Mariska-Skirt: Skeptische Annäherung

Als ich die ersten Bilder vom Mariska-Skirt bei Santa Lucia Patterns sah, war ich zunächst Feuer und Flamme. Es war Sommer, sonnig und ich wollte sofort so einen Rock haben. Der Schnitt landete auf meiner Wunschliste und tatsächlich bekam ich ihn noch kurz vor unserem Urlaub geschenkt. So stand fest, dass der Mariska Skirt eins meiner 4 Urlaubsprojekte sein würde (außerdem ein Kirschenkleid, das Anna Dress und der Schmetterlings-Tea-Dress-Rock).
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Der Stoffverbrauch wird für Größe M mit 2,80 m angegeben, schon recht erheblich für einen Rock. Solche Mengen finden sich natürlich nicht in meinem Vorrat und ich wollte aber auch für den ersten Versuch eher günstigen Stoff nehmen, so fiel die Wahl auf einen grauen Baumwollstoff mit Pünktchen von Stoffkontor.eu. Beim Zuschnitt merkte ich allerdings, dass ich auch mit meiner Standardmenge von 2m bequem ausgekommen wäre, ich habe 1,9m gebraucht, ohne irgendwo zu tricksen.
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Die Aufmachung und Verpackung des Schnittes ist toll. Sehr schön dickes Schnittpapier, ein hübscher Umschlag, ein süsses kleines Heftchen. Der Schnitt selbst scheint sauber konstruiert und näht sich flott. Die Anleitung allerdings … nunja. Wäre ich darauf angewiesen gewesen, wäre ich bestimmt verzweifelt. Es geht schon damit los, dass die Anleitung drölfzig Zuschneidepläne enthält, die noch mit in die Nähanleitung hineinreichen und eher der Verwirrung als der Orientierung dienen. Dann enthalten die Schnittteile jeweils oben und unten 1cm Nahtzugabe, an den Seitennähten aber 2cm. Das ganze wird im Heft damit begründet, dass es Stoff spart. Naja. In erster Linie kostet es Markierzeit und Nerven. Überhaupt werden in der Anleitung einfache Sachen zu ausführlich erklärt, schwierige dagegen kaum. Und am unsinnigsten: Laut Anleitung wird zunächst der Bund an den Rock, dann der Bundbeleg daran genäht, dann der Futterrock eingenäht und dann der Beleg unsichtbar von Hand innen angenäht. Komplizierter geht es nicht. In meinen Augen wurde hier schlicht versucht, die Anleitung so zu schreiben als würden ungefütterter und gefütterter Rock gleich verarbeitet. Dummfug.
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Der Schnitt selbst ist aber gut. Alles passt gut zusammen und sitzt auf Anhieb gut. Das einzige, was bei mir irgendwie merkwürdig war, war dass der hintere Bund länger als der vordere ist. Eigentlich müsste das andersrum sein, denn der vordere Bund soll als Lasche über den hinteren greifen und mit einer Rockschließe verschlossen werden. Nun, bei mir kommt die Lasche nun halt von hinten. Und ich habe ihr Knopflöcher statt einer Schließe verpasst.
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Der Rock sitzt prinzipiell gut. Ob ich ihn allerdings mag ist mir noch unklar. Ich fremdele mit der folkloristischen Gesamterscheinung etwas. Ich war kurz versucht, es auf die Spitze zu treiben und ihn noch mit Pompon-Borte oder sowas zu versehen. Ich habe die Rüsche ca 1 Handbreit gekürzt, denn knöchellang fand ich ihn wirklich sehr zu cowgirlesk. Auch so bin ich ganz froh, keine Cowboystiefel zu besitzen, die mich in Versuchung führen könnten. Ich trage ihn jetzt mal ein paar mal und warte ab, ob wir uns noch annähern.
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Die Bluse, die ich dazu trage ist übrigens meine einzige wirkliche Lieblingsbluse. Sie ist bald 10 Jahre alt, vom Klamottenschweden, aus sehr elastischem Stoff. Mit Biesen, einem kleinen Stehkragen, Puffärmeln und interessant geführten, sehr gut sitzenden Annähern. Ich würde so gern sehr viele davon haben. Aber welcher Schnitt ??? Hat jemand eine Idee?