Von der Mühe, die Balance zu finden

Hier in in diesem Blog läuft gerade nicht allzu viel. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich nichts zu schreiben hätte. Es liegt sicher zum Teil daran, dass wir in den letzten 2 Wochen schlaftechnisch hier klar ganz weit vom Optimum weg sind. Entwicklungsschub juchee. Wir glauben, hoffen, beten, dass es nur eine Phase ist und diese, lieber früher als später vorbei geht.

Aber, es liegt auch daran, dass ich meine Zeitaufteilung gerade nicht im Griff habe. Also nicht, dass ich generell keine Zeit hätte. Aber ich teile sie derzeit zu ungunsten dieses Blogs und der dahinter stehenden Tätigkeiten auf. Will sagen: es gibt immer immer immer etwas was gerade Vorrang hat. Es will immer noch eine Waschmaschine gewaschen, der Staubsauger geschwungen, ein Spaziergang gemacht oder eine Überweisung erledigt werden. Und dann noch die Weihnachtsgeschenke. Da fangen wir mal lieber gar nicht von an.

So komme ich nicht umhin etwas traurig auf meine lange Liste von Bastel-, Strick- und Nähprojekten, aber auch die gedanklich bereits fertig geschriebenen Blogposts, Briefe und Mails, die zu lesenden Bücher und die zu schauenden Filme zu sehen und mich zu fragen, was da gerade schief läuft. Denn es wäre vollkommen ok, wenn dieses Blog und meine Hobbies derzeit ruhen würden, weil sie mir nicht wichtig sind. Aber sie ruhen einfach so – nicht vollständig aber doch fast – ganz ohne dass ich hierzu eine bewusste Entscheidung getroffen hätte oder auch nur eine genaue Ursache festmachen könnte. Ich denke nichtmal, dass eine zwingende Notwendigkeit besteht. Es hat sich einfach durch viele viele kleine alltägliche Entscheidungen jeden Tag aufs neue so ergeben, dass ich nicht gebastelt, gestrickt und gelesen, gebloggt und gemailt habe, wenn überhaupt dann vielleicht genäht. Es besteht das Gefühl, bei mir (aber ja offenbar auch bei anderen), sich die Zeit für Hobby erst „erarbeiten“ zu müssen. Wenn ich also an einem normalen Tag einen gut gelaunten und friedlich auf der Decke spielenden Minimensch habe, dann rattert im Kopf sofort die Maschinerie, was man da mal schnell erledigen könnte. „Ah gut, dann räum ich erstmal die Spülmaschine aus.“ „Oh, Kind immernoch friedlich. Dann bereite ich schonmal das Essen vor.“ „Wo das Kind gerade so brav schläft, kann ich doch mal schnell den Müll und das Altpapier runterbringen, drei Maschinen Wäsche waschen und die angefallene wegbügeln.“ Nach den Haushaltstätigkeiten kommt auf der internen Abarbeitungsskala dann das „für andere Dinge machen“ – Weihnachtsgeschenke basteln, Sachen für den Minimensch nähen, über den Text von XY lesen, diese und jene Mail sichten und beantworten. Wenn das alles erledigt sein sollte – dann spätestens ist der Minimensch nicht mehr friedlich und möchte lieber Aufmerksamkeit haben, herumgetragen, getröstet, gewickelt, gefüttert oder in den Schlaf gesungen werden. Auch die Zeit am Abend, für die ich mir schon länger ein „Haushaltsverbot“ auferlegt habe, möchte ich nur ungern immer aufs nähen verwenden (selbst dann wäre es ja aber meist nicht mehr als eine Stunde) – denn ich sitze auch gern mit dem Gatten auf der Couch und unterhalte mich, schaue fern oder eben auch nicht. Es ist dabei keinesfalls so, dass ich nicht gern mit dem Kind spiele oder mit dem Mann rede. Ich frage mich nur ein wenig, woher dieser „Erledigungsautomatismus“ kommt und was ich dagegen tun kann bzw. sollte. Mir scheint nicht, dass ich damit allein bin. Im Gegenteil entspringen diese Gedanken vermutlich einem tief in uns allen verwurzelten Rollen- und Gesellschaftsbild, das da sagt: Wer zuhause rumhängt, der hat sich noch lang nicht zu amüsieren, sondern sollte dann auch bitteschön sein Leben schön geregelt, ordentlich und sauber halten. Montags beziehen wir die Betten, Freitags gehen wir einkaufen, Sonntags gibt es Frühstücksei und die Sonntagszeitung. Ich denke nicht, dass unsere Großmütter und Mütter das groß hinterfragt hätten, das ist einfach so. Punkt. Ich bin dabei vermutlich alles andere als eine Mustererledigerin. Ich hatte und habe meinen Haushalt eigentlich nie im Griff, sondern halte maximal das Chaos knapp an der Schwelle auf. Und dann sind natürlich die Ergebnisse all dieser Erledigungen von höchst transitorischer Natur. Schwuppdiwupp am nächsten Tag, wenn nicht gar nach wenigen Stunden ist alles wieder beim alten. Überall liegt und steht Chaos rum, die Spülmaschine will auch schon wieder ausgeräumt, die nächste Wäsche aufgehängt und der Boden gewischt werden. Perfide dieser Haushalt.

