Stoffwechsel: Mein Stoff

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Dieses schöne Päckchen kam bei mir schon etwa zur Halbzeit an. Ich wusste beim ersten Blick auf das Etikett, von wem es kommt, denn ich erkannte die Handschrift. Ich bin irgendwie gut im Erkennen von Schriften und habe das beim Klausuren korrigieren schon fast zu einem kleinen Spleen kultiviert. So sah ich das Paket und wusste … ist meine Stoffsucherin. Das stört mich übrigens gar nicht, denn so habe ich die Absenderin bei der Stoffsuche gleich vor Augen, das hat was.

Der Inhalt des Paketes und des langen Briefes, den ich noch dazu erhielt, hat mich sehr glücklich gemacht.
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Ein wunderschöner Stoff. Diese kleinen Herzen, die man erst auf den zweiten Blick erkennt sind total toll.

Meine Stoffsucherin hat sich viele Gedanken um die Farbwahl gemacht. Sie hat zuerst nach petrol gesucht. Aber lila trage ich ja auch viel und gern, da lag sie schon ganz richtig. Ich habe selbst noch nie einen schwarzgrundigen Stoff gekauft, obwohl mir schwarz hervorragend steht und ich viel schwarz trage. Warum, weiß ich gar nicht genau. Vielleicht habe ich immer gedacht „zu dunkel“ oder bisher einfach wenige schwarzgrundige Stoffe gesehen, die trotzdem ein adäquat frisches Muster hatten? Dieser Stoff ist jedenfalls nicht zu streng und ich bin sehr gespannt, wie ich mich in einem schwarzen Sommerkleid fühlen werden. Kombinationssachen wie lila Schuhe, einen lila Gürtel hätte ich auf jeden Fall.

Und was kam dann noch zum Vorschein:
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Alles was das Kurzwaren-Herz zu diesem Stoff begehrt. Als Extra, für meinen Aufwand bei dieser Aktion. Wie toll ist das denn bitte? Ich wäre selbst bestimmt nicht so umsichtig gewesen, mich so komplett einzudecken, hätte ich den Stoff selbst gekauft. Nein ich hätte irgendwann mangels Paspel oder Reißverschluss ein halb fertiges Kleid liegen gehabt. Und jetzt kann ich so richtig aus dem Vollen schöpfen. Sehr großes Hachz hier! Große #nähnerd-Romantik das alles! Ein bisschen wie Herzblatt, nur viel besser!
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Was soll nun daraus werden? Ich hatte ja selbst deklariert, mich vielleicht ganz evtl. mal an Oberteilen versuchen und ansonsten einen Onion 3033 nähen zu wollen. Nun, tja, öhöm. Ich fürchte, das wird nix. Für Onion 3033 und eine passende Bluse habe ich mir, rein zufällig und praktisch unfreiwillig, schon Stoff gekauft, als ich auf der Suche nach Stoff für meine Stoffempfängerin bei alfatex auf der Suche war (und fündig wurde). Und ich finde den Stoff auch einfach so schön, dass ich ihn in ein tolles Kleid verwandeln muss. Es geht nicht anders. Und es ist zum Glück auf genug davon da, da war meine Stoffsucherin nämlich sehr sehr großzügig. Sie hatte nämlich auch ein Kleid im Kopf. Ein Hemdblusenkleid wünscht sie sich. Ich bin noch nicht ganz sicher. Vielleicht finde ich die Kombi aus Hemdblusenkleid und dem lieblichen Muster zu bieder. Ich denke derzeit in Richtung eine Vogue 8787. Da bin ich aber noch in der Testphase, und nur wenn mir das sehr sehr gut steht, darf dieser Stoff auch eins werden. Der Schnitt frisst allerdings eine raue Menge Stoff, das muss ich erst noch mal nachmessen und überlegen. Sonst werde ich auf meinen Alltime-Favorite New Look 6069 zurückgreifen. Keine Experimente mit dem Schätzken!

Ihr seht: Ich bin schwer verliebt und freue mich, den Stoff zu verarbeiten. Nun muss ich nur noch die Zeit finden. Danke liebe #nähnerd-Freundin!

Stoffwechsel: Zeigt her eure Stoffe

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Ich habe schon vor über einer Woche mein sehnsüchtig erwartetes Stoffpäckchen bekommen, was war das für ein tolles gespanntes Gefühl. Da kommt einfach eines Tages ein Päckchen, das man nicht erwartet und drin ist ein wunderschöner Stoff. Dazu bekam ich auch noch einen langen Brief. Wie Geburtstag oder sogar besser. Einige mussten bis zum letzten Tag warten, andere bekamen schon früh Post. So weit ich das verfolgen konnte, sind nun alle Stoffe eingetroffen oder zumindest unterwegs (wer noch keinen hat, bitte melden! Ich höre dann nach!) und so eröffne ich heute die Stoffparade.

Heute geht es darum, den erhaltenen Stoff zu zeigen und Pläne zu schmieden, was daraus werden soll. Hatte eure Aussucherin auch schon Ideen? Habt ihr schon ein Kleidungsstück vor Augen? Hättet ihr den Stoff selbst ausgesucht oder ist er vielleicht sogar ein wenig ungewohnt? Müsst ihr noch mit ihm warm werden oder war es Liebe auf den ersten Blick. Und habt ihr eine Ahnung, von wem er kommt? Nicht verraten, wer es ist natürlich, wir anderen wollen ja auch noch raten.

Ich habe den Eindruck, es werden doch auch einige Kleider und keineswegs nur Röcke und Oberteile dabei heraus kommen, obwohl erst alle nach einem kleineren Risiko und einer begrenzten Stoffmenge verlangten. Aber wenn wir uns da ja alle einig sind, ist das doch auch schön…

Nun zeigt mal her, was ihr bekommen habt. Ich platze schon vor Neugier! Meinen eigenen Stoff stelle ich wieder in einem getrennten Post vor.

Das Linktool ist eine ganze Woche geöffnet, damit auch die, die erst gestern ihren Stoff bekommen haben, noch sinnieren können, was es werden soll.

Nicht wundern: Der Link führt auf eine externe Seite, da wordpress.com – aus guten Gründen – keine eingebetteten Skripte zulässt.

Tagebuchbloggen am 27.05.14

Ich habe schon verschiedentlich solche dokumentierten Tage gelesen z.B. bei Nike, Mama arbeitet oder Novemberregen und fand das immer sehr spannend. Mein eigener Tag kommt mir nun irgendwie sehr belanglos vor, dass ich ihn kaum veröffentlichen möchte, aber wo ich schonmal alles akribisch aufgeschrieben hab, gibt es das jetzt auch zu lesen. Basta. Seit einigen Wochen finden wir uns ja hier in den Beide-Eltern-arbeiten-Alltag ein, da lohnt sich ja vielleicht mal ein Blick. Ich arbeite 50%, davon einen Vollzeittag im Büro, den Rest von zuhause. Ich arbeite also im Schnitt 3 Stunden pro Tag und passe zeitgleich auf den Minimensch auf. An meinem Bürotag arbeitet der Mann zuhause. Den Minimensch so noch ein Jahr selbst betreuen zu können ist ein großes Privileg und nur durch die Flexibilität bei Arbeitszeit und -Ort an der Uni möglich. Leider auch ein stressiges Privileg, denn letztlich machen wir zu zweit 2,5 Vollzeitjobs, das passt nur ziemlich knapp in die Zeit der Woche rein. Immerhin werden wir demnächst noch einmal pro Woche einen Babysitter haben. Wie also sieht so ein Tag im kombinierten Hausfrau-Home-office-Leben aus?

