Veggieblogtag : Kleinkindessen

Ich probiere derzeit so gut wie keine neuen Gerichte aus, weswegen es etwas schwierig ist, den Veggieblogtag wahrzunehmen. Das liegt daran, dass der Minimensch nun mit uns zu Abend isst und wir vollauf damit beschäftigt sind, zu erforschen, welche unserer altbekannten Gerichte er gut mitessen kann.

Die Herausforderung liegt bei uns darin, dass wir nicht nur vegetarisch essen, sondern der Minimensch zusätzlich auch noch allergisch gegen Kuhmilch ist. Das ist gar nicht mal so selten, bleibt aber bei vielen Kindern unerkannt.

Ganz kurz als Hintergrund: Sowohl Laktoseunverträglichkeit als auch Milcheiweißallergie sind unter Säuglingen relativ häufig. Meist allerdings nicht so stark, dass die Ernährung der stillenden Mutter beim Kind eine Reaktion hervorruft. Im Fall von Flaschenernährung gibt es problemlos laktosefreie Formelnahrung, milcheiweißfrei ist sehr viel schwerer. HA-Nahrung reicht oft nicht aus, sojabasierte Nahrung ist auch allergen, immer mit Gensoja produziert, schadstoffbelastet und nierenschädlich. Spezielle ultrahydrolisierte Nahrung aus der Apotheke wird von vielen Kindern verweigert, weil sie biter schmeckt. Der einfache Weg ist, stillen und selbst keine Milch essen. Die Reaktion des Kindes kann sich durch gestörte Verdauung oder Ausschlag zeigen. In unserem Fall rührte der Reflux von einer Milcheiweißallergie. Andere Kinder haben Blähungen über die ersten 12 Wochen hinaus, ungewöhnliche Stühle oder Magenschmerzen. Besteht der Verdacht, wird er zunächst über eine mindestens 2wöchige Ausschlussdiät erhärtet und kann dann per Bluttest letztgültig bestätigt werden. Bei uns führte dies nun dazu, dass ich keine Kuhmilchprodukte aber Ziegen- und Schafskäse sowie Creme fraiche und Sahne esse, der Minimensch darf aber mindestens bis er ein Jahr alt ist gar keine Milchprodukte. Ob Kleinkinder unter einem Jahr Milch kriegen sollten oder nicht ist ohnehin ein umstrittenes Thema, unsere Kinderärztin ist eher dagegen. Milch dient im Rahmen der Kleinkindernährung als Quelle für Jod, B-Vitamine, Kalzium und Proteine. Problematisch zu ersetzen sind nur Jod und B-Vitamine. Kalzium ist in vielen Hülsenfrüchten und Gemüsen, Protein in Getreide und Hülsenfrüchten. B-Vitamine sind in Soja, Sanddorn und Amaranth, Jod kann über moderates Salzen mit Jodsalz und ggf. Fisch in die Nahrung aufgenommen werden.

Der Minimensch isst im Moment morgens Brot, mittags meist gestampftes Gemüse mit Kartoffeln, das ich, wenn’s passt mit Tahin (Protein, Eisen) und Hirse (dito) mische. Abends isst er, soweit möglich eine Babyvariante unseres Essens. Als Zwischenmahlzeiten gibt es Obstbrei mit Hirseflocken. Süßem Obst wie Bananen oder Birnen füge ich Sanddornsaft hinzu, der liefert sehr viel VitaminC für die Eisenaufnahme und B-Vitamine.

Zu jeder Mahlzeit gibt es mindestens eine Komponente, die der Minimensch selbst mit den Fingern essen kann, also z.B. gekochte Gemüsesticks, Rührei, kleine Obststücke, … mir leuchtet es ein, dass Kinder, die früh selbst Lebensmittel kennenlernen dürfen hiervon sensorisch, (mund-)motorisch und auch ernährungstechnisch profitieren. Zwar betreiben wir kein Baby-Led-Weaning (BLW) aber der Minimensch hat sichtbar Spaß daran und das ist ja nie verkehrt.

Ich koche meist für uns alle gemeinsam, gebe aber nur sehr wenig Salz und kein Chili an die Gerichte, Kräuter und andere Gewürze aber schon, nehme dann etwa 250g für den Minimensch weg, koche die noch etwas weicher und würze für uns den Rest mit Salz und Schärfe nach. Das Essen des Minimensch wird dann grob gestampft oder klein geschnitten.

