Wochenblicke KW 12 und 13/2014

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Mal wieder muss ein Rückblick für 2 Wochen reichen. Wir waren in den letzten Wochen hier alle ziemlich müde. Es kamen Zähne, dann wuchs das Kind, nun scheint es langsam wieder ruhiger zu werden. Da wir auch so einiges in Wohnung und Garten tun wollten und zudem Besuch hatten, fiel das Fotografieren und bloggen hinten über. Aber wir waren viel im Garten. Ein Tomatenhaus entsteht – aber ist noch lang nicht fertig. Der Minimensch immer dabei mit Eimer und Schüppe, Sonnenhut und Buddelanzug. Im April säen wir Rasen und bald wird die Schaukel aufgebaut. Ich erfreue mich sehr daran, wie langsam alles erblüht (wenn auch eigentlich viel zu früh) und freue mich schon, bald Salat und Radies auszupflanzen.

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Ich habe durchaus auch genäht, allerdings zum Teil für andere. Zum Beispiel für einen frischen Minimensch, der mit Buxe und Mütze begrüßt wurde. Elefantös und hoffentlich gut passend. MannohMann, sind diese Frischlinge klein.

Ansonsten werkele ich an meinem Blazer und verzweifle an den Taschen, die einfach nicht gerade und ordentlich auf das verdammte Ding draufwollen, nach x-Mal trennen sind sie auch schon ziemlich lädiert und ich erwäge, sie wegzulassen. Parallel habe ich den ersten Nessel für meinen geplanten Grundschnitt zugeschnitten und ordentlich markiert. Jetzt ruhen alle Nähprojekte und ich stricke am Jäckchen, das sehr langsam wächst.

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Gelesen habe ich sehr viel und es fällt mir gerade fast schwer, da strukturiert was rauszupicken als Leseempfehlungen.

Beginnen wir mit den Hebammen. Dass hier Handlungsbedarf besteht ist vermutlich jedem außer dem Gesundheitsminister und der ARD-Gesundheitsfachfrau inzwischen klar. Eindringlich unterstrichen und erklärt wird das nochmal hier. Leider scheint die wichtige Aufmerksamkeit, die das Thema verdient, nun leider durch die wirklich dumm angeleierte Aktion auf selbstgeboren.de vom eigentlichen Kern der Sache abgelenkt zu werden. Eindringlich wird hier noch einmal appeliert, dass das Thema zu wichtig ist, um sich spalten zu lassen. Aber selbstgeboren.de – herrje, was für ein selbstgerechter Müll. Ich habe, das klang hier wohl nur am Rande durch, den Minimensch in der 37. Woche per dringend medizinisch indiziertem, geplantem Kaiserschnitt bekommen und fühle mich von einer Aktion wie selbstgeboren.de verhöhnt. Als bräuchte eine Frau, die nicht „vollkommen frei von Intervention“ entbunden hat, keine Hebamme. Ohne eine wirklich brilliante Pränataldiagnostikerin, eine sehr gelassene professionelle Gynäkologin und einen sehr erfahrenen und abwartenden Operateur hätte der Minimensch vermutlich einige Zeit in der Kinderklinik verbracht. Aber ohne Hebammen in der Klinik und in der Nachsorge, hätte ich das Ganze sicher sehr viel weniger gelassen überstanden. Warum dann eine Kaiserschnittgeburt nicht als Unterstützung für Hebammen herangezogen werden darf, ist mir vollkommen unverständlich. Und genauso auch Geburten wie hier, hier, hier und hier geschildert.

Weiter mit dem Thema Vereinbarkeit, zu dem Catherine hier sehr richtig bloggte und zu dem man hier noch einen Vergleich mit den Nachbarn, vorrangig im Norden, die das Ganze offenbar sehr viel besser machen. Und einige Beispiele zu Co-Working mit Kind hier.

Und zuletzt noch was zum lachen: T-Rex trying. Ein großartiger tumblr. Ich habe sehr gelacht.

Frühlingsjäckchen Knitalong: Zweiter Zwischenstand

Beim letzten Zwischenbericht habe ich es nicht geschafft rechtzeitig einen Post fertigzuschreiben und ich war auch etwas über meinen mangelnden Fortschritt bedrückt. Es ist halt der Nachteil, wenn man alle Teile gemeinsam strickt, dass eine Reihe ziemlich ewig dauert und man den Fortschritt nicht so schnell sieht. Zudem bin ich auch keine sehr konsequente Strickerin, wenn ich abends Zeit hab, dann nähe ich eigentlich meist. Wenn wir fernsehen,  was wir ohnehin selten genug tun (zum Glück!), dann bin ich oft so von der Kiste absorbiert, dass ich das Strickzeug in meiner Hand schlicht vergesse. Dennoch, ich habe Fortschritt, wenn auch kleinen und komme derzeit, weil der Mann zuhause weilt, auch öfter untertags zu ein paar Reihen. So sieht es derzeit aus:
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Das Muster strickt sich super und die Wolle (Merino extra fine von Drops in blaulila) mag ich sehr. Ich orientiere mich kaum an der Anleitung,  die ohnehin vor Fehlern strotzt, sondern vergleiche stetig mit meinem Kaufjäckchen. Ich habe etwas Sorge,  dass die fertige Jacke zu weit sein wird, aber ich hoffe jetzt einfach mal…
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Ich bin nun fast an der Stelle, wo die Armlöcher beginnen und wo ich auch den V-Ausschnitt starten werde. Das heißt, ich werde das Gestrickte nun Teilen und ab jetzt Vorderteile und Rückenteil einzeln beenden. Das wird sehr motivierend sein…
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Bei den Ärmeln bin ich noch unentschieden,  ob ich mich an Puffärmeln versuchen soll. Vielleicht ist die Wolle dafür schon latent zu dick? Ich stricke Ärmel gern direkt an, das geht doch mit Puffärmeln gar nicht, oder?
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Ich befürchte außerdem, dass ich Wolle nachbestellen muss, was mir sehr selten passiert. Meist habe ich eher so 2-3 Knäuel über… aber Lanade macht ja jetzt Paypal. Hihi. Da werde ich bestimmt nur genau 2 Knäule nachbestellen, was?

Meike begrüßt uns an diesem herrlichen Sonnentag zum virtuellen Strickkränzchen und ist schon sehr viel weiter als ich und hat auch noch passende Nähpläne.

