Stoffwechsel II – Das Finale

Mit der langen Zeitspanne zwischen Start und Ende und den vielen Sew-Alongs, die sich derzeit überschneiden, ist der Stoffwechsel fast etwas in Vergessenheit geraten, oder? Ich zum Beispiel bin die ganze Zeit nicht dazu gekommen, diesen Post zu schreiben, so dass wir uns jetzt erst am Sonntag treffen. Aber ich hörte hier und da, etliche seien sowieso noch nicht fertig und daher ganz dankbar dafür, dass wir erst heute das Linktool bereitstellen und es auch eine ganze Woche geöffnet bleibt. Seit dem Beginn dieser Runde Stoffwechsel ist nun ja doch ganz schön Zeit verstrichen. Die Organisation haben wir, Lotti und ich, in meinem Sommerurlaub gemacht, gelost bei bestem Sommerwetter. Und jetzt ist nicht nur Herbst, nein sogar Winter. So manche von uns hat ja auch recht winterlichen Stoff bekommen, ich zum Beispiel. Andere nähen Blusen aus Baumwollstoff. Der Abschlussreigen wird sicher abwechslungsreich. Ich habe inzwischen fast völlig vergessen, wer wem Stoff geschickt hat (also bei meiner Hälfte der Lose) und selbst nach wie vor keine Idee, von wem mein Stoff gekommen sein könnte. Auch die meisten anderen scheinen relativ ahnungslos zu sein. Es wird also wohl sehr spannend. Ich habe heute den ganzen Tag Besuch und werde daher wohl erst morgen früh eure Kleider bestaunen und Kommentare hinterlassen können (sofern mein Feedreader gnädig ist, und mir das erlaubt). Aber gespannt bin ich allemal.

Für mich war die Herbstrunde noch mal ganz anders. Herbst- und Winterstoffe bieten weniger Muster- und Farbenvielfalt, dafür umso mehr Textur und Struktur. Tatsächlich gab es ja auch sehr viele einfarbige Stoffe in den Stoffpäckchen. Auch die Vielfalt der Kleidungsstücke ist größer als im Sommer. Mäntel, Jacken, Röcke, Blusen, Kleider – alles dabei. Das ist doch auch irgendwie schön, dass der Herbst, so grau und trist und ungemütlich er sein mag, uns immerhin zu Streichelstoffen und einer Vielzahl an näherischen Entfaltungsmöglichkeiten verhilft.

Ich war und bin, das gebe ich gern zu, etwas verwundert, wieviele von euch zwei Stoffe verschickt bzw. erhalten haben. Gerade bei den teureren Winterstoffen hätte ich, trotz etwas höheren Budgets, eher knappe Stücke erwartet und nicht raue Mengen gleich mehrerer Stoffe. Da bin ich dann doch auch auf die Quellen gespannt, war irgendwo Sale und ich habe es verpasst, gibt es günstige Stoffquellen, von denen ich nur noch nicht wusste? Ich vermute ein bisschen, dass nicht jede sich streng ans Budget gehalten hat.

