Nachhaltig, öko, fair – Was will ich und wie krieg ich es?

Angestoßen durch eine Diskussion bei Twitter zum Film „true costs“, den ich selbst nicht gesehen habe, möchte ich mein gesammeltes Wissen über Deklaration von „guten“ Textilien verbloggen, in der Hoffnung, dass ich damit vielleicht der einen oder anderen helfe, sich in der Frage „Wie konsumiere ich die Textilien, die ich guten Gewissens kaufen kann?“ zu orientieren. Ich habe mir diese Informationen teilweise im Rahmen eines Praktikums angelesen, in dem ich unter anderem mit fairtrade-Zertifizierung befasst war (allerdings für Lebensmittel) und dann einiges noch später, als ich mich mit schadstofffreien Babytextilien auseinandersetzte.

Ich denke, viele meiner Leserinnen* sind grundsätzlich konsumkritisch und nachhaltig eingestellt. Da liegt es nahe, sich Gedanken zu machen, woher unsere Textilien kommen, wer sie herstellt und unter welchen Bedingungen. Dabei haben die meisten vermutlich klar, was sie nicht wollen: Dass eine Firma ihr Geld bekommt, die asiatische Näherinnen in 12-18 Stundenschichten ohne Toiletten- und Esspausen in einsturzgefährdeten Gebäuden gefährliche Materialien verarbeiten lässt. Nun ist dieses Ziel leider gar nicht so einfach zu erreichen. Denn einerseits wird der weit überwiegende Teil der in Deutschland vertriebenen Kleidung in Asien hergestellt. Auch der teure Teil. Markenprodukte unterscheiden sich hier von Billigketten-Ware vor allem im Marketing-Budget und in den Kosten für aufwändige Filialausstattung, geringere Stückzahl, schnellere Kollektionswechsel und sowas. Sehr sicher kann gesagt werden, dass der Preis von Kleidung nur entsetzlich wenig über die Herstellungskosten sagt. (das gilt auch für Lebensmittel und viele andere Produkte, aber bei Kleidung ist es wohl mit am krassesten) Andererseits haben einige große Ketten, allen voran der Textilschwede, durchaus erkannt, dass Nachhaltigkeit ein Verkaufsargument ist und einstürzende und abbrennende Fabriken nicht ganz so gern gesehen werden und haben „nachhaltige“ Teile in ihre Kollektion aufgenommen. Ich persönlich empfinde das als ganz großen Kunden-Beschiss. Ich werde richtig aggressiv davon. Denn: wenn wenige Prozent der Kollektion nachhaltig sind, wie glaubwürdig ist dann, dass die Nachhaltigkeit ein Unternehmensanliegen ist? Für mich nicht sehr glaubwürdig. Wichtiger jedoch: die selbst-zertifizierte Nachhaltigkeit ist ein Feigenblatt. Sie umgeht etablierte Standards durch eigene, variabel gesetzte und interpretierte Ziele. Ich finde aber sehr wichtig, dass wir uns an einige grundsätzliche Dinge halten. Menschenrechte, Arbeiterrechte, Frauenrechte, Kinderrechte, Mitbestimmungsrechte und sowas. Die sind nicht zum Scherz da und auch keine Luxusgüter. Das sind Grundrechte und die gelten für alle universell und überall. Und es gibt Standards, die sind nicht hoch aber sichern zumindest das zu und wenn ein Unternehmen sich nichtmal an diese hält, wieviel ist dann eine Selbstverpflichtung oder Absichtserklärung wert? Doch ich möchte hier gar nicht soviel meine Meinung darstellen, sondern erstmal erklären, welche Standards es gibt, wie man diese überprüfen kann. Dann kann jede selbst entscheiden, worauf sie achten möchte.

