Me made Mittwoch: Unglücksrettungsrock

Mein Outfit, das ich heute trage, aber auch schon mal letzte Woche im Büro (und dort fotografierte) ist das Ergebnis einer langen Verkettung von Desastern.

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Der Rock, ein halber Teller, so einfach so standard, wurde aus der Not geboren. Es ging schon mit dem Stoff los. Ich habe ihn im Frühjahr bei einem Großeinkauf bei Alfatex gekauft, ein Viskose-Leinengemisch. Ich habe schon öfter mal diese Zusammensetzung bei alfatex gekauft und es waren bisher stets unkomplizierte, knitterarme Stoffe. Nicht so dieser. In der ersten Wäsche färbte er gleich mal alle seine Kumpels grünlich ein und wurde außerdem so knitterig, dass er kaum noch glatt zu bügeln ging. Nichtmal mit der viel gepriesenen und absolut anbetungswürdigen Dampfbügelstation. Er sollte dann ein Onion 3033 werden. Den Schnitt hatte ich vielfach beim MMM bewundert und mir schließlich von Frau Kreuzberger Nähte geliehen (und monatelang behalten, ich Schuft) weil ich endlich endlich auch so einen hübschen Faltenrock haben wollte. Ich stellte mir dann die Kombi aus den tiefen Kellerfalten und den Streifen auch sehr nett vor und praktisch zum bügeln der Falten exakt im Fadenlauf wäre es ja auch gewesen. Konjunktiv – ihr ahnt es schon. War es nicht. Der Stoff weigerte sich schlicht, sich in Falten bügeln zu lassen. Kaum waren die Falten fertig, hatten die ersten sich schon wieder verflüchtigt. Ich kämpfte, bügelte, fluchte, steckte, griff gar zu Heftfaden (mit der Hand! Ich!) – und hatte trotzdem dann am Ende einen Rock, dessen Falten nicht exakt zur Mitte und nicht exakt zum Streifenverlauf passten und die Form nicht hielten, der mir außerdem zu weit war und auch nicht stand. Puh, war ich wütend auf das Mistding!

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Sodann zückte ich die Allzweckwaffe, den halben Tellerrockschnitt. Quetschte ihn mit viel Mühe auf die wieder rausgetrennten Rockteile, hatte dann nur noch gerade genug Stoff, um Bünde mit Teilungsnaht zuzuschneiden (Siehe Foto weiter unten) und machte halt einen Teller daraus. Bei der Anprobe stellte ich dann fest, dass der Stoff sich beim nähen auch noch trotz Einlage derart ausgedehnt hatte, dass der Rock auch ohne Reißverschluss auszuziehen ging. Ich trennte, nähte, trennte, nähte – wir kennen das. Und hatte dann am Ende einen leidlich passenden okeishen Rock. In einem Anfall von Liebe zur falschen Zeit, stellte ich aus Karostoff selbst Schrägband her (das mache ich sonst nie!), säumte den Mist-Rock und steckte ihn in die Wäsche. Ja. Danach wusch ich den Rest der Wäsche mit Farbfangtüchern und der Rock war grau. Und passte damit nur noch so semigut zu seinem (mit Liebe! selbst! gebügelten! und zusammengestückelten! Schrägband). Zum Vergleich: hier der Stoff an dem unglückseligen Tag als ich ihn kaufte:

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ER WAR PETROL! UND JETZT IST ER GRAU!

Nun, ich trage den Rock dennoch einigermaßen häufig, da er halt ein einfacher praktischer Brot-und-Butterrock ist. Er knittert fürchterlich, lässt sich nicht bügeln und leiert ständig noch weiter aus. Deshalb und wegen seines gestückelten Bundes, kann ich das Oberteil nicht reinstecken. Unschön.

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Um mich daran zu erinnern, dass er eigentlich meine Lieblingsfarbe hat, kombiniere ich ihn stets mit Petrol. Das hat er jetzt davon.

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Darunter trage ich meinen Volltreffer-Unterrock Typ „Allures und Couture“ aus grauem Tüll mit lila-grauem Taft drunter und silbernem Schrägband. Ich plane noch zwei weitere davon. Er ist grandiosestens.

imageUnd nun verlinke ich mich beim Me made Mittwoch, dem mittwöchigen Treffen der Selbstgenähtträgerinnen, das nicht oft genug als das weltbeste virtuelle Beisammensein überhaupt gelobt werden kann. Julia zeigt dort übrigens eine Karojacke, die sehr starke Habenwollenreflexe auszulösen in der Lage ist.