Ich habe 1,6m eines wundervollen Wollkaro-Stoffs in petrol mit pink bekommen. Dass der Stoff absolut perfekt zu mir passt, steht außer Frage und es war Liebe auf den allerersten Blick. Allerdings hat sich unsere Liebe bei der Verarbeitung noch vertieft. So ein toller Stoff, der gar keine, wirklich überhaupt keine, Zicken machte. Weich und wollig und wundervoll im Griff, vollkommen lieb beim verarbeiten, problemlos waschbar und knittertolerant. Ich bin sehr großer Fan.
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Genäht habe ich, das haben die meisten ja mitbekommen, einen Trägerrock mit extra hohem und breitem Bund. Auch das wusste ich annähernd sofort, als ich meinen Stoff ausgepackt habe. Mein Proberock ist bereits seit einiger Zeit fertig und wird viel getragen, beim Köln-Bielefeld-Treffen vor drei Wochen hatte ich ihn auch an, so dass ihn jetzt schon ein paar Stoffwechslerinnnen „in natura“ kennen. Den „echten“ Rock habe ich vorletzte Woche genäht. Das ging ratzfatz und problemlos, da ich ja den Schnitt schon angepasst und außerdem selbst gemacht hab. Zudem ist so ein trägerrock auch nicht unbedingt eine Riesen-Nähherausforderung, das kam mir als Zwischenprojekt neben dem Wintermantelbiest sehr gut zupass.
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Erstmals getragen habe ich meinen Rock am vergangenen Donnerstag im Büro. Kollege J. hat ihn direkt als Winterrock deklariert – die Karos machen ihn tatsächlich winterlich und festlicher als den Proberock.
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Ich hätte sehr gern den schrägen Fadenlauf des halben Tellers in der vorderen Mitte platziert, das finde ich eigentlich immer schöner und bei Karo sowieso. Das war aber mit der Stoffmenge nicht zu machen, daher verläuft nun das Karo auf dem Bund schräg und am Rock gerade. Das ist natürlich auch schön und ich bin trotzdem zufrieden. Auch die Träger habe ich im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, damit sie etwas nachgeben können, wenn ich stehe und trotzdem nicht runterrutschen, wenn ich sitze. Das klappt auch gut. Ich hatte Sorge, sie würden sehr an Länge gewinnen durchs tragen, das ist aber nicht so. Nach Betrachtung der Fotos und probetragen werde ich sie daher noch etwas rauslassen, ich habe mir noch etwas Spiel eingeplant. Ich finde nämlich, der Rock sitzt etwas zu weit oben und könnte etwa zwei Finger breit nach unten rutschen.
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Ansonsten – was soll ich sagen – selbstverständlich bin ich vollkommen glücklich. Ein 100%-Siebenhundertsachen-Kleidungsstück. Farbe, Muster, Schnitt – alles aus einem Guss und zu mir passend. Liebe Stoffschickerin, das hast du perfekt ausgesucht! Ich habe keine Ahnung wer du bist (hat jemand anderes eine Idee?), denke nur, dass du in einer kleineren Stadt wohnst und beim letzten Stoffwechsel noch nicht dabei warst. Aber selbst das ist nur eine vage Idee. Auf jeden Fall bin ich total happy!

Noch ein paar Details: Der Schnitt ist selbst erstellt und denkbar simpel: Ein halber Teller, den ich genau mit meinem Taillenmaß (nicht wie sonst etwas darunter) berechnet habe. Für den Bund habe ich den Bund von Simplicity 2451 als Vorlage genommen und die obere Rundung auch auf die untere übertragen und das ganze dann auf mein Taillenmaß angepasst. Im Rücken hab ich im Bruch einen Keil rausgenommen, das ist bei so breitem so hohem Bund und leichtem Hohlkreuz notwendig. Der Bund ist mit relativ fester Einlage verstärkt. Die Träger sind 3,5cm breit (also aus einem Stoffstück von 7cm plus Nahtzugabe genäht) und zwischen Bund und Bundbeleg gefasst. Im Rücken kreuzen sie sich und sind entsprechend schräg eingenäht. In der linken Seitennaht steckt ein nahtverdeckter Reißverschluss, hier sollte man nicht – wie ich – nur 18 cm nehmen, sondern lieber 22-25cm. In der rechten Seitennaht ist eine pinke Tasche. Der Saum ist mit -ebenfalls pinkem- Schrägband verstürzt. Auf den Fotos trage ich einen Tüll-Unterrock darunter, daher fällt der Rock etwas weiter, der Stoff ist sehr weich fallend. Da ich eh einen Unterrock oder ein Petticoat darunter tragen will, ist der Rock ungefüttert.
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Ich trage den Rock heute tatsächlich auch, nicht mit Bluse, wie auf den Fotos, sondern mit einem einfachen Shirt. Vielleicht schaffe ich es später, noch ein Foto hochzuladen.
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Und nun bin ich sehr gespannt auf euch und was ihr aus euren Stoffen gemacht habt! Schonmal danke euch allen für’s mitmachen. Es war mir eine große Freude und es ist auch dieses Mal wieder toll zu sehen, mit wieviel Liebe und Sorgfalt die Stoffe ausgewählt wurden. Ein dickes Dankeschön mit extra viel großer Nähnerdliebe geht an Lotti, die mir dieses Mal bei der Organisation geholfen und mir zu mehr Spannung verholfen hat. Toll!!!


Das Linktool öffnet sich in einem neuen Fenster und ist bis zum 7.12., 23.55h geöffnet. Falls ihr noch nicht fertig seid, könnt ihr auch euren aktuellen Stand der Dinge verlinken.

Edit:

Fotos von heute mit normalem Shirt

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