7 Sachen-Sonntag

Es gibt wenig Bilder derzeit hier. Da mach ich doch einfach mal wieder einen 7-Sachen-Sonntag.

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Recht früh, zu früh, unangenehmer Start mit Hustenbalsam und Fieberthermometer. Kind krank.

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Immerhin, Sonnenschein.

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Auf dem Weg zur Bude und den Sonntagsbrötchen die „Zu verschenken-Kiste“ neu bestückt. Bisher ist alles verschwunden, was ich rein gelegt hab.

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Mit engagierter Papierknüllunterstützung Kisten packen. Küche.

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Zwischendurch dringend benötigte Koffeinzufuhr.

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Dass die Wäsche nicht jetzt mal bis nach dem Umzug warten kann ist ja auch eher unschön.

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Am Abend nach einigen Computerdingen noch die letzten Handstiche am Bielefeld-Zweitprojekt. Morgen also auch die letzten Rollen Nähgarn einpacken.

Die Vollzeitrhetorik

Im Handelsblatt/WirtschaftswocheOnline erschien diese Woche ein Artikel, der wiederum die sogenannte Vereinbarkeitslüge thematisierte und der mir keine Ruhe lässt. Der Artikel hängt sich grob am bald erscheinenden Buch „Geht alles gar nicht“ der Zeitautoren Marc Brost und Heinrich Wefing auf, deren Artikel mit gleichem Titel im letzten Jahr schon für Furore und hitzige Diskussionen sorgte.

Ich finde den Artikel an sich für jemand, der in dem Thema schon ein wenig drin ist nicht so erhellend. Viele wahre Diagnosen, wenig konkrete Schlussfolgerungen. Ich schreibe weiter unten noch etwas ausführlicher, was ich inhaltlich hier beizutragen hätte. Erstaunlicher fand ich eigentlich, dass ein solcher Artikel es überhaupt auf die Website von Handelsblatt und Wirtschaftswoche schafft. Beides sind nun wirklich nicht unbedingt linke Arbeiterblätter. Für Handelsblatt-Verhältnisse ist das ganze womöglich bahnbrechender und erhellender, als es mir (und 95% meiner Filterbubble) erscheinen mag. Das würde ich dann schon als positives Signal werten, dass die Erkenntnis, dass das Ziel nicht sein kann, dass Eltern praktisch ohne Abstrich weiter so funktionieren wie bisher, flexibel, immer erreichbar, mit 50+ Stunden-Woche und nie krank und Kinder „nebenher“ laufen, es in die Wirtschaftswoche oder das Handelsblatt schafft. Ein weiterer Aspekt, der mir auffiel war, dass die Kommentare darunter fast ausschließlich von Männern sind. Normalerweise gibt es auf der Handelsblattseite fast keine Kommentare. Dass gerade Männer sich mehrheitlich positiv angesprochen und verstanden fühlen und dies auf dieser Plattform äußern, zeugt für mich durchaus von einem gewissen Wandel weg von Vereinbarkeit als Frauenthema.