Der Tag beginnt um 1.34, der Minimensch der zahnt und eine fiese Erkältung hat, wimmert schon die ganze Zeit im Schlaf. Nun ist er vom Husten aufgewacht. Ich gebe ihm ein paar Schlucke Wasser und hole ihn im unser Bett, wo er sich an uns beide angekuschelt wieder beruhigt. Ab jetzt muss ca alle 30 Minuten kurz das wimmernde Kind gestreichelt und beruhigt werden, das machen wir abwechselnd. Um 3.45 ist er wieder richtig wach, wirft sich herum und findet keine Ruhe. Ich gehe mit ihm ins Wohnzimmer und wir setzen uns in den Schaukelstuhl. Nach 15 Minuten schaukeln ist er tief eingeschlafen, ich lege ihn in sein Bett und freue mich, noch ein Ründchen Platz im Bett. Um 5.00 weint der Minimensch erneut. Ich hole ihn zu uns, wo er bis 6.00 noch einmal in einen unruhigen Schlaf fällt. Um sechs ist er schlagartig hellwach und fröhlich, an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich ärgere mich, denn eigentlich schlafen wir bis mindestens halb sieben. Er wird schon um acht wieder müde sein, das ahne ich. Eigentlich wäre es gut, jetzt sofort was sinnvolles zu machen, z.B. zu duschen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht zu mehr zwingen, als auf dem Sofa zu liegen. Ich komme abends nicht vor elf zum schlafen, obwohl ich es mir täglich vornehme, das rächt sich dann am Morgen.

Der Minimensch spielt sehr fröhlich im Wohnzimmer, ich liege auf dem Sofa und beginne diesen Blogbeitrag. Außerdem mache ich mir eine berufliche und private To-Do-Liste für den Tag. Die meisten Punkte standen gestern auch schon drauf. Mimimimi.

Um 6.30 fühle ich mich dem Tagwerk gewachsen und verfrachte den Minimensch ins Bad, wo ich schnell dusche und dann den sich wehrenden Minimensch tagfein mache. Wickeln ist hier derzeit nicht hoch im Kurs bei der Filialgeneration. Mein in der Nacht keimender Verdacht, er könne wieder Fieber haben, bestätigt sich beim nachmessen zum Glück nicht. Der Blick aus dem Fenster stimmt nicht gerade fröhlich, ich steige grummelnd in eine Strumpfhose und ein ungeliebtes Jerseykleid und verspreche mir, mir heute abend endlich mal wieder was zu nähen. Um 7 sind wir beide so weit fertig. Der Mann ist inzwischen auch aufgestanden und kann mir somit beim lästigen Naseabsaugen und Nasentropfen verabreichen helfen. Ein Glück.

Ich mache Frühstück, der Minimensch hat offenbar schon Hunger denn er hängt jammernd an meinem Bein. Ich gebe ihm erstmal die Schnabeltasse mit Wasser, um ihn zu beschäftigen, während ich noch Brot schneide und den Tisch decke. Mir fällt auf, dass ich unseren Jahresvorrat Tee bestellen muss. Ich setze es auf meine To-Do-Liste. Während ich dem Minimensch sein Brot füttere, checke ich zum ersten Mal meine Arbeitsmails. Glücklicherweise ist aber nix dringendes los im Posteingang. Eine Mail werde ich später in Ruhe beantworten. Das Frühstück zieht sich fast bis acht, das Essen mit Schnupfen ist mühsam immer wieder muss ein bisschen Ablenkung betrieben werden. Ich genieße es sehr, mit dem Mann zusammen zu frühstücken, das gab es früher unter der Woche nicht, da stand er auf, wenn ich aus dem Haus ging. Man ist ja als Eltern doch zwangsläufig sehr viel eher wach, der Tag hat mehr Stunden und doch immer noch zu wenige.

Kaum vom Frühstückstisch aufgestanden zeigt der Minimensch ein verdächtiges Gähnen. Er macht eigentlich keinen Vormittagsschlaf mehr, aber wenn er wie heute zu früh wach war und kränkelt, dann hat er um 8 einen sehr tiefen Punkt. Solang der Schlaf vor 9 liegt, klappt es trotzdem mit dem Mittagsschlaf. Ich ziehe ihm ein frisches Shirt an, das hat das Frühstück schonmal nicht überlebt und pack ihn in die Manduca. Während ich die Küche aufräume pennt er auch tatsächlich ein. Ich ringe mit mir, ob ich auch einen Schlaf einlegen soll. Es gäbe auch einiges anderes wofür ich diese halbe Stunde nutzen könnte. Ich entscheide schließlich doch für ein Nickerchen. Ich gebe dem Mann noch schnell einen Abschiedskuss, schäle uns aus der Manduca und verfrachte uns ins Bett. Ich kann zwar nur dösen, finde nicht wirklich Schlaf, aber kann die Ruhepause dennoch gut brauchen. Der Mann wird heute wegen eines Termins später als üblich nach Hause kommen. Das bedeutet für mich einen anstrengenden Tag mit wenig Pausen und viel arbeiten am Abend. Gestern war das auch schon so. Um 9.15 pennt der Minimensch immer noch, eine ganze Stunde Vormittagsschlaf. Das ist ungewöhnlich. Ich bette ihn in sein Bett um und stehe auf. Ich muss noch ein Päckchen und einen Brief fertig machen, die ich nachher mit zum einkaufen nehmen will.

Kaum habe ich am Computer Platz genommen, um das Versandetikett zu drucken, ist der Minimensch wach. Ich gehe runter, hole ihn rauf, erstellen wir das Versandetikett halt zusammen. Hat ja keiner gesagt, sowas müsste schnell gehen, ne?

