Tagebuchbloggen am 27.05.14

Ich habe schon verschiedentlich solche dokumentierten Tage gelesen z.B. bei Nike, Mama arbeitet oder Novemberregen und fand das immer sehr spannend. Mein eigener Tag kommt mir nun irgendwie sehr belanglos vor, dass ich ihn kaum veröffentlichen möchte, aber wo ich schonmal alles akribisch aufgeschrieben hab, gibt es das jetzt auch zu lesen. Basta. Seit einigen Wochen finden wir uns ja hier in den Beide-Eltern-arbeiten-Alltag ein, da lohnt sich ja vielleicht mal ein Blick. Ich arbeite 50%, davon einen Vollzeittag im Büro, den Rest von zuhause. Ich arbeite also im Schnitt 3 Stunden pro Tag und passe zeitgleich auf den Minimensch auf. An meinem Bürotag arbeitet der Mann zuhause. Den Minimensch so noch ein Jahr selbst betreuen zu können ist ein großes Privileg und nur durch die Flexibilität bei Arbeitszeit und -Ort an der Uni möglich. Leider auch ein stressiges Privileg, denn letztlich machen wir zu zweit 2,5 Vollzeitjobs, das passt nur ziemlich knapp in die Zeit der Woche rein. Immerhin werden wir demnächst noch einmal pro Woche einen Babysitter haben. Wie also sieht so ein Tag im kombinierten Hausfrau-Home-office-Leben aus?

Der Tag beginnt um 1.34, der Minimensch der zahnt und eine fiese Erkältung hat, wimmert schon die ganze Zeit im Schlaf. Nun ist er vom Husten aufgewacht. Ich gebe ihm ein paar Schlucke Wasser und hole ihn im unser Bett, wo er sich an uns beide angekuschelt wieder beruhigt. Ab jetzt muss ca alle 30 Minuten kurz das wimmernde Kind gestreichelt und beruhigt werden, das machen wir abwechselnd. Um 3.45 ist er wieder richtig wach, wirft sich herum und findet keine Ruhe. Ich gehe mit ihm ins Wohnzimmer und wir setzen uns in den Schaukelstuhl. Nach 15 Minuten schaukeln ist er tief eingeschlafen, ich lege ihn in sein Bett und freue mich, noch ein Ründchen Platz im Bett. Um 5.00 weint der Minimensch erneut. Ich hole ihn zu uns, wo er bis 6.00 noch einmal in einen unruhigen Schlaf fällt. Um sechs ist er schlagartig hellwach und fröhlich, an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich ärgere mich, denn eigentlich schlafen wir bis mindestens halb sieben. Er wird schon um acht wieder müde sein, das ahne ich. Eigentlich wäre es gut, jetzt sofort was sinnvolles zu machen, z.B. zu duschen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht zu mehr zwingen, als auf dem Sofa zu liegen. Ich komme abends nicht vor elf zum schlafen, obwohl ich es mir täglich vornehme, das rächt sich dann am Morgen.

Der Minimensch spielt sehr fröhlich im Wohnzimmer, ich liege auf dem Sofa und beginne diesen Blogbeitrag. Außerdem mache ich mir eine berufliche und private To-Do-Liste für den Tag. Die meisten Punkte standen gestern auch schon drauf. Mimimimi.

Um 6.30 fühle ich mich dem Tagwerk gewachsen und verfrachte den Minimensch ins Bad, wo ich schnell dusche und dann den sich wehrenden Minimensch tagfein mache. Wickeln ist hier derzeit nicht hoch im Kurs bei der Filialgeneration. Mein in der Nacht keimender Verdacht, er könne wieder Fieber haben, bestätigt sich beim nachmessen zum Glück nicht. Der Blick aus dem Fenster stimmt nicht gerade fröhlich, ich steige grummelnd in eine Strumpfhose und ein ungeliebtes Jerseykleid und verspreche mir, mir heute abend endlich mal wieder was zu nähen. Um 7 sind wir beide so weit fertig. Der Mann ist inzwischen auch aufgestanden und kann mir somit beim lästigen Naseabsaugen und Nasentropfen verabreichen helfen. Ein Glück.

