Nähbloggerinnentreffen Köln 2015 – Ankommen und aufgenommen sein

Über das wundervolle Treffen am letzten Wochenende in Köln haben schon einige berichtet und ja, ich habe es genauso schön empfunden, wie bei vielen schon beschrieben. Nähnerdflausch eben. Gleichzeitig sah ich mich zufällig mehrfach in der letzten Woche, in der Situation zu erklären, was genau denn den Reiz eines solchen Treffens ausmacht, ganz ohne nähen, ob da denn das gemeinsame Hobby als Bindeglied reicht. Das hat mich ein wenig die Gedanken weiter spinnen lassen. Was ist denn eigentlich nähnerdflausch für mich? Warum gehe ich inzwischen wenig nervös sondern hauptsächlich sehr vorfreudig zu Treffen mit doch auch immer wieder sehr viel Fremden? Wie entsteht diese besondere, wundervolle Stimmung, die solche Treffen ausmacht?

Tatsächlich denke ich, das große Faszinosum ist genau, dass es über das gemeinsame Hobby hinaus geht. Es ist eben nicht nur ein Treffen zum Fachsimpeln, auch wenn natürlich auch  viel gefachsimpelt wird. Es gibt auf Treffen der Nähbloggerinnenszene, die rund um den Me Made Mittwoch entstanden ist, für mich eigentlich immer eine große Zahl von Frauen mit denen ich jeweils über Stunden plaudern könnte, und dabei geht es eigentlich nicht vorrangig oder schnell nicht mehr um Fachsimpeln. Mit vielen eint mich mehr als das Nähen an sich. Wir schwingen einfach auf einer Wellenlänge, also natürlich selten alle 50 aber eben doch ein nennenswerter Anteil. Es besteht eben ein Grundverständnis der anderen Person, nicht nur deren Tun. Woran liegt das?

Ich denke, das hat zwei Komponenten: Zunächst ist diese Community geprägt von großer Wertschätzung. Es ist einfach leicht, sich wohl zu fühlen, wenn einer offen und interessiert, wohlwollend begegnet wird. Das zeigt sich in vielfach sehr wertvollen und wertschätzenden Kommentaren, in Aktionen wie dem Stoffwechsel oder in großer Hilfsbereitschaft zb. bei Sewalongs. Diese virtuelle Wertschätzung überträgt sich praktisch 1:1 auch in das reale Kennenlernen. Schnell ist auch da eine hilfreiche Beratung zum Stoffkauf zur Stelle, wird schon nach wenigen Sätzen das Ausleihen eines Schnittmusters angeboten, Stoffproben gezeigt oder Kleidungsstücke zur Anprobe herumgereicht. Oder eben auch, wie jetzt in Köln, einfach mal bisher „Fremden“ eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten, so dass Bloggerinnen-WGs auf Zeit entstehen, rund um diese Treffen.

Der andere Aspekt ist, dass viele, die zum festen Kern des Me made Mittwoch zählen und auch regelmäßig und gern zu Treffen kommen, Kleidung nähen nicht nur als ein kreatives Hobby wie, z.B. Töpfern, sondern eher als einen Akt der Selbstermächtigung sehen. Es geht vielen von uns eben nicht nur um das kreative Tun, sondern darum, dass wir in unserer Kleidung sein dürfen wie wir sein wollen. Und damit ist die Wahrscheinlichkeit, auf einer Wellenlänge zu liegen, gleich viel größer. Denn wäre das einzig bindende Element das nähen, dann wäre es wohl wirklich eher eine Fachtagung. So sieht man jedoch direkt: es geht hier um Selbstverständnis und Weigerung, sich durch Mode und Normierung beschränken zu lassen. Und der Wunsch, sich nicht von Normen festlegen zu lassen zeugt dann eben auch von einem anderen Selbstbewusstsein, einem anderen Selbstverständnis, einem, das wir – immer natürlich nur ausschnittweise – teilen. Das manifestiert sich recht schön in dem viel-zitierten Bild der „50 gut gekleideten Frauen auf einem Haufen“: denn tatsächlich fällt das sofort auf, wie ausgesprochen adrett so eine Bloggerinnengruppe daher kommt. Natürlich entspricht dabei nie die Kleidung aller 50 meinem Geschmack oder gefällt mir persönlich, aber jede einzelne wirkt mit ihrer Garderobe gut gekleidet und im Reinen. Nicht verkleidet oder ausstaffiert, sondern eben stimmig. Und so ergibt sich eben mit vielen schnell ein Anknüpfungspunkt, der dann den Gesprächsfaden hierhin und dorthin gleiten lässt, mal mehr mal weniger fachlich.
Hieraus haben sich für mich persönliche Bindungen entwickelt und ich gehe natürlich auch zu Treffen, um sehr geschätzte Mitbloggerinnen wiederzusehen, mit denen ich immer und jederzeit Abende verquatschen würde. Es haben sich, nicht nur für mich, aus dieser virtuellen Wertschätzung, Freundschaften entwickelt, die auch bei solchen Treffen gehegt und gepflegt werden. Aber es freut mich eben auch, dass ich immer auch neue, mir bisher nur virtuell bekannte, persönlich kennenlernen darf, die mich bereichern.

Schön, dass es diese Gelegenheiten gibt, die virtuelle Herzlichkeit unserer kuscheligen Ecke des Internets auch in die „echte Welt“ mitzunehmen. Danke, liebe Frau Dreikah, Frau Alle Wünsche, Frau Machen statt Kaufen, Bele, Frau Overluck, Marja Katz, Luzie und Frl. Ideal, dass ihr uns das in Köln aufs wunderbarste ermöglicht habt!

3 Gedanken zu “Nähbloggerinnentreffen Köln 2015 – Ankommen und aufgenommen sein

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