Für mich kommt dann auch immer der Gedanke „andere schaffen das doch auch – noch dazu besser – und die haben mehr als ein Kind, gehen dazu noch arbeiten, sind gar womöglich allein erziehend. Da muss ICH das doch auf jeden Fall hinkriegen.“ Und wenn, wie derzeit, der Minimensch nachts unruhig und tags garnicht schläft, dann halten mich derlei Gedanken auch gern mal vom kleinen Nickerchen in der einzigen halben Stunde Tagschlaf ab – denn was da alles erledigt werden kann. Das geht auf keine Kuhhaut, was man da alles reinquetschen können möchte in so eine halbe Stunde Mittagsschlaf.

Nun werde ich ja bald wieder schrittweise beginnen zu arbeiten und ertappte mich hier und da bei dem Gedanken, wie es dann erst werden soll mit mir und den Hobbys, wenn ich doch jetzt schon keine Zeit dafür „finde“. Und spätestens an diesem Punkt wurde mir klar, dass hier ein Wandel in Gedanken und Taten dringend erforderlich ist. Studien zur Zeitaufteilung von Paaren mit Kindern haben, sowohl anhand von Stunden-Tagebüchern, als auch anhand von externen Erhebungen und Fragebögen, vielfach herausgefunden*, dass Berufstätigkeit der Mutter nicht – wie vielfach ja unterstellt wird – hauptsächlich zulasten der Kinder-Betreuungszeit geht, sondern dass, wenn die Frau eine (Teilzeit-)Beschäftigung aufnimmt bei zeitgleicher Vollzeitbeschäftigung des Mannes, in erster Linie der Zeitaufwand für Haushaltstätigkeit und für Freizeitaktivitäten der Frau zurückgeht. Die Zeit, die das Paar, gemeinsam mit innerhäuslicher Betreuung von dritter Seite (Aupair, Nanny, Verwandte), für die Kinder aufwendet bleibt annähernd gleich und wird weiterhin, auch bei Vollzeittätigkeit der Frau, überwiegend durch die Frau übernommen, wobei die Zeit, die der Mann mit den Kindern verbringt latent natürlich schon zunimmt. Die Zeit, die der Mann für Hobbies aufwendet ändert sich nicht, die die Frau aufwendet schon. Zugespitzt gesagt: Familien mit zwei berufstätigen Erwachsenen leben in unordentlicheren Wohnungen und berufstätige Frauen gehen in geringerem Maße ihren Hobbies nach, als nicht-berufstätige, aber auch als ihre Männer. Ich war immer, wenn ich dies mal wieder in einem Vortrag hörte,  recht erschreckt und hoffte stark, dass dies auf mich nicht zutreffen würde. Als ich nun so meine Gedanken und Handlungen reflektierte stellte ich fest, dass ich – ohne äußeren Zwang – einfach in diese Stereotypen hineinplumse. Absolut erschreckend und dringend abzuändern.

Ich habe für mich zunächst mal versucht, diese „ich muss mir meine Zeit verdienen“-Gedanken zu killen. Stattdessen setze ich mir ein festes Limit, wieviel und auch welche Zeit ich bereit bin an einem Tag für Haushalt aufzubringen. Und wenn das Haushaltszeitfenster um ist, auch wenn ich in der Zeit zu nix gekommen bin, weil müde, Minimensch anhänglich, zuviel Paketboten im Anmarsch oder wasauchimmer, dann ist das eben so, dann bleibt eben was liegen. Natürlich muss manches gemacht werden, Wäsche, Spülmaschine, saugen. Aber eben vielleicht nicht unbedingt heute, oder eben vielleicht nicht alles gleichzeitig. Interessanterweise habe ich bisher nicht den Eindruck, dass es wesentlich chaotischer oder unordentlicher geworden wäre. Eine feste Deadline schafft eben auch mehr Effizienz, sogar wenn es nur ums Wäscheaufhängen geht. Eine der Mütter aus dem Geburtsvorbereitungskurs, die ich netterweise noch regelmäßig treffe, sagte es vor kurzem sehr treffend: „Ich bin Mutter und nicht Hausfrau, und was ich gerade mache ist Elternzeit und nicht Haushaltszeit.“ Yes!

Viel schwerer fällt mir noch, die Zeit zwischen „basteln für andere“ und „meine Zeit“ aufzuteilen. Gerade jetzt möchte ich halt auch gern selbstgebastelte Karten verschicken, selbstgemachte Geschenke fabrizieren, dem Minimensch schöne warme Klamotten machen, Plätzchen backen, die Wohnung adventlich aufhübschen undsoweiterundsofort. Das macht mir ja auch alles Spaß. Und es hat, anders als Haushaltstätigkeiten, vorzeigbare und dauerhafte Ergebnisse, was schonmal ein Gewinn ist. Aber irgendwo ist auch da die Grenze. Und wenn ich, wie diese Woche, eigentlich abends zu müde bin, um noch IRGENDWAS zu machen, dann möchte ich eben dann doch, wenn ich mich aufraffe, auch mal was am Weihnachtskleid machen. Oder was lesen. Oder was bloggen. Hier steht meine Balancefindung noch aus.

Trotz allem, es ist sehr wichtig, das ganze schonmal reflektiert betrachtet zu haben und sich mal kurz zu fragen: „Ähm, was tue ich hier eigentlich?“. Denn hier sind wir es doch oft selbst, die uns im Wege stehen – und zwar keinesfalls nur Mütter, vermutlich nichtmal nur Frauen. Wir selbst und über Generationen angesammelte Denkmuster und Handlungsautomatismen, die eigentlich nicht mehr in die Zeit und Lebensrealität moderner Frauen und moderner Paare passen, weil sie sich eben am Leitbild „Mann, der arbeitet + Hausfrau“ oder zumindest „Haupterwerber + Nebenerwerberin“ orientieren. Und weil sie außerdem auch eine Funktionieren-Müssen-Maxime unterstellen, die uns, Kapitalismus sei Dank, seit Jahrzehnten einimpft, dass wir unsere Lebensrealität vor allem der Erwerbsrealität unterzuordnen haben. Dieses unbedingte Funktionierenmüssen, die Fixierung auf eine 40-Stunden-Lohnarbeitswoche und weit darüberhinaus, die Nicht-Wertschätzung von Nicht-Lohnarbeit – all das wird heute zum Glück vielfach hinterfragt. Und jeder und jede von uns sollte das auch immer mal wieder bei sich selbst tun, finde ich.

