eigenen Bild von „häuslicher Typ“ auseinander, gegen das ich in mir selbst Abneigung vorfand. Zu unrecht vielleicht. Aber dennoch – ich möchte ausdrücklich sagen, es geht hier um mein eigenes Bild von mir und was ich von mir wahrgenommen wissen möchte.

      • füßchenbreit schreibt:

        ‚Hausfrau und unsere Hobbys‘ wird aber glaube ich auch nochmal ganz anders wahrgenommen als ‚berufstätige Akademikerin und unsere Hobbys‘. Da hat das schnell etwas von Heimchen am Herd und eher nicht von beruflich erfolgreiche Frau sucht Gegenpol zur geistigen Arbeit, fühlt sich zuhause wohl und umgibt sich gern mit schönen Dingen…

        Dieses Schubladendenken nervt mich ziemlich. Und nein, das unterstelle ich dir persönlich nicht.

      • selberschön schreibt:

        ja ,da kann ich zustimmen.Und leider hat sich da in den letzten 30 Jahren gar nicht so viel verändert.Erinnere mich noch gut an die makramee-häkelnden Hausfrauenmütter in der Zeit.Hab sie heimlich sehr beneidet und gleichzeitig leider auch etwas verächtlich betrachtet (und das als Nur-Teilzeitkraft,allerdings mit 4 Kindern)

  7. Ulrike schreibt:

    Was ich an solchen Artikeln wie dem im Spiegel traurig finde: dass sich der Verfasser nur mit dem Aspekt des „Häuslichseins“ befasst und damit insgeheim schon wieder eine Wertung einfließen läßt über den vermeintlich neuen Trend. Dass aber Leser des „Landlust“-Magazins auch vielleicht einfach nur Interesse an leider langsam aussterbenden Handwerksberufen oder Tierrassen oder Obst- und Gemüsesorten haben, wird dabei gerne außer acht gelassen. Dass solche alten Dinge nicht in Vergessenheit geraten mögen – wozu ich auch Wissen über verschiedene Handarbeitstechniken zähle -, ist meine leise Hoffnung, wenn ich so ein Magazin in den Händen halte.

    Hier liegt für mich der KInackpunkt: ein Stück unserer Kultur, ein Stück unserer Wurzeln nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, Dinge noch selbst tun zu können, Freude haben an schönen Dingen – von denen es in der modernen durchtechnisierten Welt leider immer weniger gibt.

    so, jetzt habe ich den Faden verloren
    sorry für den wirren Schluß

  8. stella schreibt:

    Ich habe 3 Kinder , hab das Grosse Glück Teilzeit arbeiten zu können wie ich mag und habe landlust und landliebe im Abo und kaufe auch des öfteren mehrer. Zeitschriften gleicher Couleur weil ich auch Papiersüchtig bin…und ich habs auch gern schön. allerdings entsteht glaube ich das Dilemma nur aus dem sprachlichen Grund.Häuslich ist genausogut Schlüpfer.Das sagt kein Mensch mehr….es heißt Slip und SelfmadeMom oder so ähnlich…dann wäre auch die altbackene Assoziation weg.Gib dem Kind einfach einen guten Namen. Wenn ich höre ich sei so Trendy weil ich Nähe…wird mir eher schlecht.weil ich eigentlich nicht Trendy sein will.ich will eigentlich raus aus allen Schubladen.weil ich bin ich.und deshalb höre ich echt nicht mehr auf das geschwätz von anderen.oder Sie bekommen eine hochgezogene Augenbraue…dann ist eh schon ruhe…

    Sind auch echt immer schöne Bilder drin…:))und gute alte Rezepte…weil ich mag auch die gute alte Zeit…wo Frauen noch…..

    Liebe Grüße
    Stella

  9. rivergum schreibt:

    Excuse me for butting in from Australia, especially in English, as I read German much better than writing it.

    Sewing and knitting are creative outlets, so whyever not? I write as well, but while this has a ‚coolness factor‘ in the outside world that sewing and knitting etc don’t have, to me it seems such more self indulgent. Nobody needs an unpublished novel.

    As for cooking, I wish I liked that too, as it is pretty much the only way to ensure you and your family eat nutritious food without excessive additives and other junk.

    My background is in IT, but while I don’t tell my colleagues that I sew, I think it is at least as valid a leisure activity as watching sport on TV with a pizza in one hand and a beer in the other.

  10. Evelyn schreibt:

    Hallo 🙂
    ich bin jetzt durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und hab mich gleich mal bisschen weiter durchgewühlt. Dieser Artikel spricht mir so vollkommen aus der Seele. Wie oft mache ich mir Gedanken, dass ich einfach total langweilig mit diesen Selfmade-Dingern bin.

    Es ist schade, dass alles Frauliche abgewertet wird, nur weil für manche sofort der Gedanke an Unterdrückung mitschwingt. Emanzipation heißt Selbstbestimmtheit. Ich bestimme womit ich meine Zeit verbringen möchte und eigentlich sollte man deswegen von niemandem verurteilt werden.

    Die Anmerkung aus einem Kommentar, dass man dem Kind einen schönen Namen geben soll gefällt mir. Ich sage mir auch immer wieder, dass ich damit etwas kann, was andere nicht hinkriegen würden. Und das neben einem Vollzeitjob, in dem Frauen noch immer unterrepräsentiert sind. Und grad nervts mich, dass ich mich am Liebsten noch viel mehr rechtfertigen würde, was mich denn vom typischen Muttchen noch abhebt…

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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