Me made Mittwoch: Blaurock

Ich habe festgestellt, dass -ganz entgegen der landläufigen Meinung- Tellerröcke bei weitem die praktischste Rockform sind. Man kann mit ihnen problemlos auf dem Boden sitzen, dem Bus nachrennen, den Besen oder Feudel schwingen, Beete hacken oder Wäsche machen. Quasi der Blaumann unter den Röcken. Vorteil: man sieht sehr viel besser angezogen aus als im Blaumann und kann problemlos auch in Sitzungen sitzen oder Vorlesungen halten. Es lag daher nahe, dass ich mir im Rahmen der Aufstockung meiner Herbstrockausstattung noch ein oder zwei davon nähe. Und hier nun der erste. Gewissermaßen der tragbare Proberock aus günstigem Mischgewebe von alfatex (im Schlussverkauf auf Verdacht gekauftes Reststück)
image

Der Schnitt ist aus der Knip 11/2012 und Dodo zeigte bereits letztes Jahr ein Exemplar davon. Ich hatte ihn auch sofort in der Zeitschrift angestrichen, aber dann war ich erstmal schwanger und so wartete der Umsetzungsplan.
image

Wer sich über die mangelnde Ähnlichkeit zwischen Dodos und meinem Rock wundert: meiner ist etwa 20cm kürzer als im Schnitt vorgesehen, ich mag diese Länge einfach am liebsten.
image

Der Clou an dem Schnitt ist, dass nur die vorderen und hinteren Mittelteile im schrägen Fadenlauf zugeschnitten werden. Dadurch fällt die Masse des Rocks nach innen und nicht nach außen, wo sie potenziell die Hüfte anschwellen lassen könnte. Außerdem wäre das natürlich bei gemustertem Stoff auch ein netter Effekt. Daneben ist der Rock relativ moderat im Stoffverbrauch. Ich habe 1,6m gebraucht. Angegeben sind 2,2m – selbst das wäre wenig für einen Tellerrock. Außerdem hat er eine neckische Bundform vorne, die mir aber nicht gelingen wollte. Ich musste den Bund neu zuschneiden, hatte aber keinen Stoff mehr.
image

Der Stoff sieht aus wie Leinen, ist aber wohl teilweise aus Viskose und knittert gar nicht – sehr praktisch. Der Rock ist gefüttert, hat einen seitlichen Reißverschluss und Seitennahttaschen. Der Stoff war gerade noch dünn genug, dass ich einen Rollsaum machen konnte.
image

Ich bin mit dem Rock nicht unzufrieden, er wird aber sicher auch kein Lieblingsteil. Er soll in der Taille sitzen. Dort war er mir erst zu eng, dann zu weit und schließlich musste ich noch eine Hohlkreuzkorrektur vornehmen, was ich eher selten muss. Und nun hat sich der Bund im Verlauf des Vormittags schon wieder um mehrere Zentimeter an der oberen Kante gedehnt – hmpf. Ich finde auch, dass die Kombi aus Seitenreißverschluss und Tasche krumpelig ist, obwohl ich mir enorm Mühe gegeben habe, das sauber hinzubekommen.
imageimage

 

Und letztlich sitzt er nicht ganz toll. Ich werde wohl den nächsten Rock wieder mit dem Schnitt vom Herzchenrock machen – der durch abgesteppte Falten vorn sehr nett sitzt und außerdem den RV hinten hat.

Über den missglückten Bund breite ich einfach den Mantel des Schweigens eine Strickjacke. Mein blaues Ensemble wird heute von der Strickjacke Miette komplettiert. Diese Jacke strickte ich mit viel Mühe fertig – ist doch das Fertigstellen von größeren Strickstücken eher nicht meine Stärke – und konnte sie dann ein Jahr lang nicht tragen, weil erst schwanger und dann Sommer. Jetzt passt sie zwar um die Brust nicht wirklich, aber wärmt mir die Schultern – immerhin. Ich müsste sie wohl nochmal baden und etwas in Form ziehen.

Und jetzt schau ich mir in aller Ruhe die Beiträge beim MMM an, bei dem Wetter will ja eh keiner vor die Tür. Interessanterweise habe ich dort heute schon einige „Naja-ganz-ok-das-nächste-Mal-bin-ich-schlauer-Teile“ (wobei Meike ganz umsonst an ihrem Kleid herumkrittelt, oder nicht? Meike: Das sieht super aus!!!) & auch ungewöhnlich viele Röcke gesehen. Da fühle ich mich gleich doppelt verstanden.

image