Der Griechenland-Gedanken zweiter Teil: Und was hat das ganze mit dem Euro zu tun?

Wow, mein Post zur Entstehung der griechischen Krise hat sehr viele neue Leser auf mein Blog gelockt – die sich vermutlich dann fragten, was sie in diesem Gemischtwarenladen suchen. Herzlich Willkommen – wer keinen Nähkram lesen will, halte sich an das Tag „just my 2 cents“. Es freut mich, dass ich offenbar zur Erhellung einiger dunkler Flecken beitragen konnte und ich wundere mich, warum das scheinbar der Presse nicht gelingen will. Aber gut. Schweifen wir nicht ab. Lieber zurück zur Frage: Warum wurde aus der griechischen Krise eine Euro-Krise und was hat denn überhaupt eine Staatsschulden- und Bankenkrise mit der Währung zu tun? Auch hier ist es wieder sehr viel komplexer als man denkt. Im Prinzip hat die Verknüpfung von Staatsschulden und Währungskrise vier Dimensionen: 1. Der Wechselkurs als Korrektiv fällt weg und das kann eine bestehende Wirtschaftskrise verschärfen. 2. Der Regierung entgehen durch die Aufgabe der Währungsautonomie Finanzierungsmöglichkeiten über den sogenannten „Münzgewinn“ (auch Inflationssteuer oder Seigniorage genannt) und über die Möglichkeit auf die Rücklagen der Zentralbank zuzugreifen. 3. Die Finanzierung der fiskalpolitischen Maßnahmen in der Finanzkrise führt zur Verletzung der Stabilitätsziele der Eurozone und damit zu Zweifeln an der Stabilität der Währung selbst, damit sind auf einmal alle anderen Länder mit an Bord des sinkenden Schiffes, insbesondere die, die in ähnlich prekärer Lage sind. 4. Durch die Einführung eines gemeinsamen europäischen Bankenmarktes sind die Banken sehr viel enger miteinander verknüpft und daher sind viele Banken in anderen europäischen Ländern von einem möglichen Zusammenbruch der griechischen Banken oder einer möglichen Staatspleite indirekt betroffen, da sie in großem Umfang Forderungen gegenüber griechischen Banken und dem Staat haben.

Während der erste und der letzte Punkt sehr viel Beachtung finden, sind der zweite und der dritte keinesfalls weniger wichtig. Also gucken wir uns mal die Punkte im Detail an:

1. Der Wechselkurs als Korrektiv. Das klang ja in meinem letzten Post schon an. Für eine kleine offene Volkswirtschaft mit flexiblem Wechselkurs ist der Wert der Währung gleichzeitig immer auch ein Barometer für das Vertrauen in die Funktionalität der Volkswirtschaft als ganzes. Eine Währung wertet auf, wenn die Nachfrage danach steigt. Dies geschieht zum Beispiel, wenn die Nachfrage nach den im jeweiligen Land produzierten Gütern hoch ist, wenn die Nachfrage nach Finanzanlagen (Wertpapieren oder Aktien) in diesem Land hoch ist, wenn die Währung selbst als wertstabil angenommen wird und damit selbst als Anlage dienen kann (das Musterbeispiel ist hier der Schweizer Franken, der als sicherer Hafen gilt). Eine viel nachgefragte Währung bildet also letztlich ab, dass auf den verschiedenen Märkten (Güter, Dienstleistungen, Anlagen, Devisen) dem Land ein hohes Vertrauen entgegen gebracht wird. Umgekehrt spiegelt eine (drastische) Abwertung in der Regel wieder, dass auf zumindest einem dieser Märkte das Vertrauen in die Stabilität der Volkswirtschaft einen Dämpfer erhalten hat. Z.B. wenn scharenweise Investoren ihre griechischen Anlagen verkaufen und stattdessen Bundesschatzbriefe kaufen wollen. Vor dem Euro hätte das zu einem erhöhten Angebot an Drachmen und einer erhöhten Nachfrage nach DM geführt und entsprechend zu einer Abwertung der Drachme und einer Aufwertung der DM. Und genau dieser Mechanismus: Aufwertung in guten Zeiten, Abwertung in schlechten Zeiten ist durchaus begrüßenswert. Denn so wird ein sehr starker Aufschwung abgefedert, indem durch die Aufwertung der Währung inländische Güter und Anlagen international dann mehr kosten und weniger attraktiv sind – was verhindert, dass eine einzelne Volkswirtschaft auf Dauer „über Kapazität“ produziert und sehr viel Nachfrage auf sich konzentriert. Umgekehrt führt eine Abwertung in Rezessionszeiten dazu, dass die inländischen Güter für Ausländer billiger werden, was die Exporte stimulieren und damit der Wirtschaft aus der Rezession verhelfen kann (so es nennenswerte Exportindustrie gibt). In der Währungsunion funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr. Natürlich könnte es sein, dass die drohende Pleite Griechenlands den Wert des EURO schmälert, das ist durchaus zu beobachten. Allerdings ist Griechenland zum Glück innerhalb des EURO-Teichs ein ziemlich kleiner Fisch und die Abwertung des EURO liegt um Meilen geringer, als die hypothetische Abwertung der Drachme wäre. Somit ist der Wechselkurseffekt direkt schonmal sehr klein. Falls es nun aber einen positiven Handelseffekt aus der Abwertung des EURO gäbe – würden denn dann die Griechen den wenigstens spüren? Eher nicht. Denn kleiner Fisch. Der große Fisch im EURO-Außenhandel ist Deutschland. Wenn der EURO abwertet ist das mal per se und als erstes gut für uns. Und für ein paar andere, sehr exportstarke Länder. Griechenland ist leider nämlich überhaupt nicht besonders exportstark. Und sowieso schonmal nicht mit Ländern außerhalb der EURO-Zone. Denn: zwischen den EURO-Ländern ist der Wechselkurs ja 1:1, das heißt hier gibt es schonmal per se gar keine positiven Handelseffekte aus Kursänderungen des EURO zu erwarten. Da aber die EURO-Länder zu sehr großem Anteil untereinander oder zumindest mit anderen EU-Ländern (die ja, wir erinnern uns, teilweise einen festen Wechselkurs zum EURO haben) handeln, gibt es da schonmal gleich gar nix zu holen. Wollten wir Griechenland über den Handel helfen müssten wir also alle im Rest von Europa sehr viel Feta, Olivenöl und griechischen Joghurt kaufen.

2. Finanzierung von Staatsausgaben via Zentralbank. Das funktioniert nur, wenn die Zentralbank der Regierung untersteht. Die EZB und auch früher die Bundesbank waren unabhängig und damit nicht gehalten, zur Finanzierung der Fiskalpolitik beizutragen. Aber, wenn die Zentralbank der Regierung gehört, wie z.B. die Fed, dann kann die Regierung sich via Zentralbank finanzieren. Es gibt da zwei Wege. Zum einen kann die Regierung bei der Zentralbank Kredite aufnehmen. Dies führt zu einer Erhöhung der sog. heimischen Komponente in der Zentralbankbilanz. Die Zentralbank hält grundsätzlich als Gegenwert zum Umlauf an Zentralbankgeld Forderungen gegenüber der Regierung, inländischen Banken, Devisen, Wertpapiere, heimische und ausländische und Gold. Wenn die Regierung nun mehr Kredite erhält, weitet sich die Forderungsposition der Zentralbank aus. Nun muss die Zentralbank im Gegenzug entweder andere Positionen verkaufen, zum Beispiel Devisen auflösen oder die Kreditvergabe an Banken drosseln, oder eben den Geldumlauf erhöhen. Das ist das, was gemeinhin als ‚die Notenpresse anwerfen‘ bezeichnet wird. Natürlich kann die Zentralbank auch ohne Ausweitung des Regierungskredits die Geldmenge erhöhen, durch einen Erhöhung eines der anderen Posten, z.B. Devisenankauf oder Kreditausweitung im heimischen Bankenmarkt. Und auch in diesem Fall würde die Regierung davon finanziell profitieren. Sie schöpft aus einer Geldmengenerhöhung den sogenannten „Münzgewinn“, die Seigniorage ab (auch etwas verwirrend Inflationssteuer genannt). Dieser Begriff fasst verschiedene Gewinnmöglichkeiten zusammen. Einerseits steht der Regierung das neu gedruckte Geld unmittelbar zur Verfügung, während die durch Geldmengenerhöhung eintretende Inflation erst verzögert auftritt, hierdurch ist das neue Geld für die Regierung mehr Welt als später für die Konsumenten. Zudem steigen durch die ausgelöste Inflation die Steuereinnahmen aus Mehrwertsteuer und anderen Wertsteuern, da diese auf den Nominalpreis entfallen, wenn dieser steigt, steigt auch die Steuer. Außerdem würde, wenn die Zentralbank der Regierung gehört auch der Zins auf neu ausgegebene Kredite an Geschäftsbanken oder ein potenzieller Gewinn aus Devisenverkäufen an die Regierung fallen und entsprechend zur Finanzierung beitragen. Im Falle eines festen Wechselkurses, kann die Zentralbank nicht autonom die Geldmenge erhöhen, das bedeutet, dass auch Seigniorage nicht möglich ist. Wohl kann aber auf die heimische Komponente zurückgegriffen werden und die Zentralbank um Kredit gebeten. In der Währungsunion geht auch das nicht mehr, da die Regierung ja keine Zentralbank mehr unter ihren Fittichen hat und die EZB durch strenge Regeln gebunden ist. Natürlich hat die EZB der griechischen Regierung Kredite gegeben. Aber im Gegensatz zu einer abhängigen Zentralbank eher zurückhaltend und unter Auflagen.

