Das Leben verpackt

All unser Hab und Gut wird gerade von A nach B bewegt. Es ist in Kisten verpackt unterwegs. Schon seit Wochen leben wir im Schwebezustand, manches ist seit vier Wochen in einem Karton, anderes erst seit weniger als 24 Stunden. Seltsam stets, so eine Komplettinventur des eigenen Lebens. Uns war vorher klar, dass wir unglaublich viel Kram haben. Dass es allerdings so viel sein würde, das nun doch nicht. 150 Kisten, 20 Klappkisten, 10 Plastikboxen, 2 Koffer und 2 Reisetaschen. Nicht zu fassen. Was ist das alles? Wer hat das gekauft, geerbt, gesammelt? Kann das nicht alles weg? Vor 4 Jahren waren wir noch mit 80 Kisten eingezogen. Wo soll das denn noch hinführen? Der Erklärungsansatz ist etwa so:
Zunächst kam natürlich das Kind dazu. Das hat ja schon auch Sachen. Kleine zwar, aber dennoch. Dann haben wir beide recht Material-intensive Hobbies. Ich besitze, das weiß ich jetzt, 3 Umzugkartons Stoff, 1 Karton Kurzwaren, 1 Karton Hilfsmittel und Werkzeuge, 2 Kartond Wolle, Stricknadeln und Strickanleitungen. Dazu kommen Bastel-, Mal-, Saisondekokisten. Wir haben Unterlagen. Viele. Zwar haben wir sicher 5 Kartons Altpapier aussortiert, aber auch leere Ordner nehmen ja Platz weg. Und das mit den Unterlagen, das wächst ja mit den Jahren. Versicherungen, Steuer, Rente, … Alles will auf ewig gehortet werden. Wir haben viel weggeschmissen. Mehrere Autoladungen Müll, 5 Säcke Altkleider, plus etliches, das ich „zu Verschenken“ an die Straße gestellt hab. Und trotzdem bleibt dieser Kartonberg. Mit Dingen, die wir nur einmal pro Jahr, manche nur alle paar Jahre, brauchen: Campingausrüstung, Skiklamotten, Sportgeräte für x Sportarten. Und vieles, was, der Platz war ja da, in den letzten Jahren als ‚Luxus‘ hinzukam. Backformen für verschiedene Zwecke, einige Küchenwerkzeuge, „gutes“ Geschirr, Instrumente, zugehörige Noten und so was, Bücher natürlich, Zeitschriften für Garten, nähen, … Ich habe im Sinne von Saisonalität und Regionalität auch begonnen recht viele Vorräte anzulegen, Marmelade, Kompott, Sirup, Honig, das sind locker der Boden von 10 Kisten an Vorräten, auch hier hatte ich erheblich aussortiert, vor allem Tees aber auch abgelaufene Backzutaten und so was weggeschmissen. Ob die Vorräte nun die neue Wohnung sprengen, ist noch nicht klar.
Und es sind dann doch eben auch überraschend schnell mal ein paar Kisten Bettwäsche und Handtücher. Vasen. Fast eine Kiste voll. CDs, die wir nie hören, DVDs die wir nie schauen, Handtaschen, Jacken, herrjeminee. Fotos, so viele Fotos und Erinnerungen.
Man kommt nicht umhin, sich zu fragen „kann das nicht alles weg.“ Und trotzdem sind wir schon nach einer Woche permanent auf der Suche, scheint vieles doch irgendwie gebraucht zu werden. Und eins haben wir jedenfalls nicht: Deko. Es gibt bei uns quasi keine Deko außer Bildern (2 Kisten!!!) und Blumen. Dekokram wird rigoros verschrottwichtelt. Vielleicht müsste ich diese Konsequenz doch noch weiter treiben.

3 Gedanken zu “Das Leben verpackt

  1. Lotti Katzkowski schreibt:

    Abgefahren! Hunderfünfzig Kisten???!!! Auweia. Und ich dachte schon, ich hab viel Zeug. Wir hatten nichtmal 40.
    Dafür kommt mir die Anzahl an Stoffkisten recht wenig vor. Allein an Stoff hatte ich bestimmt schon 5 und Kurzwaren und so bestimmt auch nochmal 2-3. Da ist ja jetzt noch der aussortierte Kram meiner Mutter hinzu gekommen. Die Wolle hatte ich geschrumpft, das macht mega was aus.

    Es ist schon erstaunlich, was sich alles so ansammelt. Ich kann froh sein, dass mein Freund immer gleich meckert. Er ist eher so eine Art Minimalist, der auch rigoros alles aussortiert, was er nicht braucht. Das bremst mich ganz gut (und führt auch manchmal zu Streit, weil ich die Hamster-Gene meiner Mutter geerbt habe).

    Ich beneide euch jedenfalls nicht ums Auspacken. Nur ein bisschen um die Möglichkeit, für den eigentlichen Umzug ein Unternehmen zu beauftragen. Wir mussten noch Freunde bitten und hatten im Vorfeld schon ganz viel allein geschleppt, damit es nicht so viel wird.

    Ich hoffe, dass ihr nicht mehr lange suchen müsst. Go go go!

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Einschränkend muss man sagen, dass man bei Umzug mit Unternehmen wirklich ALLES in Kisten packt. Also es gibt schon auch Kisten, in denen sind zwei Mülleimer und 1 Paar Schuhe, oder ein Teil der Stereoanlage und 1 Mantel oder so. Die nehmen nix einzeln mit, was in eine Kiste passt.
      Aber trotzdem, ja, es sammelt sich echt was an.

  2. Jacky schreibt:

    Irgendwie musste ich eben echt schmunzeln…. klar 150 Kartons…. aber, das ist eben das faszinierende, wenn man sein ganzes „Leben“ in Kartons packen soll… ich denke da geht es vielen ähnlich. Ich wünsche ein erfolgreichen und hoffentlich entspannten Umzug.
    LG JAcky

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