Me made Mittwoch: Elisalex beta

Gestern habe ich mich mit meiner Freundin L. getroffen und trug dazu das Kleid, das ich zum Teil bei einem Treffen mit L. vor zwei Wochen genäht habe. Ein By hand London Elisalex.
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Es handelt sich praktisch um das Elisalex-Probekleid und es ist mir mal wieder eine Lehre gewesen. Folgende Lektionen habe ich gelernt:
1. Wer zuviel quatscht beim nähen veranstaltet gewaltigen Blödsinn
2. Manchmal sollte ich auch einfach mal den Maßen trauen
3. Wenn anpassen dann ordentlich
4. Zuviel Wut über die eigenen Versäumnisse macht, dass man sein Nähfüßchen verlegt, gründlich.

Achtung, das wird ein langer Post.

Fangen wir ganz von vorn an. Ich war verliebt in Elisalex, seit ich sie bei Dodo zum ersten Mal sah. Wenn Dodo einen Schnitt toll findet, ist die Chance, dass er mir auch gefällt schon relativ hoch. Zudem schien mir, dass das Oberteil den meisten Näherinnen gut gelang – und langärmelige, gut sitzende Kleider gibt es nicht wie Sand am Meer. Ich finde die Silhouette mit diesem stark überzeichneten Tulpenrock wirklich sehr reizvoll.

Relativ klar war mir schon nach Ansicht einiger Versionen im Netz, dass es mit der Länge des Rockteils nicht so ganz einfach ist. Die Dame auf der Schnittzeichnung hat in etwa die Proportionen von Barbie, und das muss sie auch, damit der Rock knielang fällt. De facto ist er bei normal proportionierten Frauen eher wadenlang. Das bedeutet auch, dass das Kleid für die Fotos von By Hand London nicht Originallänge hat – was ich offen gestanden ziemlich unverschämt finde. Ich finde, ein Kleid für Barbies zu konstruieren ist ein recht handfester Konstruktionsfehler, der nicht besser wird, indem man das Kleid dann anpasst und mit diesem irreführenden Foto verkauft. Aber gut, ich war gewarnt und hatte mich vorher ausführlich mit den #nähnerds auf Twitter beraten, wie der Rock zu kürzen sei. Ich habe also direkt aus dem Schnittteil insg. 10cm in der Länge weggefaltet, in dem ich an 5 Stellen horizontal je 2cm rausgenommen hab. Damit ist die Länge für mich perfekt geworden. Soweit so gut. Bis hierhin alles super. Ich nahm also einen Stoff, den ich durchaus mag aber dessen Verlust ich verschmerzen konnte aus dem Regal:

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Ein fein karierter Wollstoff, den ich letztes Jahr im WSV bei alfatex für kleines Geld gekauft habe. Natürlich hatte ich nur 2m, kam aber mit gekürztem Rock easy damit aus.

Und nun begann das Drama durch eine kleine feine Dummigkeit. Ich hatte mich extra neu ausgemessen und dann festgestellt, dass irritierenderweise alle meine Maße zu Größe 10 passen. Das passiert mir NIE. In der Regel habe ich Brust 14, Taille u Schulter 10, Hüfte 12 oder sowas in der Art. Ich hielt mir also das zusammengeklebte vordere Folienschnittteil an, das auch gut aussah. Und dachte mir : Das kann nicht sein, ich geb mal bisschen was zu. (FEHLER) Gedacht getan und in der vorderen Mitte im Bruch 2cm zugegeben (DOPPELFEHLER). Fröhlich alles ausgeschnitten und zu L. zum Nähtreffen gefahren. Dort das Oberteil zusammengenäht, dabei bereits 2 Nähte getrennt wegen Schusseligkeit, anprobiert und *Tusch* es war zu weit, wer hätte das gedacht. Also die Weite grob weggesteckt, angeregt quatschend das ganze an den Prinzessnähten enger genäht, in der Mitte ging ja nicht. (Ohnehin doof!) Den Rock angenäht, alle Nahtzugaben zurückgeschnitten, auseinandergebügelt, nach Hause gefahren.