Bisher wurden folgende Gerichte mit großem Appetit weggemampft: westfälische Linsensuppe, Spinat (ohne Rahm) mit Salzkartoffeln und Rührei, indisches Curry, indische Linsensuppe, Linsen-Lauchgratin (ohne Creme fraiche und Käse), Hirseauflauf (ohne Käse), Spaghetti Bolognese, Nudeln mit Gulasch, Orientalische Couscouspfanne, Pfannkuchen mit Apfelmus.

Wir sind sehr beeindruckt, dass der Minimensch offenbar durchaus auf deftiges Essen steht. In der Tat gab es fast nichts, was er nicht mochte, solang es nur bitte nicht allzu sehr nach Brei aussieht und Mama und Papa es auch essen.

Noch ein paar Worte zum Thema Soja und Kinder: Soja soll aus dreierlei Gründen nicht an Säuglinge verfüttert werden: 1. Es gilt als hochallergen, 2. Es soll bei sehr kleinen Menschen nierenschädlich sein, 3. Soja enthält Isoflavone, die die Östrogenrezeptoren besetzen und dadurch potenziell zu Schilddrüsenproblemen führen. Für Erwachsene wurden all diese Faktoren schon vielfach als unbedenklich nachgewiesen. Bei kleinen Kindern findet man widersprüchliche Informationen, während in Deutschland für Kinder unter einem Jahr generell abgeraten wird, haben verschiedene Studien in den USA zu differenzierteren Empfehlungen geführt. Allgemein ist es wohl so, dass Produkte aus der Sojabohne selbst (Sojaschnetzel, Sojaschrot) nur sehr viel weniger Isoflavone enthalten, als fermentierte Soja-Produkte wie Tofu. Wir halten es so, dass wir dem Minimensch kein Tofu, keine Sojamilch geben, stattdessen Mandelmilch. Allerdings kriegt er gelegentlich Sojaschnetzel wenn sie in unserem Essen sind.

2 Gedanken zu “Veggieblogtag : Kleinkindessen

  1. schildkroete schreibt:

    So ähnlich haben wir das auch gemacht, allerdings ging/geht bei uns Lactose. essen „mit allen Sinnen“ haben unsere Kinder auch sehr geliebt, eine Zeitlang hatten wir einen „Nudelfingertag“, da durfte ein Nudelgericht komplett mit den Fingern gegessen werden, das haben unsere Beiden geliebt. Was ich toll finde ist, dass beide Kids (mittlerweile Teenies) immer noch sehr gerne Hirse- und z.B auch Grünkerngerichte essen.
    Herzliche Grüße
    Sabine

  2. Lottie Kamel schreibt:

    Das klingt toll, wie du das machst! Und bestimmt ist es nicht ganz einfach, so ohne Milchprodukte zu kochen bzw. darauf zu achten.

    Vor allem sehr schön ist aber, dass ihr ihn „euer“ Essen mitessen lässt. Ich kann das nämlich nicht verstehen, wie in so vielen Familien einfach so schnell resigniert und nur noch Kindergerichte gekocht werden. Die dann auch noch, notabene, genau so gemacht werden müssen wie es die Mutti macht, alles andere wird nicht gegessen. Das ist einfach nur mühsam und ich könnte zig Geschichten darüber erzählen. In zwei Familien, in denen ich als Kindermädchen arbeite, ist das leider so und ich koche sehr gerne, aber das finde ich einfach nur langweilig und mühsam, vor allem weil ich sonst kaum nach Rezept koche.

    Als Gegenbeispiel: ich war mit meiner Nichte (5) gestern in einem tollen Vegirestaurant. Sie ass, wie ihr kleiner Bruder, von Anfang an alles (aber vegetarisch), natürlich salz und schärfereduziert am Anfang und kein Zucker etc. Sie hat keinen Kinderteller bestellt sondern gesundes Essen vom Buffet genommen und auch eher „abenteuerliches“. Wann immer ich für sie und den Neffen koche (wir wohnen im selben Haus 😉 essen sie es, ob Linseneintopf mit Broccoli oder auch schärfere Curries. Das ist so schön und unkompliziert !Viele Kinder mögen nämlich „spezielle“ Sachen wie Lachs oder Oliven, die Eltern geben es ihnen einfach nicht…

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