Zunächst einmal ganz grundsätzlich: Nachhaltig ist ein vollkommen beliebiger, nicht geschützter Begriff. Nachhaltig hat, so sagt es jedenfalls unser Nachhaltigkeitsrat, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Nachhaltigkeit ist eine sehr hohle Vokabel, die sich jeder zurechtlegt, wie sie passt. Im Bezug auf Textilien umfasst Nachhaltigkeit im besten Fall: Nicht böse zur Umwelt, zur Gesundheit von Menschen und ressourcenschonend. Und schon kann man anfangen Auslegungen zu würfeln. Reden wir nur von der Gesundheit der Leute, die die Kleidung tragen, oder auch derer, die sie produzieren? Reden wir nur von Gesundheitsschädigung durch Tun oder auch durch Unterlassen, usw. H&M legt hier z.B. die Nachhaltigkeit nicht jeweils umfassend aus, sondern alles ist nachhaltig was entweder schadstofffrei, oder recycelt ist. Also ein Produkt aus z.T. recycelter Baumwolle ist „conscious“, selbst wenn es mit übel wasserverschmutzender Farbe gefärbt wurde. Ein ungebleichtes Produkt ist „conscious“ auch wenn es zu einem Hungerlohn hergestellt wurde usw. Es gibt auch tatsächlich kein Label oder Zertifikat, dass Nachhaltigkeit im ganzen zertifiziert. Ganz grob kann man aber im Textilbereich auf vier Labels achten: fairtrade, GOTS, fair wear, ökotex.

  1. Fairtrade/Transfair:

fairtrade ist ein Standard, der sich vor allem auf die Sicherung fairer Produktionsbedingungen im Produktionsland konzentriert. Das fairtrade-Siegel wird von nationalen Organisationen vergeben und richtet sich nach dem gemeinsam im Rahmen einer Dachorganisation, der fairtrade foundation, beschlossenen fairtrade-Standard. Fairtrade ist ein sehr strenges Zertifikat und die Kontrolle ist recht dicht. Der Fairtrade-Standard umfasst ökologische, ökonomische und soziale Kriterien, unter anderem gibt es eine Reihe von verbotenen Substanzen, ein Gentechnikverbot, ein Verbot von Kinderarbeit (das heißt Verbot der Beschäftigung von unter 14-jährigen), einen gesicherten Mindestpreis, die Zusicherung langfristiger Lieferverträge, die Einhaltung von Antidiskriminierungs- und Mitbestimmungsrechten. Damit deckt das fairtrade-Siegel am ehesten alle Aspekte von Nachhaltigkeit ab, es ist aber eben auch ein sehr sehr strenges Siegel, das weit über andere, seichtere Kriterien hinausgeht. Für Firmen wie H&M ist ein fairtrade-Siegel schon allein deshalb völlig unerreichbar, weil fairtrade Unter-Auftragswesen und Zwischenhandel normalerweise nicht toleriert. Es ist ja schon länger bekannt, dass die Firmen sich oft herausreden mit dem Argument „ich weiß nicht, was mein lokaler Subunternehmer da macht“ – das ginge bei fairtrade nicht, es müssen Direktverträge mit Produzenten geschlossen werden. fairtrade beinhaltet auch, dass der Mehrwert im Herstellungsland verbleibt, d.h. das nicht nur Rohstoffe, sondern auch die Weiterverarbeitung im Ursprungsland angesiedelt sind. Das ist aus entwicklungsökonomischer Sicht sehr sinnvoll, schränkt aber die Anwendbarkeit des Siegels ein. fairtrade fordert zwar ökologischen Anbau, es ist aber nicht gleichbedeutend mit bio im Sinne der EG-Ökoverordnung, dennoch sind die allermeisten fairtrade-Produkte auch EG-Öko-zertifiziert. Der Umkehrschluss gilt keineswegs. Wer mal das Kaffeeregal im Biomarkt abschreitet, wird erschreckend wenig fairtrade-Produkte finden, viele Bio-Marken weisen ihre Produkte zwar als „fair“ oder „von Kleinbauern direkt vermarktet“ oder sowas aus – aber leisten sich eben kein fairtrade-Siegel oder können die strengen Standards nicht erfüllen. Die fairtrade-foundation arbeitet mit „Öko-Aufschlag“ und „Fair-Aufschlag“, d.h. Produkte werden z.T. teurer verkauft als notwendig, um Projekte zu subventionieren, die gerade im Aufbau sind. Das fairtrade-Siegel beinhaltet also neben der Zertifizierung auch aktive Entwicklungshilfe, zumindest in manchen Fällen. Deshalb waren fairtrade-Produkte lange Zeit sehr krasse Nischen-Produkte und galten z.T. auch als qualitativ minderwertig. Das ist aber größtenteils Geschichte, heute zeigen zahlreiche Initiativen, dass fairtrade-Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen in ordentlicher Qualität angeboten werden können, Beispiele sind „die gute Schokolade“ oder das enorme Wachstum von fair gehandelten Rosen (beides Bereiche in denen die Arbeitsbedigungen sehr schlecht und die Schadstoffbelastung extrem hoch sind). Die Begriffe „transfair“, „fairtrade“ und „FLO-zertifiziert“ sind übrigens bedeutungsgleich. Das Siegel sieht so aus.