Ich mache Frühstück, der Minimensch hat offenbar schon Hunger denn er hängt jammernd an meinem Bein. Ich gebe ihm erstmal die Schnabeltasse mit Wasser, um ihn zu beschäftigen, während ich noch Brot schneide und den Tisch decke. Mir fällt auf, dass ich unseren Jahresvorrat Tee bestellen muss. Ich setze es auf meine To-Do-Liste. Während ich dem Minimensch sein Brot füttere, checke ich zum ersten Mal meine Arbeitsmails. Glücklicherweise ist aber nix dringendes los im Posteingang. Eine Mail werde ich später in Ruhe beantworten. Das Frühstück zieht sich fast bis acht, das Essen mit Schnupfen ist mühsam immer wieder muss ein bisschen Ablenkung betrieben werden. Ich genieße es sehr, mit dem Mann zusammen zu frühstücken, das gab es früher unter der Woche nicht, da stand er auf, wenn ich aus dem Haus ging. Man ist ja als Eltern doch zwangsläufig sehr viel eher wach, der Tag hat mehr Stunden und doch immer noch zu wenige.

Kaum vom Frühstückstisch aufgestanden zeigt der Minimensch ein verdächtiges Gähnen. Er macht eigentlich keinen Vormittagsschlaf mehr, aber wenn er wie heute zu früh wach war und kränkelt, dann hat er um 8 einen sehr tiefen Punkt. Solang der Schlaf vor 9 liegt, klappt es trotzdem mit dem Mittagsschlaf. Ich ziehe ihm ein frisches Shirt an, das hat das Frühstück schonmal nicht überlebt und pack ihn in die Manduca. Während ich die Küche aufräume pennt er auch tatsächlich ein. Ich ringe mit mir, ob ich auch einen Schlaf einlegen soll. Es gäbe auch einiges anderes wofür ich diese halbe Stunde nutzen könnte. Ich entscheide schließlich doch für ein Nickerchen. Ich gebe dem Mann noch schnell einen Abschiedskuss, schäle uns aus der Manduca und verfrachte uns ins Bett. Ich kann zwar nur dösen, finde nicht wirklich Schlaf, aber kann die Ruhepause dennoch gut brauchen. Der Mann wird heute wegen eines Termins später als üblich nach Hause kommen. Das bedeutet für mich einen anstrengenden Tag mit wenig Pausen und viel arbeiten am Abend. Gestern war das auch schon so. Um 9.15 pennt der Minimensch immer noch, eine ganze Stunde Vormittagsschlaf. Das ist ungewöhnlich. Ich bette ihn in sein Bett um und stehe auf. Ich muss noch ein Päckchen und einen Brief fertig machen, die ich nachher mit zum einkaufen nehmen will.

Kaum habe ich am Computer Platz genommen, um das Versandetikett zu drucken, ist der Minimensch wach. Ich gehe runter, hole ihn rauf, erstellen wir das Versandetikett halt zusammen. Hat ja keiner gesagt, sowas müsste schnell gehen, ne?

