Freitags mit Rentnern 2.0

Heute Einkaufstag mit Ausflug ins Rentnerreservat. Dank 2 Grad und Nieselregen mit dem Auto. Kaum geparkt und dabei den Minimensch in den Mei Tai zu verfrachten, da durfte ich bereits mit anhören, wie die Seniorin, die mitsamt ihres Göttergatten dem Auto neben mir entstieg (Frauenparkplatz natürlich. Aber die Hackordnung auf dem Parkplatz ist wie im Bus. Rentner zuerst, egal was dran steht. Soll der Rollifahrer doch einfach woanders parken.) den selbigen über folgende Tatsachen belehrte : (missbilligenden Tonfall bitte hinzudenken) „Also früher, da packten wir die Babys ja in den Kinderwagen. Da konnten die liegen und schlafen. Heute (deutet zu mir, natürlich nicht unauffällig, mehr so dicker roter Pfeil) packen die Frauen die armen Kinder in solche Dinger. Da sind die dann ganz eingequetscht und ruinieren sich den Rücken.“ Ich atme derweil still für mich langsam ein und aus. Binde den Minimensch fest, ziehe ihm seine Mütze auf. Da folgt Teil 2. „Und dann kam da eine dicke Decke drauf. Und eine Überdecke. Dann mussten die armen kleinen auch nicht frieren. Das da, das holt sich ja noch den Tod.“ Unnötig zu erwähnen, dass der Minimensch zu seinem Leidwesen in mehreren Lagen Kleidung steckte und zudem unter einem Fleececover (danke, Miriam <3) – ich atmete noch einmal, stapfte forschen Schrittes los und war gewarnt. Mal wieder Tag des unverschämten Rentners. Alles klar. Dann auf in den Kampf.

Im Drogeriemarkt erstmal mehrere im Weg stehende und sich gegenseitig Produkte vorlesende ("Guck mal hier Renate, das ist doch dieses Oil of Olaz" – warum machen die das? Um zu zeigen, dass sie noch lesen können?) Omas durch vehementes "Entschuldigung" gefolgt von freundlichem Rempeln mit dem Einkaufswagen aus dem Weg bugsiert und so die Einkaufsgeschwindigkeit direkt mal verdoppelt. Übrigens gammeln immer besonders viele Kaffeklatsch haltende Rentnerclubs direkt vor den Gängen mit Windeln und Babygläschen rum, wo ja eh schon durch Kinderwagen eher wenig Platz ist. Muss auch irgendeine Form von unbekannter Regel sein. In Richtung Kasse einen kleinen Slalom um dorthin strebende rüstige Mitsiebziger gemacht und mich durch zwei geschickte Ausfallschritte noch vor die Dame mit den "nur 2 Teilen" in die Schlange gequetscht und als sie zu einem "Darf ich …" ansetzte einen derart vernichtenden Blick aufgesetzt, dass sie sofort brav wieder in der Schlange einscherte. HARHAR.

Im nachfolgenden Supermarkt mit großer Freude nur ungesundes Zeug und einen Würfel Hefe in den Wagen gepackt und lässig alle missbilligenden Blicke zwischen meinem Chips-Schoki-Sekt-Einkauf, dem Mei Tai und mir an mir abperlen lassen. An der Kasse dann wagte es eine Dame mit lila-grauem Haar mit den Worten : "Ach was ein freundliches Kind, ein Junge oder ein Mädchen?" die Hand nach des Minimenschen Hand auszustrecken. Da hatte sie aber nicht mit mir gerechnet. Mit anfassen kann ich ja gar nicht. Vierteldrehung vollführt und freundlich ihre Frage mit "Das geht sie gar nichts an!" beantwortet. Das Gesicht war Belohnung genug. Gnihihi.

So, noch wer frech werden? Ich bin grad gut in Stimmung.

10 Gedanken zu “Freitags mit Rentnern 2.0

  1. selberschön schreibt:

    „weichei“-)) wenn Sie wüssten wer wir damals unter den Rentnern zu leiden hatten! Vor allem bei der Wohnungssuche… kein Wunder,dass es nun so wenig Kinder gibt. Wir haben nämlich zu wenig bekommen in den Jahren 1980-1990- Kindergarten von 8-12 Uhr,keine Schulen mit Ganztags und vor allem ein extrem kinderunfreundliches Klima. Ehrlich gesagt, find ich es heute schon etwas besser.Bin Jahrgang 55 mit 4 Kindern zwischen 21 und 33 Jahren – .das galt damals fast asozial….dabei sind wir beide Akademiker und alle Kinder studierten /studieren.Ich wollte immer eine schwarze Liste anlegen- für Vermieter und alle die uns das Leben schwer machten 😉
    die sollten dann im Alter auf keinen Fall ehrenamtliche soziale Betreuung bekommen…
    Aber ich weiß schon auch die jungen Familien/Frauen haben es heute nicht leicht.“wie,du bist promovierte Physikerin und willst 2 Jahre bei dem Baby zuhause bleiben…“?(Tochter unter Rechtfertigungsstress)
    Und ich lächele nun auch in jeden Kinderwagen….(Oma geworden!)
    liebe Grüße,selberschön

  2. lotti katzkowski schreibt:

    Tihi. Na, da war wohl wer auf Krawall gebürstet. Gut so!
    Ich frage mich manchmal, ob man nicht auch einfach mal sagen kann, wie unhöflich sie sind und ob man Ihnen in der Kindheit kein Benehmen beigebracht hat. Dabei dann ganz höflich und freundlich, aber bestimmt bleiben. Wär mal spannend.
    LG

  3. Mimperella schreibt:

    Das erinnert mich doch sehr stark an die Mutter des Minimenschen, die im Kinderwagen liegsitzend sehr kritisch die aninmativ brabbelnden Omas beäugte. “ Sie haben aber kein freundliches Kind“ Daraufhin die Mutter der Minimenschenmutter : „Ich wäre auch nicht freundlich, wenn mich jeder anbrabbeln würde oder gar versuchen würde mich anzufassen.“ Unfreundliches Muttersein vererbt sich womöglich dominant 😉

  4. Lottie Kamel schreibt:

    Das ist ja unglaublich frech mit dem Tragen! Aber ich denke, als Mutter muss man sich unglaublich viel anhören und jeder weiss besser, was gut ist für das (fremde) Kind. Aber in aller Öffentlichkeit so hinterrücks belehren…da wäre ich auch wütend geworden. Ich habe diesbezüglich zum Glück noch fast nie schlechte Erfahrungen gemacht, eher so, dass die Leute hilfsbereiter sind, wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin.

    Das mit dem Anfassen finde ich gar nicht schlimm, da sind wir in der Familie (ich stamme aus einer sehr kinderreichen Grossfamilie) und auch sonst im Umfeld sehr locker. Ich sehe das so, dass die (älteren) Leute sich ja freuen über das Kind und meist selber Eltern oder Grosseltern sind und diesbezüglich halt weniger Berührungsängste haben. Wenn sich jemand über das Kind freut und es auch anfasst (gerade an der Hand finde ich ok), finde ich das immer sehr schön und plaudere dann auch gerne mit den Leuten. Weil sie sich so freuen, wenn sie das Kind anschauen dürfen, mit ihm reden etc. Wenn das Kind dann aber reagiert bzw. Angst hat, dann gibt es natürlich kein Anfassen oder Ähnliches ;). Ich hatte auch schon sehr berührende Begegnungen dieser Art (habe ja keine eigenen Kinder, aber arbeite als Kindermädchen) zwischen „alt und jung“, in denen ältere Menschen vor Freude geweint haben oder Tränen der Rührung hatten, weil sie dem Kind die Hand halten konnten oder so.

  5. Cloudpiep schreibt:

    Meine Güte, was bin ich froh, dass ich mit meinem Zwillingswagen immer alle aus dem Weg walzen konnte! Heute muss ich auch höflich drängeln – wieso rotten die sich immer an den engsten Stellen zusammen?
    Und Du hast ja so recht: Anfassen geht gar nicht! Was weiss denn ich, wo die vorher waren – vielleicht in einem verseuchten Wartezimmer? Nett gucken ja, aber „wir gucken mit den Augen, nicht mit den Händen!“ (Das wiederhole ich heute des öfteren im Supermarkt, meine sind jetzt 4 und manchmal sehr wuselig-anstrengend.)
    Lass Dich nicht unterkriegen!

  6. Malina schreibt:

    Uiuiui, das sind ja krasse Rentner bei dir im Einkaufszentrum! Manche Sachen sollte man sich nicht gefallen lassen 🙂 also gerade das Vordrängeln und Lästern. Und humorvoll ist dein Post ja trotzdem noch, finde ich auch gut.

  7. stellamaria schreibt:

    meine Mutter ist genau so, und noch keine Rentnerin 🙂
    schrecklich…
    aber die gesichtskrabbler kennen ich auch.
    ich bin da total ausgerastet.viele waschen sich nämlich nicht ordentlich die Hände.eklig.
    un dann musst ich mir anhören wie unfreundlich ich doch sei, sie wollten ja nur….
    und Rentner finde ich oft unerhört.es ist aber glaube ich nur eine bestimmte Altersspanne..

    liebe grüsse
    stella

  8. DreiPunkteWerk schreibt:

    Leihst du mir mal dein Schätzchen mit MeiTei und lässt mich in deinem Rentnerreservat einkaufen? Das wäre doch mal ein willkommene Abwechslung, wo ich mich immer nur mit besserwissenden Hundebesitzern rumkloppe! Das wär ein Fest… ;-))
    Ich muss jetzt schon Grinsen,
    Kathrin

  9. Cuxgrau schreibt:

    Man glaubt es nicht. Ich habe mich getraut mein Rentnerreservat zu verlassen. Ich war ganz normal im Supermarkt einkaufen. Dabei habe ich die schreienden Minimenschen grosszügig übersehen. Habe um die traschenden Mütter einen Bogen gemacht. Habe gewartet bis die jungen Mütter ihre Partner per Handy informiert haben, welchen Joghurt sie kaufen wollen. Und konnte ganz ohne Beratung von meinem Partner einen Joghurt kaufen. Mache ich was falsch??
    Wie gut das ich schon sooo alt bin und nicht mehr erleben werde, wenn Dein Rentnerdasein beginnt.
    Cuxgrau

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