Freitags mit … Handwerkern (und anderen)

Ich habe ja neuerdings freitags meinen Extrem-Entspannungstag. Also das ist dieser Tag an dem das Kind nur maximal bis 12 in die Kita kann. Wo also praktisch nicht lohnt irgendwas sinnvolles zu machen und ich deshalb plante, einfach gar nicht erst zu arbeiten, sondern totaaaaal tiefenentspannt meine Freiheit zu genießen. Meine Entspannung sah entsprechend in den letzten Wochen freitags jeweils so aus: Einkaufen ohne Kind *juhuuu*, krank sein, doch noch schnell ganz viel arbeiten müssen, krank sein, … klappt super mit den 3-4 Stunden Entspannungszeit am Freitag, nicht wahr? Heute neuer Gipfel der Entspannung: Handwerker an drei verschiedenen Stellen der Wohnung. Und nebenher noch arbeiten, weil nix geschafft, weil erst seit gestern wieder im Dienst. Der Plan war also, das Kind pünktlich um 8 in der Kita abzuliefern (wir sind sehr schlecht im pünktlich in der Kita sein), schnell einkaufen, 3 Stunden arbeiten während nebenher die Handwerker alles wieder gut machen, was derzeit doof ist. Um 11.45 entspannt zur Kita fahren und dann das Kind mit Mittagessen füttern und danach Mittagsschlaf machen. Guess what – läuft ganz anders.

Ich wache um 7 Uhr von allein auf, weil nunja, eine der Sachen, die repariert werden muss, ist die Rollade im Schlafzimmer. Also wache ich mit der Sonne auf. Das ist 7. So weit so gut. Ich schleiche ins Bad (der Mann kam erst gefühlt vor 5 Minuten von einer Betriebsfeier ins Bett). Palim palim da tönt es aus dem Babyfon. „Mama?“ Ich stelle mich tot. …. „Die Mama soll kommen.“ (Immerhin, das mit der Grammatik kann der Minimensch gut.) Also wieder raus aus dem Bad. Kind kuscheln. Kind mit in die Dusche nehmen. Mann wir liegen gut in der Zeit. Dann passiert, was immer passiert – wir fallen in das Badezimmer-Zeitloch und kommen erst um 7.55 wieder heraus. Am Frühstückstisch stelle ich fest, dass ich vergessen habe mich zu schminken. Das Kind vertilgt derweil eine halbe Million Brote und fragt alle drei Bissen „Papa, keinen Hunger?“ „Nein, Papa will noch schlafen. Der war erst sehr spät im Bett.“ Kind, nickt sehr wissend: „Das ist anstrengend.“ Ha, erfasst. Erkenntnis – Besserung. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich schminke mich und schreibe nebenher meine Einkaufsliste und hoffe, 8.15 das Haus verlassen zu können.

8.40 Wir sitzen im Auto. Vorher Flur-Zeitloch. Immer dieses Sockensuchen, Schuhesuchen, über die Anzieh-Hoheit diskutieren, ausdiskutieren welche Kuscheltiere mit in die Kita dürfen. Heute ergänzt um Papa wecken und diskutieren welche Schuhe Mama anziehen darf. Achja. Die Freuden der Elternschaft. Immerhin in der Kita alles top, das Kind flitzt schneller ab, als ich ihm die Hausschuhe anziehen kann, ich parke um 9.00 in der Fußgängerzone und beginne den Drei-Geschäfte-Einkaufs-Marathon. Ich habe optimistisch nur 45 Minuten Parkschein gezogen.

9.52 Naja fast. Drogerie, Biosupermarkt, Bank, 2 Kinderschlafanzüge und ein Shirt als Bonus. Ich bin hochzufrieden. Zuhause begrüßen mich neben dem Mann noch drei verschiedene Handwerker, die sich übertreffen in „Leider kann ich ihnen nicht den Einkauf rauftragen-Witzen“ Stur lächeln und winken. Einkauf verräumen, Kaffee kochen, Anweisungen erteilen. Um 10.15 sitze ich am Küchentisch mit Laptop und der Heizungsmann ist schon fertig. Das läuft. Ich lese sehr konzentriert eine Präsentation Korrektur während neben mir an der Wand gespitzt, industriestaubgesaugt und laut geflucht wird. Ich verspreche, nicht zu verraten, dass unsere Klingelanschlussleitung jetzt sehr viel schöner verputzt ist, als die der anderen im Haus. Immerhin, unsere Tür hat nun wieder ein richtiges Schloss. Darauf geht der Handwerker erstmal eine rauchen.  Die 5 Minuten Lärmpause nutze ich für ein Telefonat. Der Handwerker ist übrigens sehr mit sich zufrieden und hochgradig begeistert von seiner eigenen Arbeit. Ich nicht so, bin nämlich erst auf der 4. von 33 Folien. Ja gut. Ist ja noch fast ne Stunde Zeit.

10.50 der Handwerker ist zurück und macht jetzt Sachen, die weniger Lärm machen, aber deutlich mehr stinken. Ich trinke noch einen Kaffee. In einer Stunde muss ich das Kind aus der Kita holen, an der Rolladenreparaturfront ist noch kein Ergebnis zu beobachten und meine Arbeit ist auch noch nicht fertig. Hmpf. Dafür ist der Industriestaubsauger wieder im Einsatz.