Ich packe das Päckchen. Danach setze ich den Minimensch in sein Bettchen und gehe eine von den 12 Millionen Maschinen wartender DreckWäsche einwerfen, ich bringe auch noch den Inhalt sämtlicher Mülleimer runter. Im Vorbeigehen räume ich das Schuhregal auf und stelle fest, dass ich dringend mal Schuhe putzen müsste. Nicht heute, heute ist meine Liste eh schon voll. Ich mache den Spül fertig, den ich zugunsten des Nickerchens stehen ließ. Und schwupp ist 10 Uhr, Zeit für des Minimenschen Vormittagssnack. Ich schneide ihm ein paar Stücke Obst, bereite aber auch einen Brei vor, Obst in Stücken wird hier plötzlich vehement ausgespuckt, dabei wurde letzte Woche noh alles verschmäht, was wie Babyessen aussieht. Mir koche ich den ersten Kaffee für heute. Das Stückobst wird liebevoll befühlt und dann liebevoll auf den Boden geworfen. Nunja, wischen steht eh auf meiner Liste… ich füttere Brei und schreibe meinen Einkaufszettel und checke meine Arbeitsmails. Immernoch nix wichtiges. Gespenstisch. Der Minimensch möchte nicht viel essen und dann auch bitte schnell raus aus seinem Stuhl. Aber allein auf dem Boden ist es auch doof. Jammernd hängt er an meiner Stuhlkante. Ich fülle den restlichen Kaffee in einen Thermobecher und begebe mich auf die Suche nach Briefumschlag und Briefmarke. 10 Minuten verschwende ich darauf, mein Handy zu suchen, dass ich neben dem Rechner liegen gelassen hatte. Der Minimensch hat derweil den Schrank mit den Einkaufstaschen ausgeräumt. Es regnet in Strömen. Nicht gerade das Wetter bei dem ich mit dem Minimensch gern das Haus verlasse. Aber wir müssen einkaufen. Mein Tag ist in Zeitfenster unterteilt und das Einkaufszeitfenster ist morgens. Also das Kind in die Regenjacke und um 10.30 los.

Erste Station Post-Kiosk, danach Supermarkt. Irgendwie landet doch wieder viel mehr als geplant im Einkaufswagen. Ich entschließe mich, trotz anhaltenden Regens die 500m zur Drogerie zu laufen und nicht das Auto umzuparken. Mit Schirm leider aber ohne Einkaufstasche, die habe ich vergessen. Ich werde wohl schon wieder eine dieser „IchwarmaleineFlasche-Taschen“ kaufen. Damit kann ich schon unseren gesamten Hausstand einpacken, so viele haben wir davon. Der Minimensch ist bester Stimmung, er brabbelt in der Trage friedlich vor sich hin und flirtet vorbeikommende Frauen an. Meinr Laune steigt, auch, weil ich im Vorbeigehen in einem Spiegel gesehen habe, dass ich deutlich weniger müde aussehe, als ich mich fühle.

11.45 sind wir wieder zuhause, die Einkäufe lasse ich im Auto, erstmal ins trockene mit uns. Ich werfe den Rest des Maultaschenteigs von gestern abend in den Rest der Spargelsuppe von gestern mittag und habe so für mich einen Eintopf kreiert. Für den Minimensch habe ich gestern schon mitgekocht. Der ist froh, wieder frei zu sein und stürzt sich voll Wonne auf den Berg ungefalteter Wäsche im Wohnzimmer, den er nach seinem Ordnungssystem, das nur er kennt, sorgfältig zu Stapeln rund um den Korb auftürmt. Dank langem Vormittagsschlaf von Müdigkeit keine Spur. Ich bin froh, dass er sich heute so gut selbst beschäftigt, eine angenehme Abwechslung zur letzten Woche, wo er praktisch an mir festgewachsen war. Ich nutze die Gunst der Stunde und räume die Spülmaschine aus. Beginne mit Wäsche falten, jedes Teil zählt. Dann wechsel ich dem Minimensch die Windel und wo ich mich gerade eh schon unbeliebt mache, sauge ich auch noch die Nase ab und verabreiche Nasentropfen. Die Zeit bis das Mittagessen um 12.35 fertig ist, vertreiben wir uns mitTürmchen bauen. Die Baubecher stehen hoch im Kurs derzeit.

Beim Essen ist der Minimensch sehr plötzlich sehr müde. Viel vom Essen landet in den Händen, auf dem Boden, auf dem Kind. Zweite Essenschweinerei für heute, aber ich muss ja eh noch wischen… als wir das Schlafzimmer betreten bricht das Kind auf der Stelle in Geschrei aus. Egal wie müde, das Ansinnen, es möge schlafen, ist und bleibt eine Zumutung. Durch wiegen und summen siegt aber dann doch schnell der Schlaf. Ob das Kind eines fernen Tages noch vor dem Abitur lernen wird allein und ohne Gezeter in seinem Bett einzuschlafen kann heute wiederum nicht geklärt werden. Ich gönne mir ein paar Minuten Kuschelzeit und schaue erstmals heute in meinr Twitter-Timeline. Schließlich lege ich das friedlich schnorchelnde Kid ab, hole mir meinen Thermotassenkaffee, ignoriere das Essenschaos in der Küche und sitze um 13.20 am Schreibtisch.

