Jubiläum

Ich feiere heute ein kleines Jubiläum mit mir selbst. Heute vor einem Jahr habe ich mir zuletzt ein Kaufkleidungsstück gekauft (eine letzte Umstandshose) – außer Unterwäsche, Schlafanzügen, Socken und Strumpfhosen. Seitdem habe ich nur noch gebrauchtes gekauft, auch wenig, ein paar neue Schuhe bekam ich geschenkt, alle anderen kaufte ich ebenfalls gebraucht.

Ich hab nie bewusst gesagt: So, jetzt kauf ich keine Kleidung mehr. Vielmehr hat es sich zufällig ergeben, weil Shopping mit Kleinkind viel schwieriger ist, als nähen mit Kleinkind und einfach auch kein großer Wunsch da war. Ich bin sicher ich werde irgendwann auch mal wieder ein neues Kleidungsstück kaufen, ich habe zum Beispiel keine Ambition Hosen zu nähen, denn ich finde immer gut welche. Dennoch ist es sehr schön festzustellen, dass ich mich weitgehend autark einkleiden kann. Und auch ein Anreiz, auch die Sachen, die ich bisher noch kaufte – Oberteile, Blazer, Strickjacken, Blusen – zukünftig selbst herzustellen oder gebraucht zu kaufen.

Und ich würde sagen, ich habe grob überschlagen so auch ohne gefühlten Verzicht im vergangenen Jahr mehr Geld an Kleidung und Schuhen gespart, als ich für Stoff ausgegeben habe. Und das obwohl ich relativ viel Stoff gekauft habe. Das ist ja irgendwie auch schön. Ressourcen, Nerven und Geldbeutel geschont.

Nun schließe ich zwar keineswegs kategorisch aus, Kaufkleidung zu erwerben, aber man wird ja auch verwöhnt. Es ist reizvoll, von Mode weitgehend unabhängig zu sein, vor allem bei Farben deutlich freiere Hand zu haben. Der Anspruch an Passform und Verarbeitungsqualität steigt massiv. Denn mag ich auch eine #nähschlampe sein (wie in letzter Zeit auf Twitter öfter festgestellt, bin ich damit ja nicht allein, ein Glück) – so arbeite ich doch immernoch ordentlicher als die mittlere Verarbeitungsqualität großer Ketten. Und schließlich hat sich mein Stil auch so weit individualisiert, dass eine Garderobe aus Kaufkleidung aufwändig zu beschaffen wäre. Auch ist es oft unkomplizierter, ein Kleidungsstück wie ich es gerade haben möchte zu schneidern, als genau das Bild aus meinem Kopf in einem Geschäft umgesetzt zu finden. Und das ist eben bei uns #nähnerds die Denkrichtung. Wir sehen ein Kleidungsstück, eine Silhouette, eine Farbe, einen Stilbruch in unserem Kopfkleiderschrank und lassen ihn dann tragbare Realität werden. Vor dem Selbernähen ist die Denkrichtung ja eigentlich genau umgekehrt: Man sieht eine Silhouette, einen Stil, ein bestimmtes Muster im Geschäft, auf der Straße oder in einer Zeitschrift und entwickelt dadurch den Wunsch, das bereits existente Kleidungsstück zu haben.

Allerdings wird ein weiterer Verzicht auf das Kaufen von Kleidung von mir einiges verlangen. Denn auch wenn es hier im Blog anders wirken mag, ich habe gar nicht so wirklich viele selbstgenähte Kleidungsstücke. Eine Sichtung meines aktiv genutzten Kleiderschrankes ergibt einen Mantel, etwa 10 Röcke, die meisten Winter-/Herbströcke, 10 Web-Kleider, mehrheitlich sommerlich, 6 Jersey-Kleider, 2 Schlafshirts und ein Oberteil aus eigener Produktion. Hättet ihr nicht gedacht, was? Ich habe immer mal nicht-getragene Sachen aussortiert, gerade Jerseykleider sind auch irgendwann deutlich abgetragen und fliegen dann raus. Es ist also sehr ersichtlich, dass ich vor allem sehr bald werde tragbare Oberteile nähen müssen. Denn langsam werden viele Kaufoberteile fadenscheinig. Es ist auch nicht so, als hätte ich noch nie versucht ein Oberteil zu nähen. Aber ich finde das wirklich verteufelt schwer. Die Kombi aus richtigem Stoff zum Schnitt und gut sitzender Anpassung fällt mir sehr sehr schwer. Vielleicht suche ich mir mal ein Webstoff-Oberteil. Das hab ich nämlich noch nie probiert. Auch bei Kleidern habe ich noch Bedarf, gerade im Bereich mit langen oder halblangen Ärmeln.

Der Plan für die autarke Garderobe sieht also vor:

1. Oberteile. Jersey und Webstoff sind vorhanden, ein paar Schnittideen auch. Aber es gilt hier noch viel auszuprobieren.

2. Kleider für die Übergangszeit, langärmelige Baumwollkleider, Kleider aus leichteren Anzugstoffen, schickere Jerseykleider wie etwa das Tiramisu-Dress.

3. Jacketts/Kostüme, gerade auch weil sie neue Kombimöglichkeiten bieten.

Weil ich allerdings stark reduzierte Nähzeit habe und mich in letzter Zeit oft geärgert habe, dass ich recht viel ändern musste, schiebe ich vor all dem die Erbastelung eines Grundschnitts ein. Ich möchte gern effizienter und geplanter arbeiten können und denke, ein gut sitzender Grundschnitt, der zum Abgleich stets herangezogen werden kann, ist da ein gutes Werkzeug. Wie ich das mache, berichte ich mal wann anders. Jetzt freue ich mich erstmal, dass ich demnächst meinen ersten selbstgenähten Blazer haben werde.