Nun aber dann doch noch ein paar Worte zum Inhalt. Ja, es ist in der Tat wenig überraschend, dass Eltern weniger flexibel sind als als Singles Anfang 20. Niemand mit Kind wird behaupten, dass sie/er exakt so weiter macht wie bisher und dazu einfach auch noch ein erfüllendes Leben mit Kind dazu führt, alles stress- und sorgenfrei. Und wer keine Kinder hat und denkt, so wäre Vereinbarkeit, der ist deutlich naiv. Es sollte eigentlich nicht der Feststellung bedürftig sein, dass Elternschaft ein Vollzeitjob ist und dass sich zu zweit drei Vollzeitjobs eben nicht so ohne weiteres wuppen lassen. Und dass eine gute und bezahlbare, flexible und kindgerechte Betreuung zwar wichtig aber auch nicht die alleinige Lösung für alles ist, das  wird zumindest allen Eltern auch klar sein. Es erschreckt mich ein wenig, dass es scheinbar Menschen in diesem Land gibt, die man mit dieser Feststellung hinter ihrem Ofen oder unter ihrem Stein überraschen kann. Das zeugt von einer sehr merkwürdigen Vorstellung davon, wie das Leben mit Kindern so ist. Ich finde, es kann und sollte bei Vereinbarkeit nicht darum gehen, ob man es hinkriegen kann, dass Kinder möglichst wenig auffallen im Berufsleben der Eltern, sondern darum, dass das Elternsein nicht als Manko verstanden wird. Solange Vereinbarkeit vor allem ein Problem der Eltern ist, im Sinne von Ausgleich eines Nachteils, des Nachteils Kinder zu haben, bei dem der Staat so ein bisschen hilft, durch Kindergeld, Betreuungsplätze, etc., solang steht es ziemlich schlecht um unsere Gesellschaft. Es ist, bin ich denn mit dieser Sicht ganz allein, kein Makel, ein Kind zu haben. Im Gegenteil. Natürlich sind Eltern oft müde, öfter krank, zeitlich und räumlich weniger flexibel und vor allem nicht nur am Job interessiert. Aber das heißt nicht, dass sie den Job schlecht, wenig motiviert oder unzureichend machen. Im Gegenteil. Eltern sind sehr viel verlässlicher, denn sie werden nicht mal eben schnell umziehen, sie sind ganz sicher auch besser organisiert und effizienter. Ich bin zum Beispiel sehr sicher, dass ich heute in 25 Stunden locker so viel schaffe, wie früher in mindestens 30-35, einfach weil ich weiß, dass ich nicht einfach länger machen, eben noch was einschieben, die Nacht über arbeiten kann. Und die Entscheidung ein Kind zu bekommen zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung, Eigenschaften die einem Unternehmen und einer Gesellschaft wertvoll erscheinen sollten.

Dennoch ist es ein erheblicher Nachteil Eltern zu sein. Man darf zukünftige Mieter ablehnen, weil sie ein Kind haben. Das ist nicht vom Anti-Diskriminierungsgesetz gedeckt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Menschen in diesem Land klagen gegen Kinderlärm. Nicht nur einer, viele! Teilzeitarbeit, selbst mit 80%, ist in den meisten Berufen ein Garant für das Ende des beruflichen Fortkommens und für langweilige Tätigkeit im Innendienst. Eine akademische Karriere? In Teilzeit? Träum weiter, Baby! Beratung mit weniger als 5 Tagen Reisetätigkeit pro Woche? HAHA, ein guter Witz! Es scheint weitgehend unumstößlich, dass verantwortliche Positionen nicht in Teilzeit ausgeübt werden können. Genauso unumstößlich ist es vielerorts, dass gute Arbeit nur im Büro, anwesend vor Ort zwischen 8 und 20 Uhr erledigt werden kann. Effizientes home office mit frei gestaltbaren Arbeitszeiten ist viel zu oft eine Utopie. Frauen, die Kinder haben oder planen (könnten) welche zu bekommen gelten als Risiko bei der Einstellung. Ja warum denn um alles in der Welt? Klar, man ist womöglich bis zu ein Jahr in Gänze weg. Aber die meisten Unternehmen ermöglichen Sabbaticals, was ist da an Elternzeit so unüberbrückbar? Und je weiter die Gleichberechtigung fortschreitet, je mehr arbeitsteilig die Kinder-Erziehung zwischen Partnern geregelt ist, desto mehr wird sich diese Diskriminierung auch auf (potenzielle) Väter ausweiten.

Und so kumuliert auch der – meinem Verständnis nach – gut gemeinte Artikel der WirtschaftswocheOnline in dem Satz: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann in einer emanzipierten geschlechtergerechten Gesellschaft dann nur bedeuten, dass zwei in Vollzeit arbeitende Elternteile nicht die Regel sein können. Wer von beiden weniger oder vielleicht auch gar nicht arbeitet, ist deren Privatangelegenheit. Es zu ermöglichen wäre Angelegenheit des Staates und der Unternehmen.“ Und ich möchte den Autor schütteln und rufen: „NEIN, NEIN, NEIN, du hast es nicht verstanden.“ Denn hier kommen direkt wieder zwei verheerende Fehleinschätzungen, nämlich 1.) dass zwei nicht-Vollzeit-arbeitende Eltern gleichbedeutend ist mit „Ein Vollzeit+ein Teilzeit/Hausfrau“ und 2.) dass das ganze Privatangelegenheit ist.