*ich gebe hier wieder, was ich auf Konferenzen und Kolloquien aus dem mir nicht besonders geläufigen Gebiet der Familienökonomik aufgeschnappt habe. Ich kann daher nicht aus dem FF Quellen anführen, die dies belegen oder widerlegen, bin aber bei Interesse gern bereit dies von meinen hierin bewanderten Kollegen zu erfragen.

Veggieblogtag – Winterpause

In den letzten Wochen fiel mir zunehmend schwer, neue Rezepte für den Veggieblogtag zu finden. Einerseits sind wir jetzt praktisch einmal durch den Jahreskreis durch und langsam wiederholen sich somit die Klassiker auf unserem Teller. Und dann ist das Fotolicht auch immer so doof im Winter zur Abendessenzeit. Zwar habe ich noch ein oder zwei Gerichte in der Hinterhand, aber nichts, was mich so richtig vom Hocker haut.
Auch fällt mir die Bloggingroutine derzeit ohnehin etwas schwer – da ist so eine regelmäßige Verpflichtung mehr Last als Lust und das sollte dieses Blog nie sein. Daher habe ich beschlossen, den Veggieblogtag in eine Winterpause zu schicken bis Mitte Januar. Die Adventszeit ist ja eher dem backen als dem kochen zugedacht, da hoffe ich auf euer Verständnis.
Falls ich es schaffe, melde ich mich zwischendurch mit einer Sonderausgabe zu vegetarischem Weihnachtsessen nochmal. Mal sehen.

Nun erstmal Danke für eure Treue im gesamten vergangenen Veggieblogtag-Jahr (bzw. 11 Monaten) und die Rezeptvorschläge, die von euch kamen.

Weihnachtskleid-Sew-Along Teil2

Heute geht es weiter mit dem Weihnachtskleidnähen und davon berichten. Ich habe schon einige recht strebsame Beiträge gelesen und kann nicht leugnen, ich wäre gern auch schon weiter. Aber nunja. Fangen wir von vorn an. Wir erinnern uns, es gab mehrere Schnittkandidaten, die alle aus dem karierten schönen Wollstoff erstehen wollen. Ich war zunächst sehr uneins mit mir, was ich denn da tue. Zwei Kleider nähen, gar scheitern, ein Probekleid, all das kommt zeitlich für mich nicht in Frage. Ich habe Zeit und Energie für genau ein Weihnachtskleid und brauche auch nur eins. Also grübelte ich, während ich viele lange (fast) gerade Nähte an der neuen Krabbeldecke Spielzeugablagestation des Minimenschen nähte und kam, dank meditativer Tätigkeit, zu einem pragmatischen Entschluss mit dem ich nun total im Reinen bin. Zen-mäßige Zufriedenheit stellte sich ein – zunächst.

Es ist nämlich so, dass 2 meiner 3 Wunschschnitte Hemdblusenkleider sind, eins gar mit Teilungsnähten. Und dass mein Stoff kariert ist. Finde den Fehler. Genau: Was für eine grandios dumme Idee. Es muss zwangsläufig irgendwo doof aussehen, wenn man ein Hemdblusenkleid versucht aus auffällig kariertem Stoff zu nähen. Das geht gar nicht anders. Und was wäre schlimmer als versetztes Karo in der vorderen Mitte??? Außerdem habe ich beim Ausgehputzkittel festgestellt, dass mir gekräuselte Röcke nicht behagen. Ich hätte also noch eine andere Rockform basteln müssen, was vielleicht noch mehr Karoprobleme nach sich gezogen hätte. Kurzum. Das lass ich mal. Cami darf demnächst aus einem unkompliziert einfachen Stoff entstehen und von mir aus auch in der Tonne landen, aber erst im neuen Jahr. Mit dem Putzkittel bin ich noch nicht durch, aber da werde ich auch eher eine Frühlingsvariante anstreben. Es wird folglich New Look 6674 – das Wickelkleid.

Ein genauerer Blick auf die Schnittdetails während des Abpausens (nach dem ersten Schock, wegen 3 Schnittbögen und 17 Schnittteilen) hat mich noch in dieser Auswahl bestätigt. Der Rock ist ein 2/3-Teller, das kommt mir sehr entgegen. Das Oberteil hat 2 Brustabnäher, auch das gut, denn damit habe ich schon viel Erfahrung. Natürlich bräuchte ich wie immer einen Mix aus 3 Größen, aber das kenne ich ja schon.

Bildquelle: sewing.patternreview.com/patterns/14017

Ich nähe Variante A, aber mit dem Rock von C, also dem längeren und weiteren Rock. Ich möchte allerdings ganz gern 3/4-Ärmel annähen. Ich habe den Schnitt kopiert und ein Probeoberteil aus einer alten Gardine zugeschnitten. Dann habe ich das Probeoberteil genäht, anprobiert, getrennt, geändert, genäht, anprobiert, getrennt, geändert, … Das Problem ist – wie immer – die Kombi aus schmalen Schultern, recht großer Brust und normaler Taille. Das führt zu Enge um die Brust bei gleichzeitig klaffendem Ausschnitt. Dies sieht man evtl. hier auf diesem katastrophal schlechten und  bis zur Unkenntlichkeit aufgehellten Foto. Entschuldigt die Qualität – Novemberlicht + Spiegel an falschen Stellen in der Wohnung + unkenntlich matschigrüner Stoff + Handyfoto = unbrauchbar!

