Me made Mittwoch: Das Hochzeitsgastkleid, das den Fluch brach

Ich berichtete vor 3 Wochen von meinem miesen Karma bei Hochzeitsgastkleidern. Es war wie verhext, niemals konnten Kleid, ich und geplante Hochzeit zusammenkommen. Entweder war das Kleid nicht fertig, oder es passte nicht mehr, weil ich zwischen Planung und Hochzeit schwanger wurde oder ich konnte nicht zur Hochzeit (so gesehen bin ich dann doch recht glücklich, dass ich keines meiner beiden Hochzeitskleider selbst genäht hab. Wäre dann doch doof gewesen) – unverdrossen plante ich aber zu jeder nahenden Hochzeit wieder ein Kleid. Und diese Beharrlichkeit hat sich nun ausgezahlt. Am Samstag war ich auf einer Hochzeit im eigens dafür genähten Kleid. Und die Welt ist nicht implodiert oder ähnliches. Zwar musste ich mich ziemlich ranhalten, weil ich ja bekanntlich die letzten 3 Wochen quasi dauerkrank war und wir mussten außerdem noch eine Autobahnvollsperrung umfahren, aber am Ende war alles gut. Und dieses Kleid trug ich:

Und ja. Ich habe das Kleid passend zu den Schuhen genäht, die ich versehentlich bestellt habe, als ich eigentlich knallrote wollte und dann zu schön fand zum zurückschicken.

Es handelt sich um ein pattern-Hack von Elisalex (by hand london), das ich als Papierkopie besitze. Ich hatte Elisalex schon einmal recht erfolglos genäht, damals hatte ich es beim anpassen verschlimmbessert und außerdem einen biestigen Stoff verwandt, so dass es aussortiert wurde – ich wusste aber, dass mir das Oberteil mit kleineren Anpassungen sehr gut passt. Kombiniert habe ich das Oberteil mit einem 3/4-Tellerrock. Tellerröcke berechne ich nach dieser Anleitung/Tabelle. Ich habe das Kleid komplett gedoppelt. Es ist aus Partysatin in bordeauxrot von hier. Und Spitze aus der gleichen Quelle. Den rückwärtigen Reißverschluss habe ich in die Seite verlegt. Ich fand es schon beim ersten Kleid uneinsichtig, warum der hinten sein sollte, wo das Kleid einen so weiten Ausschnitt hat und die schöne Rückenansicht ohne Nutzen gebrochen wird. Dann habe ich das mittlere Rückteil im Bruch (minus Nahtzugabe) zugeschnitten, dabei habe ich das Spitzenteil nach Abgleich mit meinem Grundschnitt bis zu Hals nach oben verlängert, das Satinteil folgt der Originalschnittführung. Die Ärmel sind nur aus Spitze.

Die Verarbeitung war nicht so ganz ohne. Ich habe zunächst die beiden mittleren Vorderteile am Ausschnitt verstürzt und die Nahtzugabe sehr knapp zurückgeschnitten, dann jeweils die Spitzen- und Satinteile des Oberteils gemeinsam mit Zickzackstich versäubert, so dass sie schon passend geheftet waren und die Spitze sich nicht mehr auflösen konnte. Den oberen Rand des rückwärtigen Mittelteils habe ich mit Schrägband eingefasst, den des darunterliegenden Satinteils mit Säumerfüßchen schmal versäubert. Danach habe ich im Oberteil beide Lagen als eine verarbeitet, damit man die Nähte nicht durch die Spitze sieht. Ich musste die Prinzessnähte leicht anpassen, das mittlere Rückenteil war leider etwas weit und die Spitze dehnte sich noch weiter aus, das sitzt nicht so ganz optimal.

Die Röcke sind getrennt gearbeitet und nur an der Taillennaht gemeinsam angenäht. Das Spitzenrockteil und die Ärmel haben französische Nähte. Den Spitzenrock und die Ärmel habe ich mit flachem Zickzack versäubert, das ist nicht so schön, aber eine andere Lösung fiel mir nicht ein. Der Satinrock hat einen Rollsaum mit 6mm-Säumerfüßchen genäht.

