Tagebuchbloggen am fünften

Viele leuten schreiben immer am fünften eines Monats auf, was sie so den ganzen Tag machen. Gesammelt wird das ganze von Frau Brüllen und ich verpeile es jeden Monat mitzumachen. Gestern habe ich fast den ganzen Tag mit gebloggt, aber es dann abends doch nicht mehr rechtzeitig geschafft. Nun also mit Verspätung:

00.30 Der Minimensch weint. Er hat schlecht geträumt und Durst. Ich freue mich, dass der Weg zum Kinderzimmer neuerdings sehr viel kürzer ist, gebe ihm Wasser, trösten, kuscheln, wieder hinlegen.

Um 6.36 ist der Minimensch wach und redet fröhlich drauflos, per Live-Schalte aka Babyfon sind somit beide Eltern auch „fit“, ich habe Unterleibschmerzen und bin insgesamt wenig angetan von der Aussicht aufzustehen. Aber es nützt ja nix. Also Aufstehen, den Minimensch aus dem Schlafsack puhlen, sehr wichtig: den Bär bekleiden, Oh, dringend wickeln, dann kann ich ihn auch gleich anziehen.

Um 7 Uhr gehen wir alle zusammen frisch gewickelt nochmal ins Bett für ein bisschen Familienkuschelzeit. Dann steht der Mann auf und duscht, ich gehe in die Küche und beginne um 7.20 unsere Arbeitsplatte, die ich gestern abend zum letzten Mal ölte, zu polieren, dann machen Mann und Minimensch Frühstück, ich öle den Badezimmerspiegel.

7.30 Frühstück, dabei Einkaufsliste schreiben, den Tag besprechen und einer kurzen Eingebung folgend um 7.45 Leiter und Werkzeug holen, den seit Tagen im Schlafzimmer wartenden Küchenschrank holen, 4 Schrauben in die Wand drehen dabei eine abbrechen und zack hängt der letzte Hängeschrank endlich auch und die Küche ist vollständig bemöbelt. Chacka!

Um 8.10 gieße ich meinen zweiten Tee ein, beginne diesen Artikel und suche Tan-Listen, zwischenzeitig aufgelaufene Rechnungen und den Laptop um Überweisungen zu machen. Das dauert etwas, Dinge finden ist in dieser Wohnung gerade eher ein Abenteuert. Beim Mails checken bemerke ich, dass unsere erste Stunde in der Musikschule heute nicht wie gedacht um 11 sondern schon um 10 beginnt, also dann doch besser mal duschen und wohl nicht mehr vorher nooch einkaufen.

8.40 spring ich in die Dusche, danach bin ich kurz irritiert ob der Angabe „Eltern mögen bitte bequeme Kleidung zur Spielgruppe tragen“, beschließe aber dann, dass ich mir keine Situation ausmalen kann, in der ein 3/4-Tellerrock nicht bequem genug ist und ziehe mich an wie geplant. Der Plan war eigentlich vor Abfahrt noch ein paar Schubladen unser neuen Vorratsschränke zu montieren, aber als Gesicht, Haare, Kleidung, Zähne fertig, das Kind gewickelt, die Tasche gepackt sind, ist dann doch schon 9.25, also nur schnell Spülmaschine ausräumen und ab die Post.

Um 10 sind wir trotz Parkplatzsuche sowas von pünktlich in der Musikschule, dass ich sehr gern mit dem Minimensch abklatschen möchte. 2 Großmütter, 2 Mütter, 1 süßliche Musikschullehrerin. Na gut. wenigstens dürfen Eltern während der Musikstunde nicht reden. Ein großes Plus für diese Art der Spielgruppe. Ich bin dennoch schon nach dem Begrüßungslied bedient, aber beiße eisern die Zähne zusammen. Musik ist gut und das Kind soll mal ruhig oft andere Kinder treffen. Der Minimensch ist allerdings dank Umzugschaos derzeit nicht unbedingt in Sozial-Interaktions-Höchstform und leicht irritiert. Als er schließlich aufgetaut ist, ist die Stunde zum Glück vorbei. Minimensch will nun allerdings gern bleiben und nicht mehr weg und auch nicht seine Jacke und seine Schuhe anziehen. Also wirklich sehr gar nicht. So mit schreien und auf den Boden werfen. So schön.