Das waren die beiden Punkte, in denen Griechenland mehr unter der Krise zu leiden hat, weil es in einer Währungsunion ist. Die nächsten beiden Punkte betreffen die Währungsunion selbst. Denn die hat natürlich auch mehr unter der griechischen Verschuldungskrise zu leiden, als wenn Griechenland nur Mitglied er EU wäre.

3. Ansteckende Instabilität. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist ein Instrument die Fiskalpolitik zumindest vom Umfang her zu vereinheitlichen, de facto wäre es notwendig die Fiskalpolitik auch zeitlich und inhaltlich zu koordinieren, dies wird aber unter Berufung auf die Budgetautonomie der nationalen Regierungen abgelehnt. Obwohl der Stabilitäts- und Wachstumspakt bereits Dutzende Male von etlichen Ländern gebrochen wurde, hat er doch für den EURO einen hohen Wert. Er signalisiert den Willen der Mitgliedsstaaten, sich den Zielen von moderater Verschuldung, Ausgabendisziplin, moderatem Wachstum und moderater Inflation dauerhaft und bindend zu verpflichten. Damit dient er als Garant für die Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit des Euroraums als ganzem und damit der Wertstabilität des EURO. Neben Handels- und Kapitalverkehrsvereinfachungen war die Eindämmung von Inflation und Zinsschwankungen ein wesentliches Ziel bei der Einführung des EURO. Die südeuropäischen Staaten hatten zuvor deutlich höhere Inflationsraten und stark schwankende Zinsen, eben weil das Vertrauen in die Stetigkeit und Zuverlässigkeit der jeweiligen Zentralbanken nicht sehr ausgeprägt war. Der EURO ist damit auch ein Instrument der Erhöhung der Glaubwürdigkeit und der Verstetigung der europäischen Geldpolitik. Wenn nun ein Land nicht nur einmal, sondern dauerhaft und nicht nur in geringem Umfang sondern sehr nennenswert die Maßgaben des Stabilitätspaktes verletzt, nichtmal die vorgesehenen Vertragsstrafen zahlen kann und am Ende „damit durchkommt“ sprich entschuldet wird oder gar aus dem EURO ausscheidet, so kann das durchaus verheerende Implikationen für die Glaubwürdigkeit der europäischen Geldpolitik haben. Griechenland selbst ist denkbar klein auch im europäischen Finanzmarkt, aber würde bspw. durch einen Bankrott Griechenlands auch Zweifel daran bestehen, dass Portugal, Spanien und Italien sich in der Zukunft weiterhin an die Stabilitätsziele halten, dann fehlt auf einmal das Vertrauen in ein Viertel der EURO-Länder, das würde ganz sicher zu Kursverwerfungen des EURO führen und es der EZB schwerer machen, eine moderate Zins- und Inflationspolitik auch glaubwürdig weiter vertreten zu können. Im Rahmen des EWS kam es 1992/1993 zu einer Währungskrise im Rahmen derer, kaum dass die eigentlich in Schieflage geratenen Staaten Portugal, Italien und Spanien ihre Währung gegenüber der DM abgewertet hatten, gegen den französischen Franc spekuliert wurde, obwohl die Wirtschaftssituation in Frankreich solide war und die französische Nationalbank einen deutlich vorsichtigeren Ruf hatte. Am Ende musste das Schwankungsband der Währungen sehr weit ausgedehnt werden, damit nicht der Abwertungsdruck einfach beständig von einem Land auf das nächste übergriff.