Am nächsten Abend in freudiger Erwartung – nur noch schnell Reißverschluss rein und Säumen – nochmal angezogen, und stolz dem Gatten präsentiert und dabei entsetzt festgestellt: Jetzt wars um die Brust zu eng. Da war ich wohl im seeligen Nähtreffen-Flow etwas großzügig beim engermachen. Nähte nochmal getrennt, das bisschen an verbliebenem Spielraum noch rausgelassen. Nochmal angezogen, immernoch recht spack. In der Taille aber nun zu weit und die Schulter rutschen runter – wenig verwunderlich, da ich ja durch meine Zugabe in der Mitte den Ausschnitt weiter gemacht hatte. WUTSCHNAUBEND RUMGETRAMPELT. Grummelnd den Reißverschluss eingesetzt, festgestellt, dass ich an den Ärmeln besser etwas zugegegeben hätte und sie nur minimal umnähen konnte, grummelnd die Ärmel gesäumt. Den Saum begradigt und mich dabei nicht gewundert, dass das rückwärtige Rockteil recht schief wirkte. (FEHLER! FEHLER! FEHLER) Inzwischen schon ziemlich in Grummeltrance („MirdochegalichlassdasjetztsoisehnenScheißschnitt) den Blindsaumfuß an die Maschine montiert. Das Kleid gesäumt und dabei den Saum um gut einen Cm verzogen. Das wellig gesäumte Ding anprobiert und selbst in meiner Spiegelung im Fenster gesehen: da stimmt hinten was nicht:

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Irgendwie waren die beiden rückwärtigen Oberteile nicht gleich lang, ich hatte aber den Rock einfach drangenäht und den RV eingesetzt und unten die Schiefe abgeschnitten und gesäumt, OHNE ES ZU MERKEN. Mir ein paarmal kräftig gegen die Stirn gehauen und schlafen gegangen. Vorher allerdings noch festgestellt, dass mein normales Standardzickzackfüßchen nicht mehr aufzufinden war.

Am nächsten Tag das Füßchen überall gesucht und nicht gefunden, dafür war danach das Nähzimmer deutlich ordentlicher.

In den folgenden Tagen ein paar Sachen für den Minimensch genäht und weitere Sachen zugeschnitten, mir 2 Schlafshirts genäht, den nicht zurückkehrende Nähfuß betrauert und neu bestellt. Geflucht.

Als schließlich sogar des Gatten Hosen repariert und alle Minimenschhalstücher mit Kam Snaps versehen waren, mir nichts anderes mehr einfiel, das Drecksding erneut zur Hand genommen. Den Saum getrennt und neu genäht – immernoch verzogen aber weniger schlimm. In den zu weiten Ausschnitt 4 kleine Falten gelegt und mittels RV-Fuß abgesteppt. Das Oberteilfutter per Hand an die Nahtzugaben genäht. Und beschlossen es jetzt dabei zu belassen.
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Es ist ein Probekleid. Es ist Lehrgeld. Ich ziehe es jetzt ein paarmal an, um zu probieren, ob der Schnitt und ich zusammenpassen und dann trenn ich den Rock ab und verpasse ihm einen Bund und guck mal, ob ich den nicht einzeln tragen mag. Der Stoff kratzt eh an den Armen.

Es gibt aber dennoch ein Happy End. Auf der gestrigen Autofahrt zu L. hat sich das Füßchen aus seinem Versteck befreit. Es hatte sich zwischen Kleinteilfach und Freiarm eingeklemmt, als ich bei L. die Maschine auf den Tisch stellt, fiel es unten raus.
Ich glaube Elisalex und ich passen zusammen, allerdings mit 3/4-Ärmel. Ich weiß jetzt, mir würde Gr. 10 fast perfekt passen, ich müsste nur die Schulternaht etwas anheben und die Taille leicht verschmälern. Und beim gestern begonnenen Kleid habe ich brav vorher alle Nahtlinien angemalt, alles ausgemessen und zuerst die Passform anhand des Futters geprüft. So brav bin ich sonst selten.

Was den Schnitt anbelangt komme ich aber auch nicht ohne Kritik aus. Er ist keinesfalls für Durchschnittsfiguren konstruiert. Nicht nur braucht es Beine wie Barbie. Ich trage D-Körbchen. Das ein Schnitt für Körbchengröße D ausgelegt ist, ist eigentlich auch eher ungewöhnlich. Ich verstehe außerdem nicht, warum ein 60cm Reißverschluss vorgesehen ist. Man passt mit dem Kopf so locker durch den Ausschnitt, dass man locker mit 40cm auskommen würde. Ich würde beim nächsten Mal die Rückteile im Bruch zuschneiden und einen kleinen unscheinbaren RV in die Seitennaht machen. Die Anleitung ist sehr detailliert, dafür finde ich die Informationen auf dem Schnittbogen eher dürftig. Keine Angabe zu Nahtzugaben, keine Änderungslinien, keine Angaben wie oft welches Teil aus welchem Stoff zugeschnitten werden soll. Also – ich finde die Idee und die hochwertige Aufmachung schön, aber an den Details besteht noch Luft nach oben.
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Ich werde Elisalex noch eine Chance geben. Wiebkes Kleid, mit dem sie den MMM-Reigen anführt, ist weniger zickig als Elisalex. Dafü aber wunderschön punktig.