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Ich habe also die Abnäher verschoben und ein Stück der Ausschnittkante weggeklappt. Das ging nicht, machte eine Beule, wo sich die Abnäher fast treffen. Also Abnäher zurück, nur Ausschnittkante korrigiert – ging auch nicht – Brustpunkt verschoben. Hmpf. Heute habe ich dann versucht die Ausschnittlinie anstatt durch wegfalten durch verschieben der Mehrweite zur unteren Kante und zur Schulter zu korrigieren, das ist besser. Nun musste ich allerdings den Brustpunkt erheblich verschieben. Im Ergebnis sieht das ganze nun so aus, wie das vorne liegende Teil zeigt. Die Ausschnittkante liegt glatt an, der Brustpunkt stimmt, die Schulternaht musste ich leicht begradigen.

image Hier sieht man die Unterschiede. Das untenliegende Schnittteil mit schwarzen Markierungen ist der ursprüngliche Schnitt, das oben liegende, mit grünen Markierungen ist das angepasste Oberteil. image

Ungelöst ist für mich bei diesem wie jedem Schnitt ohne rückwärtigen Reißverschluss, wie ich die Stoffbeule auf Höhe meiner Schulterblätter wegkriege. Ich brauche die Weite am Ausschnitt und auch im Taillenbereich, aber dazwischen ist zuviel… ich habe die Abnäher nach oben verlängert. Das macht es besser aber nicht perfekt. Außerdem habe ich keine langen Ärmel aus Webstoff, die gut passen, da muss ich mir noch was überlegen. Am besten wäre wohl, die Ärmel von einem anderen  New-Look-Schnitt zu nehmen. Aber ich habe keinen da, der passt. Und schließlich natürlich die Frage: welche Teile schneide ich mit schrägem, welche mit geradem Karoverlauf zu?

Heute abend beim Tatort werde ich das Zuschneiden erledigen – unter Protest des Herrn Siebenhundertsachen, der Foliengeraschel beim Tatort gar nicht gern mag – besonders nicht, wenn es ein potenziell guter Tatort ist…

Die wirklich zahlreichen anderen Weihnachtskleidnäher_innen versammeln sich heute wieder auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog. Was für eine ambitionierte und inspirierende Runde. Danke liebe Katharina für die Organisation und sorgfältige Planung des Sewalongs.

Me made Mittwoch: der Ausgehputzkittel

Heute zeige ich mein Outfit von Sonntag, denn da trug ich erstmals mein neues Hemdblusenkleid, den sogenannten Putzkittel. Auf Twitter konnte die Entstehung dieses Kleides verfolgt werden, es war keine einfache Geburt und das Ergebnis überzeugt mich auch nur zu 7/8. Aber erstmal ein Bild:
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Den Schnitt habe ich, zusammen mit Frau Drehumdiebolzeningenieur und Lotti in einem gemeinsamen Bestellrausch aus Amerika bestellt. Es ist New Look 6587, der Hauptgrund meiner Bestellung. Nach meinem ersten, selbstgebastelten Hemdblusenkleid, wollte ich gern noch andere Schnitte ausprobieren. Dieser erschien mir sehr tauglich, da er Teilungsnähte hat und daher – theoretisch – gut anzupassen ist.
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Den Stoff, ein Retromuster auf Viskose-Poly-Mischung konnte ich bei einer Buttinette-Bestellung nicht zurücklassen, weil ich das Muster und die Farbe einfach großartig finde. Ganz genau meins. Er war auch recht günstig, weshalb ich ihn trotz unbekanntem Schnitt tapfer anschnitt. Hier ein Selbauslöserouttake, der das Muster gut zeigt.
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Nunja. Das Kleid und ich und der Nahttrenner hatten viele gemeinsame Stunden. Nach Blick auf die Maßtabelle bekam ich zunächst einen kleinen Schock ob der Größe, die ich angeblich brauche und stellte außerdem fest, dass ich ein FBA – eine Anpassung für großen Busen – würde machen müssen. Da ich das bisher bei Schnitten mit Teilungsnähten immer verbockt habe, nahm ich extra das Burda-Standardwerk zur Hand und folgte brav den dortigen Instruktionen. Ich vergaß vor lauter Eifer, dass ich bereits bei anderrn Simplicity-Schnitten festgestellt habe, dass ich locker eine Größe kleiner wählen kann, als die Maßtabelle empfiehlt und dass ich schmale Schultern habe. Stattdessen schnitt ich freudig zu, nähte das Oberteil zusammen und ZACKBUMM steckte in einem schlecht proportionierten Sack. Zwar war die Busenmehrweite schon erforderlich, aber überalll sonst war das ganze Kilometer zu weit. Also genau, was man mit einem FBA theoretisch vermeiden möchte. Ich nahm also Zentimeter um Zentimeter weg, über der Brust, unter der Brust, aus der Seitennaht, … schließlich passte es vornerum fast – dachte ich – das zuviel an Weite im Rücken kriegte ich allerdings nicht mehr weg, hier wäre dann der Halsausschnitt zu eng geworden. Also nähte ich Rock und – im Schnitt nicht vorgesehenen – Futterrock an das Oberteil, probierte das ganze an und ZACKBUMM steckte in einem Putzkittel. Einem hübsch gemusterten immerhin, aber dennoch. Die #nähnerds auf Twitter machten mir Mut, lobten gute Ansätze, schlugen vor erstmal die Ärmel einzusetzen und hielten mich so bei der Stange. Ich nahm noch 2 cm aus der Taille raus, mehr ging nicht ohne den angeoverlockten und fertig gekräuselten Rock wieder abzutrennen, setzte die – zu engen – Ärmel ein, korrigierte die Ärmel, korrigierte die Länge und nähte das ganze fertig.
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Mit Gürtel ist der Sitz ok, ohne Gürtel sieht man das Ausmaß der Putzkitteligkeit:
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Es ist immernoch zu weit, auch die Schultern sind noch einen Tick zu weit, im oberen Rücken ist massig zu viel Stoff, die Taille geht gar nicht. Das ganze Gekräusele ist überhaupt nix für mich … aber : ich lass das jetzt so. Punkt.
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Die Putzkittelaura ist mit Gürtel einigermaßen gebannt und so wie es – wie ich kürzlich erst bei Wiebke lernte – Präsentierschürzen gibt, muss es ja auch Präsentierputzkittel geben, oder? Ich liebe den Stoff und die Taschen und es knittert nicht, sehr positiv. Also halt mit Gürtel und viel Platz für Kuchen, öhöm.