4. Die Sache mit den Banken. Tatsächlich hatte die griechische Regierung zu Beginn der Wirtschaftskrise auch in nennenswertem Umfang Schulden bei privaten Gläubigern (europäischen Banken und Hedgefonds/Investmentfonds) diese sind jedoch zum Großteil im Rahmen des ersten Schuldenschnitts an öffentliche Gläubiger übergegangen oder erlassen worden, so dass die Regierung heute zu weit weit höchstem Teil gegenüber den öffentlichen Gläubigern (ESM, IWF, EZB, EFSF) verschuldet ist. Eine Entschuldung würde also NICHT die deutschen Banken mit Geld versorgen. Anders sieht es natürlich mit den griechischen Banken aus. Diese sind natürlich schon innerhalb des europäischen Bankensystems bei anderen europäischen Banken verschuldet, das ist normal, denn das Bankensystem ist darauf ausgelegt, dass die Banken sich in erster Linie mal gegenseitig mit Liquidität versorgen, bzw. am Ende des Geschäftstages ihre offenen Positionen miteinander tauschen (im Rahmen des Target2-Systems für Zahlungsabwicklung) und wenn die griechischen Banken zahlungsunfähig sein sollten, würde dies durchaus zum Platzen der einen oder anderen Position in den Bilanzen von Banken in Überschussländern führen. Dennoch fließt die Hilfe, die aus dem ESM möglicherweise an Griechenland fließt nicht zwangsläufig an die Banken, dies nur, falls die griechische Regierung die Banken rekapitalisieren würde und dies ohne weitere Auflagen oder Verhandlungen mit den Gläubigern. Würde dies hingegen durch europäische Institutionen geschehen, würde mutmaßlich ein Teilverzicht mit den Banken anderer Länder ausgehandelt oder zumindest eine Stundung oder Restrukturierung der Schulden, wie man das halt in Insolvenzverfahren so macht. Auch hier gilt jedoch: die Gefahr für das europäische Bankensystem als ganzes geht nicht von Griechenland aus, kleiner Fisch, ich sagte es ja schon. Entscheidender ist, dass es Banken in Italien und Spanien sehr sehr ähnlich geht und sie nur ein winziges bisschen besser mit Kapital versorgt sind. Würde der Eindruck entstehen, das Eurosystem verstaatliche in großem Stile in Bedrängnis geratene Banken, so könnte dies vor allem wiederum die spanischen und italienischen Banken empfindlich treffen, dann nämlich, wenn befürchtet würde, diese würden auch demnächst ihre Gläubiger prellen. Und wenn man sich die Target2-Salden anguckt, dann sieht man, dass die hohen negativen Target2-Salden innerhalb der Eurozone nicht bei Griechenland, sondern bei Italien und Spanien liegen.

Target2-Salden innerhalb des Euro-Bankensystems. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

Wir fassen zusammen: Es ist für Griechenland ziemlich doof, dass es im Euro ist, weil es daher auf verschiedene Instrumente, seine Wirtschaftskrise zu überwinden, nicht zurückgreifen kann. Es ist auch für die Eurozone ein bisschen doof, dass Griechenland dabei ist, aber ich wage zu behaupten, weniger schlimm als umgekehrt. Der Effekt für die Eurozone ist nämlich weniger, dass Griechenland uns alle ins Verderben stürzt sondern mehr, dass Griechenland das minikleine Loch in dem Damm wäre, den dann Italien und Spanien einreißen würden. Man kann nur sehr vage Mutmaßungen anstellen, ob es besser wäre, wäre Griechenland nicht im Euro. Vielleicht hätten ihnen auch alle weiteren Instrumente nicht viel gebracht. Vielleicht hättten sie trotzdem einen festen Wechselkurs zum Euro und damit sehr ähnliche Probleme. Natürlich müsste dann der ESM nicht dafür gerade stehen und die EZB nicht die Liquidität der griechischen Banken sichern (was sie muss!), dann wäre der IWF mehr als jetzt noch in der Pflicht, denn letztlich ist es ganz genau die Aufgabe des IWF in derlei Situationen einzuspringen. Womöglich hätten wir aber dann schon ca 2012 Italiens Banken rekapitalisiert.
Letztlich hat das Eurosystem ein paar erhebliche Designschwächen und die sind nun an Griechenland offenbar geworden, da wären sie aber auch ohne Griechenland.