Ich packe das Päckchen. Danach setze ich den Minimensch in sein Bettchen und gehe eine von den 12 Millionen Maschinen wartender DreckWäsche einwerfen, ich bringe auch noch den Inhalt sämtlicher Mülleimer runter. Im Vorbeigehen räume ich das Schuhregal auf und stelle fest, dass ich dringend mal Schuhe putzen müsste. Nicht heute, heute ist meine Liste eh schon voll. Ich mache den Spül fertig, den ich zugunsten des Nickerchens stehen ließ. Und schwupp ist 10 Uhr, Zeit für des Minimenschen Vormittagssnack. Ich schneide ihm ein paar Stücke Obst, bereite aber auch einen Brei vor, Obst in Stücken wird hier plötzlich vehement ausgespuckt, dabei wurde letzte Woche noh alles verschmäht, was wie Babyessen aussieht. Mir koche ich den ersten Kaffee für heute. Das Stückobst wird liebevoll befühlt und dann liebevoll auf den Boden geworfen. Nunja, wischen steht eh auf meiner Liste… ich füttere Brei und schreibe meinen Einkaufszettel und checke meine Arbeitsmails. Immernoch nix wichtiges. Gespenstisch. Der Minimensch möchte nicht viel essen und dann auch bitte schnell raus aus seinem Stuhl. Aber allein auf dem Boden ist es auch doof. Jammernd hängt er an meiner Stuhlkante. Ich fülle den restlichen Kaffee in einen Thermobecher und begebe mich auf die Suche nach Briefumschlag und Briefmarke. 10 Minuten verschwende ich darauf, mein Handy zu suchen, dass ich neben dem Rechner liegen gelassen hatte. Der Minimensch hat derweil den Schrank mit den Einkaufstaschen ausgeräumt. Es regnet in Strömen. Nicht gerade das Wetter bei dem ich mit dem Minimensch gern das Haus verlasse. Aber wir müssen einkaufen. Mein Tag ist in Zeitfenster unterteilt und das Einkaufszeitfenster ist morgens. Also das Kind in die Regenjacke und um 10.30 los.

Erste Station Post-Kiosk, danach Supermarkt. Irgendwie landet doch wieder viel mehr als geplant im Einkaufswagen. Ich entschließe mich, trotz anhaltenden Regens die 500m zur Drogerie zu laufen und nicht das Auto umzuparken. Mit Schirm leider aber ohne Einkaufstasche, die habe ich vergessen. Ich werde wohl schon wieder eine dieser „IchwarmaleineFlasche-Taschen“ kaufen. Damit kann ich schon unseren gesamten Hausstand einpacken, so viele haben wir davon. Der Minimensch ist bester Stimmung, er brabbelt in der Trage friedlich vor sich hin und flirtet vorbeikommende Frauen an. Meinr Laune steigt, auch, weil ich im Vorbeigehen in einem Spiegel gesehen habe, dass ich deutlich weniger müde aussehe, als ich mich fühle.

11.45 sind wir wieder zuhause, die Einkäufe lasse ich im Auto, erstmal ins trockene mit uns. Ich werfe den Rest des Maultaschenteigs von gestern abend in den Rest der Spargelsuppe von gestern mittag und habe so für mich einen Eintopf kreiert. Für den Minimensch habe ich gestern schon mitgekocht. Der ist froh, wieder frei zu sein und stürzt sich voll Wonne auf den Berg ungefalteter Wäsche im Wohnzimmer, den er nach seinem Ordnungssystem, das nur er kennt, sorgfältig zu Stapeln rund um den Korb auftürmt. Dank langem Vormittagsschlaf von Müdigkeit keine Spur. Ich bin froh, dass er sich heute so gut selbst beschäftigt, eine angenehme Abwechslung zur letzten Woche, wo er praktisch an mir festgewachsen war. Ich nutze die Gunst der Stunde und räume die Spülmaschine aus. Beginne mit Wäsche falten, jedes Teil zählt. Dann wechsel ich dem Minimensch die Windel und wo ich mich gerade eh schon unbeliebt mache, sauge ich auch noch die Nase ab und verabreiche Nasentropfen. Die Zeit bis das Mittagessen um 12.35 fertig ist, vertreiben wir uns mitTürmchen bauen. Die Baubecher stehen hoch im Kurs derzeit.

Beim Essen ist der Minimensch sehr plötzlich sehr müde. Viel vom Essen landet in den Händen, auf dem Boden, auf dem Kind. Zweite Essenschweinerei für heute, aber ich muss ja eh noch wischen… als wir das Schlafzimmer betreten bricht das Kind auf der Stelle in Geschrei aus. Egal wie müde, das Ansinnen, es möge schlafen, ist und bleibt eine Zumutung. Durch wiegen und summen siegt aber dann doch schnell der Schlaf. Ob das Kind eines fernen Tages noch vor dem Abitur lernen wird allein und ohne Gezeter in seinem Bett einzuschlafen kann heute wiederum nicht geklärt werden. Ich gönne mir ein paar Minuten Kuschelzeit und schaue erstmals heute in meinr Twitter-Timeline. Schließlich lege ich das friedlich schnorchelnde Kid ab, hole mir meinen Thermotassenkaffee, ignoriere das Essenschaos in der Küche und sitze um 13.20 am Schreibtisch.

Tatsächlich gibt es inzwischen doch 2-3 Mails zu beantworten. Danach lese ich. Ich bin gerade in der Recherchephase eines neuen Projektes. Das mag ich nicht besonders, ich kann mich beim lesen schlecht bei der Stange halten, gerade wenn ich so am Anfang stehe und es echt nicht zeitlich eng ist. Aber ich mache mir konzeptionelleNotizen, habe ganz gute Ideen, es läuft gut.

14.25 Geräusche aus dem babyphone. Pause, Kind huckeln, das weinend in seinem Bettchen saß. Einmal auf dem Arm schläft er sehr schnell wieder ein. Ich gehe weiterlesen.

15.00 wieder Geräusche, das Kind steht fröhlich im Bett, ich denke, es hat ausgeschlafen. Nehme ihn hoch und Zack, ein Wunder. Er pennt. Na gut. Ich gehe wieder an die Arbeit, bis der Minimensch um 15.30 tatsächlich ausgeschlafen hat. Ich bin hochzufrieden mit meiner Arbeit.

Der Minimensch ist anhänglich aber fröhlich. Ich setze ihn zurück in sein Bett, gehe eine weitere Wäsche einwerfen, auf dem Rückweg bringe ich trockene Wäsche und den Einkauf aus dem Auto mit. Abgesetzt werden war uncool, der Minimensch ist nun klammerig. Ich bringe die Küche in Ordnung und räume den Einkauf aus, tatkräftig unterstützt vom Minimensch, der sich größte Mühe gibt, den Küchenfußboden möglichst vollständig mit dem Inhalt der Tüten zu bedecken und rumpelstilzchenesk ausrastet, als ich einen Teil der Sachen in die Abstellkammer trage. Ja gut. Kommt vor. Ich beginne derweil den nächsten Snack vorzubereiten, ich gebe das mit den Obststücken nicht so schnell auf, und Kaffee zu kochen. Die Spülmaschine einräumen gestaltet sich schwierig, da das Kind versucht hineinzukriechen.