Was ist denn bitte so schwer erträglich an der Vorstellung, dass es ok sein könnte, wenn beide Elternteile Teilzeit arbeiten, sagen wir mal 30 Stunden? Wieso misst sich scheinbar die Qualität/Verantwortlichkeit/Eigenständigkeit/Ambition eines Arbeitnehmers an der magischen Grenze von 40 Stunden? Besser noch: 40 Stunden Anwesenheit im Unternehmen/Büro/am Arbeitsplatz? Und selbst wenn eine Position tatsächlich verlangt, dass sie (mindestens) 40 Stunden pro Woche besetzt ist? Kann sie dann nicht mit zwei Personen besetzt sein? Ich finde das alles gar nicht so schwierig. Natürlich, es müssen Routinen geändert, Kommunikationswege überarbeitet, Barrieren im Kopf abgebaut werden. Aber unmöglich ist das doch nicht.

Es ist mir klar, dass der Staat einen derartigen Wandel in der Gesellschaft nicht verordnen kann. Dass nicht per Gesetz eine zutiefst familienfeindliche Gesellschaft familienfreundlich wird, dass nicht per Erlass Arbeitgeber ihre Vorbehalte überwinden. Und dennoch ist das keinesfalls Privatangelegenheit. Eine Gesellschaft, die zukunftsfähig sein will, braucht Kinder. Und zwar möglichst gesunde, geliebte und gewollte Kinder, aus denen engagierte, interessierte und selbstbewusste Erwachsene werden. Das mag nicht die Aufgabe des Staates sein, es ist aber der Kern der Gesellschaft. Und wir können nur darauf hinwirken, indem wir fordern, laut sind, machen und vorleben. Indem wir hinterfragen, uns nicht zufrieden geben. Nicht versuchen, unsere Kinder bestmöglich zu kaschieren, sondern sie als selbstverständlichen Teil von uns mit in die Arbeitswelt tragen. Nicht als Manko, nicht als Behinderung ob derer wir bevorzugt werden, nicht als Anhängsel, das es durchzuschleppen gilt. Sondern als ganz normaler Teil der Gesellschaft. Jede und jeder macht ihre und seine Arbeit. Egal mit wievielen Stunden pro Woche, egal ob zuhause oder im Büro, egal ob Lohnarbeit oder Care-Arbeit. Und jede und jeder sollte mit diesem Beitrag gleichwertig akzeptiert und mit den gleichen Chancen versehen werden. Mehr ist es ja nicht. Kein Elternteil verlangt, für die Hälfte der Stunden doppelt so viel Gehalt. Niemand möchte hier einen Extrabonus. Das einzige was wir als Eltern uns wünschen ist doch, Akzeptanz und Freiheit von Benachteiligung. Und das bedeutet dann eben manchmal Umdenken.

 Leseempfehlungen:
Dr. Mutti als direkte Replik zu dem Artikel
Johannes Korten zur Rollenverteilung in modernen Beziehungen
Catherine  zum Spagat der Vereinbarkeit und dem Fehlen einer Mütterlobby (mit tollem Comic) und der fehlgeleiteten Vorstellung Vollzeit-Eltern könnten real existieren (visionär schon vor JAHREN!)

Me made Mittwoch: anNÄHerungskleid

Endlich endlich endlich, kann ich auch mein AnNÄHerungskleid zeigen. Es war ja in Bielefeld eigentlich bis auf die Knöpfe fertig geworden. Die Knöpfe hat Nina mir auch recht schnell geschickt (DANKE!!!), aber dann fehlte erst Zeit und Muße mir ihre Position zu überlegen und sie anzunähen und danach war ich krank und daher nicht dazu aufgelegt das Kleid zu tragen oder gar Fotos zu machen.
Am Montag war es endlich soweit und das anNÄHerungskleid durfte zum ersten Mal ins Büro:IMG_20150209_094409

Es handelt sich um Simplicity 2403, ein Kleid, das ich wirklich schon ewig nähen wollte. Der Schnitt, den man in Deutschland leider nicht kaufen kann, war schon vor langer Zeit als Leihgabe bei mir und ich hatte ihn auch kopiert, dann aber immer angesichts der recht zahlreichen (23!) Schnittteile immer wieder zur Seite gelegt. Da ich aber wusste, dass ich in Bielefeld würde konzentriert und am Stück daran arbeiten können und mindestens zwei Ratgeberinnen zugegen sein würden, die das ganze schonmal umgesetzt hatten, bot sich hier die passende Gelegenheit.

