Herbst-Stoffwechsel: Mein Steckbrief

Was nähst du im Herbst/Winter am liebsten für dich?

Ich trage gerade im Herbst gern Röcke. Sie sind flexibler als Kleider, man kann sie mit Lagenlook auch an Übergangswetter anpassen. Ich nahe aber natürlich lieber Kleider, sie sind eher eine Herausforderung. Leider habe ich bisher noch keinen wirklich gut sitzenden Schnitt für ein Kleid mir Ärmeln, deshalb werden es dann meist ärmellose Kleider mit Shirt drunter.

Und wenn wir kurz mal vor allem an Oberteile und Röcke denken, was würdest du da gern nähen? Hast du schon etwas vor Augen? Oder nähst du lieber Hosen oder nur Kleider?
Ich habe vor ein Bleistiftrock-Experiment zu wagen, aus stretchigem Wollstoff am liebsten. Aber weil ich nicht sicher bin, wie gut ein Bleistiftrock in mein Leben passt, werde ich sicher auch herbstliche Teller und A-Linien-Bahnen-Röcke nähen. Blusen wären dazu nett, aber nach wie vor habe ich da noch keinen tollen Schnitt gefunden. Und natürlich will ich auch langärmelige Kleider nähen. Aber auch da ist schnitt technisch noch Luft nach oben bei mir. Elisalex, das Butterick-Lemmingkleid, das Frau-Kirsche-Kleid, alles noch halb gar irgendwie.

Die Glaubensfrage: Webstoff oder Jersey? Oder doch beides?
Webstoff. Jersey ist bei mir immer nur ein Zugeständnis an Praktikabilität. In Webstoff fühle ich mich deutlich mehr angezogen. Allerdings trage ich natürlich Shirts. Und habe bisher auch noch kein gutes Oberteil aus Webstoff zustande gebracht. Alte Hasen beim Stoffwechsel sind schon mit dem Fachbegriff vertraut: Schlimme Oberteilschwäche.

Welches Material vernähst du am liebsten (z.B. Viskose, Baumwolle, Wolle, …) – gegen was hast du eine (starke) Abneigung?

Ich habe einen Hang zu Mischgewebe, das kann gut und schlecht enden. Da ich äußerst ungern bügele, finde ich Baumwoll-Viskose oder Woll-Viskose-Mischungen grandios, weil sie meist ohne knittern auskommen und von der Leine direkt wieder angezogen werden können. Aber die meisten Mischgewebe enthalten eben auch Polytierchen. Und da hab ich dann auch schon viel Mist vernäht, der nicht lang hielt und ständig raschelte. Ab einem Kunstanteil von etwa 30% wird es mir zu raschelig und ich sehe vom Kauf ab. Leider ist ja nicht jeder Stoff gut ausgezeichnet. Ich habe hier mit Alfatex da auch höhere Maßstäbe entwickelt, weil Wollstoffe dort wirklich gut zu bekommen sind. Im Winter trage ich gern Wollstoffe aber auch dickere Baumwoll/Viskose/Kunstfaser-Mischungen. Kaum Erfahrung hab ich bisher mit Crepe. Insgesamt bevorzuge ich Stoffe mit eher festem Griff und etwas Stand. Alles was weich und fließend ist, ist mir irgendwie zu undefiniert.
Ich habe eine recht gespaltene Beziehung zu Cord. Immer mal wieder kaufe ich welchen und nehme mir vor daraus einen Rock zu machen, aber so richtig dolle finde ich das dann immer nicht. Gleiches gilt für Jeans/Denim.
Gar nicht mag ich – auch das altbekannt – Panne-Samt. Bah. Wie Jersey nur in fies. Wofür soll das gut sein? So normaler Samt geht vielleicht sogar, hat aber doch eine deutliche 70er-Anmutung und oft auch viel zu viel Kunstfaser.

Was sind deine Lieblingsfarben, welche stehen dir gut? Welche gehen gar nicht?
Auch hier nix neues: Lieblingsfarben sind und bleiben petrol und lila. Im Winter trage ich auch gern Beerentöne und schon mal was rotes, das wärmt optisch direkt etwas. Türkis hingegen, das ich im Sommer abgöttisch liebe, ist mir im Winter zu knallig, ich mag im Winter auch kein weiß. Eine sichere Bank sind sämtliche Blautöne, die stehen mir eigentlich alle. Allerdings besitze ich, mangels Stoffauswahl in petrol auch schon sehr viel blaues. Ich bin Farbberatungs-technisch ein Winter-Typ, d.h. kalte klare Farben sind meins. Ich habe auch viel graues und schwarzes. Aber das sind für mich eher Vernunfts-Kleidungsstücke. Ich kann nicht sagen, dass ich mich je nach „schwarz“ fühle. Aber es kombiniert sich gut mit Farben und dann trage ich es eben auch gern und oft. Braun ist schwierig, da gibt es nur wenige Töne, die mich nicht sehr krank aussehen lassen. Für Pink muss ich in der Stimmung sein, das geht bei weitem nicht immer.
Gar nicht gehen gelb, orange, sand, khaki und warme Rottöne. Auch die allermeisten Grüntöne außer smaragd/jade sind eine Leichen-Lookalike-Garantie.

Welche Muster magst du? Groß oder klein? Blumen, Streifen, Punkte? Oder sind Muster vielleicht gar nicht so deins?