Nochmal die Details:
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Schnitt: New Look 6587
Stoff: Retroprint Viskose von Buttinette
Änderungen: FBA, Ärmel verlängert, Rock gefüttert (an der Knopfleiste und der Taillennaht mitgefasst), Schultern und Oberbrustbereich verschmälert, Taille enger gemacht.
Würde ich den Schnitt nochmal nähen? Es juckt mich sehr, es auszuprobieren. Dann aber eine Grösse kleiner, mit Tellerrock oder Falten im Rockteil und nur mit Nesselprobe. Ich müsste endlich mal die letzten nötigen Anpassungen an meinem Grundschnitt vornehmen und dann den Abgleich immer gleich vorher machen.
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So und jetzt schauen wir mal, ob noch wer im Hemdblusenkleid bei der heutigen Mittwochsparade dabei ist … Melleni trägt ein tolles Tellerkleid, das kann ich schonmal sagen.

Kleiner Nachtrag mit Handyfoto. Ich trage das Kleid heute auch, allerdings da ich einen längeren Kinderwagenausflug vorhaben mit einem weiteren Unterrock drunter und Pullover drüber. Finde ich aber auch nett.
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Weihnachtskleid-Sew-Along Teil 1

Ich freue mich sehr, dass die sympathische Katharina – meine Knipmode-Schwester im Geiste – auch dieses Jahr wieder einen Sew-Along zum gemeinsamen Weihnachtskleidfabrizieren startet und moderiert. Sie ist damit auf dem Me made Mittwoch-Blog zu Gast und los geht es heute. Ich freue mich darüber einerseits sehr, weil ich solche befristeten, zielgerichteten Gemeinschaftsaktionen sehr gern verfolge. Es gibt jeden Sonntag viele tolle Blogposts zu lesen, man kann verfolgen, auf welch unterschiedliche Art und Weise verschiedene Näherinnen das selbe Ziel anstreben, sich inspirieren lassen und viel viel lernen. Andererseits ist es auch schön selbst mitzumachen. So ein Sewalong ist Ansporn und Motivation, verhilft zu Durchhaltevermögen und gibt Unterstützung bei Problemen. Das kommt mir gerade recht, denn bei meinen kleinen kurzen Nähzeitfenstern trotzdem an einem komplizierteren Projekt dranzubleiben ist nicht immer einfach. Da wirkt ein schneller Rock oder was flottes für den Minimensch dann gern mal attraktiver als ein langwieriges Kleid mit vielen Arbeitsschritten.

Ich habe in beiden vergangenen Jahren mitgemacht und dabei zwei farblich ähnliche aber ansonsten sehr verschiedene Kleider produziert.

2011 nähte ich Simplicity 7275, ein Schnitt, den ich sehr mag und ein Kleid, das mir einfach wunderbar gefällt. Ich habe es auch gern zu verschiedenen Anlässen getragen, z.B. zum Bloggerinnentreffen letztes Jahr und zu einer Emeritierungsfeier.
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2012 nähte ich Butterick 5639 und stellte bereits zum zweiten Mal fest, dass Butterick und ich weniger gut miteinander können, als Simplicity und ich. Das Kleid war auch einer meiner Versuche mit Romanit. Und einer der Gründe, warum ich das Material nicht mag. Ich habe auch dieses Kleid noch einige Male getragen, aber weit weniger gern als das von 2011.
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Es ist also klar: dieses Jahr wieder Webstoff. Und zwar diesen hier:
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Ein grau-petrolfarbiger karierter Woll-Viskose-Stoff. Ich finde ja Karo sehr weihnachtlich und ca. ab Mitte November befällt mich immer große Karosehnsucht (weshalb ich noch so 2-3 Stoffe in Karo da liegen hab) und ich besitze schon einige ganz schicke Karo-Winterkleider – allerdings alle eher Kategorie „Frau Dozentin“ als Kategorie „Viel essen und unterm Tannenbaum rumsitzen“. Der heilige Abend selbst wird bei uns – schon annähernd traditionell – mit Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern und Partnern gefeiert. Gern auch noch Freundinnen oder Freunde, die an Weihnachten ansonsten keine große Feiermeute haben. Da kommen einige Leute im Wohnzimmer meiner Eltern zusammen und auch einiges an Essen auf den Tisch. Bequemlichkeit ist da ebenso wichtig wie Festlichkeit, denn große Teile der Bagage sitzen dann während der Bescherung auf dem Boden. An den Feiertagen werden wir uns, dem Minimensch zuliebe, weitere Familienbesuche wohl dieses Jahr klemmen – es muss also zumindest kein 2. Outfit her – puh. Denn meine Nähzeit ist derzeit nicht üppig und will auch noch für alltäglichere Kleidungsstücke genutzt werden.