Solidarische Pluralität statt Konkurrenzkampf

An diesem Artikel denke ich schon lang herum, ich würde sagen schon Monate. Der konkrete Anlass, meine diffusen Gedanken nun mal in einigermaßen geordnete Bahnen zu lenken und niederzuschreiben ist eine Diskussion auf Twitter, die sich vorgestern zum Thema „Vereinbarkeit“ entspann und die auch in Catherines sehr lesenswerten Blogpost zur Notwendigkeit einer „Mütterlobby“ ihren Nachhall findet. Dabei ist mein Post eigentlich keine Replik auf Catherines Beitrag und die verschiedenen Meinungen, die auf Twitter ausgetauscht wurden. Vieles war einfach schon in meinem Kopf und brauchte nur mal ein Ventil.

Ich bin noch nicht besonders lange Mutter und ich bin zudem in der luxuriösen Situation einen sehr verständnisvollen Chef und sehr flexible Arbeitszeiten zu haben. Ich bin deshalb deutlich weniger als andere Bloggerinnen bisher vom Problem der Vereinbarkeit direkt betroffen. Ich kann aber zumindest auf reichlich anschauliche Beispiele aus Bewerbungs- und Berufungsverfahren aus der Uni sowie Erfahrungen im Freundes- und Bekanntenkreis zurückgreifen. Auf Basis dieser Mischung aus Eigen- und Fremderfahrung würde ich sofort jedes Wort zur Diskriminierung von Müttern in Catherines Blogpost unterschreiben. Im Prinzip gehe ich auch mit der Forderung nach einer Mütterlobby d’accord und denke ebenfalls, dass die Interessen von Müttern und Nicht-Müttern sich vermutlich nicht (mehr) sehr stark decken, was einen gemeinsamen feministischen Ansatz in der Tat schwierig erscheinen lässt. Ich möchte, da Catherine außerdem in diesem Bereich erheblich bewanderter ist, als ich, hier auch gar nicht viel hinzufügen. Sie hat Recht.

Ich sehe allerdings weitere Aspekte, die an dem Vereinbarkeitsthema oft mitbesprochen werden, aber eigentlich darüber hinausgehen. Um es ganz kurz zu formulieren, bevor ich detaillierter werde: Die Gesellschaft und Arbeitswelt haben sich in den letzten Jahrzehnten in einer Weise gewandelt, die zu einem Mainstreaming von Lebensentwürfen führt – und zwar hin zu einem möglichst ökonomisch-kapitalistisch „wertvollen“ Lebensentwurf. Und das sage ich als Ökonomin (und ich kann mir die Reaktion sehr vieler Kollegen sehr sehr deutlich vorstellen). Dieses Mainstreaming führt letztlich zu einem Gegeneinanderausspielen von verschiedenen Interessengruppen im Arbeitsmarkt aber eigentlich gesamtgesellschaftlich – wo diese Gruppen sich im Interesse der Gesellschaft besser ergänzen als bekriegen sollten. So, das war jetzt sehr akademisch geschwurbelt und ich versuche mal, das ganze aufzudröseln.

Das für mich immer wieder sichtbare Symptom dieser Grabenkämpfe rund um den „richtigen“ vs. „falschen“ Lebensentwurf ist die sofortige und reflexartige Verteidigungshaltung, die sich aus Kommentaren zu Blogposts, hier und woanders, herauslesen lässt, die sich grob mit dem Themenkomplex „Müttererwerbstätigkeit/Kinderbetreuung/Vereinbarkeit“ beschäftigen. Vor kurzem erst wieder löste ich völlig ungewollt einen Sturm der Entrüstung aus, als ich eigentlich satirisch und keineswegs bierernst über das spezielle soziologische Biotop der Mutter-Kind-Gruppe unter besonderer Berücksichtigung der Tupperparty bloggte. Das ging soweit, dass selbst meine eigene Mutter sich in ihrem Lebensentwurf kritisiert sah – obwohl ich doch nur keine Babyschau-mäßigen-Kinderbespaßungsgruppen mag und mich nicht mit dem von Tupperware transportierten Frauenbild identifizieren kann. Ich habe kurz darüber nachgedacht etwas zu bloggen wie „Hallo, jede wie sie will!!!“ nur um deutlich zu machen, dass ich keinesfalls sagen will, dass es schlecht ist, Hausfrau zu sein. Ganz im Gegenteil, ich kann gut nachvollziehen warum es in vielen Situationen sehr naheliegend und richtig ist, Hausfrau zu werden, gerade mit mehr als einem Kind. Dass hier im Hause Siebenhundertsachen unsere Stellen- und Einkommenssituation nicht so sehr eine_n klare_n Ernährer_in aufweist, ist ja zunächst mal unsere Sache. Ich wollte, und das nur noch mal der Vollständigkeit halber, lediglich transportieren, dass ich das Rollenbild „putzendes, dummes Heimchen am Herd ohne eigene Identität und ökonomische Kompetenz“ für überkommen halte. Leider, und das habe ich mir nicht ausgedacht, treffe ich gar nicht so selten Frauen, die Dinge sagen wie „ach ich kann das große Auto nicht fahren, ich bin ja eine Frau“ oder „ach, mit Gelddingen kenne ich mich nicht aus, das kümmert mich auch nicht, das regelt alles mein Mann, Männer sind in sowas einfach besser“ – da krieg ich die Motten und das sei mir bitte gegönnt, ok?

Was sich aber an dieser Diskussion hier bei mir und bei hunderten anderswo sofort zeigt ist, dass es offenbar eine Front gibt, die zwischen Lebensentwürfen verläuft. In diesem Fall zwischen dem Lebensentwurf zweier erwerbstätiger Partner, die ebenfalls geteilt die Fürsorge für den Nachwuchs übernehmen und dem Lebensentwurf einer klaren Aufgabenteilung mit einem Verdiener und einer Fürsorgerin. Und sobald ein kleiner Tropfen in Form eines Artikels in das Fass platscht – Padauz – läuft es sowas von über, da sind sofort alle in Verteidigungshaltung und es wird schnell sehr persönlich und wenig sachlich. Und zwar in beide Richtungen. Die einen sehen sich argumentativ an die Wand gestellt weil sie zu Hause bleiben, ob nun aus idealistischen oder pragmatischen Gründen. Die anderen fühlen sich angegriffen weil sie ihr Kind früh(er) in eine Betreuung geben und schnell(er) wieder arbeiten gehen. Und wer mal einen Mann, der länger als 2 Monate Elternzeit genommen hat oder sogar Teilzeit arbeitet zu Gesicht bekommt, der wird auf minimale Nachfrage hin absolut unsägliche Geschichten zu hören kriegen, was dieser oder auch wahlweise seine Partnerin sich für Sachen anhören mussten. Da kommt dann schnell wieder die „Kinder gehören zur Mutter“-Totschlagklatsche und schwupps ist die Front wieder klar – geh in deine Ecke du zweitklassiger Mutterersatz.

