Das Schmetterlingskleid

Nach ewig langer Verzögerung ist das Schmetterlingskleid tatsächlich letzte Woche fertig geworden. Zunächst als Hochzeitsgastkleid für Anfang Juni geplant, dann rausgeschoben für die Taufe des Minimensch Mitte Juni, dann noch weiter rausgeschoben, wurde es jetzt ganz anlasslos fertig und letzte Woche profan im Büro probegetragen.

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Der Schnitt Vogue 8787 lag schon seit ca. 2 Jahren bei mir herum und lagerte ab. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich drauf kam ihn zu bestellen, vielleicht ist er einfach beim Sale mit in den Korb gewandert oder ich hatte eine Inspiration, die ich schon vergessen habe. Ich hatte ihn jedenfalls schonmal für ein Hochzeitsgastkleid im Herbst 2012 auf meiner SWAP-Liste. Ich glaube, ich habe eine fatale Hochzeitsgastkleid-Abschlussschwäche und werde für immer nur in gekauften Kleidern auf Hochzeiten gehen können.
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Als ich im Mai bei Alfatex war, um den Stoff für meine Stoffwechselpartnerin auszusuchen, habe ich diesen wirklich traumschönen Schmetterlingssatin aus 100% Viskose gefunden. Vom Fall her ist der Stoff perfekt für den Schnitt. Schwer genug, dass der Wasserfall gut runterfällt und gleichzeitig überhaupt nicht steif. Er trägt sich auch sehr sehr angenehm. Leider vernäht er sich aber eher zickig. Schon beim Zuschnitt wollte er keine 2 Minuten da bleiben, wo ich ihn hingelegt hatte, was inbesondere beim riesigen und sehr abstrus geformten oberen Vorderteil fast alle meine Nerven gekostet hat (die restlichen hat dann das Spiel Deutschland-Algerien aufgefressen – also wenn demnächst irgendwo steht „Nähbloggerin amok gelaufen – das war ich). Beim nähen habe ich gefühlt sehr viel gründlicher gesteckt als es sonst meine Art ist, dennoch sind einige Nähte schief geworden , weil das flutschige Mistding ständig die Nadeln abwarf. Er warf auch die Püsterkreide ab – ich musste den Saum zweimal neu püstern und durfte mich dann nicht bewegen, sonst war sofort alle Kreide weg. Schlimm.

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Insbesondere wegen der Zickigkeit des Stoffes aber wohl auch weil ich abends einfach sehr müde und unkonzentriert bin, hat es gefühlt ewig gedauert, das Kleid zu nähen. Dafür ist es allerdings jetzt auch ziemlich gut. Es hat noch eine verzogene Naht (die hintere Mittelnaht) – das kann ich aber nicht sehen, weil es hinten ist, und wurde mir erst von J. im Büro mitgeteilt und bleibt jetzt so. Ansonsten sitzt es gut und trägt sich noch besser.  Natürlich ist es durch die Kombi aus Satin und Wasserfall eigentlich zu dramatisch für’s Büro, aber ich hab ja grad keinen Anlass – ich werde es aber wohl vor allem zu Gartenfesten und sowas tragen, dafür finde ich es schön.

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Der Schnitt gefällt mir außerordentlich, einmal weil er figurtechnisch sehr nett ist, aber auch weil er sehr schöne große Nahttaschen vorsieht- ein Anlasskleid mit Taschen, wie gemacht für Kleinkindmütter also. Ich hatte vor dem Wasserfall Respekt, vor allem auch weil das Schnittteil so merkwürdig aussah, letztendlich war das Kleid aber leicht zu nähen. Ich habe die notwendigen Änderungen größtenteils am Schnitt durchgeführt, mit Hilfe meines (noch nicht verbloggten) neuen Oberteilgrundschnitts und dann hatte ich das Glück, meine nähkundige Schwiegermutter zu Besuch zu haben, die mir das vordere Oberteil nochmal sauber stecken konnte, so dass es jetzt wirklich gut sitzt. Ich würde jederzeit noch so ein Kleid nähen, allerdings ist es, glaube ich, etwas speziell in den Anforderungen an den Stoff, es muss ein fließender aber schwerer Stoff sein. Viskose ist wirklich ideal.

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Ein bisschen was habe ich geändert:

– Das vordere Oberteil habe ich, nach Abgleich mit meinem Grundschnitt im Brustbereich etwa 2 cm weiter zugeschnitten, das ist eine bei Gr.12 für mich noch recht kleine Brustanpassung. Das rückwärtige Oberteil habe ich komplett von meinem Grundschnitt genommen. Das vordere Oberteil ist gedoppelt, als Futter für das hintere Oberteil habe ich Baumwollbatist verwandt, weil ich mir das angenehme Tragegefühl nicht mit klebrigem Futter zunichte machen wollte.

– Das Oberteil habe ich außerdem etwas verlängert, zuerst zuviel, am Ende wird es nur 1cm gewesen sein.

– Ich habe insgesamt den Umfang des Rockteils reduziert, der Schnitt sieht einen vollen Teller in 7 Bahnen vor, das habe ich auf einen 3/4-Teller reduziert, für ein Sommerkleid und dann noch mit Rockfutter war mir das einfach zu viel Stoff. Ich habe dafür die Rockteile mit denen des Herzchenrocks verglichen und entsprechend angepasst. Das vordere mittlere Rockteil habe ich zudem im schrägen Fadenlauf zugeschnitten – ein Trick den ich mir bei Knip-Röcken abgeschaut habe, dadurch fällt der Rock vorne etwas mehr zur Mitte und steht zur Seite hin nicht ganz so ab. Außerdem finde ich es bei Musterstoffen fast immer schöner wenn der schräge Musterverlauf mittig und nicht an der Seitennaht ist.

– Der Rock wird gefüttert und hier habe ich als „Pseudo-Gerät“ einen Crash-Taft genommen, der gibt dem Rock etwas Volumen ohne aber gleich so dramatisch zu sein, wie ein Petticoat. Allerdings raschelt er erheblich, was mich am Anfang etwas irritiert hat. Was ich nicht nochmal so machen würde ist die Taschen, wie im Schnitt vorgesehen halb aus dem Futter zuzuschneiden – ich mag am liebsten Taschen aus schnöder Baumwolle und die würden auch weniger auftragen und sich  nicht dauernd verwurschteln.

– Ich musste das Rockteil außerdem im etwa eine Handbreit kürzen. Den Saum habe ich mit hellblauem Satin-Schrägband verstürzt anstatt den angegebenen kilometerlangen Handblindsaum zu nähen.

– Die Ärmel sind von der schmalen Variante des Schnittes und passen aber auch ganz gut zu dieser, finde ich. Sie sitzen gut und ich habe sie nun auch meinem Stoffwechsel-Kleid transplantiert, das von Haus aus dumme Ärmel hatte. Die Ärmel sind gefüttert, das hatte ich, glaub ich, bisher noch nie – dadurch haben sie Stand und tragen sich nett und der Saum krumpelt nicht rum. Daumen hoch dafür.

Also, alles in allem eine Empfehlung für Vogue 8787. Und große Liebe für die Schmetterlinge, jetzt wo sie einmal bezwungen sind.