Meine Anforderungen sind also: ein schickes Kleid aus Webstoff, das durch einen weiten Rock gut für den Bodenaufenthalt taugt und stillgeeignet ist. Schön wäre ausserdem, wenn es nicht allzu kompliziert wäre, denn Fehler und Sackgassen kann ich mir nicht leisten.

Stilleignung heißt – sofern man trotzdem schick und adrett aussehen und nicht einen Pulli mit Raffung unter der Brust tragen will – entweder geknöpft oder gewickelt. Natürlich ginge auch eine Kombi aus Rock und Oberteil, aber da bin ich störrisch, ich mag einfach am liebsten Kleider. Zur Auswahl stehen daher ein paar Schnitte, die ich alle im Vorrat habe:

Derzeit heißester Kandidat ist dieser Schnitt – ich müsste allerdings lange Ärmel konstruieren und auf jeden Fall ein Probeoberteil nähen, denn mit Wickelkleidern hab ich sehr wenig Erfahrung.

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Alternativ ein Hemdblusenkleid. Hier nähte ich gerade New Look 6587, liebevoll „der Putzkittel“ getauft und noch deutlich optimierungsfähig. Vorteil hier wäre, dass ich zumindest schon weiß, was mich erwartet.
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Dann käme noch das Cami-Dress in Frage, hieran mag ich, dass die Knopfleiste nur oben ist. Vom Putzkittel hab ich aber schon gelernt, dass ich besser keinen gekräuselten Rock möchte. Also Falten oder einen Tellerrock. Genug Stoff hätte ich wohl.
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Zuletzt besteht noch die abgefahrene experimentelle Idee, ein Kleid, das eigentlich aus Jersey und gar nicht echt gewickelt ist, nämlich das von mir schon zahlreich genähte Jurk aus der Knip 12/2011, aus Webstoff und mit einer Wicklung nur im Oberteil zu machen. Hier ist aber die Tonnenproduktionsgefahr sehr groß.

Wenn ich kein Stillkleid wollte, würde ich übrigens das aktuelle Lemmingkleid Nr. 1, Butterick 5951, auch bekannt als „Tina-Kleid“ nähen und ich vermute diesen Plan werden bestimmt noch einige andere Teilnehmerinnen des Sewalong haben, das geh ich doch gleich mal überprüfen.

Veggieblogtag #39: Kürbis-Apfel-Risotto

Heute bin ich spät dran, dafür mit einem meiner absoluten Lieblingskürbisrezepte. Ich habe das vor ca. einem Jahr hier schonmal sehr ähnlih verbloggt, aber zusammen mit anderen Rezepten, das ist so unpraktisch zu finden und zu pinnen. Außerdem hab ich das Rezept optimiert:

Kürbis-Apfel-Risotto
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Für 2 Personen

1/4 kleinen Butternutkürbis

1 kleine Zwiebel

1 säuerlicher Apfel

100g Aborio-Reis

100ml Apfelsaft

25g Butter

50g geriebener Hartkäse (Greyerzer oder Pecorino)

4 EL Apfelmus

Gemüsebrühe

Gewürze: Ingwer, Kurkuma, Zimt, Paprika edelsüß, Kardamom, Muskat, Pfeffer, Salz (bzw.Herbaria Kürbiskönig – 100% empfehlenswert)

Kürbis, Apfel und Zwiebel fein würfeln. Reis waschen. Kürbis und Zwiebel in einem Stich Butter anschwitzen. Reis und Apfelstücke dazu, mit dem Apfelsaft ablöschen. Mit etwa 1 TL Kürbiskönig bzw. Je 1 MS aller Einzelgewürze würzen. Nun das übliche Risottospiel. Auf kleiner Hitze simmern lassen und immer wenn keine Flüssigkeit mehr da ist, wieder etwas Brühe nachfüllen. Wenn der Reis gar aber noch bissfest ist, das Apfelmus, den Käse und den Rest der Butter unterrühren. Nachwürzen. Erfahrungsgemäß fehlen vor allem Muskat und Salz.

Und jetzt verrate ich euch ein dunkles Geheimnis: weil ich heute allein den Minimensch baden und ins Bett bringen musste und trotzdem danach direkt essen wollte, habe ich gegen die eherne Risottoregel verstoßen, stattdessen einfach direkt 2 Tassen Brühe drangegeben und das ganze bei ganz kleiner Hitze garen lassen, während des Minimenschen Abendzirkus. Und siehe: geht auch! Alle Italiener bitte einfach still leiden. Ich war sehr froh über mein leckeres, fertiges, warmes Risotto.

Me made Mittwoch: Abgerockt

Heute ist es schon richtig kalt. 4 Grad als ich heute morgen los wollte. Da muss man, wenn man früh zum Markt und dabei das schlafunwillige Kind einschläfern will schonmal in die Schublade mit den Wollröcken greifen.