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Ich habe mich mit dem Kleid recht weit aus meiner Comfortzone begeben. Zunächst mal ist braun schonmal nicht meine Farbe. Mir steht nur exakt dieser eine Braunton, und der auch nur so okeish. Ich finde allerdings die Kombi braun-türkis sehr hübsch und wollte deshalb gern ein solches Kleid. Aber vermutlich greife ich nicht unbedingt zu diesem Kleid, wenn es unkompliziert und schnell gehen muss.

Auch ist der schmale Rock für mich vollkommen ungewohnt. Ich habe schmale Röcke bisher nur an Etuikleidern. Die weniger Bleistiftkleider und -röcke, die ich besitze trage ich eigentlich nur zu schicken Anlässen, als Verkleidung quasi. Richtig zuhause fühle ich mich darin nie. Es reizte mich, das ganze auszuprobieren (ich habe sogar in Bielefeld auch noch einen Bleistiftrock genäht) aber auch hier gilt: nichts, das mir natürlich in die Hand fiele, sollte ich ein typisches Kleidungsstück auswählen.

Nichtzuletzt ist der auffällige Kragen sicher nichts für jeden Tag, da muss man schon auch in der Laune sein, ein solches Kleid, das immer leicht nach Stewardessen-Uniform aussieht anzuziehen, find ich.

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Nun erstmal zum Kleid an sich: Ich habe einen braunen Stretchstoff gewählt, der bei – ich glaube – buttinette als „Hosenstretch“ verkauft wurde und im Angebot war. 97% Baumwolle, 3% Elasthan, das erschien mir bei einem engen Rock ratsam. Die Paspel ist Satinpaspel, als petrol bestellt, türkis bekommen, ein altbekanntes Problem. Aber gut, ich mag ja auch türkis. Der Stoff schnitt und nähte sich gut, fusselt nicht, lässt sich gut bügeln und hat eine angenehme Dicke für winterliche Baumwollkleider. Ich habe den Rock gefüttert, mit Resten vom Mantelfutter und das innere Taillenband und die Taschen – rebellisch wie immer – aus Punktestoff zugeschnitten. IMG_20150209_094352

Frau Drehumdiebolzeningenieurin hatte mich bereits gewarnt, dass das Oberteil eher knapp ausfällt und in der Tat habe ich die Oberteil-Stücke um ca. 2 cm weniger weit überlappen lassen, als vorgesehen – weswegen die doppelreihige Knöpfung auch nicht mehr hinhaute. Auch das Taillenband musste ich verlängern, und zudem – das hat mich in Bielefeld viel Arbeit gekostet – um die Hüfte ganz ordentlich die Nahtzugaben rauslassen. Zuhause habe ich dann festgestellt, dass bei meinen anderen engen Röcken die Hüftrundung einfach etwas weiter unten ist, als dieser Schnitt vorsieht.   Ich würde beim nächsten Mal wohl um die Brust und Hüfte eine Größe größer wählen als für den Rest. Den Rock habe ich um 2 cm verlängert und 2 cm weiter eingestellt. Die im Schnitt vorgesehenen Puffärmel habe ich durch Tulpenärmel ersetzt. Wie das geht hat Lotti mir geduldig erklärt. Danke! IMG_20150209_094605

Bei der Anpasserei habe ich übersehen, dass ich –  zur Hohlkreuzkorrektur – das hintere Taillenband zwar verschmälert, dies aber an der Reißverschlussseite nicht hatte auslaufen lassen. So treffen sich die Paspeln am Reißverschluss nun nicht so wirklich. Ich sag da dann jetzt Kunst dazu. Ich habe die Knöpfe einfach durch alle Stofflagen hindurch aufgenäht, öffnen würde ich sie – dank Reißverschluss – ja doch nie. Ich habe auch den Ausschnitt, um ungewünschte Einblicke zu vermeiden, mit der Hand etwas zugenäht.