Zunächst mal: Ich mag Muster. Auch im Winter, der ja sehr viel weniger Muster-Vielfalt bietet, was Stoffe anbelangt, trage ich eigentlich nie vollkommen uni-farbene Kleidung. Natürlich gibt es im Winter nicht die Mustervielfalt, die Baumwoll- und Viskosefähnchen im Sommer bieten. Aber ich nehme, was ich finden kann. Karos, gern sowohl große als auch kleine. Pepita, Fischgrät, Tweed – mag ich alles gern. Nur Hahnentritt kann ich nicht so gut leiden. Punkte sind toll, Blumen hingegen dem Sommer vorbehalten. Aber Ornamente mag ich auch ganz gern. Allerdings mag ich Muster eher klein, so dass sie eher ein „Rauschen“ auf dem Stoff sind, oder einfach die Optik etwas brechen. Große Muster dürfen mal auf Röcke, da bin ich mutiger mit Muster. Kleider dürfen ruhig eine einfarbige Optik haben ohne einfarbig zu sein.

Gar nicht mag ich Kindermuster für mich, Tierprints gehen überhaupt gar nicht. Und solche großen graphischen 70er-Muster finde ich auch sehr schwierig.

Was sind die Kleidungsstücke, die dir (in letzter Zeit) in deinen Augen am besten gelungen sind? (Bitte mit Link oder Foto) Sind welche dabei, die du vor allem wegen ihres Stoffes magst?

In letzter Zeit habe ich natürlich vor allem Sommerkleider genäht. Aber z.B. mein Anna Dress zeigt ein Muster, dass ich von der Art sehr mag. Diesen Stoff habe ich schon in mehreren Farben vernäht.

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Auch ein absoluter Stoffliebling ist dieses Kleid, das allerdings noch ein paar Nachsitzstunden zur Passformkorrektur braucht. (daher noch unverbloggt)
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In Herbst-Winter-Kategorie ist mein letztjähriges Weihnachtskleid und mein Weihnachtskleid 2011 zu nennen. Beides Karo, beides geliebte Farben.

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Bei Röcken darf es auch mal groß gemustert sein, wie der Wahlsonntagsrockwpid-img_20140415_084410.jpg

und der Alle-Zeiten-Lieblingsrock. Toll fand ich auch diesen Umstandsrock aus sehr hübscher Shetland-Wolle. Ich freue mich außerdem auch jedes Jahr wieder, meine beiden Etuikleider zu tragen. Auch beide Karo.wpid-P1060246.jpg

Wieviel Stoff verbrauchst du ca. für einen Rock, ein Oberteil, ein Kleid? Welche Mindestmenge benötigst du für die Verarbeitung? Oder hast du sogar ein Maximalmaß für Stoff?
Ich bin enorm stoffknauserig und habe deshalb große Fertigkeiten im Zuschnitttetris entwickelt. Röcke quetsche ich meist aus einem Meter, maximal 1,50. Kleider gehen ab 1,50, 2m sind für mich eigentlich schon gut. Auf Verdacht kaufe ich eigentlich nie mehr als 2m, und mehr als 2,5 m habe ich noch nie für ein Kleid verbraucht.

Gibt es sonst noch etwas, das dich als Näh-/Stofftyp in deinen Augen ausmacht?

Ich denke, ich habe durchaus ein Herz für besondere Stoffe, aber fürchte sehr hochwertiges wie Seide, wertvolle Wolle, Leinen, edle Jaquard-Stoffe wären an mich verschwendet. Ich nähe nicht sehr sehr ordentlich und bei einem sehr teuren Stoff hätte ich wohl zu viel Respekt, um etwas gewagtes draus zu machen und würde mich ärgern etwas zu alltägliches daraus zu nähen. Scheut euch nicht, mir einen Angebots-Stoff zu schicken (solang er nicht allzu viel Plastik enthält) aber denkt fünf mal nach bevor ihr was edles kauft. Ich kaufe selbst praktisch ausschließlich Stoffe im Angebot. Ein Stoff, der über 10 Euro/m gekostet hat, den gibt es bei mir praktisch nicht.

 

Mehr zur Aktion und die anderen Steckbriefe der fellow Mit-Stoffwechslerinnen finden sich in diesem Post. Kinder, wie ich mich freue.

5 Gedanken zu “Herbst-Stoffwechsel: Mein Steckbrief

  1. lotti katzkowski schreibt:

    Obwohl wir farbmäßig gegensätzlich sind, würde es mir so leicht fallen, dir einen Stoff zu kaufen. Den letzten Absatz könnte ich auch übernehmen. Lieber nicht zu teuer. Vielleicht ergänze ich das noch bei mir.
    Schade, dass ich dich nicht ziehen konnte. Ich liebe es ja irgendwie besonders, endlich einen Stoff zu kaufen, den ich zwar toll finde, der aber nicht zu mir passt. So kann eine die Stoffliebe erst vollständig ausleben. (Was das betrifft bin ich mit meiner Partnerin aber auf jeden Fall auch seeeehr glücklich. Danke für das glückliche Händchen.)
    Liebe Grüße

  2. Mathilda schreibt:

    Ich habe deinen Steckbrief gelesen und hatte sofort DEN Stoff für dich vor Augen. Damit du das Lemmingkleid nähen kannst. Aber du weißt ja wen ich gezogen habe. 🙂
    Lg Mathilda

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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