2. GOTS – Global Organic Textile Standard

Das GOTS-Siegel bzw. der GOTS-Standard ist das strengste allgemein anerkannte Textilien-Siegel für Bio-Textilien. Die Kriterien für GOTS legen den Fokus auf ökologische Produktion, es gibt aber auch eine soziale Komponente, die Arbeitsstandards umfasst. Genau wie transfair werden auch bei GOTS alle Teile der Lieferkette zertifiziert und kontrolliert. Die Kontrolle erfolgt, so mein Kenntnisstand, recht streng und engmaschig. Es gibt beim GOTS-Siegel zwei Abstufungen: „bio/ aus kbA-Fasern“ gleichbedeutend mit 100% ökologisch hergestellten Fasern und „aus x% kbA-Fasern“ bei mindestens 70% ökologisch hergestellten Fasern. Eine Zertifizierung ist auch für Unternehmen möglich, die gerade auf Bio-Anbau umstellen, dadurch dass der Prozentsatz angegeben werden kann. Auf der Ökoseite ist der GOTS wirklich das Maximum was geht. Was die Arbeitsbedigungen anbelangt, ist GOTS allerdings nicht unbedingt das nonplusultra. Die geforderten Arbeitsstandards sind den ILO-Standards entlehnt. Das ist natürlich schonmal gut, denn auch wenn sehr viele Länder auf dem Papier die ILO-Regeln in ihre Gesetze übernommen haben, gelten diese im Alltag dann eben oft nicht. Allerdings sind die ILO-Standards eher ein kleinster gemeinsamer Nenner und werden z.T. als zu lasch kritisiert. Die ILO betreibt da eher Realpolitik, das heißt z.B. bei Kinderarbeit setzt sie einen eher niedrigen Standard, der aber realistisch unter Berücksichtigung der Bedingungen vor Ort erreicht werden kann. Und natürlich ist biologische Produktion per se für Arbeiter insb. auf Baumwollplantagen und in Färbereien ein riesiger Gewinn an Arbeitssicherheit, da im Baumwollanbau und in der Textilfarbe ganz besonders fiese Chemikalien eingesetzt werden und die nötige Schutzausstattung meist nicht gestellt und über die Risiken und Schutzmaßnahmen auch nicht aufgeklärt wird. Das GOTS-Siegel ist somit ein recht hoher Standard, mit der Einschränkung, dass die sozialen Kriterien nur das Mindestmaß der ILO-Kompatibilität abdecken. (edit) Der Begriff kbA (kontrolliert biologischer Anbau) kann von GOTS-zertifizierten Herstellern inhaltlich austauschbar mit dem Siegel verwendet werden. D.h. es kann – gerade bei Mischgeweben – vorkommen, dass ein fertiges Kleidungsstück kein GOTS-Siegel trägt, weil natürlich die Polyesterfasern nicht ökologisch sein, dass aber draufsteht „aus x% kbA-Baumwolle“, dann sind nur die vorgelagerten Produktionsstufen GOTS-zertifiziert. (edit Ende)

3. Fair Wear

Wer insbesondere wissen will, ob Kleidung unter vernünftigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, kann sich außerdem am Fair Wear-Zeichen orientieren. Dieses Siegel zertifiziert ausschließlich in Bezug auf die Erfüllung von sozialen Kriterien, geht hier aber über den ILO-Standard hinaus (ein Beispiel: Es wird die Zahlung eines existenzsichernden Lohns gefordert, statt der ILO-Forderung nach Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Das ist leider in vielen Ländern nicht das gleiche). Das Fair-Wear-Zeichen birgt für mich allerdings zwei Probleme: Einerseits habe ich es schlicht bisher nur sehr selten gesehen, es scheint keine weite Verbreitung zu haben. Andererseits können Unternehmen sich bereits mit einer Absichtserklärung zertifizieren lassen, auch wenn sie die Kriterien noch nicht erfüllen. (hier wurde insb. die Aufnahme von Takko in die Brands-Liste kritisiert) Das ist zwar als Brückenbau gemeint und vielleicht funktioniert es sogar, um Unternehmen auf einen guten Weg zu bringen, allerdings macht es die Unterscheidbarkeit schwierig und das Siegel zu unzuverlässig, finde ich. (edit) Das Fair Wear-Zeichen ist aber eben gerade bei Produkten aus Kunstfasern nützlich, und ein Blick auf die Herstellerliste bei der fair wear- foundation zeigt auch, dass sich dort z.B. viele Hersteller von Funktionskleidung finden, die ja per Definition nicht GOTS-zertifiziert sein könnten. (edit Ende)