16.00 Uhr, wir essen unseren Snack. Die Stücke kommen gar nicht gut an. Bah, wer will sowas essen? Der Minimensch jedenfalls nicht. Doch Brei also. Auch den zu essen dauert. Alles ist so interessant, da muss man zeigen, erklärt bekommen usw. Nach dem füttern ist der Minimensch wieder gnädig bereit allein auf dem Boden zu spielen. Ich gönne mir zum Kaffee zwei Stücke Schokolade und ein bisschen Twitter. Außerdem sinniere ich darüber  wie ich wischen könnte, ohne dass ich nachher einen jammernden oder nassen Minimensch oder Rückenschmerzen hab. Im Bettchen lassen geht nicht, rumkrabbeln lassen auch nicht, tragen ist anstregend. Ich entscheide mich, das ganze Raum für Raum anzugehen.

Aber erstmal überall das Minimenschinduzierte Chaos aufräumen. Wir machen das zusammen. Ich ein Teil in die Kiste, er ein Teil in die Kiste. Ich bräuchte eine Pause, das merke ich daran, dass ich einfach in die Luft starre, während der Minimensch das gerade eingeräumte wieder ausräumt. Also raffe ich mich auf, mache Wischwasser und wische Raum für Raum, zuletzt Wohnzimmer. Im Schlafzimmer kommt der Minimensch ins Bett, im Bad in die Badewanne, in der Küche in den Hochstuhl. Danach gehen wir nach oben ins Spielzimmer, damit alles trocknen kann. Der Minimensch liebt sein Spielzimmer und ist ganz in seinem Element. So richtig lang bei einem Spiel dabei bleiben möchte er aber heute nicht. Wir spielen ein bisschen Ball, dann klettert er lieber auf die Matratze und wieder heruntert. Ich beschließe, dass ich es mal probiere einige der Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten, für die ich einen Computer brauche. Am wichtigsten: Onlineapotheke. Kaum bin ich über das Gitterchen geklettert und sitze nebenan am Computer ist der Minimensch aber nicht mehr so selbst vergessen, sondern apportiert mir Bilderbücher zum Gitterchen und verlangt meine Aufmerksamkeit. Also schnell die Bestellung abschicken und dann Bücher vorlesen. Um 1745 muss ich unser Spiel unterbrechen um kochen zu gehen. Um diese Zeit ist der Mann sonst schon längst zuhause. Die Zeit wird mir lang, ich merke, dass ich diese 1-2 Stunden Verschnaufpause am Nachmittag dringend brauche und die Quengelstunde eigentlich zu viel für mich ist. Der Minimensch ist allerdings zum Glück gut gelaunt. Er räumt zum zweiten Mal heute den Schüsselschrank aus und spielt friedlich. Als alles Gemüse in der Pfanne ist, räume ich Stück für Stück mit ihm den Schrank wieder ein.

Wir gehen rüber ins Wohnzimmer. Er kommt mir sehr aufgedreht vor, ich versuche, ihn zu überreden, ein Buch anzuschauen oder etwas ruhiges zu spielen. Aber er bleibt nicht bei der Sache, lieber klettert er auf den Fußhocker unseres Sessels. Drauf runter drauf runter. Ich falte weiter am Wäscheberg. Um 18.15 erkundige ich mich via Chat beim Mann, wann er kommt. Als er sich für bald ankündigt, werfe ich die Eier in die Pfanne, packe den Minimensch in die Manduca und gehe in den Keller um die Wäsche aufzuhängen. Dabei stelle ich fest, dass ich am Nachmittag die Maschine gar nicht angemacht hatte. Ich verlasse also weitgehend unverrichteter Dinge den Keller und decke den Tisch.

Um 18.35 ist der Mann ist der Mann noch nicht da, der Minimensch wird aber jammerig. Ich fange an, ihn zu füttern und hoffe, dass er das relativ stückige Essen überhaupt nimmt. ZIM Glück ist es Shakshuksha, die er sehr gern mag, er haut ordentlich rein. Allerdings ist er nun so müde, dass ihm fast der Kopf in den Teller fällt. Als der Mann um 18.45 kommt setzt aber der „YeahPapaistdaEffekt“ ein und wir können mit fröhlichen Kind in Ruhe zu Ende essen.

19.10 Mann und Kind verschwinden im Schlafzimmer, ich erwische mich auf Twitter, rufe mich zur Ordnung, räume die Küche auf und sitze19.30 wieder am Schreibtisch. Ich habe eine Mail von meiner Kollegin Z. bekommen, mit Daten und einem Modell für ein Paper an dem wir schon länger arbeiten. Ich freue mir einen Ast. Ich mag das Paper und arbeite gern mit Z. zusammen, vor allem aber heißt das, dass ich die nächsten Tage statt nur zu lesen was tun kann. Juhuu. Ich chatte mit Z. um abzusprechen, was zu tun ist, denn sie ist ab morgen im Urlaub. Danach werfe ich einen ersten Blick in die Dateien. Dabei fällt mir eher zufällig auf, dass mein Rechner offenbar beim synchronisieren gewaltigen Mist baut und sehr viele Dateien in verschiendenen Versionen existieren. Das ist eine Erklärung für allerlei Probleme, die ich in letzter Zeit beim arbeiten von zuhause hatte. Ich ärgere mich, werfe erstmal ein Backup an und schreibe eine Mail an die IT. Während mein Rechner Dateien kopiert, chatte ich ein bisschen und beantworte eine weitere Mail. Um 20.45 beschließe ich, dass mein Rechner auch allein weitermachen kann und ich mir das ganze morgen angucke. Ich gehe auf die Suche nach dem Mann, der scheinbar beim Minimensch eingeschlafen ist. Gegen 21 Uhr finden wir uns mit einem Glas Wein auf dem Sofa wieder und kommen endlich dazu, den Tag zu besprechen .Um  21.10 weint der Minimensch, ich gehe nach ihm gucken und beruhige ihn. Danach hole ich mir Stoff und Schnitt für ein Vogue 8787 Probekleid runter und beginne mit dem Zuschnitt. Ich wollte ja nähen! Und ich brauche für eine Hochzeit in 10 Tagen ein Kleid. Dies hier wird das Problekleid. Der Zuschnitt gestaltet sich schwierig denn ich habe etwa 1,5m zu wenig Stoff – wie immer habe ich nur 2m gekauft und bräuchte 3,5 für dieses Kleid. Kann ja keiner ahnen. Also Zuschnitttetris, unterbrochen von Gewimmer des Minimenschen um 21.40. Um 22.25 bin ich fertig mit zuschneiden. Punkt 22.30 , also genau zu der Zeit, wo ich eigentlich im Bett liegen und auf der Stelle einschlafen möchte, weint der Minimensch. Er lässt sich kaum beruhigen, wirft sich auf dem Arm herum, hat Durst und die Nase zu. Der Mann und ich machen uns im Wechsel bettfertig und huckeln das arme Kind.  Nach 23 Uhr liegt er endlich zwischen uns und schläft wieder friedlich.