Tatsächlich gibt es inzwischen doch 2-3 Mails zu beantworten. Danach lese ich. Ich bin gerade in der Recherchephase eines neuen Projektes. Das mag ich nicht besonders, ich kann mich beim lesen schlecht bei der Stange halten, gerade wenn ich so am Anfang stehe und es echt nicht zeitlich eng ist. Aber ich mache mir konzeptionelleNotizen, habe ganz gute Ideen, es läuft gut.

14.25 Geräusche aus dem babyphone. Pause, Kind huckeln, das weinend in seinem Bettchen saß. Einmal auf dem Arm schläft er sehr schnell wieder ein. Ich gehe weiterlesen.

15.00 wieder Geräusche, das Kind steht fröhlich im Bett, ich denke, es hat ausgeschlafen. Nehme ihn hoch und Zack, ein Wunder. Er pennt. Na gut. Ich gehe wieder an die Arbeit, bis der Minimensch um 15.30 tatsächlich ausgeschlafen hat. Ich bin hochzufrieden mit meiner Arbeit.

Der Minimensch ist anhänglich aber fröhlich. Ich setze ihn zurück in sein Bett, gehe eine weitere Wäsche einwerfen, auf dem Rückweg bringe ich trockene Wäsche und den Einkauf aus dem Auto mit. Abgesetzt werden war uncool, der Minimensch ist nun klammerig. Ich bringe die Küche in Ordnung und räume den Einkauf aus, tatkräftig unterstützt vom Minimensch, der sich größte Mühe gibt, den Küchenfußboden möglichst vollständig mit dem Inhalt der Tüten zu bedecken und rumpelstilzchenesk ausrastet, als ich einen Teil der Sachen in die Abstellkammer trage. Ja gut. Kommt vor. Ich beginne derweil den nächsten Snack vorzubereiten, ich gebe das mit den Obststücken nicht so schnell auf, und Kaffee zu kochen. Die Spülmaschine einräumen gestaltet sich schwierig, da das Kind versucht hineinzukriechen.

16.00 Uhr, wir essen unseren Snack. Die Stücke kommen gar nicht gut an. Bah, wer will sowas essen? Der Minimensch jedenfalls nicht. Doch Brei also. Auch den zu essen dauert. Alles ist so interessant, da muss man zeigen, erklärt bekommen usw. Nach dem füttern ist der Minimensch wieder gnädig bereit allein auf dem Boden zu spielen. Ich gönne mir zum Kaffee zwei Stücke Schokolade und ein bisschen Twitter. Außerdem sinniere ich darüber  wie ich wischen könnte, ohne dass ich nachher einen jammernden oder nassen Minimensch oder Rückenschmerzen hab. Im Bettchen lassen geht nicht, rumkrabbeln lassen auch nicht, tragen ist anstregend. Ich entscheide mich, das ganze Raum für Raum anzugehen.