Ich bemühe mich derzeit ein wenig auszusortieren. Meine Methode dabei ist es, lang nicht getragene Kleidung einmal anzuziehen und einen Tag zu tragen. Wenn ich mich darin wohlfühle, darf das Stück bleiben. Wenn nicht, ich zuppele oder mäkele, dann wird gleich ein Foto für Kleiderkreisel gemacht, oder das Teil entsorgt.

Dieser Rock wird leider entsorgt werden.

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Nicht, dass er mir nicht passen oder gefallen würde… es ist Simplicity 2451, wie sollte ich ihn nicht mögen? Aber es handelt sich hier um das erste Ergebnis von Seriennähen und ich habe daran alle Nachteile von Serienfertigung erstmals erfahren. Mein erster Simplicity 2451 ist immernoch mein liebster und ich glaub ich werde weinen, wenn ich ihn mal werde wegtun müssen. Ich beschloss also mit dem Schnitt in Serie zu gehen und machte alle leidvollen Erfahrungen einer Nr. 2 mit ihm:

– Der Stoff (Wolle-Poly-Fischgrat von Buttinette) verhielt sich ganz anders, als beim ersten Rock. Der Rock wird seit entstehen mit jedem tragen weiter und der Stoff fusselt und pillt gar fürchterlich.
– Natürlich hatte ich gedacht, ich hätte alle Änderungen im Kopf. Hatte ich nicht. Und aufgeschrieben hatte ich sie auch nicht.
– Weil ich den Schnitt schon kannte, war ich weniger aufmerksam. Prompt machte ich eine Reihe von dummen Fehlern wie: den Bund nicht im Bruch zuschneiden, das Futter mit Tascheneingriff zuschneiden, so dass es jetzt Löcher hat, den Reißverschluss schief einsetzen, …
– Auch ist diese Variante einen Tacken zu kurz, weil unaufmerksam und schnipp isser ab.

Inzwischen habe ich natürlich Nr.3 – 100 nach dem Schnitt genäht und sie sind allesamt besser und schöner als dieser. Entsprechend wird er gehen. Er entspricht von Material und Verarbeitung her nicht mehr meinen Anforderungen. Aber er hatte heute einen schönen letzten Tag. Mit Sonne und langen Spaziergängen – dem schlaflosen Minimensch sei dank.

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Ich kombiniere den Rock heute mit einem sehr sehr geliebten Jäckchen. Das fällt in die Kategorie “ Ach könnte ich sowas doh selbst herstellen “ . Mir fällt nur nicht ein wie. Ohne Strickmaschine. Handstricken wäre immer zu dick und grob, niemals so klein und fein wie diese. Immer etwas truschig. Aus Strickstoff nähen geht auch schlecht, wie soll man diese langen Bündchen „nähen“? Hat eine eine Idee oder gar eine Schnittempfehlung? Ich wäre ewig dankbar.

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Lucy zeigt sich heute auch berockt und sehr farbenfroh brim MMM. Und die anderen? Hier entlang zum gucken.

Sonntagssüß: Cashew-Sea Salt-Brownies

Ein neues Rezept, das direkt mal in die Top 10 der Kuchenrezepte aufsteigt. Die Inspiration kam von Pinterest, das Rezept hat sich daraus ergeben, was im Hause war. 

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Für 1 kleine Form ( 20*26)

100g Butter
75g Öl
2 Tassen Zucker
1/2 Tasse Zuckerrübensirup
1 1/2 Tassen Mehl
3 Eier
1 TL Meersalz
2 MS Vanille
75g Cashews geröstet und gesalzen
5 EL Kakao
200g Zartbitterschokolade
2 EL Sahne
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Ofen vorheizen auf 180 Grad vorheizen.

50g von der Schokolade fein hacken.

Butter, Öl, Zucker und Sirup gut verquirlen. Nach und nach die Eier, das Mehl, die Vanilke, das Salz, die gehackte Schokolade und den Kakao zugeben und zu einem weichen Teig verrühren.

Eine passend große Auflaufform mit einem Backpapier auslegen. Den Teig darin verteilen.

Auf mittlerer Schiene 50 Min. backen. Abkühlen lassen, mit dem Backpapier aus der Form heben.

Die restliche Schokolade im Wasserbad schmelzen, die Sahne unterrühren. Die Cashews grob hacken.
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Den Schokoguss auf der Brownieplatte verteilen, Cashews darüberstreuen und leicht andrücken. Nach dem erkalten des Guss in kleine Stücke ( ca 4-5 cm) schneiden.

7 Sachen am 10.11.2013

7 Bilder von 7 Sachen, die ich am Sonntag mit meinen Händen gemacht hab

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1. Versucht die Folgen der wenig erholsamen Nacht etwas einzudämmen. 2. Eine neue, längere Matratze für die Babyhängematte genäht und gefüllt, der ersten war der Minimensch schon länger entwachsen. 3. Gestrickt. 4. Gastbeitrag: Zum ersten Mal die Schnabeltasse gehalten. 5. Pastinakenbrei gekocht. 6. Eine (gar nicht mehr soooo) kleine Cordhose zugeschnitten. 7. Chai Tee zum indischen Essen gekocht.