Ich lasse noch einmal den Tag Revue passieren. Was ich nicht gemacht habe: Mich bei zwei Freundinnen gemeldet, was ich schon lang tun wollte, gestrickt, den Rasen gemäht (es regnete ja), meinen Feedreader auch nur geöffnet, geschweige denn Zeitungsartikel oder gar ein Buch gelesen. Dennoch: Bis auf den Tee habe ich alle Punkte auf meiner To Do Liste erledigt, ich habe ordentlich gearbeitet, musste dem Chaos in der Wohnung zumindest keinen Zoll Boden geben, auch wenn ich ihm wohl auch keinen Boden abringen konnte und ich habe etwas zugeschnitten. Insgesamt ein guter Tag. Ich schlafe mit dem Gedanken, dass ich eine Verlängerung der Frist für die Steuererklärung beantragen muss, deutlich zu spät ein.

Was macht eigentlich der Garten?

Dieses Jahr ist das erste richtige Gartenjahr für uns und ich habe bereits im Winter eifrig Pläne geschmiedet und einen Kalender gemacht uswusf. Ninja wie das mit Plänen so ist, so ganz gehen sie ja doch nicht auf. Aber ein bisschen was ist schon geschafft.
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in Sachen Bepflanzung bin ich sogar so einigermaßen zufrieden. Wir haben den Garten zum Glück sehr gepflegt von unseren Vorbesitzern übernommen, so dass ich im März einen fertigen Kompost ausbringen konnte und damit auch eigentlich in den Startlöchern stand. Wir haben ein Blumenbeet zum Salatbeet umdeklariert (es zeigen sich aber noch einige Blumen zwischen dem Salat). Damit besitzen wir nun ein Salatbeet in dem schon Rucola und Radieschen fast reif sind und sehr viele Babypflücksalate heranwachsen. Ein Kräuterbeet, das schon recht gut bestückt ist, Schnittlauch und Oregano konnte ich schon ernten. Nur das Basilikum scheint die Schneckendelikatesse Nr. 1 zu sein… Ein Erdbeerbeet in dem schon reichlich Blüten aber noch kaum Früchte auszumachen sind. Ein Gemüsebeet, in dem der Liebste und mein Vater ein tolles Tomatenhaus errichtet haben und das schon mit Roter Bete, Möhren, Kohlrabi, Pastinaken, Buschbohnen, Radieschen, Erbsen, Zuckererbsen, Zucchini, Kürbis und Freilandgurke bestückt ist. Die empfindlicheren Pflanzen insb Tomaten, Kürbis, Zucchini, Fenchel, Lauch habe ich vorgezogen und erst nach den Eisheiligen ausgepflanzt. Bei roter Bete, Möhren, Pastinake und Kohlrabi musste ich herbe Verluste einstecken. Ein guter Teil der noch sehr kleinen Pflänzchen ist in den letzten Wochen schlicht ertrunken. Trotzdem bin eigentlich ganz zufrieden, denn was ich mir vorgenommen hatte, hab ich geschafft.
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Anders sieht in der Kategorie „Laube und Terrasse“ aus. Hier wäre noch reichlich zu tun. Die Vorlaube streichen, die Terrasse kärchern, haufenweise Grünzeug aus Ritzen kratzen, neue Vorhänge nähen und drinnen sehr viel hässliche Deko wegwerfen. Aber da das einerseits nicht an Termine gebunden ist, wie das Pflanzen und andererseits z.T. sehr schlecht zusammen mit dem Minimensch zu erledigen, kann ich hier außer dem Austausch von Kunstrasen gegen (gebrauchte) Holzplatten nichts in die Waagschale werfen. Nunja, kommt Zeit kommt Laubenaufhübschung nehme ich an.
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Ferner braucht der Minimensch natürlich auch adäquate Gartenbeschäftigung. Hier wurden wir beschenkt. Von den Großeltern kam ein Sandkasten und von unserer Sekretärin V. haben wir eine Schaukel geerbt. Die Schaukel steht allerdings noch nicht, gab ja noch nicht so viel Schaukelwetter.
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Überhaupt hoffe ich, dass jetzt mal eine längere gute Gartenwetterperiode abgebrochen ist. Dann würde sich das Laube-Aufräumen wenigstens lohnen.
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Sonntagskuchen: Erdbeer-Baiser-Torte

Letzten Sonntag (zählt das überhaupt, Monika?) hätten wir eigentlich Besuch gehabt. Dafür hatte ich eine Baisertorte geplant, weil ich von einer Sauce Hollandaise noch einige Eiweiße übrig hatte. Leider wurde der Minimensch krank und daher konnte der Besuch nicht kommen. Ich habe trotzdem Kuchen gebacken. Nur für uns .

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Diese Baisertorte hat zwei Schichten Creme und einen Baiserdeckel. Das Rezept war vor Jahren mal in einer ‚Lecker‘ glaube ich, ich habe es inzwischen von den Mengen her an meine Bedürfnisse angepasst. Ich mag an dem Rezept besonders, dass es ohne Gelatine auskommt. Ich finde Gelatine in Torten meist eher fies und bin froh, hier eine Alternative ganz ohne Gelatine gefunden zu haben. Schließlich ist Gelatine auch nicht vegetarisch. Die Torte ist gehaltvoll, daher hab ich sie in mini gebacken, für eine normale Springform alles mal 1,5 nehmen. Für eine Springform von 20cm braucht man:

Teig:

70g Butter vorher aus dem Kühlschrank nehmen
70 g Zucker
3 kleine Ei(er)
1 Pck. Vanillezucker
100 g Mehl
½ TL Backpulver

Baiserbelag:
3 Eiweiß
130 g Zucker
80 g Mandelblättchen

Füllung
1 Pck. Vanillepudding
2 EL Wasser
2 EL Zucker
100 g Himbeeren gefroren
200g Erdbeeren frisch
1 Becher Sahne
1 Pck. Sahnesteif
1 Pck. Vanillezucker

Teig:
Butter mit Zucker und Vanillezucker cremig aufschlagen. Dann die Eier und das mit Backpulver vermischte Mehl nach und nach unterrühren. Wer zwei Backformen hat, fettet beide und gibt in jede die Hälfte des Teiges. Ich habe nur eine und habe die Böden nacheinander gebacken, geht auch.

Baiser:
Eischnee steif schlagen, Zucker langsam einrieseln lassen und kurz weiter schlagen, dann auf den Rührteigböden verteilen, mit jeweils 40 g Mandelblättchen bestreuen und je 25 Min. bei 180°C backen. In der Form etwas abkühlen lassen.

Creme:
Die Erdbeeren putzen und pürieren. Die Himbeeren in einem Topf aufkochen. Dann das mit Zucker und Wasser angerührte Puddingpulver unterrühren, kurz aufkochen lassen, dabei gut umrühren. Das Erdbeerpüree sofort unterrühren.

Einen Tortenring um einen der Böden legen. Die Beeremischung etwas abgekühlt auf den Boden streichen, vollends erkalten lassen.

Die Sahne mit Sahnesteif schlagen und auf die kalt gewordene Himbeer-Erdbeercreme streichen. Den zweiten Boden in die gewünschte Anzahl Tortenstücke schneiden und auf den Kuchen legen. Noch etwa 1 Std kühlen.