11.05 Immernoch Türrahmenreparatur. Nix an der Rolladenreparaturfront. Kinder meine Nerven. Dafür hab ich die halbe Präsentation durch. So ein Industriestaubsauger ist übrigens sehr super, wenn man mal gar nicht denken möchte. Einfach mal den Kopf leer kriegen. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu.

11.15 Es wird gefeilt und gesprüht und gespachtelt und geflucht. Himmlische Ruhe quasi. Ich lese mich flott durch 10 Folien und verteile sporadisch kleine rote Kringel hier und da. Mein Kopf schmerzt, was möglicherweise am unruhigen Nachtschlaf des immernoch hustenden Minimenschen, möglicherweise aber auch am wundervollen Geruch der Spachtelmasse liegt. Ob Kaffee hilft? Kann man ja mal probieren.

11.25 Ich habe die Korrektur fertig und abgeschickt. Kopfschmerz ist kaffeeresistent. Der Handwerker ist verschwunden, bzw. läuft im Hausflur rum. Nix neues an der Rolladenfront. Dafür spielt sein Handy als Klingelton das Star-Wars-Intro. Öfter. Also so ca. alle 10 Minuten. Ich werde den Tag also mit einem Star-Wars-Ohrwurm verbringen. Die Lösung der Spontan-Dematerialisierung des Handwerkers ist eine Belohnungs-Zigarette nach erfolgreicher Tür-Reparatur. Ich bewerfe meine Kopfschmerzen mit Traubenzucker und betrachte die so semi-hübsch beisgespachtelte Tür, das formschön versteckte Klingelkabel und befühle beglückt den nun wieder warmen Heizkörper im Wohnzimmer. Dann besinne ich mich, dass ich ja noch 15 Minuten wertvolle Arbeitszeit hab und arbeite mich durch meine Mails. Unpraktischerweise ist anscheinend gerade im Büro Ausflugszeit, zumindest beantwortet keine/r meine/r Kollegen meine Mails und Chatnachrichten. Ob die auch alle Belohnungszigaretten rauchen? Es ist geradezu gespenstisch ruhig und die Sonne scheint. Ein kurzer Moment des Friedens. Ich durchsuche meinen „WIP“-Hefter (Teufelsding!) nach einem bestimmten Zettel. Dabei finde ich ein Rezept für Weihnachtsplätzchen von meiner Schwiegermutter. Ja gut. Ich wundere mich da jetzt nicht drüber, sondern mache lieber sinnvolle Dinge.

11.45 Das Fluchen hat sich ins Schlafzimmer verschoben. Ich klappe den Rechner zu und teile dem Handwerker mit, dass ich zur Kita fahre. Dieser ist gerade dabei, in hilfloser Geste die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und „Supergau“ und „was soll ich da denn jetzt machen“ vor sich hinzumurmeln. Auf mein: „Sollten Sie vor in einer halben Stunde fertig sein, ziehen Sie einfach die Tür zu“ hin ertönt hilfloses Schnauben. Na gut. Ich fahre lieber mal. Und bin dann sogar überpünktlich an der Kita, wo ich voll gecheckt sowohl das Essensgeld passend dabei habe als auch endlich mit einer anderen Mutter über eine angedachte gemeinsame Babysitting-Lösung für lange Arbeitstage sprechen kann.

12.20 Der Minimensch und ich betreten die Wohnung und der Handwerker betätigt gerade testweise die wieder funktionierende Rollade. Ich enthalte mich jeden Kommentars der Dinge von „Wunderheilung“ oder „not so GAU“ enthält, danke freundlich und wünsche ein schönes Wochenende. Der Handwerker wünscht fröhlich „bis nächste Woche“ – ich schnaube. Der Minimensch und ich essen Pizzareste und erzählen ausführlich und zusammenhanglos vom Tag (also vor allem er, ich sage „Willst du noch essen?“ im Minutentakt).

13:00 Haben wir endlich das essen beendet, die Hände gewaschen, die Hose gewechselt, die Zähne geputzt, das Kind ist umfallmüde. Und zwar genau so lang, bis es in seinem Bett liegt. Dann besteht es darauf, dass ich dort bleibe und beginnt Rollenspiele und Fingerreime mit seinen Kuscheltieren. Ich schaue mir das eine Zeitlang an und verlasse dann – natürlich unter lautstarkem Protest den Raum. Ich will noch etwas arbeiten und nach Möglichkeit zumindest 10 Minuten kurz schlafen. Und während das Kind mir fröhlich durch das Babyfon Lieder vorsingt, mache ich mich an das Korrigieren meines Papers …

Ein Gedanke zu “Freitags mit … Handwerkern (und anderen)

  1. mrs.columbo schreibt:

    ich sag dir, bei deiner erzählung werd ich richtig sentimental! im rückblick ist alles nämlich scheinbar nur halb so schlimm gewesen und rosarot verbrämt … als meine tochter noch klein war.
    ich wünsch dir und deiner familie ein entspanntes wochenende!
    susi

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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