Nach dem ersten Tag tragen kann ich recht sicher sagen, dass ich das Kleid zwar schon mag. Allerdings ist es sehr sehr ungewohnt. Der enge Rock kommt mit meinem weit ausholenden Gang nicht so gut zurecht, obwohl der Rock dank Stretch sehr bequem ist, bin ich befremdet, wenn das typische Rock-Schwingen fehlt. ich finde auch, dass die Falten im oberen Rock, die ihn von vorn sehr hübsch machen, in der Seitenansicht ein wenig am Bauch auftragen. Auch der Kragen, so schön er ist, verleitet mich etwas zum zuppeln und er liegt auch wirklich manchmal recht komisch. Dicker Pluspunkt sind natürlich die hübsch gelösten Taschen.

Ich besitze leider keine passende Strickjacke. Als ausgewiesen langsamste Strickerin der Welt war es mir bisher noch nicht möglich, eine türkise Strickjacke zu produzieren. Immerhin habe ich aber gleich zwei farblich exakt passende Schulterwärme-Dingse. Das eine davon, ein Schultertuch ist recht neu. Es handelt sich *tusch* um mein Sommer-Projekt 2014, das im Januar fertig wurde (ja, wirklich!). Ein Schultertuch, das aber ordentlich Substanz hat. Denn Lace-Stricken macht mich fertig, mit so dünnen Fädchen rumhampeln liegt mir nicht. Daher habe ich bei ravelry nach der Garnstärke gefiltert (Nadelstärke 4,5 – bei mir dann 4, ich stricke lose) und mir dann die einfachste Anleitung rausgesucht. Das war diese. Kuura. Ich bin sehr zufrieden, strickte sich gut und interessant, wurde wie erhofft und gefällt mir gut. So sieht das ganze dann aus:

 

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Heute tanzt Frau Exclamation Point beim Me made Mittwoch vor. Ihr Blog ist jetzt schon meine Entdeckung des Jahres!

Monatsrückblick Januar 2015

Neues Jahr, neuer Versuch Monatsrückblicke. In etwas neuer Form.

Grippe, ausgefallener Urlaub, vom Stress vor Weihnachten nahtlos und noch erschöpfter zurück in den Stress nach Weihnachten

Begrüßt von einer Stipendiumsabsage im Büro

Wohnungsbesichtigungen und die Erkenntnis, dass wir ziemlich schwierige Wohnungserfordernisse haben 

Der zweite Doktortitel des Haushalts und ein Kurztrip ins Mittelgebirge. Mit Schnee

AnNÄHerung in Bielefeld, Auszeit, Freizeit, Luft holen, genießen. Reden, auch den Frust weg. Danke hier nochmal an alle, die nach der Wohnung gefragt und sich die Litanei angehört haben. Ihr habt viel zur Entscheidungsfindung beigetragen

Entscheidung für die zuerst so genannte „Vernunftwohnung“, was auch bedeutet, sehr flott einen Umzug mit Kleinkind organisieren zu müssen. Innert sechs Wochen um genau zu sein.
Befreiungsgefühl ob des baldigen Umzugs gepaart mit Wiesollenwirdasnurallesschaffenpanik. Überhaupt, wo kommen all diese Sachen her? Wer hat denen den Zutritt erlaubt?

Umzugsunternehmen suchen. Seriosität beurteilen. Ja, wir haben wirklich viele Sachen und recht wenig Möbel. Wer mir väterlich kommt und versucht, mich für dumm zu verkaufen kriegt keinen Auftrag.

Schon wieder Schnee und ein seeehr begeisterter Minimensch

Packen. Dank Hilfe von der Familie schon recht weit gediehen. Es wird ungemütlich

Der Minimensch lernt rasant schnell neue Wörter und entwickelt sich zu einer wahren Quasselstrippe. Keine Ahnung woher er das haben könnte. Schon kaum noch vorstellbar, wie es war als er nicht sprechen konnte.

Möbelhäuser besuchen, alles doof finden und doch zu viel Geld ausgeben. Warum gibt es nirgendwo normale, einfache, bezahlbar Waschbeckenunterschränke aus einfachem, heimischem Holz? Kiefer z.b. Kein Tropenholz, kein shabby-chic-Look, kein Melamin bitte.