Me made Mittwoch: der Blazer

Ich habe es schon wieder nicht geschafft am Mittwoch zu bloggen. Meine Computerzeit am Mittag und abends, wenn das Kind schläft, geht in Gänze für Arbeit drauf. Und die eine Stunde, die dann vorm schlafengehen noch bleibt, muss alles fassen, was ich als Erwachsene so machen möchte. Mit dem Mann reden, telefonieren, nähen, Weintrinken, lesen, … Da steht bloggen nicht ganz vorne an. Also kommt jetzt mein MMM-Beitrag einfach mal ohne MMM (geschrieben nachts um 3 -ach Backenzähne, wie ich euch liebe!). Denn ich muss mit diesem Blazer abschließen. Meine Fotos sind von Ende letzter Woche, da war es noch sehr kühl und ich trug meinen neuen (Probe)Blazer:

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Der Blazer hat mich unendlich viel Zeit und Nerven gekostet, vor allem, weil der Stoff wirklich unfreundlich ist. Er war eigentlich als schnelle Probe gedacht und das ging ganz gewaltig nach hinten los. Angefangen habe ich ihn im Februar bei einem Nähkränzchen mit L. Ich hatte allerdings seitdem auch sehr wenig Nähzeit.

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Der Schnitt ist aus der Knip März/2012(?) und ist wirklich gut. Die Anpassungen hielten sich eigentlich in Grenzen. Das Problem ist der gewählte Stoff. Ein schöner nachtblauer Rips mit leichtem Glanz aus Baumwolle, den ich bei alfatex im Sale für 3,90/m gekauft habe – idealer kann ein Probestoff ja eigentlich nicht sein, dachte ich. Der aber leider vollkommen zur Selbstzerstörung neigt. Kaum reingeschnitten schon 1cm weggefranst, wirklich schneller als man gucken kann. Ich begann also erstmal damit alle ca 8 Milliarden Teile am Rand mit Einlage zu bebügeln, weil versäubern allein das Fransen nicht aufhielt. Das war doof.

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Dann kam eine kurze Strecke zum aufatmen. Den eigentlichen Blazer zusammenzusetzen ging gut, er saß auch bereits ohne Änderungen recht ordentlich. Ich habe die Abnäher etwas nach innen verschoben, in der Hüfte rundum etwas rausgelassen, im oberen Rücken 3 cm rausgenommen und die Schulterbreite um 2cm verringert, das Armloch dann unter dem Arm wieder verkleinert.

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Auch Polster und Ärmel waren schnell eingesetzt. Dann allerdings begann das Drama. Zunächst mal den Futterzuschnitt ca. monatelang aufgeschoben wegen akuter Unlust. Dann endlich gemacht und mich aufgerafft zu nähen und dann ca. 4 Wochen lang alle Nähzeit auf TASCHEN verwendet. Schrecklichstens! Der Schnitt sieht aufgesetzte Taschen mit Klappen vor. Die sind auch sehr hübsch mit einer Kellerfalte. Da ich die Abnäher verschoben hatte, waren allerdings die Markierungen nicht mehr zu gebrauchen und auch von vornherein nicht sehr eindeutig, da sie nur die Oberkante nicht aber die genaue Form der Taschen vorgaben. Ich bekam es schlicht nicht hin, die Taschen in ordentlicher gleichmäßiger Form an hübscher Stelle zu platzieren. Ich nähte, trennte, nähte, trennte usw. Die Klappen begannen bereits beim ersten Trennen wieder das Fransen, so dass dann auch noch entlang der Nähte lauter Fransen rauskamen. Es war die Hölle. Schlussendlich habe ich es aufgegeben und den Blazer ohne Taschen weitergenäht. Leider hat der Stoff darunter sehr gelitten und dort wo die Taschen mal saßen sind jetzt einige abgeschabte Stellen. Ich werde damit leben müssen und hoffen, dass es keiner sieht.

imageDann gab es nochmal das gleiche Problem beim Reverskragen. Auch hier franste die Kante schon beim ersten Trennen so schlimm, dass jetzt kleine Fransen aus der Naht rausstehen, die ich mühsam von Hand fixieren musste. Insgesamt werde ich also an diesem Blazer wohl nicht so lange Spaß haben, weil er zur Auflösung neigt. Das ist sehr schade, denn er passt super, sieht gut aus und ein blauer Blazer hat mir echt gefehlt. Er passt zu sehr vielen meiner Röcke und Kleider (weil wie gesagt 50% blaue Kleidung) und der Stoff trägt sich sehr angenehm und sieht eigentlich auch schick aus.

Dass die Ärmel 3/4-Länge haben, war übrigens nicht so vorgesehen. Ich habe nur vergessen, die Schnittteile nachzumessen und daher eine für mich übliche Änderung (Verlängerung der Arme um ca. 5cm) verpennt. Aber ich trage gern 3/4-Ärmel, also ist das schon ok.

Ich werde nun auf jeden Fall ein ganzes Kostüm angehen. Allerdings erst, wenn die Sommerkleiderproduktion abgeschlossen ist. Vielleicht ist ja dann auch wieder mehr Nähzeit da? Bitte liebes Universum, das wär toll!

Stoffwechsel: Besorgungshalbzeit

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Vor genau zwei Wochen habe ich, während die Oma den Minimensch bespaßte, die halbe Nähnerdwelt mit Stoffpartnerinnen beglückt und dies per Email mitgeteilt. Hachnee was war das aufregend. Auf Anhieb hat der Zufall geschafft, dass niemand sich selbst hatte. Herrlich. Und lustigerweise fand ich viele der Paarungen enorm passend. Auch ich habe übrigens eine meiner Herzenswunschstoffempfängerinnen abbekommen und das ganz ohne schummeln.

Seitdem sind alle wie wild auf der Suche. Mein Eindruck bei Twitter ist zumindest, dass inzwischen alle eine Idee haben und schon mehr oder weniger konkret vor Augen, was für einen Stoff sie suchen. Ich habe mir übrigens erstmal alle Steckbriefe mehrfach durchgelesen und dann noch sehr lange das Blog meiner Stoffpartnerin durchwühlt, das hat Spaß gemacht! Dann habe ich einen Brainstormingzettel angefangen und meine Ideen zu Papier gebracht, die sich zu einer Vision verdichtet haben. Beim Stoffkauf habe ich dann aber doch nochmal ziemlich die Richtung geändert, da ging es mir genauso als würde ich Stoff für mich suchen – man findet selten, was man suchte aber oft etwas das man dann noch viel besser findet als den ursprünglichen Plan.

Eine ganze Reihe von Teilnehmerinnen scheint schon erfolgreich Stoff gekauft, teilweise sogar auch verschickt zu haben. Ich war letzte Woche bei alfatex und habe auch etwas gefunden. Allerdings habe ich sehr lange Ballen herumgeschoben um sicher zu sein, dass ich auch wirklich DEN Stoff gefunden hatte. Witzigerweise fiel mir, dank Nähsteckbriefe, fast zu jedem (schönen) Stoff eine passende Empfängerin ein und ich hätte sicher so einigen Nähnerds an diesem Tag ein hübsches Päckchen packen können. Mit meiner letztendlichen Wahl bin ich nun sehr zufrieden. Und habe dann noch einen Brief dazu geschrieben.