Aber erstmal überall das Minimenschinduzierte Chaos aufräumen. Wir machen das zusammen. Ich ein Teil in die Kiste, er ein Teil in die Kiste. Ich bräuchte eine Pause, das merke ich daran, dass ich einfach in die Luft starre, während der Minimensch das gerade eingeräumte wieder ausräumt. Also raffe ich mich auf, mache Wischwasser und wische Raum für Raum, zuletzt Wohnzimmer. Im Schlafzimmer kommt der Minimensch ins Bett, im Bad in die Badewanne, in der Küche in den Hochstuhl. Danach gehen wir nach oben ins Spielzimmer, damit alles trocknen kann. Der Minimensch liebt sein Spielzimmer und ist ganz in seinem Element. So richtig lang bei einem Spiel dabei bleiben möchte er aber heute nicht. Wir spielen ein bisschen Ball, dann klettert er lieber auf die Matratze und wieder heruntert. Ich beschließe, dass ich es mal probiere einige der Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten, für die ich einen Computer brauche. Am wichtigsten: Onlineapotheke. Kaum bin ich über das Gitterchen geklettert und sitze nebenan am Computer ist der Minimensch aber nicht mehr so selbst vergessen, sondern apportiert mir Bilderbücher zum Gitterchen und verlangt meine Aufmerksamkeit. Also schnell die Bestellung abschicken und dann Bücher vorlesen. Um 1745 muss ich unser Spiel unterbrechen um kochen zu gehen. Um diese Zeit ist der Mann sonst schon längst zuhause. Die Zeit wird mir lang, ich merke, dass ich diese 1-2 Stunden Verschnaufpause am Nachmittag dringend brauche und die Quengelstunde eigentlich zu viel für mich ist. Der Minimensch ist allerdings zum Glück gut gelaunt. Er räumt zum zweiten Mal heute den Schüsselschrank aus und spielt friedlich. Als alles Gemüse in der Pfanne ist, räume ich Stück für Stück mit ihm den Schrank wieder ein.

Wir gehen rüber ins Wohnzimmer. Er kommt mir sehr aufgedreht vor, ich versuche, ihn zu überreden, ein Buch anzuschauen oder etwas ruhiges zu spielen. Aber er bleibt nicht bei der Sache, lieber klettert er auf den Fußhocker unseres Sessels. Drauf runter drauf runter. Ich falte weiter am Wäscheberg. Um 18.15 erkundige ich mich via Chat beim Mann, wann er kommt. Als er sich für bald ankündigt, werfe ich die Eier in die Pfanne, packe den Minimensch in die Manduca und gehe in den Keller um die Wäsche aufzuhängen. Dabei stelle ich fest, dass ich am Nachmittag die Maschine gar nicht angemacht hatte. Ich verlasse also weitgehend unverrichteter Dinge den Keller und decke den Tisch.

Um 18.35 ist der Mann ist der Mann noch nicht da, der Minimensch wird aber jammerig. Ich fange an, ihn zu füttern und hoffe, dass er das relativ stückige Essen überhaupt nimmt. ZIM Glück ist es Shakshuksha, die er sehr gern mag, er haut ordentlich rein. Allerdings ist er nun so müde, dass ihm fast der Kopf in den Teller fällt. Als der Mann um 18.45 kommt setzt aber der „YeahPapaistdaEffekt“ ein und wir können mit fröhlichen Kind in Ruhe zu Ende essen.

19.10 Mann und Kind verschwinden im Schlafzimmer, ich erwische mich auf Twitter, rufe mich zur Ordnung, räume die Küche auf und sitze19.30 wieder am Schreibtisch. Ich habe eine Mail von meiner Kollegin Z. bekommen, mit Daten und einem Modell für ein Paper an dem wir schon länger arbeiten. Ich freue mir einen Ast. Ich mag das Paper und arbeite gern mit Z. zusammen, vor allem aber heißt das, dass ich die nächsten Tage statt nur zu lesen was tun kann. Juhuu. Ich chatte mit Z. um abzusprechen, was zu tun ist, denn sie ist ab morgen im Urlaub. Danach werfe ich einen ersten Blick in die Dateien. Dabei fällt mir eher zufällig auf, dass mein Rechner offenbar beim synchronisieren gewaltigen Mist baut und sehr viele Dateien in verschiendenen Versionen existieren. Das ist eine Erklärung für allerlei Probleme, die ich in letzter Zeit beim arbeiten von zuhause hatte. Ich ärgere mich, werfe erstmal ein Backup an und schreibe eine Mail an die IT. Während mein Rechner Dateien kopiert, chatte ich ein bisschen und beantworte eine weitere Mail. Um 20.45 beschließe ich, dass mein Rechner auch allein weitermachen kann und ich mir das ganze morgen angucke. Ich gehe auf die Suche nach dem Mann, der scheinbar beim Minimensch eingeschlafen ist. Gegen 21 Uhr finden wir uns mit einem Glas Wein auf dem Sofa wieder und kommen endlich dazu, den Tag zu besprechen .Um  21.10 weint der Minimensch, ich gehe nach ihm gucken und beruhige ihn. Danach hole ich mir Stoff und Schnitt für ein Vogue 8787 Probekleid runter und beginne mit dem Zuschnitt. Ich wollte ja nähen! Und ich brauche für eine Hochzeit in 10 Tagen ein Kleid. Dies hier wird das Problekleid. Der Zuschnitt gestaltet sich schwierig denn ich habe etwa 1,5m zu wenig Stoff – wie immer habe ich nur 2m gekauft und bräuchte 3,5 für dieses Kleid. Kann ja keiner ahnen. Also Zuschnitttetris, unterbrochen von Gewimmer des Minimenschen um 21.40. Um 22.25 bin ich fertig mit zuschneiden. Punkt 22.30 , also genau zu der Zeit, wo ich eigentlich im Bett liegen und auf der Stelle einschlafen möchte, weint der Minimensch. Er lässt sich kaum beruhigen, wirft sich auf dem Arm herum, hat Durst und die Nase zu. Der Mann und ich machen uns im Wechsel bettfertig und huckeln das arme Kind.  Nach 23 Uhr liegt er endlich zwischen uns und schläft wieder friedlich.