Die vorderen Oberteil-Teile habe ich jeweils um 3cm verlängert, das war noch etwas knapp, 4cm wären besser gewesen, im Rücken musste ich 1cm Länge rausnehmen (eine Vorn-hinten-Differenz von 5cm also, das fällt mir in letzter Zeit massiv auf, dass das ständig so ist.) Die Taille sitzt daher etwa 1cm zu hoch, deshalb habe ich dann noch den Gürtel dazu genäht um die Taille optisch an die richtige Stelle zu setzen.

Darunter trage ich einen Petticoat, den hatte ich allerdings Samstag gar nicht an, es schwingt auch ohne sehr schön, weil der Satin ja ganz gut Stand hat auch für sich. Das Kleid trug sich perfekt, insbesondere auch zum Tanzen, nur die Ärmel nervten im Verlaufe des Abends zunehmend, weil sie immer weiter wurden. Aber trennen geht bei der Spitze und den frz. Nähten wohl nicht, ich werde sie daher evtl auf 3/4-Länge kürzen und mit Falzgummi einfassen.

Ich finde das Kleid richtig gut und werde den Schnitt evtl. auch nochmal alltagstauglicher nähen, also aus dezentem Stoff und mit 1/2 statt 3/4-Tellerrock – in der aktuellen La Maison Victor ist ein sehr ähnliches Kleid, falls jemand nicht extra für das Prinzess-Oberteil Elisalex erwerben möchte, das ich eh schon auf dem Plan hatte. Die Rückmeldungen auf der Hochzeit waren auch durchweg positiv, nur der Mann sprach „barock“ und die Schwester „sieht aus wie Game of Thrones“. Na gut.

Muriel zeigt heute auf dem Me Made Mittwoch-Blog auch ein Hochzeitsgastkleid, das sie zurecht sehr toll findet. Ich bin auch total begeistert von dem schönen blauen Punktekleid!

16 Gedanken zu “Me made Mittwoch: Das Hochzeitsgastkleid, das den Fluch brach

  1. Agathe schreibt:

    Es ist wirklich wunderschön und die passenden Schuhe dazu, sowas mag ich auch immer sehr gerne. Und wir wissen alle, wie schwierig es ist, passenden Schuhe zu finden. Du hast die Reihenfolge geändert und dadurch alles sehr gut hinbekommen. LG Agathe

  2. Pepita schreibt:

    Das Kleid ist traumhaft, ich mag es gerne, wenn die Spitze nicht überall mit Stoff unterlegt ist. Kein Wunder, dass du viele Komplimente bekommen hast!
    LG Rita

  3. Christiane schreibt:

    Was für ein wunderschönes Kleid in einer tollen Farbe! Dann können jetzt hoffentlich noch viele Hochzeitsgastkleider genäht werden und zum Einsatz kommen!
    Liebe Grüße
    Christiane

  4. Simone Döring schreibt:

    Schönes Kleid. Das mit den Schuhen finde ich witzig, hätte von mir kommen können (Kleid passend zu den Schuhen nähen). Ich mag diese Doppelkleider mit Spitzenlage. In der Verarbeitung muß ich bei Dir nachher noch einmal spicken, da weiß ich nämlich nie, wie ich sinnvoll die Naht ‚verstecke‘, damit sie nicht unschön durchscheint…

    Ich wünsche Dir noch viele Anlässe für dieses Kleid.

    LG neko

  5. Nina schreibt:

    Mann und Schwester haben KEINE Ahnung! Das Kleid ist wunderschön und sitzt perfekt. Damit gehörtest du mit Sicherheit zu den am besten angezogenen Hochzeitsgästen. LG, Nina

  6. Daniela schreibt:

    Wow, das Kleid ist echt der Wahnsinn. Sehr sehr schön das würde mir auch gefallen, aber als Nähanfängerin trau ich mich an solche Dinge noch gar nicht ran.

    Liebe Grüße

    Dany

  7. lottiekamel schreibt:

    Was für ein wunderwunderschönes Kleid! Hach.

    Ich war schon gespannt, als du auf twitter von deinem Spitzen-Hochzeitsgastkleid erzählt hast (das ist auch so ein Nähnerdwort: Hochzeitsgastkleid). Und ich finde das Ergebnis ist wunderbar, die Farbe ist einzigartig schön und sehr hocheitstauglich, der Stoff und der Schnitt sind ebenfalls ganz toll. Ich fand das Oberteil vom Elisalex-KLeid immer schon schön, das Unterteil weniger….mit einem anderen Rockteil aber sieht das wirklich gut aus. Hoffentlich ein Wiederholungstäterkleid!

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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