Genau andersherum verlaufen die Fronten dann in der Arbeitswelt. Da werden Eltern (also Mütter, die arbeiten oder Väter, die auch einen Teil oder die gesamte Fürsorge übernehmen) dann angefeindet, weil sie Vereinbarkeit einfordern, auf feste Feierabendzeiten, planbare Termine, überschaubare Reisetätigkeit pochen (müssen !!!), weil ihre Kinder krank sind oder weil sie in den Schulferien Urlaub brauchen. Schließlich hat man sich das mit den Kindern ja selbst so ausgesucht, das ist Privatsache, was will man dafür eine Extrawurst. Dennoch ist es ja auch verständlich, dass Nicht-Eltern, die damit nicht aufgrund der Kinder auf eine begrenzte Anzahl von Überstunden und Abendterminen pochen können, die bei Urlaub zurückstecken und mehr Flexibilität aufbringen sollen, nicht unbedingt begeistert sind. Schließlich konkurriert man um Jobs und auch in Jobs. Da sorgt Ungleichbehandlung, sei sie nun gerechtfertigt oder nicht, nötig und wichtig oder nicht für böses Blut. Und das ganze lässt sich nicht nur für Eltern vs. Nicht-Eltern, Mütter vs. Nicht-Mütter durchspielen. Natürlich Männer vs. Frauen. Was ist mit Singles vs. Menschen in festen Partnerschaften? Auch da ergeben sich im Job schnell unterschiedliche Interessen, die sich trefflich gegeneinander verwenden lassen. Denn wenn doch der Single flexibler ist, als der Mensch mit Partner, hat er dann nicht auch die Karriere eher verdient? Aber ist nicht umgekehrt ein Mensch mit Partner der langfristig zuverlässigere Arbeitnehmer? Es lässt sich immer ein Gegenentwurf aufmachen. Alte vs. Junge. Bildungshintergrund, Migrationshintergrund, sexuelle Orientierung, Religion – you name it. Was bleibt ist, dass in jeder dieser Situationen Arbeitnehmer gegen Arbeitnehmer, Bürger gegen Bürger positioniert sind. Wir sitzen im gleichen Boot und fahren recht zielstrebig auf den Wasserfall zu und was wir tun, um den Absturz abzuwenden ist in erster Linie auf andere zu zeigen und ihnen zu erklären, sie seien schuld, weil sie ihr Leben falsch gestalten.

Woher kommt das? Warum können wir nicht einfach jede und jeden mit seinem Lebensentwurf stehenlassen, wie er/sie ist? Wenn wir für uns richtig und wichtig finden, uns Erwerbs- und Fürsorgearbeit zu teilen, dann kann ich doch trotzdem einfach mal anerkennen, dass andere aber finden, dass es effizienter oder besser oder einfach pragmatischer ist, das ganze anders zu verteilen. Wenn ich als Mutter eben zeitlich eher unflexibel bin, dann könnte man z.B. anstatt darüber die Nase zu rümpfen einfach mal einen Blick auf meine Augenringe werfen und sich denken „lieber abends arbeiten als ein zahnendes Kind in den Schlaf tragen“. Und wenn jemand sich gegen Kinder entscheidet, dann wird sie oder er da schon Gründe für haben, und vermutlich nicht nur, dass sie alles Geld für sich allein haben wollen (und wenn – kann mir ja auch gleich sein, denn Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich). Vielleicht ist jemand gar unfreiwillig kinderlos. Wäre ich gemein, würde ich unterstellen, dass diejenigen, die ihren Lebensentwurf am lautesten verteidigen selbst am meisten daran zweifeln. Aber ich halte das nicht für die Erklärung.

Ich denke, unsere Arbeitswelt und dem nachfolgend unsere ganze Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren in einer Art und Weise gewandelt, die eine so starke Konkurrenz produziert, dass jede Abweichung von einer gefühlten Norm als „wunder Punkt“ ausgemacht wird und versucht wird, diese dann gegen den/die Konkurrent_in zu verwenden. Unsere Arbeitswelt ist unmenschlich geworden und fordert von uns alles im Leben der Arbeit unterzuordnen. Nach einer ruhigen Verschnaufpause im Kielwasser des sogenannten Wirtschaftswunders und einigen Jahrzehten sozialer Marktwirtschaft, sind wir in unseren Arbeitsverhältnissen erneut in einer Ära der Ausbeutung angelangt. Wobei ich nicht sagen würde, dass wir wieder in Zustände wie zu Zeiten der Industrialisierung zurückfallen. Die Art der Ausbeutung ist eine völlig andere. Denn das schlimme ist, dass heute wir selbst es oft schon in vorauseilendem Gehorsam oder zumindest in fatalistischer Duldung übernehmen, uns bis an unsere Grenzen und darüberhinaus zu belasten. Wir machen uns ein Gutteil unseres Drucks selbst oder eben untereinander. War es in der Feudalgesellschaft und bis zur Industrialisierung doch zumindest so, dass klar zwischen wir hier unten und die da oben unterschieden werden konnte, so sind wir heute eher in einer Zeit der kompetitiven Selbstaubeutung angekommen. Das heißt eben, das Kinder möglichst keinen Einfluss auf die Arbeitskraft haben sollten (vollkommen utopisch) und ansonsten als Schwachstelle gesehen werden. Das heißt auch, dass alt zu sein, krank zu sein, gebunden zu sein, in erster Linie eine Schmälerung der Arbeitskraft und damit eine Mehrbelastung für die Kollegen bedeuten – und da jeder am Limit arbeitet, kann und will man das nicht akzeptieren.

Auf der anderen Seite braucht unsere Gesellschaft dringend Kinder, Ehrenamtliche, Fürsorgende, Erziehende, Betreuende aber auch gut ausgebildetete Fachkräfte, zahlungskräftige Steuerzahler und selbstständig altersvorsorgende Gut-Verdiener. Und so wird uns politisch verordnet, dass wir bitteschön mit links und Kusshand gleichzeitig eine gute Ausbildung bestreiten, früh viele Kinder kriegen, einer steuer- und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, unsere Eltern und Kinder pflegen und uns hier und da und dort engagieren sollen. Und setzt uns damit wiederum unter Druck – lässt uns gesellschaftlich als Versager darstehen, wenn wir nicht all dies und mehr erfüllen – und schafft damit noch mehr Konkurrenz, böses Blut und falsche Erwartungen allerorten.