Möbel in Gedanken in Räume stellen. Langsam Freude entwickeln auf das neue, das bessere.

Erschöpfung, Müdigkeit, dennoch ruhelos.

Kitaplatzabsagen, viele. Umzug überfordert scheinbar das Platzvergabesystem. Plus vollkommenes Planungsdesaster bei den Kindergärten. Viel telefonieren, mailen, recherchieren. Ende noch offen.

Ich hab das mal recherchiert…

Bereits vor einiger Zeit las ich dieses Interview, das wiederum eine Interpretation einer US-Studie ist. Die Journalistin ist dabei redlich bemüht, ein wenig Gutes in die für sie erschreckenden Studienergebnisse zu bringen. Die Message der Studie sei – dem Artikel gemäß: „Paare, die sich die Hausarbeit teilen haben weniger Sex. Aber puh, ein Lichtblick, wenn sie zwar die Zeit aufteilen, aber nicht die Aufgaben, dann sieht es nicht ganz so düster aus.“
Nun. Das ließ bei mir die eine oder andere Hutschnur hoch gehen. Kommt mir ein populärwissenschaftlicher Artikel allzu pauschalisierend vor, werde ich recht schnell verbissen und guck mir das, Materie egal, genauer an. Zwar bin ich keine Soziologin, aber doch empirische Gesellschaftswissenschaftlerin genug, um hier die eine oder andere Messungsunwägbarkeit zu vermuten. Ich hab mir die Studie also mal genauer angeschauet.
Zunächst mal also zur Studie selbst. In der Tat geben die Autoren in Abstract, Introduction und Conclusion in etwa das als Ergebnis an, was der Artikel im Zeitmagazin zitiert. Also ein eindeutig negativer Zusammenhang zwischen Beteiligung des Mannes am Haushalt und Beischlaffrequenz. Auch wurde für recht viele Wertvorstellungsmaße, Religion, Kinder und anderes kontrolliert. Die Aussage, dass es aber weniger schlimm ist, wenn die Aufgaben geteilt werden und nicht beide alles machen, konnte ich in dem  Artikel so nicht finden. Tatsächlich steht dort, dass männliche Beteiligung am Haushalt sich weniger reduzierend auf die Sexhäufigkeit auswirkt, wenn der Mann eher „männlichen“ Aufgaben nachkommt und die Frau eher „weiblichen“. Aber vielleicht habe ich das auch übersehen. Interessant ist übrigens, dass die Autoren eigentlich die Gegenthese bestätigen wollten, das Hausarbeit Männer attraktiver macht nämlich.
Bauchschmerzen habe ich allerdings bekommen, als ich den Abschnitt zum Datensatz las: Die Datenbasis sind verheiratete Paare, in den USA, befragt im Zeitraum 1992-1994. Da die Fragen relativ delikat sind gab es eine Vielzahl fehlender Beobachtungen, die von den Autoren interpoliert, also auf Basis des Durchschnitts ersetzt wurden.
Nun. Streng genommen ist die Aussage des Artikels also nur für verheiratete Paare Anfang der 90er in den USA gültig. Und hat damit drei Schwachstellen:
1.verheiratete Paare sind ein verzerrter Ausschnitt aller Paare, denn mutmaßlich heiraten Paare umso wahrscheinlicher, je konservativer sie sind. Und umso eher haben sie auch eine eher klassische Rollenverteilung in der Beziehung. Unter dieser Gruppe sind Männer die einen bedeutenden Anteil an der Hausarbeit leisten weit exotischer als unter allen Männern, würde ich vermuten.
2. Die USA sind ein Paradis für empirische Arbeiten, das heißt aber nicht, dass Ergebnisse von dort sich unproblematisch auf andere Länder übertragen lassen. Die Wahrnehmung von Geschlecht und Zuweisung von geschlechtsspezifischen Rollen ist hochgradig kulturabhängig.
3. 1992 ist aus Sicht der angewandten Forschung, meiner Einschätzung nach, etwa gleichbedeutend mit Steinzeit. Die Autoren sagen, zurecht, dass Wertvorstellungen sich nur sehr langsam ändern. Ein Argument, das ich nachvollziehen kann, inwiefern es sich konkret auf die Einschätzung von gleichberechtigter Partnerschaft anwenden lässt, kann ich nicht stichhaltig sagen. Dies gilt allerdings keinesfalls für die Arbeitswelt. Die Frauenerwerbsquote ist seit 1994 erheblich angestiegen. In den USA zwischen 1994 und 2013 um 5 Prozentpunkte gestiegen, in Deutschland sogar um 7 Prozentpunkte, in Frankreich um 8 (Quelle: World Bank World Development Indicators). Ich würde daher schon die These äußern, dass die Lohnarbeits-Hausarbeits-Aufteilung sich für Frauen seitdem geändert hat, was mutmaßlich Auswirkungen auf die Hausarbeitsbeteiligung der Männer hat. Ferner würde ich zumindest vermuten, dass heute auch sehr viel weniger Paare verheiratet sind, als 1994, wodurch die Repräsentanz der Stichprobe für die heutige Grundgesamtheit an Paaren ebenfalls reduziert ist.