9 Gedanken zu “Me made Mittwoch: Elisalex beta

  1. Nina schreibt:

    Sehr ärgerlich, dass das Kleid nicht passt, denn es sehr hübsch geworden und steht Dir super. Das gilt nicht für alle Versionen, die ich bisher gesehen. Anscheinend erfodert der Schnitt einiges Geschick damit er wirklich passt. LG, Nina

  2. Sathiya schreibt:

    Was für ein Abenteuer! 🙂 Sehr schöne Selbstkritik, witzig und amüsant formuliert. Ich habe mich sehr amüsiert und herzlich gelacht.

    Der Stoff ist ganz nett, auch der Schnitt hat bestimmt Potential. 😉 (da langärmelige Kleider nichts für mich sind, gestehe ich eine gewisse Befangenheit und Nichturteilsfähigkeit ein)
    Da schon mal alle Fehler erkannt wurden – kann das nächste Kleid nur besser werden. 😉 Ich bin gespannt! Glücklicherweise ist ja auch das verschollene Nähfüßchen wieder aufgetaucht!

    Für Probestücke nehme ich meistens den einfachen Baumwollstoff von Ikea. Kostet unter 3 Euro pro Meter, und wenn es nicht mehr gebraucht wird, zerschneide ich es zu Putzläppchen. Oder es kommt in die Verkleidungskiste für kleine Mädchen…
    Viele Grüße, Sathiya

  3. Jubilee schreibt:

    Ich finde den Schnitt sehr ansprechend, der Tulpenrock macht eine gute Figur. Die Problemlösung am Halsausschnitt werde ich mir merken, kommt bei mir auch immer mal wieder vor. Hoffentlich kannst Du das Kleid ein paar Mal ausführen.
    LG Heidi

  4. Muriel schreibt:

    Habe mit dem Anna Dress von ByHandLondon ähnlich Erfahrungen gemacht. Auf Grund der mir fehlenden Barbiebeinen musste ich sehr kräftig kürzen 🙂

    Von deinen Bildern her wäre mir nichts negatives an deinem Kleid aufgefallen. Sieht schön aus.

  5. Christel schreibt:

    Au weh …. jetzt hab ich schon soviel Negatives über den Schnitt gelesen, und dabei gefällt mir Elisalex so gut. Danke für Deinen ausführlichen Bericht … omG, Körbchengröße D, da werd ich viel ändern müssen (A!) 😦
    Die Idee, aus dem Kleid einen Rock zu machen, aus dieser ersten Version zu lernen und das Ganze aus einem unkratzigen Stoff noch einmal richtig zu nähen, halte ich für sehr klug, denn Elisalex und Du, ihr werdet bestimmt noch gute Freundinnen.
    Christel

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Allerdings hat Pepita berichtet, dass sie nur wenig über die Seitennähte enger machen musste…. also vielleicht sind die kleineren Größen zusätzlich auch für kleinere Körbchengröße. Wäre zwar auch merkwürdig, aber in dem Fall für dich von Vorteil.

      • Dodosbeads schreibt:

        Elisalex scheint ein „Chamäleon“ zu sein … Ich habe auch Gr 10 genommen, habe wenig “ Holz vor der Hütte “ , aber dafür einen Wikinger Rücken – und Schulterbereich . Und echt jetzt , ich hab ein schlechtes Gewissen , weil Du soviel Pech damit hattest 😦 Den Elisalex Schnitt nur als Rock hab ich übrigens auch schon probiert , einmal total zufrieden und einmal total daneben … Chamäleon , wie ich schon sagte … Ich hoffe , Dein nächster Versuch damit ist 100 %
        LG Dodo

  6. Pepita schreibt:

    Von Körbchengröße D bin ich meilenweit weg! Der Schnitt geht also auf jeden Fall auch für Frauen mit wenig Oberweite. Ich glaube ich habe Gr 0 oder 2 genommen – bei dem Schnitt musste ich ja keine Angst haben, dass es um den Po rum zu eng werden würde… Dir steht das Kleid jedenfalls sehr gut. Die langen Ärmel stören mich allerdings auch etwas, vielleicht reichen schon zwei oder drei cm weniger, aber auch mit dreiviertel Ärmeln – wie du es vorschlägst – kann ich es mir gut vorstellen.
    LG Rita

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