In meinen Augen sollten wir den Mehrwert der Pluralität erkennen. Sehen, dass wir verschiedene Lebensentwürfe brauchen, damit alle gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen bewältigt werden können. Und uns gemeinsam gegen eine Durchtaktung des Lebens bis ins Privateste, gegen deutlich überzogene Anforderungen an Arbeitnehmer, gegen das Gegeneinanderausspielen zur Wehr setzen. Damit es möglich ist, seine individuellen Präferenzen, Notwendigkeiten und Gegebenheiten in einem förderlichen und anregenden Arbeitsumfeld leben zu können und nicht den eigenen Lebensentwurf der Arbeitswelt unterordnen zu müssen und das dann vereinbaren zu nennen. Wichtige Schritte hier wären für mich: Die Anerkennung und Wertschätzung von Betreuungsarbeit – bezahlter und unbezahlter. Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Orten – viel zu oft wird nur aus Verbohrtheit auf 100% Anwesenheit gepocht. Viel zu oft wird vollkommen gegenstandslos behauptet, ein Job sei nicht in Teilzeit zu machen. Die Reform der Renten- und Pflegeversicherung. Die Abschaffung der Vielzahl an fehlgeleiteten Subventionen und Steuerprivilegien, die nichts bringen aber viel kosten wie etwa das Ehegattensplitting, das Betreuungsgeld, die Begünstigung von Rürup- und Riesterrente,  zugunsten von zukunftsorientierten Konzepten, die Kinder, Bildung und Energiewende fördern, weil dies die wichtigsten Ingredienzen für eine tragfähige zukünftige Gesellschaft sind. Vor allem aber, uns nicht für ein ohnehin nicht tragfähiges und nachhaltiges kapitalistisches Wirtschaftssystem instrumetalisieren und gegeneinamder ausspielen zu lassen.

P.S. ich möchte ausdrücklich hinzufügen, dass ich damit nicht sagen will, dass es keinen Kampf für benachteiligte Gruppen mehr geben sollte. Selbstverständlich brauchen wir eine Elternlobby, natürlich ist der Feminismus nach wie vor wichtig, auch sollten wir dringend etwas gegen Diskriminierung von Ausländern und Menschen mit Behinderung tun. Aber bitte ohne Frontenbildung mitten durch Gruppen, die eigentlich solidarisch miteinander umgehen sollten.

Me made Mittwoch: Alltagsrock

Ich reihe mich noch kurz vor knapp beim Me Made Mittwoch ein, wo jeden Mittwoch viele viele alltägliche und weniger alltägliche selbstgeschneiderte Kleidungsstücke an der Frau zu bewundern sind. Ich habe heute ein absolutes Alltagsoutfit an, dass ich so ca. einmal in zwei Wochen trage, seit ich diesen Rock fertig genäht habe.

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Der Herzchenrock hat sich sehr bewährt. Er ist bequem und bietet viel Bewegungs-, Spiel- und Tobefreiheit, kann sowohl bei der Gartenarbeit als auch auf dem Boden sitzend getragen werden und ist auch nicht ganz schlimm fleckanfällig, da er schön dicht gemustert ist. Er ist auch schnell wieder gewaschen und trocken und braucht – wenn er angetrocknet wurde – nichtmal das Bügeleisen sehen.P1060346

 

Leider ist er mir inzwischen, so wie alles, was ich im letzten Jahr genäht habe, deutlich zu weit. Ich habe, dank einer langen Reihe unruhiger Nächte, in letzter Zeit ein gutes bisschen abgenommen und so sitzt der Rock nun hüftiger als beabsichtigt und schön. Ich binde ihn mit Hilfe des Bindebandes an mir fest und werde erstmal den Knopf im Bund versetzen. Falls das nicht reicht muss wohl doch nochmal der Nahttrenner ran.

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Der Rock ist eigentlich aus Sommerstoff. Da ich aber nur ein recht schweres Satinfutter in ausreichender Menge in schwarz in meinem Lager fand, ist er relativ dick gefüttert, was ihm nicht nur ein sehr nettes Tragegefühl verleiht, sondern ihn seit ca. September zu einem Alle-Wetter-Kleidungsstück machte – richtig Wollrock-Wetter war ja kaum mal. Im schlimmsten Fall muss eine wollige Strickjacke drüber.

Wiebke zeigt heute eine – wohooo – Hose, die zwar ungewohnt aber wirklich schick an ihr ist

Jubiläum

Ich feiere heute ein kleines Jubiläum mit mir selbst. Heute vor einem Jahr habe ich mir zuletzt ein Kaufkleidungsstück gekauft (eine letzte Umstandshose) – außer Unterwäsche, Schlafanzügen, Socken und Strumpfhosen. Seitdem habe ich nur noch gebrauchtes gekauft, auch wenig, ein paar neue Schuhe bekam ich geschenkt, alle anderen kaufte ich ebenfalls gebraucht.

Ich hab nie bewusst gesagt: So, jetzt kauf ich keine Kleidung mehr. Vielmehr hat es sich zufällig ergeben, weil Shopping mit Kleinkind viel schwieriger ist, als nähen mit Kleinkind und einfach auch kein großer Wunsch da war. Ich bin sicher ich werde irgendwann auch mal wieder ein neues Kleidungsstück kaufen, ich habe zum Beispiel keine Ambition Hosen zu nähen, denn ich finde immer gut welche. Dennoch ist es sehr schön festzustellen, dass ich mich weitgehend autark einkleiden kann. Und auch ein Anreiz, auch die Sachen, die ich bisher noch kaufte – Oberteile, Blazer, Strickjacken, Blusen – zukünftig selbst herzustellen oder gebraucht zu kaufen.

Und ich würde sagen, ich habe grob überschlagen so auch ohne gefühlten Verzicht im vergangenen Jahr mehr Geld an Kleidung und Schuhen gespart, als ich für Stoff ausgegeben habe. Und das obwohl ich relativ viel Stoff gekauft habe. Das ist ja irgendwie auch schön. Ressourcen, Nerven und Geldbeutel geschont.

Nun schließe ich zwar keineswegs kategorisch aus, Kaufkleidung zu erwerben, aber man wird ja auch verwöhnt. Es ist reizvoll, von Mode weitgehend unabhängig zu sein, vor allem bei Farben deutlich freiere Hand zu haben. Der Anspruch an Passform und Verarbeitungsqualität steigt massiv. Denn mag ich auch eine #nähschlampe sein (wie in letzter Zeit auf Twitter öfter festgestellt, bin ich damit ja nicht allein, ein Glück) – so arbeite ich doch immernoch ordentlicher als die mittlere Verarbeitungsqualität großer Ketten. Und schließlich hat sich mein Stil auch so weit individualisiert, dass eine Garderobe aus Kaufkleidung aufwändig zu beschaffen wäre. Auch ist es oft unkomplizierter, ein Kleidungsstück wie ich es gerade haben möchte zu schneidern, als genau das Bild aus meinem Kopf in einem Geschäft umgesetzt zu finden. Und das ist eben bei uns #nähnerds die Denkrichtung. Wir sehen ein Kleidungsstück, eine Silhouette, eine Farbe, einen Stilbruch in unserem Kopfkleiderschrank und lassen ihn dann tragbare Realität werden. Vor dem Selbernähen ist die Denkrichtung ja eigentlich genau umgekehrt: Man sieht eine Silhouette, einen Stil, ein bestimmtes Muster im Geschäft, auf der Straße oder in einer Zeitschrift und entwickelt dadurch den Wunsch, das bereits existente Kleidungsstück zu haben.