Und nun ist schon wieder ein ziemlich langer Post entstanden. Im nächsten dann die Frage: „und nun?“ Aber das wird etwas dauern.

Expertise zu den griechischen Schulden vom DIW mit zahlreichen Grafiken (PDF, Fachliteratur aber gut lesbar)

Ein Artikel, der zurecht betont, dass die EZB zur Sicherung der griechischen Liquidität verpflichtet ist.

Und einmal noch zur Struktur der griechischen Schulden und der Frage nach den Banken. (Englisch)

4 Gedanken zu “Der Griechenland-Gedanken zweiter Teil: Und was hat das ganze mit dem Euro zu tun?

  1. willa moone schreibt:

    Ich glaube ja, dass die Presse zum einen eher an Meinungsmache als an Aufklärung interessiert ist und zum anderen manchmal selbst recht ahnungslos ist. Das fällt mir immer auf, wenn es um Themen aus meinem beruflichen Leben geht.
    Ich bin dir wirklich sehr dankbar, dass du dir so viel Mühhe machst und das ganze Thema so verständlich aufbereitest.
    Schönen Sonntag noch!

  2. arboretum schreibt:

    Auch von mir vielen Dank für Ihre gut verständlichen Erläuterungen.

    Ich fand, die Sache mit den Hedgefonds und den griechischen Staatsanleihen hat der frühere Investmentbanker Rainer Voss im Dokumentarfilm „Master of the Universe“ von Marc Bauder ganz anschaulich erklärt.

    Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=PjAQKGmoWzA (ab 0:54 geht es kurz um jene griechische Staatsanleihen, die nach englischem Recht ausgegeben wurden)

    Voss sagte auch, dass Griechenland nur das schwächste Glied in der Kette war, bei dem einige dieser Fonds halt mal versucht haben, was geht, „das Eis angepickt haben“ – und es eben auch Akteure gibt, die ein großes Interesse daran haben, dass der Euro scheitert, weil sie dadurch profitieren.

    Vielleicht können Sie zu diesen Aspekten in einem späteren Posting auch noch etwas sagen? Das wäre schön.

  3. machen statt kaufen schreibt:

    Vielen Dank für die Mühe die Du Dir mit Deiner Artikelserie zur aktuellen Situation in Griechenland machst!
    Ich finde auch, dass dieses Thema extremst einseitig in den Medien dargestellt wird, wobei ich hier schon von einer bewußten Meinungsmache sprechen würde. Da wirtschaftspolitische Themen ja eher „unsexy“ sind, zeigt diese (von mir so wahrgenommene) Meinungsmache auch durchaus Erfolg in großen Teilen der Bevölkerung.

    Leider machen sich die meisten von uns nicht klar, was diese Situation tatsächlich nicht nur für Griechenland sondern auch für die Bürger der anderen EU-Staaten uns eingeschlossen zur Folge hat.
    Daher möchte ich an dieser Stelle auch noch auf die Rolle hinweisen, die der IWF in dieser Thematik spielt. Es ist ja nicht so, dass die griechische Regierung in der Vergangenheit (also bereits vor der Eurokrise) das Geld, das sie sich geliehen hat, mit vollen Händen zu Wohl der griechischen Bevölkerung ausgegeben hätte. Man kann also kaum sagen, dass Griechenland in der Vergangenheit über seine Verhäkltnisse gelebt hätte, wie von vielen, insbesondere auch deutschen, Politikern gern vollmundig behauptet wird. Auch in 2009 lag das durchschnittliche griechische Einkommen bereits auf dem zweitletzten Platz in der Eurozone. Nur Portugal lag noch dahinter. 60% der griechischen Rentner mussten mit weniger als 600€ monatlich auskommen und die Durchschnittsgehälter im öffentlichen Dienst lagen bei 1200€ monatlich. 20% der Bevölkerung bezogen ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze und der Mindestlohn betrug 4,05€ pro Stunde. Alles nicht wirklich üppig, nur liest man das leider nicht in der Zeitung bzw. hört nihcts darüber im Fernsehen/ Radio.

