Me made Mittwoch: Übergangsalltagskleidung

Heute morgen konnte ich in aller Ruhe vor dem Kleiderschrank stehen und mein Outfit aussuchen, weil Mann und Kind verreist sind – leider hat das nicht zu einem besonders ausgefallenen Outfit geführt. Denn, das muss ich mir leider eingestehen, ich habe ca. 5 tragbare Outfits für dieses Wetter. Mindestens 3 davon bestehen aus einem Tellerrock und einem Shirt. So weit so langweilig. Heute also der Blaurock:

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Katarina überlegte diese Woche zu Stilgedanken und der Alltagstauglichkeit ihrer Kleidung. Bereits im Frühjahr dachte z.B. Luzie über Übergangskleidung nach, Lucy sinnierte darüber schon 2014. Alles auch Sachen an denen ich immer wieder grübele. De facto besteht mein Kleiderschrank gut zur Hälfte aus heißgeliebten Nischenprodukten. Also flattriges Sommerkleidern, die nur an ganz heißen Tagen ohne formale Anforderungen getragen werden können, wundervollen Wollkleidern, die zu warm sind für alles außer Polarexpeditionen und Röcken und Kleidern, die zwar schön und aus schönen Stoffen, aber unpraktisch sind, weil sie empfindlich, hell oder eng sind. Der Kleiderbedarf hingegen bewegt sich sehr stark in Richtung meines heutigen Outfits:

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De facto ist etwa 8 Monate des Jahres, mindestens, eher 9-10, sogenannte „Übergangszeit“, oder wie ich es nenne Frübst. Also genau dieses fast-kalte latent zugige eher graue und feuchte Wetter wie heute. Schon lang nicht mehr Sommerkleidung und noch lang nicht dicke Wollkleidung, sondern eben die Zeit des Zwiebellooks, der Strickjacken, Halbstiefel und Mischgewebekleidung. Wo man sich der Tendenz nach mehrmals täglich falsch angezogen fühlt. Eine Zeit, die man bei der Kleidungsplanung gern übersieht. Weil sie nicht schön ist. Sie ist nicht flattrig-leicht wie der Sommer, nicht kuschlig-kariert wie der Winter. Sie besteht aus zusammengestückelten Garderobenfragmenten, die wir vernünftig aber selten ganz herzig-toll finden. Stattdessen denken wir ab März nur noch an den Sommer und ab September an den Winter. Zumindest mich frustriert das dann beim Anblick des Kleiderschrankes etwas. Ich habe gerade 10 Sommerkleider und 10 Sommerröcke eingemottet und es warten ebensoviele Winterkleider, die aber eigentlich selbst im Winter oft zu dick sind. Und dazwischen stehen nur einige Röcke und zunehmend löchrig-dünne Shirts und ungeliebte Feinstrickpullis. Dabei ist es die Übergangs- oder eigentlich Jahreshauptbekleidung, die die Hauptrolle in der Kleidungsrealität spielen sollte. Und auch könnte, wenn man sie nicht so stiefkindlich behandeln würde. Denn nichts ist schlecht an Outfits wie meinem heutigen. Es gefällt mir eigentlich, es ist ein echtes Arbeits-Allround-Belastungs-Tier und treu, sehr treu.

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Der Rock ist mittlerweile zwei Jahre alt, aber aus einem wirklich absolut perfekten Stoff, eine robuste Viskose-Poly-Wollmischung in Leinenoptik (von Alfatex), der etwas wärmt, etwas Stand hat, problemlos waschbar ist und sich auch nach 2 Jahren in very heavy rotation nicht abnutzt. Zudem hoch kombinationsfreudig weil uni und in einer Farbe zu der gut die Hälfte meiner Shirts passt. Die Rock-Oberteil-Strickjacke-Kombi hat außerdem den Riesenvorteil, dass man bei Kontamination durch Kinderhände, Sandkasten oder ÖPNV einzelne Teile der Garderobe austauschen kann und sich nicht komplett umziehen muss. Und auch wenn ich andere Rockformen wie seichte A-Linie, Tulpenform und auch Bleistiftröcke mag, auch an mir, so greife ich dann doch oft zum Tellerrock. Weit genug um jede Bewegung mitzumachen, hat Taschen, trägt sich gut zu Shirt und Strickjacke aber auch zum Blazer, man kann noch 1-2 wärmende Unterröcke drunterstecken, alle Kinder lieben Drehröcke und im Notfall taugt er auch als Picknickdecke. Klar ist so ein Outfit ein Kompromiss, natürlich nähe und trage ich von Herzen gern Kleider. Aber ich habe eben auch nicht den Nerv mich 2-3 Mal am Tag umzuziehen, ein Bürooutfit, ein Draußenoutfit, ein Zuhauseoutfit… das ist mir zu viel Aufwand und zu viel Wäsche obendrein. Und auch wenn ich z.B. heute problemlos ein empfindliches Etuikleid hätte anziehen können – es ist eben gut einfach zu einem bewährten Teil zu greifen und keine Eventualitäten bedenken zu müssen.