Allerdings wird ein weiterer Verzicht auf das Kaufen von Kleidung von mir einiges verlangen. Denn auch wenn es hier im Blog anders wirken mag, ich habe gar nicht so wirklich viele selbstgenähte Kleidungsstücke. Eine Sichtung meines aktiv genutzten Kleiderschrankes ergibt einen Mantel, etwa 10 Röcke, die meisten Winter-/Herbströcke, 10 Web-Kleider, mehrheitlich sommerlich, 6 Jersey-Kleider, 2 Schlafshirts und ein Oberteil aus eigener Produktion. Hättet ihr nicht gedacht, was? Ich habe immer mal nicht-getragene Sachen aussortiert, gerade Jerseykleider sind auch irgendwann deutlich abgetragen und fliegen dann raus. Es ist also sehr ersichtlich, dass ich vor allem sehr bald werde tragbare Oberteile nähen müssen. Denn langsam werden viele Kaufoberteile fadenscheinig. Es ist auch nicht so, als hätte ich noch nie versucht ein Oberteil zu nähen. Aber ich finde das wirklich verteufelt schwer. Die Kombi aus richtigem Stoff zum Schnitt und gut sitzender Anpassung fällt mir sehr sehr schwer. Vielleicht suche ich mir mal ein Webstoff-Oberteil. Das hab ich nämlich noch nie probiert. Auch bei Kleidern habe ich noch Bedarf, gerade im Bereich mit langen oder halblangen Ärmeln.

Der Plan für die autarke Garderobe sieht also vor:

1. Oberteile. Jersey und Webstoff sind vorhanden, ein paar Schnittideen auch. Aber es gilt hier noch viel auszuprobieren.

2. Kleider für die Übergangszeit, langärmelige Baumwollkleider, Kleider aus leichteren Anzugstoffen, schickere Jerseykleider wie etwa das Tiramisu-Dress.

3. Jacketts/Kostüme, gerade auch weil sie neue Kombimöglichkeiten bieten.

Weil ich allerdings stark reduzierte Nähzeit habe und mich in letzter Zeit oft geärgert habe, dass ich recht viel ändern musste, schiebe ich vor all dem die Erbastelung eines Grundschnitts ein. Ich möchte gern effizienter und geplanter arbeiten können und denke, ein gut sitzender Grundschnitt, der zum Abgleich stets herangezogen werden kann, ist da ein gutes Werkzeug. Wie ich das mache, berichte ich mal wann anders. Jetzt freue ich mich erstmal, dass ich demnächst meinen ersten selbstgenähten Blazer haben werde.

Veggieblogtag : Kleinkindessen

Ich probiere derzeit so gut wie keine neuen Gerichte aus, weswegen es etwas schwierig ist, den Veggieblogtag wahrzunehmen. Das liegt daran, dass der Minimensch nun mit uns zu Abend isst und wir vollauf damit beschäftigt sind, zu erforschen, welche unserer altbekannten Gerichte er gut mitessen kann.

Die Herausforderung liegt bei uns darin, dass wir nicht nur vegetarisch essen, sondern der Minimensch zusätzlich auch noch allergisch gegen Kuhmilch ist. Das ist gar nicht mal so selten, bleibt aber bei vielen Kindern unerkannt.

Ganz kurz als Hintergrund: Sowohl Laktoseunverträglichkeit als auch Milcheiweißallergie sind unter Säuglingen relativ häufig. Meist allerdings nicht so stark, dass die Ernährung der stillenden Mutter beim Kind eine Reaktion hervorruft. Im Fall von Flaschenernährung gibt es problemlos laktosefreie Formelnahrung, milcheiweißfrei ist sehr viel schwerer. HA-Nahrung reicht oft nicht aus, sojabasierte Nahrung ist auch allergen, immer mit Gensoja produziert, schadstoffbelastet und nierenschädlich. Spezielle ultrahydrolisierte Nahrung aus der Apotheke wird von vielen Kindern verweigert, weil sie biter schmeckt. Der einfache Weg ist, stillen und selbst keine Milch essen. Die Reaktion des Kindes kann sich durch gestörte Verdauung oder Ausschlag zeigen. In unserem Fall rührte der Reflux von einer Milcheiweißallergie. Andere Kinder haben Blähungen über die ersten 12 Wochen hinaus, ungewöhnliche Stühle oder Magenschmerzen. Besteht der Verdacht, wird er zunächst über eine mindestens 2wöchige Ausschlussdiät erhärtet und kann dann per Bluttest letztgültig bestätigt werden. Bei uns führte dies nun dazu, dass ich keine Kuhmilchprodukte aber Ziegen- und Schafskäse sowie Creme fraiche und Sahne esse, der Minimensch darf aber mindestens bis er ein Jahr alt ist gar keine Milchprodukte. Ob Kleinkinder unter einem Jahr Milch kriegen sollten oder nicht ist ohnehin ein umstrittenes Thema, unsere Kinderärztin ist eher dagegen. Milch dient im Rahmen der Kleinkindernährung als Quelle für Jod, B-Vitamine, Kalzium und Proteine. Problematisch zu ersetzen sind nur Jod und B-Vitamine. Kalzium ist in vielen Hülsenfrüchten und Gemüsen, Protein in Getreide und Hülsenfrüchten. B-Vitamine sind in Soja, Sanddorn und Amaranth, Jod kann über moderates Salzen mit Jodsalz und ggf. Fisch in die Nahrung aufgenommen werden.

Der Minimensch isst im Moment morgens Brot, mittags meist gestampftes Gemüse mit Kartoffeln, das ich, wenn’s passt mit Tahin (Protein, Eisen) und Hirse (dito) mische. Abends isst er, soweit möglich eine Babyvariante unseres Essens. Als Zwischenmahlzeiten gibt es Obstbrei mit Hirseflocken. Süßem Obst wie Bananen oder Birnen füge ich Sanddornsaft hinzu, der liefert sehr viel VitaminC für die Eisenaufnahme und B-Vitamine.