    Anders sah es da schon bei den Ultrareichen aus, die ihre Vermögen durch Verschiebung in Offshore-Paradiese erfolgreich an der Steuer vorbeimogeln konnten.

    In der Tat wurde die Mitgleidschaft in der Euro Zone mit frisierten Zahlen erschummelt, aber nicht durch die Bürger sondern durch die damalige Regierung, die sich bei Goldmann Sachs die nötigen Mittel besorgte um die eigenen Bilanzen gefälliger aussehen zu lassen. Wer war damals der Verantwortliche für das Europäische Risiko Management bei Goldmann Sachs? Mario Draghi der jetzige EZB Chef! Nur leider kann sich Herr Draghi heute nicht mehr an den Deal erinnern. Tja, wir werden alle nicht jünger, da kann so etwas natürlich leicht passieren…

    Wieso habe ich oben die Rolle des IWF erwähnt? Nun, weil er gemeinsam mit EZB und EU das macht, was er in den letzten Jahrzehnten auch bereits erfolgreich in vielen Ländern der sogenanten dritten Welt getan hat. Die systematische Verschuldung dieser Länder wird billigend in Kauf genommen. Wenn sie dann hoffnungslos überschuldet sind, springt der IWF als „Retter in der Not ein“. Verbunden ist diese Hilfe immer mit der Forderung nach einer massiven Liberalisierung der inländischen Marktes. Die Folgen: Multinationale Großunternehmen machen sich in diesem Markt breit. Einheimischen (meist kleinen und mittelständischen) Unternehmen wird nach und nach durch konkurrenzlos, billige Importe die Luft abgewürgt. Die Schulden beim IWF werden natürlich nie von der jeweils kleinen, vermögenden Schicht in diesen Ländern beglichen (die beste Beziehungen zu den multinationalen Unternehmen und ihrer eigenen Regierung pflegt). Die Löhne sinken deutlich, Sozialleistungen und Aufwendungen für das Gesundheitswesen werden drastisch gesenkt. Die Armut steigt massiv. Jedes neue „Hilfspaket“ bedeutet somit: Noch mehr Schulden, die von der arbeitenden Bevölkerung in diesem Land getragen werden müssen. Bis nichts mehr geht.

    Auch in Europa ist nicht nur Greichenland betroffen. Wer zahlt die Schulden bei EU/ IWF und EZB z.B. in Island, Irland und Zypern ab? Genau, wieder die arbeitende Bevölkerung in diesen Ländern. In Zypern wurde so den Sparern ein Teil ihrer Ersparnisse zwangsweise enteignet. Natürlich hatten auch hier die wirklich vermögenden Großnleger ausreichend Zeit, ihre Milliarden vorab ins sichere Ausland zu schaffen.
    Die Bedingungen die den verschuldeten Ländern wie z.B. Griechenland auferlegt werden, sind jeweils von der Troika ausgearbeitet. Was hat das noch mit demokratischen Prozessen zu tun, wer hat diese Leute gewählt?
    Mit meiner – sehr verkürzten (und emotionalen) – obigen Darstellung möchte ich also darauf hinweisen, was auf uns in den nächsten Jahren in Europa zukommt: Immer stärkere Entdemokratisierung und immer stärkere Verschiebung der vermögen in die Hände einiger weniger Großanleger/ Großbanken/ Hedgefonds.
    Daher finde ich es sehr erfreulich, dass Du dieses Thema aufgegriffen hast, denn es ist an der zeit, dass wir uns alle damit auseinander setzten, da wir auch alle davon betroffen sein werden.
    Liebe Grüße
    Antje

  4. Heidi schreibt:

    Vielen Dank für die Ausführungen. Ich habe die beiden Posts mit Interesse gelesen und vermisse gerade jetzt umso mehr eine objektive Betrachtungsweise in den Medien. VG und warte nicht zu lang mit dem nächsten Post…

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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