Ich lasse noch einmal den Tag Revue passieren. Was ich nicht gemacht habe: Mich bei zwei Freundinnen gemeldet, was ich schon lang tun wollte, gestrickt, den Rasen gemäht (es regnete ja), meinen Feedreader auch nur geöffnet, geschweige denn Zeitungsartikel oder gar ein Buch gelesen. Dennoch: Bis auf den Tee habe ich alle Punkte auf meiner To Do Liste erledigt, ich habe ordentlich gearbeitet, musste dem Chaos in der Wohnung zumindest keinen Zoll Boden geben, auch wenn ich ihm wohl auch keinen Boden abringen konnte und ich habe etwas zugeschnitten. Insgesamt ein guter Tag. Ich schlafe mit dem Gedanken, dass ich eine Verlängerung der Frist für die Steuererklärung beantragen muss, deutlich zu spät ein.

5 Gedanken zu “Tagebuchbloggen am 27.05.14

  1. Nike schreibt:

    Ey!
    Ich bewundere Dich zutiefst, wie Du da noch arbeiten kannst. Und gewischt hast Du auch! Dinge die hier eher bis überhaupt nicht passieren, wenn sich ein Kind im Haus befindet. Ächz.
    Hoffe Du hast längst Feierabend,
    Grüße
    Nike
    Ps: Falls der Minimensch sich bei Gelegenheit ansatzweise davon überzeugen lässt eventuell in seinem Bett einzuschlafen, kannst Du mal versuchen, dabei zwar theoretisch anwesend zu sein, Dich dabei aber tatsächlich voll öde in Dein eigenes Buch zu vertiefen. Zieht hier schon beim zweiten Kind total & so komme ich wenigstens 2x am Tag kurz zum lesen.

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Das Problem ist, dass er, sobald er in sein Bett gelegt wird schlagartig wieder hell wach ist, fröhlich runturnt, alles vandalisiert was er findet (Kuscheltiere, Nestchen, Decke, …) und das auch gern mal ne Stunde!

      • Nike schreibt:

        Lalala… ich erinnere mich düster. Hatte der Lütte auch drauf. Auch mal zwei, drei Stunden. Uncool. Aber die beiden sind ja so riesig und entsprechend schwer, ich musste es aussitzen, rumschleppen war keine Option mehr. Falls Du mit dem Gedanken spielst es auszuprobieren: nach nem Monat oder so hatte er resigniert.

  2. drachenmaedchen schreibt:

    Oh, bei so vielem habe ich gerufen „Hier auch! Ganz genau so!“. Schrank ausräumen, bäuchlings auf der Spülmaschinenklappe liegen, rumpelstilzen bei Dinge-Entzug – alles bekannt hier… Und doch schön zu lesen, dass es bei anderen nicht anders ist – geteiltes Leid und so.
    Liebe Grüße vom drachenmaedchen

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