Zu jeder Mahlzeit gibt es mindestens eine Komponente, die der Minimensch selbst mit den Fingern essen kann, also z.B. gekochte Gemüsesticks, Rührei, kleine Obststücke, … mir leuchtet es ein, dass Kinder, die früh selbst Lebensmittel kennenlernen dürfen hiervon sensorisch, (mund-)motorisch und auch ernährungstechnisch profitieren. Zwar betreiben wir kein Baby-Led-Weaning (BLW) aber der Minimensch hat sichtbar Spaß daran und das ist ja nie verkehrt.

Ich koche meist für uns alle gemeinsam, gebe aber nur sehr wenig Salz und kein Chili an die Gerichte, Kräuter und andere Gewürze aber schon, nehme dann etwa 250g für den Minimensch weg, koche die noch etwas weicher und würze für uns den Rest mit Salz und Schärfe nach. Das Essen des Minimensch wird dann grob gestampft oder klein geschnitten.

Bisher wurden folgende Gerichte mit großem Appetit weggemampft: westfälische Linsensuppe, Spinat (ohne Rahm) mit Salzkartoffeln und Rührei, indisches Curry, indische Linsensuppe, Linsen-Lauchgratin (ohne Creme fraiche und Käse), Hirseauflauf (ohne Käse), Spaghetti Bolognese, Nudeln mit Gulasch, Orientalische Couscouspfanne, Pfannkuchen mit Apfelmus.

Wir sind sehr beeindruckt, dass der Minimensch offenbar durchaus auf deftiges Essen steht. In der Tat gab es fast nichts, was er nicht mochte, solang es nur bitte nicht allzu sehr nach Brei aussieht und Mama und Papa es auch essen.

Noch ein paar Worte zum Thema Soja und Kinder: Soja soll aus dreierlei Gründen nicht an Säuglinge verfüttert werden: 1. Es gilt als hochallergen, 2. Es soll bei sehr kleinen Menschen nierenschädlich sein, 3. Soja enthält Isoflavone, die die Östrogenrezeptoren besetzen und dadurch potenziell zu Schilddrüsenproblemen führen. Für Erwachsene wurden all diese Faktoren schon vielfach als unbedenklich nachgewiesen. Bei kleinen Kindern findet man widersprüchliche Informationen, während in Deutschland für Kinder unter einem Jahr generell abgeraten wird, haben verschiedene Studien in den USA zu differenzierteren Empfehlungen geführt. Allgemein ist es wohl so, dass Produkte aus der Sojabohne selbst (Sojaschnetzel, Sojaschrot) nur sehr viel weniger Isoflavone enthalten, als fermentierte Soja-Produkte wie Tofu. Wir halten es so, dass wir dem Minimensch kein Tofu, keine Sojamilch geben, stattdessen Mandelmilch. Allerdings kriegt er gelegentlich Sojaschnetzel wenn sie in unserem Essen sind.

Vereinbarkeit – der lang bedachte Nachschlag

Vor ca einer Trillion Monden habe ich den Artikel von Marc Brost und Heinrich Wefing zur Vereinbarkeitslüge und zwei Repliken dazu hier im Wochenrückblick verlinkt und angekündigt, ich hätte dazu auch noch eigene Gedanken. Hatte/habe ich auch, allein, manchmal sind Blog und Leben nicht so gut vereinbar und komplexere Gedanken müssen etwas warten, bis Zeit bleibt, sie zu formulieren.

Ich möchte vor allem zwei Aspekte nochmal genauer betrachten. Zunächst die Frage: welche Art vom Vereinbarkeit streben wir denn eigentlich an? Ist denn überhaupt erstrebenswert, was von den beiden Autoren als nicht-erfüllbares Ideal dargestellt wird? Da wird davon gesprochen, dass man sich schlecht fühlt, wenn man Zeit mit dem Kinde verbringt und zeitgleich mal eben schnell emails checkt, am Laptop sitzt, das Tablet in beruflichen Belangen bedient und dergleichen mehr. Entschuldigung! Das bedeutet also, Vereinbarkeit, wie sie idealerweise ist und nicht erreicht werden kann heißt: rund um die Uhr im Dienst und zeitgleich immer ein toller Vater/Mutter sein. Nun, es braucht keinen akademischen Abschluss um zu erkennen, dass diese Rechnung auf mehr als einer Ebene falsch ist. Das Problem liegt hier, finde ich, keinesfalls beim Elternsein, das ist nichtmal eine echte Frage von Vereinbarkeit, sondern vielmehr geht es hier um eine grundsätzlich Aufweichung der Trennung von Arbeitszeit und – wie auch immer genutzter – Privatzeit. Es ist sicher inzwischen ein Faktum, dass sehr viele Arbeitnehmer sich direkt oder indirekt verpflichtet fühlen, auch abends und am Wochenende erreichbar zu sein, auch zu reagieren, und so ihre Privatzeit in home office mit Freizeitanteilen zu verwandeln. Allein: wollen wir das? Sollten wir das zulassen? Müssen wir das mitmachen? Sagen wir es zusammen: „NEIN! NEIN UND NOCHMALS NEIN!“ Es ist vielleicht so, dass (den meisten) Eltern die Privatzeit heiliger ist, als (den meisten) Nicht-Eltern. Aber ich halte es für fatal, die schleichende Verberuflichung der Privatzeit als eine Frage der Vereinbarkeit zu kommunizieren. Es gibt gute Gründe, warum wir Anspruch auf Urlaub, Wochenende und Feierabend haben. Auch für den Arbeitgeber. Wir sind Menschen und wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir brauchen unsere Freizeit, damit wir gute Arbeit leisten, kreativ sein, motiviert sein und verantwortungsbewusst handeln können. Niemand, ob nun Eltern oder nicht, sollte die leichtfertig aufgeben. Und auch wenn „das erwartet wird“ und „heutzutage selbstverständlich ist“ , „man anders eben nicht Karriere machen kann“ lohnt es sich doch vielleicht, hier schärfere Grenzen zu ziehen, einfach mal das Mailprogramm oder gar das ganze Handy auszumachen. Vielleicht geht dann die – berufliche – Welt ja gar nicht unter, wer weiß? Und wenn jeder hier wieder deutlicher NEIN sagte, könnte auch keine anderslautende Erwartung mehr befüttert werden. Und das gilt eben für alle. Echte Privatzeit ohne beruflichen Druck im Hinterkopf ist natürlich gut für Eltern und Kinder, aber eben auch für jeden anderen.