Ich habe darüberhinaus etwas Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser in Fragenbögen (also durch self-reporting) erhobenen Angaben. Ich halte es für zumindest diskutabel, ob es nicht eine Systematik bei den fehlenden Beobachtungen gibt, also ob die Angabe insbesondere oft verweigert wurde, wenn die Sexhäufigkeit sehr gering ist, was die Zulässigkeit der Methode der Imputation der fehlenden Werte erheblich infragestellen würde. Auch kann ich mir ohne viel Phantasieren vorstellen, dass die Angaben zur Sexhäufigkeit insgesamt häufig falsch sind, einerseits, weil die Befragten sich schlicht nicht erinnern (und wir reden hier von einer Mittelwerthäufigkeit von 5 Mal pro Monat, da fällt eine Falschangabe um einmal erheblich ins Gewicht, denn der Wert liegt direkt 20% am wahren Wert vorbei) oder bewusst in die eine oder andere Richtung lügen. Und die Wahrscheinlichkeit der Falschantwort könnte dann zu allem Überfluss auch noch abhängig von z.B. der Ausprägung traditioneller Werte bei dem betreffenden Paar abhängen. Da kommt dann doch schnell einiges an denkbaren Messfehlern zusammen.

Es gäbe mutmaßlich auch in den statistischen Details noch Lücken zu finden, aber da habe ich weder die Zeit noch will ich das hier überstrapazieren. Ich fände es aber z.B. durchaus prüfenswert, ob der Wirkungskanal nicht wesentlich über die Existenz von kleinen Kindern läuft, die zeitgleich zu mehr männlicher Beteiligung am Haushalt und weniger Sex führen.

Insgesamt also ein durchaus unerwartetes, auf den ersten Blick statistisch leidlich sauber erhobenes Ergebnis, dessen Übertragbarkeit auf alle – auch unverheiratete – Paare, Europa und heute dennoch fraglich ist. So wäre meine Einschätzung.