Das Shirt ist von meinem letztjährigen Weihnachtsoutfit, genäht nach dem Schnitt Plantain von Deer & Doe, der sich für mich bewährt hat, aus Baumwolljersey und leider schon etwas verblasst und fadenscheinig. Auch dank heavy rotation. Es ist allerhöchste Zeit mal eine kleine Shirts-Serie zu fabrizieren. Und wohl auch noch 2-3 Röcke. Denn als dieser Rock wegen kaputten Reißverschlusses längere Zeit in der Flick-Kiste lag (immerhin hat er dadurch jetzt endlich einen passenden Bund) vermisste ich ihn doch recht schmerzlich.

Ich verlinke diese Gedanken und mein Outfit heute beim MMM wo Lucy auch ein altbewährtes Stück Übergangsgarderobe zeigt.

Rock: Knipmode 11/2012, hier zuerst gezeigt, Stoff: alfatex, Gr. 38, Bund von Simplicity 2451

Oberteil: Deer & Doe Plantain, hier zuerst gezeigt, gekürzt und verschmälert in 36, Stoff: Baumwolljersey von stoffkontor.eu

8 Gedanken zu “Me made Mittwoch: Übergangsalltagskleidung

  1. Lucy schreibt:

    Wenn ich deinen Text so lese: Wir haben also in erster Linie ein Wahrnehmungsproblem, das durch die irreführende Bezeichnung „Übergang“ verstärkt wird. „Übergang“ erweckt den Eindruck, es gehe nur um eine kurze, vorübergehende Phase zwischen zwei stabilen, länger andauernden Zuständen, dabei ist dieser „Übergang“ eigentlich genau das, was wir – sehr stabil – die meiste Zeit haben. Ja das trifft zu! Ein Motto für die nächste Zeit könnte also lauten: Nähen für den Übergang, sowohl temperaturmäßig, aber auch für den Alltag mit seinem ständigen Ineinander-Übergehen verschiedener Rollen und Anforderungen.

      • katarina schreibt:

        Ihr trefft beide etwas Wichtiges: Übergang im Wetter und der Rollenübergang. Während wir (also ich spreche vor allem für mich, beobachte das aber gerade in mehreren Blogs) uns in den letzten Jahren näherisch eher im Regionen bewegten, in denen wir eigene Rollen besetzten und neu definierten – mit dem MMM der für mich wichtiger Teil davon war – uns ausgetobt haben an Kleiderschnitten und neuen Formen ist jetzt vielleicht der Alltag gekommen? Der, in dem alles unter einen Hut muss und eben weder Zeit noch Muße da sind, sich täglich drei Mal umzuziehen. Und der trotzdem Platz lässt, im Kleiderschrank und im Leben für die Flattersommerkleider und die dicken Wintersachen.

        So weit so theoretisch. Du siehst fantastisch aus und beim Shirt nähen bin ich dabei – habe heute gerade alle Still- und Schwangerschaftsshirts rausgeschmissen und nun herrscht ziemlich puristische Leere im Schrank.

  2. Frau Lotterfix schreibt:

    Sieht trotzdem gut aus! Und davon abgesehen bin ich ja ohnehin eine Vertreterin des „Kopfnähens“. Und es ist auch viel nachhaltiger, wenn die Kleidung oft getragen wird!

    Liebe Grüße,
    Frau Lotterfix

  3. cutiecakeswelt schreibt:

    Schöner Rock, schönes Outfit.
    Ich schleiche ja immer noch um die weiten Röcke herum. Aber ich sollte mich wohl endlich mal durchringen. Schließlich hast du Recht. Bis auf die paar Wochen im Sommer kann man alles als Frühling/Herbst bezeichnen. Oft ein Einheitsgrau-Matsch.
    LG Dana

  4. luzie schreibt:

    Sehr gut auf den Punkt gebracht!
    Was bei mir auch noch erschwerend hinzukommt: im Büro ist es meistens total warm, da meine männlichen Kollegen alle total verfroren sind (verkehrte Welt!). Auf dem Weg zur Arbeit mit dem ÖNV stehe ich oft in der Kälte und muss warten; Zwiebellook ist angesagt.
    Nachdem ich im Frühjahr beschlossen habe, tatsächlich nur noch das zu nähen, was ich auch wirklich anziehe, geht es mir besser. Im Vergleich dazu, was man so im Internet sieht, gehöre ich zwar eher zu langweiligen Fraktion, da ich nicht soviele Kleiderschnitte nähe und sowieso weniger, aber möglichst gezielter nähe, da mir ein übervoller Kleiderschrank ein Graus ist. Aber für mich ist das so stimmiger.
    Dein Übergangs-Outfit gefällt mir sehr gut. Du siehst gut angezogen aus und Deine Kleidung passt zu Deinem Leben mit Beruf und kleinem Kind. Basics zu nähen, kommt einem oft so langweilig vor, aber letzlich sind das oft die Sachen, die wir spontan und ständig aus dem Schrank holen. Und die schönen Kleider nähen wir uns einfach trotzdem z.B. als Weihnachtskleid oder weil wir einfach mal Lust drauf haben.

    LG Luzie

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