4. Öko-Tex Standard 100

Das Oeko-Tex Textiles Vertrauen-Siegel ist für mich so etwas wie das Mindest-Siegel. Es zertifiziert, dass die Textilien schadstofffrei sind. Das Oeko-Tex Siegel ist also vor allem eine Qualitätsprüfung und weniger ein Nachhaltigkeits-Siegel, aber natürlich ist ein Textilprodukt, das schadstofffrei ist besser, als eines mit Schadstoffen, auch für diejenigen, die es herstellen. Ich nehme es hier aber nur auf, um bewusst zu sagen: Trotz des „öko“ im Namen, hat das Siegel nichts mit biologischer Herstellung zu tun. Das oekotex und das GOTS-Siegel sind übrigens auch für Stoffhersteller anwendbar und können also auch als Wegweiser auf der Suche nach „guten“ Stoffen dienen.

Wer mehr über die diversen Siegel nachlesen möchte kann das, neben den Seiten der Organisationen, auch auf der Siegel-Übersichtsseite von utopia tun. Für meinen Geschmack etwas reißerisch, aber doch informativ sind die Seiten der Kampagne für saubere Kleidung. Ganz gute Übersichten zu Herstellern, die z.B. faire Jeans produzieren finden sich auch utopia. Jeans sind übrigens, neben Lederprodukten, auch das Produkt an dem sich zeigt, dass der Preis doch irgendwie was sagt. Denn zwar heißt teuer nicht fair, aber eine faire Jeans wird man nicht in richtig billig kriegen. Jeans sind in der Herstellung richtig fies. Sie werden mit fiesen Farbstoffen gefärbt, sie werden dann womöglich gesandstrahlt oder gebleicht. Und sie bestehen aus vielen Teilen und komplexen Nähten, machen also viel Arbeit in der Herstellung. Wenn ein Hersteller das alles nicht macht, muss er einen relativ hohen Preis verlangen. Bei einfachen Shirts oder Flatterröcken gibt es dagegen durchaus GOTS-Produkte, die preislich unter den gängigen Markenherstellern liegen und trotzdem nett geschnitten und aufgemacht sind.

Edit: Und noch ein Hinweis am Rande: Es gibt natürlich auch – wenige – Firmen, die immernoch oder wieder in Europa fertigen. Der Mango/Zara-Konzern und pimkie/orsay fertigen fast ausschließlich in Europa. Das heißt aber natürlich nicht, dass die Stoffe nicht trotzdem unter schlimmen Bedingungen hergestellt werden, es verbleibt dann eben nur ein größerer Teil des geschaffenen Mehrwerts im Verkaufsland – wobei sowieso über 50% des Ertrags aus Bekleidung auf den Einzelhandel und das Filialnetz oder den Online-Vertrieb entfallen. Auch bei in Europa hergestellten Produkten lohnt es sich auf Siegel zu achten – denn die Produktionsbedingungen, bspw. in Rumänien sind auch alles andere als rosig. Grundsätzlich ist die Textilindustrie aber für Länder wie Bangladesh und die Türkei sehr wichtig und es spricht nichts dagegen, Textilien von dort zu kaufen – wenn sie unter vernünftigen Bedingungen produziert wurden. Wenn also die Konsumentinnen deutlich nach nachhaltigen Produkten verlangen, könnten die Herstellungsländer durchaus davon profitieren – wenn denn die nachhaltigen Produkte auch tatsächlich nachhaltig sind. Und zwar nicht nur im Bezug auf Ressourcen und unsere Gesundheit, sondern auch im Hinblick auf die Gesundheit und ein lebenswertes Leben in den Produzentenländern.

*generisches Femininum, Männer mitgemeint, ihr kennt das ja schon, oder?

10 Gedanken zu “Nachhaltig, öko, fair – Was will ich und wie krieg ich es?

  1. Suschna schreibt:

    Vor Kurzem hatte ich gelesen, dass „made in (irgendein europäisches Land)“ auch bedeuten kann, dass lediglich das Etikett in Europa eingenäht wurde. Weißt du da noch etwas dazu? Seitdem vertraue ich bei Zara etc gar nicht mehr auf das Herkunftslabel. Online ist das auch immer schwer herauszufinden.
    Danke für die Zusammenfassung!