Nun noch die Frage: Was macht die Studie, was dann der Artikel daraus? Nun. Mein Haupttrigger ist die Verwendung des Wortes „Gleichberechtigung“ im Artikel bzw. „egalitarian“ in der Studie. Das stößt mir auf, warum ist egalitär gleichbedeutend mit Mann und Frau gleich machen? Dass beide alles machen, alles können müssen? Es geht, meinem Verständnis nach (und hier bin ich explizit nicht Fachfrau) ja nur darum, nicht von Geschlecht auf Befähigung zu bestimmten Aufgaben zu schließen. Oder von Geschlecht auf bestimmte Charakterzüge, Intelligenz oder Berufseignung.  Also einfach die Unterteilung von „Männerarbeit“ und „Frauenarbeit“, „Männercharakterzügen“ und „Frauencharakterzügen“ oder „Männersport“ und „Frauensport“ (usw, you got the point?) zu unterlassen und stattdessen die Unterschiede in Präferenzen – die es natürlich gibt, jede Jeck is anders, wie der Kölner sagt – der Person und nicht dem Geschlecht zuzuordnen. Jede/r macht, beruflich, als Hobby, im Haushalt, überall, was sie oder er gern und gut macht. Punkt. Und da ist die als „männlich“ in der Studie gelistete Aufgabe „Geldangelegenheiten regeln“ in enorm vielen Beziehungen „Frauensache“ und zwar auch beispielsweise bei meinen beiden Großelternpaaren, die nun doch eher konservativen Ideologien anhängen/hingen. Das heißt, wenn beide Partner alle Aufgaben gleichmäßig teilen ist das nicht gleichberechtigter als, wenn beide gleichviele Stunden zum Haushalt beitragen, dabei aber jede/r Spezialaufgaben hat, die nicht klar dem männlich/weiblich-Muster folgen. Bin ich da allein, dass mich diese Interpretation von Gleichberechtigung irgendwie wundert? Außerdem ist es schlicht falsch zu interpretieren, das Ergebnis sei „eine gleiche Aufteilung der Aufgaben führt zu reduziertem Sex“ denn von Gleichverteilung kann im Mittel der Befragten überhaupt nicht die Rede sein. Im Mittel leisten die befragten Männer etwa 20% der Hausarbeit und folglich heißt der signifikante negative Koeffizient nicht, das Gleichverteilung zu weniger Sex führt, sondern eine fairere Verteilung als 20-80. Es ist statistisch durchaus möglich und von den Ergebnissen, soweit ich das herauslesen konnte, nicht berührt, dass es einen Umbruchpunkt gibt und bei einer annähernden Gleichverteilung alles anders ist. Dieser Fall wird in den Daten schlicht viel zu selten beobachtet um darüber Aussagen treffen zu können.

Der Artikel im Zeitmagazin ist außerdem unsauber und pauschalisierend. Zunächst einmal findet die Datenbasis keine Erwähnung, nichtmal, dass es sich um eine US-Studie handelt. Die Studie ist von 2012, ob es eine breitere Literatur mit ähnlichen Ergebnissen, womöglich aktuelleren Daten oder anderen Ländern gibt. Ob es sich um eine Einzelmeinung unter 100 anders lautenden handelt, all das bleibt gänzlich unberührt. Dann wird zu der soziologischen Studie ein Psychologe um seine Meinung gefragt. Das ist zumindest mal unsauber und in der Tat wird aus dem allgemeinen Ergebnis der Studie ein Bogen zu konkreten Einzelfällen in der beraterischen Praxis gezogen. Das ist vollkommen unzulässig. Und dann lässt der Artikel auch noch so unendlich viel aus, was ich hier nicht alles auch noch im Detail ausführen kann. Aber was wenn in „traditionelleren Haushalten“ der häufige Sex aus Pflichtgefühl anstatt aus Lust geschieht? Ist das dann denn wirklich wünschenswert? Was wenn die Ehrlichkeit der Beantwortung der Frage mit dieser Art von Pflichtgefühl korreliert? Was wenn die Beteiligung am Haushalt ein Maß für den Respekt gegenüber den Wünschen der Partnerin/des Partners ist, und in solchen Beziehungen ein Nein dann eben auch als Nein akzeptiert wird?

Insgesamt auch eher fraglich finde ich, überhaupt die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs in Richtung der Attraktivität – allein – des Mannes zu interpretieren. Es ist mir einfach zu flach dieses „Hach und in Wirklichkeit wollen sie doch alle einen starken Mann, der die Brötchen nach Hause bringt.“ Denn nach Wünschen wurde in dieser Studie exakt überhaupt nicht gefragt. Und auch nicht nach Attraktivität. Und Artikel, die diesen Tenor vertreten stützen sich gemeinhin ausschließlich auf anekdotische Evidenz.

Ich finde es durchaus löblich wenn – im Gegensatz zu den meisten jüngst erschienenen Artikeln zu diesem Thema – ein Zeitungsartikel mit wissenschaftlichen Ergebnissen unterlegt ist, oder wissenschaftliche Ergebnisse Eingang in mediale Berichterstattung finden. Ich finde es hier aber auch eher ungut gemacht, indem eine einzelne Studie „rausgepickt“, verkürzend dargestellt und nicht in den Kontext der Fachliteratur eingebettet wird. Und das ist leider der Regelfall und nicht die Ausnahme im Wissenschaftsjournalismus, zumindest in den Gebieten, für die ich es – annähernd – beurteilen kann.