Der zweite Aspekt betrifft die Gruppe, die mit dem Artikel und mit den meisten zu dem Thema angesprochen wird. Es wirkt, wenn man sich diesen und das gros der anderen Artikel durchliest so, als sei Vereinbarkeit primär ein Problem von besserverdienenden Akademikerpärchen. Da will die Frau eben gern auch beruflich erfolgreich sein und der moderne gebildete Mann von Welt möchte gern am Leben der Kinder teilnehmen, aber beide fühlen sich davon überfordert, ausgelaugt, gestresst. All diese Erwartungen und diese Ideale. Ich darf darüber spotten, denn wir sind ein Akademikerpärchen, wenn auch leider noch drin in der Akademie und daher eher nicht besser aber eben auch nicht schlecht verdienend. Was für meinen Geschmack viel zu oft außen vor bleibt ist, dass Vereinbarkeit weit wichtiger, essentieller, ja oft überlebenswichtig für andere Gruppen ist. Denken wir an all die vielen vielen Paare, für die die Berufstätigkeit beider Partner zum Broterwerb zwingend erforderlich ist. Manchmal in mehr als einem Job. Da geht es nicht um Ideale, die es zu erfüllen gilt. Da geht es darum, seine Kinder gut versorgt zu wissen und zwar dann wenn man selbst dafür sorgen kann, aber eben auch zu anderen Zeiten. Denken wir an Mütter und Väter im Schicht- und Bereitschaftsdienst, die eben oft am Wochenende, am Abend arbeiten. Und zwar nicht mit dem Tablet oder dem Handy mal eben nebenher von zuhause. Das sind die Menschen, für die bessere, zuverlässige Kinderbetreuung und eine deutlich verbesserte politische Unterstützung von Familien wirklich dringend notwendig wäre. Noch mehr für Alleinerziehende. Da erscheinen dann doch die Probleme der Herren etwas in anderem Licht. Und gerade als Journalisten sollten sie doch zumindest um die Probleme von Freiberuflerinnen wissen, die eben tatsächlich immer und gleichzeitig nie im Dienst sind. Und Selbständige… hier finden sich ja auch etliche darunter, die gerade weil die Arbeitgeber so wenig familienfreundlich sind nun selbständig sind, weil es eben nicht anders ging, weil Vereinbarkeit in vielen Unternehmen, der akademischen Welt und auch bei vielen öffentlichen Arbeitgebern ein Fremdwort ist. Und für all diese Gruppen ist insbesondere wünschenswert, was natürlich und zurecht auch wir besserverdienenden Akademikerpärchen uns wünschen: gesellschaftlicher und politischer Druck hin zu familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen. Und zwar für alle. Und da denkt man eben schnell an die 32-Stunden-Woche für Eltern. Und an flexiblere Arbeitszeiten und -orte. Und an Arbeitsplatznahe Kinderbetreuung, die keine logistischen Meisterleistungen vom Eltern fordert, um morgens die Kinder abliefern und dennoch pünktlich zur Arbeit kommen zu können. Und an finanzielle Unterstützung für Haushalts- und Betreuungsdienstleistungen. Damit Eltern egal welchen Berufs, Geschlechts und Arbeitsumfeldes die Freiheit haben, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und die Gewissheit, dass es ihren Kindern in der Zeit in der sie nicht mit ihnen zusammen sind ebenfalls gut geht.

Blazernähen: #nähnerdrat dringend erbeten

Ich arbeite hier langsam und still an meinem Probeblazer, der hoffentlich ein tragbares Probeteil wird (der Stoff war sehr günstig, ich könnte eine Bruchlandung verschmerzen). Nachdem ich das ganze ewig prokrastiniert habe, weil ich keine Lust auf Einlage bügeln und Futter zuschneiden hatte, ist der Stand der Dinge dieser:

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Ich habe die Fotos sehr stark aufgehellt, damit die Schnittführung trotz dunkelblauen Stoffs und novembrigen Lichts erkennbar ist.

Hier die technische Zeichnung:
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Ich will die Brusttaschen weglassen, gerade deshalb ist wichtig, dass der Brustabnäher richtig sitzt. Ich würde mich sehr über fachkundigen Rat freuen!

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Hier habe ich nochmal in weiß angemalt, wo er derzeit sitzt und in rot den Brustpunkt und wohin ich ihn versetzen würde. Ich habe eine bisschen Angst, dass ich aus der Kleidererfahrung heraus vielleicht overfitting betreibe. Also denkt ihr auch, ich sollte den Abnäher nach innen versetzen und kürzen?

Hier noch ein weiteres Foto.

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Weiteren Änderungsbedarf sehe ich im oberen Rücken. Das ist ein Standard bei mir und ich würde ihn über die Mittelnaht korrigieren, also hier die Beule wegnehmen.

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Ein wenig werde ich im Hüftbereich aus den Seitennähten und den Abnähern rauslassen.

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Unschlüssig bin ich, weil das Teil recht viel Platz unter den Armen hat, auch das kenne ich von Kleidern. Andererseits soll ein Jackett ja auch noch ein wenig Platz für was drunter lassen. Was denkt ihr, sollte ich hier was rausnehmen? Oder so lassen?

Brot im Topf backen – ein Update

Vor etwa 3 Jahren habe ich begonnen, mich intensiv mit dem Backen von Brot auseinanderzusetzen. Meine Versuche waren allerdings immer nur eher zufällig gut und so war unser Brot eben manchmal selbst gebacken und öfter gekauft. Das Dilemma dabei ist etwa das folgende: Mit häuslich-stümperhaften Mitteln kann man immer nur 2 der 3 erstrebenswerten Eigenschaften von Brot erreichen.  Diese sind für mich: 1. Möglichst viel Vollkorn, 2. Leckere Kruste innen schön locker, 3. Hält sich gut und bleibt lang saftig.

Die Alternativen, die sich bieten sind dabei folgende:

1. Das inzwischen sehr bekannte Brot aus dem Topf: Kruste und Geschmack sind sehr gut, funktioniert aber nicht so gut mit Vollkorn, dann ist es nämlich recht trocken und fest.

2. Sauerteigbrot: Neben der Tatsache, dass Sauerteig etwas zickiger ist, regelmäßig gehegt und gepflegt werden möchte, erfüllt diese Variante die Kategorien haltbar und Vollkorn, aber nicht die Kruste und locker Option.