Und ich bin schon sehr gespannt wer wann welchen Stoff erhält und auch, was ich von wem bekomme. Ich habe nämlich Herrn Siebenhundertsachen beauftragt für mich eine Stoffsucherin zu ziehen und diese zu benachrichtigen. Und dank wenig Nachtschlaf und löchrigem Gedächtnis habe ich so viele Paarungen inzwischen wieder vergessen, dass ich mir noch nicht zusammenreimen konnte, wer mich bestofft. Da sind des Kindes (nicht kommende) Backenzähne ja schonmal für was gut…

Und alle auch schon total aufgeregt?

Nudeln mit grünem Spargel – vegan und kleinkindgeeignet

Ich habe ein gewaltiges Blogbeitragsbacklog. Mindestens 3 Rezepte und einiges aus dem Garten warten in der Pipeline. Nützt ja nix, also fangen wir mal an.

In unserem Garten gibt es ein Spargelbeet. Grüner Spargel aus Eigenanbau – ist das toll oder ist das toll? Natürlich hätte ich mir nienicht die Mühe gemacht ein Spargelbeet anzulegen. Da muss man sehr geduldig sein, was nicht zu meinen speziellen Stärken zählt. Aber die Vorbesitzer unseres Gartens waren offenbar geduldig und so besitzen wir jetzt 12 20 Jahre alte Spargelpflanzen, deren Ertrag zwar nicht mehr ganz Industrie-Standards erfüllt, aber immernoch locker eine Spargelmahlzeit pro Woche für uns abwirft.

Das Problem ist: Herr Siebenhundertsachen mag eigentlich keinen Spargel. Nun muss er also ab und an probieren und ich nach passenden unspargeligen Rezepten suchen. Der Minimensch mag übrigens gern Spargel. Gutes Kind.

Nr. 1 war sofort ein „ganz-ok-Essen“, ich fand’s sehr lecker und hier isses:
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Für 2 Erwachsene und einen hungrigen Minimensch:
Ca. 1 Bund grüner Spargel (ich hab genommen, was halt reif war.)
2 Möhren
1 kleine Zwiebel
100ml Soja cuisine oder Sahne
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer, Zucker, Zitronensaft
Parmesan nach Belieben
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Die Zwiebel fein würfeln, den Spargel im unteren Drittel schälen und die holzigen Enden abschneiden. In feine schräge Scheiben schneiden, ebenso mit den Möhren verfahren. Die Spargelköpfe ganz lassen.

In einer Pfanne einen Stich Butter zerlassen und das Gemüse bei mittlerer Hitze anschwitzen.
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1 EL Zucker und einen EL Zitronensaft oder einen guten Schluck Weißwein dazu geben. Mit 250 ml Brühe ablöschen. Köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist. Wer keinen Minimensch am Tisch hat, kann es ruhig etwas knackig lassen. Zum Schluss die Soja Cuisine unterziehen und mit Salz und Pfeffer würzen. Aber dann nicht mehr kochen, Soja cuisine gerinnt beim kochen.

Als Nudeln passen gut Tagliatelle oder Spaghetti.

Schwupps vorbei, der April

Ja, also Wochenrückblicke gab’s im April ja irgendwie keine. Weil wegen keine Zeit zu bloggen. Und überhaupt. Also ein Monatsrückblick.

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Anfang April waren wir im Urlaub im nahegelegenen Mittelgebirge, wo wir ausgiebig die neue Kiepe testen aber leider nur sehr schlecht schlafen konnten. Auswärts schlafen ist dem Minimensch offenbar in letzter Zeit suspekt.

Deshalb war ich beim Bloggerinnentreffen in Bielefeld auch nur halb in Form, toll war es aber trotzdem.

In der zweiten Aprilwoche ging meine reguläre Arbeit wieder los, so dass das Gazellchen und ich nun wieder die Sbahn unsicher machen. Ich arbeite allerdings auch einen nennenswerten Teil meiner Stunden von zu Haus und das ist sehr sehr anstrengend, denn es erfordert sehr viel Disziplin, wertvolle Minimensch-Schlafzeit mit Arbeit anstatt mit Entspannung zu verbringen.

Da hilft es auch nicht unbedingt, dass die Nächte derzeit eher sehr unruhig sind. Nein das hilft nicht.

Zwischendurch war Ostern, dass ich zum erstenMal seit Jahren nicht bei meinen Eltern verbracht habe, was ich sehr merkwürdig fand. Gleichzeitig waren die 4 freien Tage irgendwie einfach als Zuhauserumschimmeltage enorm wichtig. Ein bisschen österlich war es dabei auch, es gab natürlich Eier und außerdem Hefezopf und Möhrenlämmchen a la Kreuzberg. An Ostern haben wir auch das Kinderzimmer als solches nutzbar gemacht, indem unter anderem meine Nähecke ausgezogen ist. Sehr traurig, aber es war langsam dran.

Sehr viel Zeit haben wir, trotz z.T. durchwachsenem Wetter im Garten verbracht. Einiges gepflanzt, aufgeräumt, Rasen gesät und den ersten grünen Spargel geerntet. Ich bin gespannt, wie weit meine Gemüseanbaupläne tragen und freue mich, dass alles blüht und grünt. Der Minimensch mag den Garten auch, vor allem wenn es Pfützen gibt, oder er Erde in meinen Unkrauteimer werfen kann. Leider müssen wir ein großes Ameisennest umsiedeln, da steht novh was auf dem Programm.

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Ich habe sehr sehr wenig vorzeigbares gehandarbeitet. Zwar strickte ich im Urlaub und in der Bahn an meinem Frühlingsjäckchen, es ist aber dennoch noch nicht fertig. Es fehlt noch 1,5 Ärmel und die Knopfleiste. Ich hoffe, ich schaffe es zum Finale der Herzen, warte aber derzeit auch auf zwei Knäule nach bestellte Wolle. Und genäht? Im Wesentlichen einen Blazer, der aber erst im Mai fertig wurde. Ansonsten nur das Osterkleid. Es ist zum verzweifeln und ich hätte sehr gern ein paar neue Kleider, Röcke und Oberteile. Aber ich bin oft zu müde, um mich noch aufzuraffen und dann wirkt so ein Großprojekt wie ein Blazer sehr verstopfend auf die Kreativität. Nun ist der Blazer fertig, die letzten Handstiche werde ich heute abend beim ESC-gucken machen. Und jetzt muss ich erst Vorhänge und Kissen fürs Kinderzimmer nähen, aber dann kommt ein Anlasskleid an die Reihe.

Der April stand für mich auch im Zeichen der Planung von Stoffwechsel. Das war ganz schön aufregend. Nun im Mai folgt die Umsetzung. Ich habe schon meine Wahl für meine Stoffempfängerin getroffen und feile noch an der Schnittempfehlung. Und ich bin so gespannt, ob sie ihn mag. Sehr gespannt.