Um 11, der Musikschule entkommen, noch schnell einkaufen. Ich habe natürlich die neue Einkaufssituation in der Fußgängerzone nicht bedacht, weder Kinderwagen noch Einkaufstrolley, nicht mal richtig gute Tragetaschen dabei. Dafür stehen auf dem Zettel lauter Sachen, die man echt gut mal kurz in die Handtasche steckt, wie Windeln, Klopapier, Küchenrolle, sowas halt. Das Kind will „hoch Arm hoch Arm“, denn selbst laufen ist leider auch der letzten fieberhaften Erkältung und dem daran anschließenden Umzug zum Opfer gefallen. Das Einkaufen dauert ewig, weil kaum einen Mini-Einkaufswagen in den Fingern alle Scheu vergessen ist und der Minimensch in Windeseile dm und Alnatura 10fach durchrennt, dabei haufenweise Menschen zu seinen Fans macht. Am besten sind übrigens die Kühlschränke. die kann man so schön auf und zu machen und dabei stets erklären, dass es drinnen „kalt“ und draußen „warm“ ist. Hach ja, hochbegabt das Kind. Kaum raus aus dem Supermarkt, schwupps sind diese Selbstständigkeitsanwandlugen vergessen und passend zu zwei schweren Einkaufstaschen hab ich wieder ein Armkind. Im Auto sind wir um Punkt 12, weil das schon sehr Essenszeit für den Minimensch und Kaffeezeit für mich ist, gibt es einen Latte Macchiato to go für meine und Bananenchips für des Minimenschen Nerven.

Zuhause wartet ein Paket vor der Tür, die Nachbarn hier im Haus sind wirklich super, nehmen Sachen an, helfen aus, sind sehr verständnisvoll. Raus aus den Klamotten, Einkauf in die Ecke pröllen und um 12.17 sitzen wir vor Käsebrot mit Rohkost. Der Minimensch vertilgt das erste Brot mit Hunger, danach gewinnt der Entertainer in ihm die Überhand und es will alles kommentiert, sämtliche Klatschspiele aus der Musikschule nachgemacht und jeder vorbeiziehende Vogel persönlich begrüßt werden. Ich koche Kaffee und erinnere ab und an freundlich an das Brot auf dem Brettchen. Um 12.40 verkündet das Kind „Mama, müde. Lindel. Flafen.“ (na. Wer versteht es???) Wir gehen also Hände waschen und Windel wechseln und um 12.45 liegt der Minimensch in seinem Bett … Und – the same procedure as every day – ist mit einem Schlag topfit. Legt sorgfältig alle Kuscheltiere schlafen, weckt sie wieder, erzählt ihnen einen Schwank aus seiner Jugend, legt sie wieder schlafen, weckt sie wieder, poliert die Gitterstäbe mit der Decke, lacht sich über sich selbst scheckig, … Nach 30 Min dieser Show, knicke ich ein und entschließe mich für ‚in den Schlaf wiegen‘, da zeitgleich der Nachbar auch noch unter uns zu hämmern beginnt. Wir machen noch schnell dreimal das Spiel ‚ich will allein im Bett sein, Mama geh raus – ach nee, jetzt breche ich doch in Panik aus‘ und um 13.40 ist endlich Ruhe und der Minimensch in seinem Bett.

