Veggieblogtag #38: Vegetarische Stillzeit und Beikost

Heute mal kein Rezept sondern ein bisschen gesammelte Infos. Schon während meiner Schwangerschaft berichtete ich ja, dass ich öfter gefragt wurde, ob ich denn nicht spätestens in der Schwangerschaft, dem Kinde zuliebe, Fleisch essen würde. Dieser Gedanke setzt sich nun nahtlos fort, denn auch bzgl stillen und Kinderernährung gibt es immernoch den Vorbehalt, dass Vegetarismus da schädlich sein kann. Nun bin ich selbst Tochter einer Vegetarierin und kann keine Mängel an meiner Gesundheit feststellen. Heute ist Vegetarismus ja auch so weit verbreitet, dass es auch nicht schwer ist, hier an Infos zu kommen. Z.B. die Krankenkassen informieren ganz selbstverständlich darüber mit. Dennoch wurde ich, z.B. vom der Kinderärztin genau befragt, wie ich meine Eiweiß- und Eisenzufuhr sicherstelle. Ein wenig Aufmerksamkeit hat das ganze also wohl verdient. Eine gute Informationsquelle sind die Seiten des VeBu zu diesem Thema.

Folgendes habe ich für mich zusammengetragen:

Stillen

Wer sich ausgewogen ovo-lakto vegetarisch ernährt, muss in der Stillzeit eigentlich kaum besondere Dinge beachten. Die Eisenzufuhr sollte z.B. über Hülsenfrüchte oder Hirse sichergestellt werden, denn der Körper füllt die Eisenbestände nach der Schwangerschaft wieder auf und gleichzeitig geben wir nur rel. wenig Eisen über die Muttermilch weiter. Zusätzlich sind der Bedarf an B-Vitaminen, Folsäure und Jod erhöht. Hiermit ist, wenn sie Milchprodukte isst, eine Vegetarierin ähnlich gut oder schlecht versorgt, wie Mischköstlerinnen, ggf. kann man diese Vitamine über spezielle Präparate zuführen. Der Verzehr von Sojaprodukten wird ab und an als bedenklich erwähnt. Dies hat 2 Gründe: einerseits ist Soja, genau wie Kuhmilch, Eier und Nüsse ein relativ starkes Allergen. Daher gibt es Säuglinge, die selbst über die Muttermilch hierauf reagieren. Wenn ein Kind Auffälligkeiten wie vermehrtes Spucken, Ausschlag oder anhaltende Blähungen zeigt, sollte man das durch eine Ausschlussdiät testen. Wir haben auf diese Weise die Kuhmilchallergie des Minimenschen gefunden, Soja scheint aber unproblematisch. Der 2. Grund ist, dass Sojaprotein hormonähnlich, genauer östrogenähnlich, ist. Allerdings ist dies nur bei direktem Verzehr für Säuglinge problematisch, nicht jedoch indirekt durch die Muttermilch. Natürlich sollte man es nicht übertreiben, aber das gilt ja bei ausgewogener Ernährung generell. Problematisch gesehen werden übrigens alle sojabasierten Babynahrungsprodukte. Diese sind sämtlich bei Ökotest mit ungenügend bewertet worden. Nicht nur aus den genannten Gründen sondern weil sie zusätzlich mit Schadstoffen belastet waren und Gensoja enthielten.
Sehr viel schwieriger ist es übrigens mit veganer Ernährung in der Stillzeit. Hiervon wird von Experten im Allgemeinen abgeraten. Ich habe mich darüber aber nicht im Detail informiert, da ich ja Eier und Milchprodukte esse ( wenn auch derzeit nur Ziegen- und Schafsmilch).

Beikost und Kinderernährung

Auch vegetarische Kinderernährung gilt heute als absolut machbar und gesund. Auch hier wird zu ausgewogener ovo-lakto-vegetarischer Kost geraten. Wobei ja Babies bis zum Alter von einem Jahr generell keine Eier und keine (nicht-behandelte) Kuhmilch bekommen, so dass ovo und lakto hier noch nicht besonders von Belang sind. Eine Abweichung von den normalen Beikosternährungsplänen ist nur bei der Mittagsmahlzeit relevant. Hier wird üblicherweise ein Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei gefüttert. Das Fleisch kann hier nicht einfach weggelassen werden, da es als Eisen- und Eiweißquelle relevant ist. Ersetzt wird Fleisch durch Hirse oder Hafer, die beide sowohl eisen- als auch eiweißreich sind. In der Regel in Form von eingeweichten Flocken, Hirse kann auch im ganzen gekocht und mit püriert werden. Um die Eisenabsorption zu erhöhen sollte die Mahlzeit außerdem eine Vitamin-C-Quelle enthalten. Viel Gemüsesorten sind sowieso reich an Vitamin C, ansonsten kann Apfel- oder Orangensaft zugegeben werden.

Wie halte ich es nun im Speziellen?

Da der Minimensch ja gegen Kuhmilch allergisch ist, nehme ich Vitamin B12, Folsäure und Jod in Tablettenform (Stillzeitvitamine) weil ich keine Milchprodukte esse. Ansonsten esse ich morgens Hirse im Müsli, allein schon wegen des Haarausfalls und bin daher eisentechnisch hoffentlich versorgt.

Die gerade gestartete Beikost wird vegetarisch sein, also mit Hirse oder Hafer. Zusätzlich werden wir den Getreidebrei am Abend mit Wasser zubereiten. Muttermilch ginge auch, das hindert dann aber natürlich das abstillen. Und Folgemilch, die sonst Verwendung finden würde, scheidet aus, da Kuhmilch-basiert. Eine Zubereitung des Abendbreis mit Wasser ist aber unbedenklich, da die meisten Getreide auch reich an Eiweiß sind.

Später darf der Minimensch dann auch Soja essen und wird daher ganz normal mit uns vegetarisch leben können. Wichtig ist mir allerdings, dass er natürlich Fleisch probieren und für sich selbst entscheiden darf, ob er Fleisch essen will. Ich kann ihm da nur meine Gründe erläutern.