Klick- und Leseempfehlungen sind gerade etwas mühsam zusammenzustellen. Aber ich hol das wieder auf. Bestimmt.

Das Osternachthemd

Ich wollte dieses Kleid bereits seit 2 Wochen beim MMM zeigen, habe auch jeweils Fotos gemacht, aber dann im derzeit noch sehr hektischen Working Mum Alltag plus Stoffwechsel-Stress nicht geschafft, meinen Beitrag zu schreiben. Und damit er nicht noch weiter versauert und weil ich gerade etwas Zeit hab: Nähpost außer der Reihe.

Ich habe ca. Karfreitag mittag beschlossen, dass ich mir ein Osterkleid nähen will. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, kein Kleid mehr zu nähen, bevor ich nicht mit dem Grundschnitt fertig bin und den erst anzugehen, wenn ich mit dem Blazer from hell weiter bin, aber dann waren die Eier gefärbt und die Laune da und der Minimensch schlief mit dem Gatten brav und schwupps hatte ich diese Idee im Kopf. Da aber klar war, dass ich nur am Karfreitag abends daran würde arbeiten können, musste es etwas unkompliziertes sein. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht zu einem bewährten Schnitt greifen. Ich tauge nicht zur Serientäterin (außer bei Simplicity 2451) – es juckt mich immer zu sehr, was neues auszuprobieren. Da ich aber auch nicht meine Grundschnittbestrebungen untergraben wollte, entschied ich mich für einen Schnitt bei dem der Grundschnitt eh nicht hilfreich wäre:

Vogue 8728, ein 40s Reprint. Ich besitze den Schnitt bestimmt seit 2 Jahren. Da wollte ich ihn sehr unbedingt sofort haben. Dann hätte ich ihn abpausen müssen. Das dauerte dann so 2-3 Tage Jahre, bis ich mich im Frühlingsurlaub mangels anderer Handwerksmöglichkeiten zu einem Abpausmarathon aufraffte und so ca. gefühlt 20 4 Schnitte kopierte. So lag er nun kopiert bereit.

Der Schnitt fasziniert mich unter anderem deshalb, weil er laut Umschlag sowohl für Webstoff als auch für Jersey geeignet ist. Da es ja mit dem Osterkleid möglichst ohne langen Anpassungszirkus gehen sollte (dachte ich…) griff ich zu eine Viskosejersey der Klasse“Beifang“, den ich letztes Jahr reduziert bei stoffe.de gekauft hab. Natürlich hatte ich, wie sollte es anders sein, nur 2m. 2,40 hätte ich laut Umschlag für Gr. 16 gebraucht… aber kreatives zuschneiden kann ich ja, und da der Rock gekräuselt wird, hab ich einfach das rückwärtige Rockteil mit Teilungsnaht und quer zum Fadenlauf zugeschnitten (und ich höre euer lautes vernehmliches Räuspern bis hier!!!) & dann ging das schon.

So ganz schnell näht sich das ganze nicht, weil sowohl Oberteil als auch Rock gekräuselt werden und man das beim Oberteil auch ordentlich machen muss, damit die Falten über der Brust gerade verlaufen. Ich habe die Anleitung weitgehend ignoriert. Die Anleitung ist aber sehr interessant, denn sie sieht, so weit ich das sehe, die Originaltechniken aus den 40ern vor, z.B. soll die Kante des Taillenbandes umgebügelt und dann auf das obere Oberteil von außen aufgesteppt werden. Auch sieht der Schnitt Schulterpolster vor. Das halte ich dann doch für zu originalgetreu für meinen Alltag.
Die erste Anprobe war eine ziemliche Ernüchterung. Zunächst mal war das ganze viiiieeel zu weit. Viel as in <10cm. Dann waren die Kräusel schief. Und die Taille saß deutlich unterhalb meiner Taille. Auch war der Rock keineswegs knielang, wie auf der Schnittzeichung, sondern eher mittelwadenlang. Eine unsägliche Länge. Am allermeisten störte mich aber die Ärmelpartie. Die angeschnittenen Ärmel waren unglaublich weit und unter den Armen sehr viel Stoff (was man genaugenommen auf Schnittzeichnung und den Fotos vom Modell bei Vogue auch schon erahnen konnte. ) das sah irgendwie auf den Bildern von anderen Näherinnen nie so aus. Hinzu kam, dass sich mein Viskoseflutschjersey als extrem leiernd herausstellte. Dadurch veränderte das Ding auch noch während des nähens beständig seine Form.

Ich habe also folgendes geändert:
– Taillenband gedoppelt
– aus dem Taillenband an jeder Seite 5cm rausgenommen
– seitlich unter den Armen vom Taillenband ausgehend erheblich was weggenommen, so dass die Armlöcher erheblich kleiner wurden.
-Taille 2 cm höher gesetzt. Hätte noch 1-2 vertragen können, ist nämlich schon nachgelabbert.
– 15cm gekürzt – das waren allerdings so 2-3 zuviel

An Ostermontag trug ich das Kleid mit Seidenunterkleid und Strickjacke.

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Und war nur sehr mäßig begeistert. Die Taille sitzt nicht. Kräuselröcke stehen mir eigentlich sowieso nicht, auch wenn das mit dem dünnen Jersey noch so eben geht. Die Weite im Oberteil fand ich hochgradig irritierend, da zuppelte ich dauernd dran rum. Und war sicher, mir in Wahrheit ein Nachthemd genäht zu haben. Trotzdem habe ich das Kleid dann doch vergangenen Dienstag auch nochmal im Büro getragen. Diesmal mit einem langärmeligen Unterkleid aus Baumwolljersey. Das war schon viel besser, weil es sich viel weniger zuppelig anfühlte. Allerdings war der doofe Mistjersey schon wieder in die Länge gegangen, die Taille saß nun wieder gut 3cm unter meiner Taille.
Auf den Fotos kann man das nur erahnen, weil das Wetter schlecht war und unser Büro extrem dunkel ist. (Auch zu sehen: langsam zieht meine berufliche Identität in die hässlichen Regale ein). Ich habe die Fotos jetzt extrem aufgehellt, damit man überhaupt was erkennt.
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Interessanterweise erhielt ich sogar Komplimente für das ungeliebte Nachthemd. Es ist außerdem sehr fahrradfreundlich. Am Ende des Dienstags war ich deshalb bereit, dem Schnitt noch eine Chance zu geben. Ich habe ihm mit dem viel zu flutschig dünnen Jersey vielleicht unrecht getan. Ich werde noch eine Webstoffversion nähen. Allerdings muss ich mir da was für die Ärmel überlegen. Vielleicht nehm ich die Ärmelpartie von Tiramisu. Außerdem werde ich einen Tellerrock statt des gekräuselten Rockteils nehmen. Kräusel sind aus der Hölle, verarbeitungs- und aussehenstechnisch. Vielleicht merke ich mir das ja doch mal endlich.

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