Ein Hauch von 50ies

Weil ich in letzter Zeit nicht viel Zeit zum bloggen hatte, hab ich einen kleinen Vorrat an nicht gezeigtem. So auch dieses Outfit, das aus ausschließlich selbst genähtem und recht neuem besteht:

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Der Rock ist schon vor Monaten in meinem Kopfkleiderschrank eingezogen, mit der Umsetzung hat es dann doch etwas gedauert, obwohl er echt schnell genäht war. Der gepunktete Stoff ist ein durchsichtiger Vollplastik-Gardinenstoff von sehr bescheidener Qualität. Ich sah ihn im Vorbeigehen im abgehalfterten Gardinenladen in unserem Stadtteil neben dem Marktplatz. Das Geschäft ist offenbar ein Traditionshaus, ich habe dort allerdings noch nie einen anderen Kunden angetroffen. Zum Verkauf stehen ausschließlich recht oma-esque Gardinen und eben auch Gardinenstoffe. Oft gibt es Reststücke im Angebot für 1,-Euro/m. So war es auch mit diesem. Auf der Rolle waren noch etwas über 2m, die wanderten für 2 Euro in meine Markttasche und wurden im Kopf sofort zu einem Tellerrock. Nun, da es erst anderes zu nähen gab, dauerte es dann wiederum, bis der Sommer fast vorbei war. Aber dann fasste ich mir ein Herz und stellte mich dem Plastikmonster.

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Der Schnitt ist selbst erstellt nach dieser Maßtabelle. Ich verwende stets den schönen breiten Bund von Simplicity 2451 bei selbst gezeichneten Röcken, so auch hier. Ich habe den Rock, da der Oberstoff ja transparent ist, komplett mit weißem Batist gedoppelt verarbeitet. Der Bund ist nur aus dem weißen Stoff, da der Gardinenstoff unter Belastung sofort an den Nähten reißt. Dadurch ist der Rock auch sicher nicht für die Ewigkeit gemacht, aber ich habe noch genug Stoff, um ihn einfach zu replizieren. Denn ich liebe ihn. Seit er fertig ist, wohne ich quasi darin. Gesäumt sind beide Stofflagen getrennt mit Overlock-Rollsaum.

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Das Oberteil ist auch selbst genäht und das ist eigentlich die Errungenschaft an diesem Ensemble, denn es ist das erste gut gelungene Shirt, das ich je genäht habe. Der Schnitt ist das Plantain-Top von Deer&Doe, das es als freien Download im Shop gibt. Ich habe die A-Linie reduziert und die Schulterbreite wesentlich reduziert, ansonsten ist der Schnitt sehr gelungen, finde ich. Ich habe ihn in Gr. 38 mit der Armlochpartie von Gr. 34 zugeschnitten und er passt so ohne weitere Änderungen hervorragend. Den Halsausschnitt habe ich offenkantig verarbeitet. Nachdem meine Kaufshirts nach mindestens 2,5 Jahren im Dauereinsatz nun nach und nach Auflösungserscheinungen entwickeln und ich nicht vorhabe, neue zu kaufen, wurde es dringend Zeit, dass ich an der Front einen guten Schnitt auftue. Ich bin mit diesem Shirt sehr zufrieden, das Material ist mitteldicker Baumwoll-Elastik-Jersey, dessen Quelle mir leider entfallen ist. Das ist ärgerlich, denn er ist perfekt für den Schnitt und trägt sich sehr angenehm.

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Und unterm Rock? Steckt noch ein Petticoat.

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Ich besaß schon länger einen eher günstigen Rockabilly-Petticoat aus ziemlich steifem kratzigen Tüll in einfacher Lage aber 3 Stufen. Der Saumumfang der unteren Stufe war 16 Meter, die darüber 8, die darüber 4. Das ist wirklich viel Tüll. Soviel, dass das Petticoat nur unter volle Teller passte und mir im Alltag deutlich zu bauschig war. Vor kurzem habe ich mir also ein Herz gefasst und einen operativen Eingriff vorgenommen.

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Ich habe den Bund von der oberen Stufe und die obere von der zweiten Stufe abgeschnitten und dann den Umfang wesentlich reduziert und die Stufen wieder zusammengesetzt. Nun hat die obere Stufe noch 1,5m, dir zweite 3,5m und die untere, die ich mit der zweiten zusammen gekürzt habe, 7 m. So ist das ganze erheblich weniger bauschig und macht sich sehr gut. Ich trage das Petticoat nun mit Begeisterung im Alltag und fantasiere schon von weiteren.

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Ein bisschen doof ist, dass der Tüll so kratzig ist, das ist beim sitzen auf Dauer mit nackten Beinen unangenehm. Ich hätte ja jetzt noch einige Meter in schmalen Bahnen, aber ich werde mir für einen weiteren in schwarz oder blau wohl trotzdem weicheren besorgen. Und dann hätte ich auch noch gern einen doppelten Tüll-Teller a la Catherine, dafür wäre dieses steife Zeug wohl gut, aber ich müsste mir erst aus den Bahnen eine Stoffbreite zusammenstückeln… Auch doof.

Insgesamt aber ein vollkommener Näherfolg, alle 3 Teile.

4 Gedanken zu “Ein Hauch von 50ies

  1. Goldengelchen schreibt:

    Wenn ich durch meinen Blogreader scrolle (meist auf dem Handy), erkenne ich deine Posts meist sofort, ohne irgendwelche Titel oder Texte oder sonstiges gesehen zu haben. Irgendwie verrät dich meist deine Poste 😉
    Das Outfit sieht toll aus. Ganz besonder gefällt mir das T-Shirt, die Farbe wäre jetzt vielleicht nicht unbedingt etwas für mich, aber der Schnitt gefällt mir sehr! Er ist schlicht, aber trotzdem mit dem besondern etwas, die Ausschnitt-Größe und Form finde ich toll! Und deine Änderungen (Reduzierungder A-Linie) finde ich auch gut, denn der Originalschnitt sagt mir gar nicht sooo zu.

    Viele Grüße, Goldengelchen

  2. Dodosbeads schreibt:

    Du siehst soooo schön aus mit Deinem “ Dreiteiler “ ! Mehr davon für Frau Siebenhundertsachen ! Ich hab durch den Stoffwechsel ja auch gelernt , dass bei manchen Stoffen das Füttern Wunder bewirkt 😉
    liebe Grüße Dodo

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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