Veggieblogtag #38: Vegetarische Stillzeit und Beikost

Heute mal kein Rezept sondern ein bisschen gesammelte Infos. Schon während meiner Schwangerschaft berichtete ich ja, dass ich öfter gefragt wurde, ob ich denn nicht spätestens in der Schwangerschaft, dem Kinde zuliebe, Fleisch essen würde. Dieser Gedanke setzt sich nun nahtlos fort, denn auch bzgl stillen und Kinderernährung gibt es immernoch den Vorbehalt, dass Vegetarismus da schädlich sein kann. Nun bin ich selbst Tochter einer Vegetarierin und kann keine Mängel an meiner Gesundheit feststellen. Heute ist Vegetarismus ja auch so weit verbreitet, dass es auch nicht schwer ist, hier an Infos zu kommen. Z.B. die Krankenkassen informieren ganz selbstverständlich darüber mit. Dennoch wurde ich, z.B. vom der Kinderärztin genau befragt, wie ich meine Eiweiß- und Eisenzufuhr sicherstelle. Ein wenig Aufmerksamkeit hat das ganze also wohl verdient. Eine gute Informationsquelle sind die Seiten des VeBu zu diesem Thema.

Folgendes habe ich für mich zusammengetragen:

Stillen

Wer sich ausgewogen ovo-lakto vegetarisch ernährt, muss in der Stillzeit eigentlich kaum besondere Dinge beachten. Die Eisenzufuhr sollte z.B. über Hülsenfrüchte oder Hirse sichergestellt werden, denn der Körper füllt die Eisenbestände nach der Schwangerschaft wieder auf und gleichzeitig geben wir nur rel. wenig Eisen über die Muttermilch weiter. Zusätzlich sind der Bedarf an B-Vitaminen, Folsäure und Jod erhöht. Hiermit ist, wenn sie Milchprodukte isst, eine Vegetarierin ähnlich gut oder schlecht versorgt, wie Mischköstlerinnen, ggf. kann man diese Vitamine über spezielle Präparate zuführen. Der Verzehr von Sojaprodukten wird ab und an als bedenklich erwähnt. Dies hat 2 Gründe: einerseits ist Soja, genau wie Kuhmilch, Eier und Nüsse ein relativ starkes Allergen. Daher gibt es Säuglinge, die selbst über die Muttermilch hierauf reagieren. Wenn ein Kind Auffälligkeiten wie vermehrtes Spucken, Ausschlag oder anhaltende Blähungen zeigt, sollte man das durch eine Ausschlussdiät testen. Wir haben auf diese Weise die Kuhmilchallergie des Minimenschen gefunden, Soja scheint aber unproblematisch. Der 2. Grund ist, dass Sojaprotein hormonähnlich, genauer östrogenähnlich, ist. Allerdings ist dies nur bei direktem Verzehr für Säuglinge problematisch, nicht jedoch indirekt durch die Muttermilch. Natürlich sollte man es nicht übertreiben, aber das gilt ja bei ausgewogener Ernährung generell. Problematisch gesehen werden übrigens alle sojabasierten Babynahrungsprodukte. Diese sind sämtlich bei Ökotest mit ungenügend bewertet worden. Nicht nur aus den genannten Gründen sondern weil sie zusätzlich mit Schadstoffen belastet waren und Gensoja enthielten.
Sehr viel schwieriger ist es übrigens mit veganer Ernährung in der Stillzeit. Hiervon wird von Experten im Allgemeinen abgeraten. Ich habe mich darüber aber nicht im Detail informiert, da ich ja Eier und Milchprodukte esse ( wenn auch derzeit nur Ziegen- und Schafsmilch).

Beikost und Kinderernährung

Auch vegetarische Kinderernährung gilt heute als absolut machbar und gesund. Auch hier wird zu ausgewogener ovo-lakto-vegetarischer Kost geraten. Wobei ja Babies bis zum Alter von einem Jahr generell keine Eier und keine (nicht-behandelte) Kuhmilch bekommen, so dass ovo und lakto hier noch nicht besonders von Belang sind. Eine Abweichung von den normalen Beikosternährungsplänen ist nur bei der Mittagsmahlzeit relevant. Hier wird üblicherweise ein Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei gefüttert. Das Fleisch kann hier nicht einfach weggelassen werden, da es als Eisen- und Eiweißquelle relevant ist. Ersetzt wird Fleisch durch Hirse oder Hafer, die beide sowohl eisen- als auch eiweißreich sind. In der Regel in Form von eingeweichten Flocken, Hirse kann auch im ganzen gekocht und mit püriert werden. Um die Eisenabsorption zu erhöhen sollte die Mahlzeit außerdem eine Vitamin-C-Quelle enthalten. Viel Gemüsesorten sind sowieso reich an Vitamin C, ansonsten kann Apfel- oder Orangensaft zugegeben werden.

Wie halte ich es nun im Speziellen?

Da der Minimensch ja gegen Kuhmilch allergisch ist, nehme ich Vitamin B12, Folsäure und Jod in Tablettenform (Stillzeitvitamine) weil ich keine Milchprodukte esse. Ansonsten esse ich morgens Hirse im Müsli, allein schon wegen des Haarausfalls und bin daher eisentechnisch hoffentlich versorgt.

Die gerade gestartete Beikost wird vegetarisch sein, also mit Hirse oder Hafer. Zusätzlich werden wir den Getreidebrei am Abend mit Wasser zubereiten. Muttermilch ginge auch, das hindert dann aber natürlich das abstillen. Und Folgemilch, die sonst Verwendung finden würde, scheidet aus, da Kuhmilch-basiert. Eine Zubereitung des Abendbreis mit Wasser ist aber unbedenklich, da die meisten Getreide auch reich an Eiweiß sind.

Später darf der Minimensch dann auch Soja essen und wird daher ganz normal mit uns vegetarisch leben können. Wichtig ist mir allerdings, dass er natürlich Fleisch probieren und für sich selbst entscheiden darf, ob er Fleisch essen will. Ich kann ihm da nur meine Gründe erläutern.