3. Hefebrot mit kürzerer Gehzeit und etwas Zucker: Unkompliziert und geht auch aus Vollkorn, hält aber schlecht und wird auch nicht besonders knusprig.
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Letztlich brauchte es viel probieren und … einen Römertopf bis ich das für uns perfekte Brot raushatte. Der Römertopf ist wirklich ideal, noch viel besser als gusseiserner Topf, wie beim Topfbrot empfohlen. Der Topf selbst ist innen glasiert und braucht nichtmal Fett, maximal ein wenig Mehl, damit das Brot nicht klebt, der Deckel ist aber unglasiert, wird angefeuchtet und sorgt dadurch für die ultimative Kruste. Der einzige Nachteil: das Ding ist riesig. Da muss man direkt mindestens 1 Kilo Brot backen, eher mehr, sonst erhält man einen knusprigen leckeren Fladen. Schon länger suche ich nach einem gebrauchten kleinen Römertopf. Die gibt es zwar, aber sehr viel seltener als die große Variante, in die ein riesiger Braten reinpassen würde. Solang back ich Riesenbrote, da der Minimensch nun ja auch welches isst, steigt ja der Verbrauch. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich nun wieder sehr regelmäßig selbst backe.
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Und so gehts:

550g Dinkelvollkornmehl
100g Roggenvollkornmehl
100g Dinkelmehl 1050
2 EL Honig
1 Würfel Hefe
1 EL Salz
2 EL Brotgewürz
Insg. 5 Handvoll Körner, hier sehr beliebt: Sonnenblumenkerne und Haferflocken, Haferflocken und Amaranth
Wasser

Das Mehl in eine große Schüssel geben, mit der Faust eine Kuhle reindrücken, hier hinein den Honig und die grob zerbröselte Hefe geben, die Kuhle mit warmemWasser füllen und das ganze 30 Min vorgehen lassen.

Dann Salz, Gewürz und Körner zugeben. Mit dem Kochlöffel unterrühren und nach und nach soviel Wasser zugeben, das der Teig gerade so klebt. Also genau etwas mehr Wasser als an Pizzateig oder klassisches Hefebrot kommt, das ja ohne zu kleben mit der Hand geknetet werden sollte. Unser Teig klebt an den Fingern, sollte aber nicht flüssig werden. Das sind ca 450ml Wasser, aber es kommt aufs Mehl an. Nur mit dem Kochlöffel unterrühren, nicht kneten.

Nun lässt man das ganze in der Schüssel 2 Std stehen, etwas mehr schadet nicht, weniger schon.

Dann wirft man den Ofen an, auf 200 Grad und stellt den Römertopf mit zum aufheizen rein, unterste Schiene. Derweil kommt das Brot auf die sehr gut gemehlte Arbeitsplatte und wird zusammengefaltet, erst einmal von hinten nach vorn umschlagen, dann die Seiten, zum Schluss die Vorderkante drüber. Ein Küchenhandtuch drüber und in Ruhe lassen.

Wenn Ofen und Römertopf heiß sind, nimmt man den Römertopf aus dem Ofen, stellt ihn nah an das gegangene Brot, das hat sich inzwischen wieder deutlich geplättet, ist aber nicht schlimm, denn es wird jetzt nochmal gefaltet und dann hopplahopp sofort mit Schwung und der Naht nach unten in den Römertopf bugsiert. Wenn es dabei etwas derangiert wird, ist das nicht weiter schlimm. Nun noch ganz schnell etwas Wasser im Deckel rumschwenken und wieder ausgießen. Flott Deckel wieder drauf und ab in den Ofen.

45 Min mit geschlossenem Deckel backen, OHNE REINGUCKEN!! Dann den Deckel abnehmen, die Temperatur auf 180 Grad runterstellen und nochmal 15 Min backen.
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Vermutlich geht das Ganze auch in einem Bräter, aber nicht so toll, weil der Deckel nicht befeuchtet werden kann.

In den letzten Wochen ist mir gleich mehrfach der Sonntagskuchen verunglückt, so dass ich mich nicht bei Monikas schöner Kaffeetafel einreihen konnte. Aber heute kann ich mal mitmachen bei „Statt Sonntagskuchen“ in der Fastenzeit.

Wochenblicke KW 10 und 11/2014

Oh, ganz schön ruhig hier, letzte und vorletzte Woche. Lag wohl an einer geradezu schicksalhaften Kombination aus erst Herr Siebenhundertsachen verreist, dann Besuch, dann nochmal Besuch (beide Omas des Minimenschen gaben sich die Klinke in die Hand), gleichzeitig Zahn 5 und 6, wenig und unruhiger Schlaf und zudem war ich auch noch zweimal in einer Woche arbeiten. Deshalb wurde auch nur wenig fotografiert. Immerhin, seit ein paar Tagen hat Herr Siebenhundertsachen Elternzeit, der Minimensch seinen Schlaf weitgehend wiedergefunden und ich habe meine Prüfungen abgehalten und kann jetzt noch 3 Wochen verschnaufen, bevor mich der Ernst des Working Mum-Lebens dann mit voller halber Härte trifft.
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Ich habe einen Buddelanzug genäht, der auch schon ausführlich getestet und für gut befunden wurde. Außerdem ein geheimes Geheimprojekt, das ich bald mal zeigen kann. Ich habe außerdem *Tuschundtratra* die Einlage auf die Blazerschnittteile gebügelt und das Futter zugeschnitten. Vielleicht geht es damit also nun mal weiter. Wär ja schön, er fehlt mir jetzt schon. Ich hab auch noch 2- 346482928 andere Nähpläne im Kopf, aber da muss ich einfach geduldig sein. Ein wenig strickte ich am Frühlingsjäckchen, aber noch nicht sehr sehr viel. Das Ding wächst nur sehr verhalten, ich vergesse schlicht oft, es zur Hand zu nehmen, wenn ich gerade eh heumsitze und fernsehe oder mich unterhalte.

Der Minimensch isst jetzt Familienessen und darf auch immer alles anfassen und versuchen selbst in den Mund zu befördern. Spiel, Spaß und viel Putzarbeit, aber is ja wichtig und so. Diese modernen Methoden der Kinderaufzucht machen ganz schön Dreck, tststs. Außerdem ist er gewachsen und kann jetzt an lauter Sachen dran, die noch nicht kindersicher waren, wir sind da nicht so die early adopter. Aber man lernt halt mit dem Kinde mit, nicht wahr?
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Im Garten wurde ordentlich was umgegraben, die Staudenbeete geharkt („Was sollen die Nachbarn sonst sagen?“), viel Laub gekehrt und einige Gartenzwerge entsorgt, und Pläne geschmiedet natürlich. Tolle Pläne, was sonst. Der Grill ist auch schon da, also von mir aus kann’s losgehen. Leider ist das Wetter jetzt eher wieder nach wärmerer Verpackung.
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Die Tage des Mai Teis sind allerdings gezählt, rausgewachsen, nicht mehr spannend genug, nicht gut für Mamas Rücken. Eine Kiepe wird wohl in Kürze einziehen müssen.
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Ich habe außerdem gleich zweimal geschafft ein recht perfektes Brot zu backen – dazu in Kürze mehr.
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Und nunja, was soll man in der lesenwert-Rubrik alles unterbringen? Ganz schön was los in der Welt und der Timeline und den Nachrichten und überall. Ich habe vorrangig aktuelle Nachrichten gelesen. Daher bleibe ich dir Links heut mal schuldig.