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Ja. Nicht ganz das Etikett, aber es muss nur ein Produktionsschritt sein, der in der EU stattfand, das ist dann oft nur Label annähen und bspw. Nieten, Knöpfe oder sowas.
      Bei Zara weiß ich nur, dass das immer gesagt wird. Über pimkie/orsay habe ich mal eine längere Reportage gesehen, die produzieren wohl wirklich in Nordfrankreich und nutzen dass sie dadurch on-demand fertigen können und sich große Überschussproduktion und Lagerhaltung sparen. Allerdings gab es in Frankreich gegen die Arbeitsbedingungen dort Streiks, wegen Honorar- und Kurzzeitverträgen.

  2. stella schreibt:

    Bei uns werden Äpfel aus Balkanländer umverpackt, und dann steht drauf :
    Echte deutsche Bodenseeäpfel.
    Das ist alles echt ganz schwierig und braucht viel Hintergrund und Zusammenhangswissen vom Endverbraucher. Das ist vielen zu anstrengend.
    Danke für deinen Bericht!
    Liebe Grüsse
    Stella

  3. blaupause7 schreibt:

    Vielen Dank für die ausführliche Erklärung, was die einzelnen Siegel bedeuten. Nur eine Kleinigkeit im Textblock zu fairtrade: „Sanktionieren“ bedeutet „gutheißen“, also das genaue Gegenteil von „mit Sanktionen belegen“ (ich kann mir nicht vorstellen, dass fairtrade Unter-Auftragswesen und Zwischenhandel gutheißt).

    Was das „made in xxx“ angeht: So bedeutet gerade „Made in Italy“, dass die Produkte zwar tatsächlich in Italien hergestellt werden, aber nicht, dass sie von italienischen Firmen hergestellt wurden. Bestes Beispiel: Die Stadt Prato, in der die Kleidung vorwiegend von chinesischen Firmen hergestellt wird. Die Menschen dort arbeiten unter denselben Bedingungen wie in China, werden lediglich nur besser bezahlt als in China.

    Was die „fairtrade“-Rosen angeht, so kann man sich auch die Mühe machen (wenn man in der Nähe wohnt und das entsprechende Kleingeld hat), auch direkt bei Rosenzüchtern in der Umgebung (z.B. Steinfurt bei Bad Nauheim) einzukaufen – haben wir gemacht; allerdings sind das keine Schnittblumen, sondern Pflanzen, die im Garten in der Erde eingesetzt wurden.

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Schnittrosen kommen ja heute fast nur noch aus Kenia, ebenso Nelken, und dort gab es Fälle von de facto-Sklavenarbeit auf den Plantagen. Das ist in den fairtrade-Projekten nicht so, die haben oft sogar Bildungsprogramme und Gesundheitsinfrastruktur und die Rosen sind dennoch nicht sehr viel teurer als normale

  4. Frau Lotterfix schreibt:

    Hallo, vielen Dank für die Zusammenfassung und die weiterführenden Links! Utopia.de kannte ich noch nicht, ist aber wirklich sehr interessant.

    Deine Kritik in Bezug auf die Aufnahmekriterien bei Fair Wear teile ich allerdings nicht: die Webseite gibt ja sehr ausführlich Informationen dazu, wie weit die jeweiligen Firmen sind, außerdem steigen mit den Jahren der Mitgliedschaft auch die Ansprüche an die Mitgliedschaft (gemäß dem Brückenbau-Ansatz) und Mitglieder werden auch suspendiert bzw. rausgeworfen, wenn sie die Kriterien nicht erfüllen – insofern finde ich das Konzept sehr gut. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich im Internet über die Firmenstandards informiere und mich somit nicht an Labels im Geschäft orientiere, auf dem Label an sich stehen die Zusatzinformationen natürlich nicht drauf.

    Viele Grüße,
    Frau Lotterfix

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Ja, das stimmt, auf den Seiten von fair wear selbst ist das schon einsichtig. Ich bezog mich tatsächlich auf die Beurteilung im Geschäft oder Online-Shop. Da sieht man ja nur das Label oder eben „Mitglied bei fair wear“ ohne zu wissen, dass das noch nicht zwangsläufig Kriterien-Konformität bedeutet. zu kritisch ausgedrückt von mir.

Danke für deinen Kommentar! Ich freue mich sehr darüber!

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