Im Wissen, dass am Nachmittag die neue Babysitterin kommt, gönne ich mir 10 Minuten Pause, bevor ich ins improvisierte Home office auf dem Sofa gehe. Ich räume die Küche auf, den Einkauf in den Kühlschrank und trinke meinen kalten Kaffee. Um 13.50 sitze ich mit einer Schüssel Studentenfutter vor einem Stapel deprimierender Klausuren. Und erhalte eine Nachricht von der neuen Babysitterin, dass sie überraschend eigentlich doch gar keine Zeit hat für ein Kind zur Betreuung tagsüber. Na sowas. Das war seit einem Monat abgesprochen und wir hatten daher die Suche eingestellt. Sie sollte diese Woche anfangen. 2 Tage/Woche. Ich konzentriere mich aufs atmen und beiße wütend ein paar Macadamianüsse. Dann schreibe ich der alten Babysitterin, die nun zu weit weg wohnt und treffe mit ihr die Absprache, sie für’s erste abholen zu kommen, damit die Anfahrt machbar ist. Dann korrigiere ich weiter. Die Klausuren sind desaströs schlecht. Also wirklich zum verzweifeln. Da allerdings ca. 80% der Studierenden die Vorlesung eh nicht besucht haben, halte ich mich mit Selbstvorwürfen zurück.

Um 14.54 erwacht der Minimensch, verwirrt und in Tränen aufgelöst und in ziemlich schlechter Gesamtverfassung. Wir lesen ein Buch, essen ein paar Cashews, spielen ein wenig und gehen gegen 15.30 mit der Wäsche in Richtung Keller. Unterwegs klingeln wir kurz bei der Nachbarin untendrunter, einer älteren Dame, die hier wohl zum Inventar gehört, und werden leider herein gebeten. Es gibt Kuscheltiere und Puppen zu bestaunen (eine Angewohnheit von älteren Damen, die ich in hohem Maße suspekt finde) und der Minimensch quatscht sich etwas fest. Ich lasse ihn also da, gehe allein Wäsche einwerfen und sammel ihn dann wieder ein. Wir sind also erst nach 16 Uhr wieder oben. Überraschend schneit der Mann herein, aber nur um was zu holen und kurz darauf wieder zu entschwinden, es gibt Banane für den Minimensch und ich telefoniere mit einer Versicherung, meiner Mutter und Schwiegermutter. Schwupps ist 17 Uhr und ich erwarte eigentlich jeden Moment Kollegin Z., die mir Klausurennachschub bringt und helfen will. Ich schnippel Gemüse und brate Tofuhack, damit die Bolognese sich derweil selbst bereiten kann und kurz vor 18 Uhr trifft Z. tatsächlich ein.

Wir montieren 10 Ikeaschubladen, der Minimensch bedient den Akkuschrauber („Attu“) und reicht „hrauben“ an und ist in seinem Element. Die Zeit vergeht. Zack ist der Mann zurück und Essenszeit. Vorher montieren wir noch kurz testweise eine Tür in den Vorratsschrank, eigentlich um die Position von Schubladen und Böden festzulegen. Dabei stellen wir allerdings fest, dass a) die Tür über den Boden schleift und b) uns ein Haufen Scharniere fehlen. Also fällt der Plan heute die Schränke einzuräumen eh flach. Wir essen erstmal, der Mann bricht nochmal Richtung IKEA auf, ich mache mich daran den Minimensch zum schlafen hinzulegen. Der ist wiederum im Irrglauben, er sei hellwach und erzählt und erzählt und erzählt. Von 19.45 bis 20.50 Uhr. Am Ende ist wiederum „in den Schlaf wiegen“ die einzig gangbare Lösung.

Z. hat in der Zwischenzeit geräumt und weiter Schubladen montiert. Ich räume das Wohnzimmer in einen Wohnzimmer-ähnlichen Zustand und erschließe den Zugang zum Nähtisch. Als Z. gegen 21.45 mitsamt unseres Altpapiers entschwindet machen wir noch eine kleine Babysitter-Krisensitzung und bepaniken die Gesamtsituation. um 23 Uhr falle ich ins Bett.

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